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Ehrenamt

Die Menschen und das Leben in Malawi

Von Katrin Klug, im März 2010.

Einige Wochen sind bereits seit meinem ersten Bericht - der ersten Momentaufnahme aus Malawi - vergangen. Was hat sich in der Zwischenzeit getan? Hier ein „update" meinerseits aus dem zur Zeit regnerischen Blantyre - es liegen noch zwei bis drei Wochen Regenzeit vor uns.

Mittlerweile bin ich in drei der 18 Center für besonders hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche von BSHDC tätig. Im Center "Chimwemwe" (das bedeutet „Freude" in der Landessprache Chichewa) betreuen zwei malawische Kolleginnen und ich 20 bis 25 Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren. Die Kleinen kommen aus der Nachbarschaft, sprich aus dem umliegenden städtischen Vorort zu uns und stammen aus äußerst armen Verhältnissen. Darunter befinden sich auch Waisenkinder, die von Verwandten, Großeltern oder älteren Geschwistern großgezogen werden.

Im Center spielen wir gemeinsam einfache Spiele und singen Lieder in Chichewa und Englisch, wobei sich die Kinder allem Anschein nach um einiges leichter mit dem Englischlernen als ich mit Chichewa tun. Wir bringen den Kindern spielerisch die Farben, das Zählen und die Buchstaben zweisprachig bei, da diese Vormittagsbetreuung für die Älteren auch eine Art Vorschule darstellt.

Anfangs waren die Kleinen, was mich betraf, noch etwas schüchtern. Ich war ihnen wohl nicht ganz „geheuer", da sie nur sehr selten, wenn überhaupt mit "mzungus" ("Weißen") Kontakt haben. Mittlerweile bin ich ihnen vertraut, sie fragen mich nach gelernten Liedern und Spielen, die Berührungsängste sind verschwunden und manchmal ist es jetzt notwendig, Grenzen zu setzen, wenn es mal allzu übermütig zugeht. Sie lernen und spielen sehr gern und sind sehr fröhlich und aktiv.

Um 10h gibt es Mais- und Sojabrei mit Zucker. Diese Mahlzeit ist neben unserem Spiel- und Lernangebot für viele Eltern bzw. betreuende Angehörige eine große Motivation, um die Kleinen in unser Center zu bringen. Es entlastet die Familien, wenn ein Esser, wenn auch ein kleiner, zumindest mittags versorgt und satt wird.

Das Center selbst ist ein sehr einfach strukturiertes Gebäude, das den Menschen auch als Ortskirche dient.

"Chimwemwe" gehört zu jenen Einrichtungen von BSHDC, welche "community-based" geführt werden. Das bedeutet, dass die Gemeinde, in der das Center betrieben wird, die Örtlichkeit selbst zur Verfügung stellt. BSHDC unterstützt sie im Gegenzug bei der Beschaffung der täglichen Mahlzeit der Kinder bzw. bei der Anlegung eines Maisfeldes und/oder eines Gartens. Auch das notwendige Düngemittel kann der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden.

Weiters bietet BSHDC den KinderbetreuerInnen diverse Schulungen im Bereich der Kind- und Kleinkindbetreuung.

Das Ziel des gemeindebasierenden Ansatzes von BSHDC besteht darin, sich in ein bis zwei Jahren als Hauptbetreiber zurück zu ziehen, da es der Gemeinde bis dahin möglich sein wird, sich selbst zu organisieren und finanzieren.

Diesbezüglich wurden bereits in jedem der 18 Centers Komitees eingerichtet, welche sich mit verschiedenen Schwerpunkten beschäftigen. So wird in Zukunft das Elternkomitee die Mittagsmahlzeit ihrer Kinder mit Hilfe der Gemeinde organisieren.

Weiters gibt es auch ein Heimpflege-Komitee, welches sich für die Betreuung kranker Nachbarn und Gemeindebewohner zuständig sieht. In Zusammenarbeit mit Krankenhäusern können den Kranken Medikamente, Verbände und andere Hilfs- wie auch Lebensmittel unentgeltlich nach Hause gebracht werden. Auch der persönliche Kontakt und das Angebot eines Gesprächs stellt dabei für die Mitglieder des Heimpflege-Komitees einen wesentlichen Teil der Hausbesuche dar.

So ist das Center "Chimwemwe", wie auch alle anderen, einerseits eine Kinderbetreuungseinrichtung, wie auch Ausgangsort für zahlreiche Hilfsaktivitäten, die von BSHDC initiiert werden. Zukünftig werden diese aber von den Gemeinde- und Komiteemitgliedern selbst weitergeführt.

BSHDC wird es dann wiederum möglich sein, weitere Center in anderen umliegenden, hilfsbedürftigen Vororten Blantyres zu etablieren.

Ein weiteres Angebot der 18 Center ist der sogenannte "kids corner". Dabei handelt es sich um ein Nachmittagsangebot, das sich an 6-18jährige Jugendliche richtet. Ich gehe wöchentlich zu "Chifundo 2" sowie "Chifundo 3" (bedeutet Gnade), um mit den Jugendlichen verschiedene Geschicklichkeits - und Gruppenspiele zu spielen.

Dieses Nachmittagsangebot soll den Kindern als Treffpunkt dienen, um sich auszutauschen wie auch Rat bei ehrenamtlichen Mitarbeitern zu suchen oder einfach, um Spass zu haben und um Kind zu sein - ganz ohne Sorgen und den oftmals alters-inadäquaten Verpflichtungen zu Hause.

Mit welcher Freude diese Jugendlichen beim Spiel dabei sind! Und wie schön es ist, wie sie sich über einen Sieg oder anerkennende Worte freuen und wie sie mehr und mehr aus sich "herauskommen"!

Es sind zukünftig auch Diskussionsrunden und Aufklärungsgespräche zum Thema HIV und Aids mit den älteren Kids-Corner-TeilnehmerInnen geplant.
Letzte Woche war ich diejenige, die etwas von den Jugendlichen im „kids-corner" lernen konnte. Sie zeigten mir, wie man in den Lehmboden Löcher so hineingräbt, dass ein kleiner Herd entsteht, auf dem man Mais anbraten kann. Ich war über die Kreativität der Kinder erstaunt und sie freuten sich über mein Interesse.

Momente wie diese "belohnen" mich immens für meine Tätigkeit vor Ort - Malawi, dessen Menschen und das Leben hier stellt eine grosse Bereicherung für mich dar.


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