Besuche vor Ort

„Good Morning Madame" - meine Reise zu Poonam in Indien

Iris Planckh, Patin der Kindernothilfe Österreich  
 
52414_205x158_982x757_0x110Iris Planckh mit ihrem Patenkind Poonam
Foto: privat
September 2007. Ich sitze im Taxi und fahre durch Delhi. Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Heute werde ich unser langjähriges Patenkind Poonam zum ersten Mal besuchen. Ihre Briefe waren immer so voller Dankbarkeit und großem Interesse an unserem Leben. Wie wird es sein? Von Iris Planckh, Kindernothilfe-Patin

Poonam war 12, als wir die Patenschaft für sie übernommen haben. Mittlerweile ist sie 19 - gerne möchten mein Mann und ich Poonam solange begleiten, bis sie ein eigenständiges, unabhängiges Leben führen kann. Bald wird es soweit sein.

Und nun bin ich auf dem Weg zu ihr. Meine Ungeduld steigt. Endlich stehe ich im Hof der „Baptist and Bhawan", einer Tagesheimstätte für Mädchen. Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Leiterin, Mrs. Grace Dayal, stellt sie mir Poonam vor. Wir blicken uns kurz in die Augen und schon sprudeln die Worte aus dem Mädchen: Poonam erzählt mir von sich und ihrer Ausbildung. Mein 6-jähriger Sohn hat für sie einen Kalender mit Fotos von uns und unserer Stadt gebastelt. Darüber freut sie sich ganz besonders.

125 Mädchen im Alter von vier bis zum Schulabschluss leben in der Tagesheimstätte. Beim Betreten der Klassenzimmer werden wir mit einem freundlichen „Goood Morning Madame" begrüßt. Poonam zeigt mir alles: den Raum, wo gebastelt wird, die Schlafräume für jeweils 15 Mädchen, die Küche und die Kapelle, die gerade renoviert wird.

Nach dem Essen beginnen die Kinder mit ihren Vorführungen für mich. In verschiedenen Altersgruppen singen und tanzen die Mädchen. Dabei übernehmen die älteren Schülerinnen schon die Leitung für die Jüngsten. Dann beginnen sie so genannte Wettbewerbe. Mehrere Mädchengruppen fertigen Rangoli (Rangoli = ein Willkommenszeichen, das mit gefärbten Reismehl am Boden „gelegt" wird), die anderen machen Mendhis (Hennabemalung meist an den Händen). Und jetzt bin ich an der Reihe - ich soll die jeweils drei schönsten Rangoli und Mendhis für mich aussuchen. Eines ist schöner als das andere und ich möchte niemanden benachteiligen. Es hilft nichts, schlussendlich muss ich mich doch entscheiden. Zu meiner Überraschung bemerke ich, dass niemand enttäuscht ist. Die Mädchen dürften an diese „Bewerbe" gewöhnt sein, denn alle freuen sich für die anderen und es gibt keine traurigen Gesichter.

Poonam zeigt mir eines ihrer Liederhefte, aus denen sie gerne mit ihren Freundinnen singt, und da ich einige Lieder daraus kenne, singen wir gemeinsam. Das macht uns besondere Freude.

Der Tag ist wie im Flug vergangen. Nun heißt es Abschied nehmen, mein Taxi wartet schon. Ich verabschiede mich von Poonam und verspreche im nächsten Herbst wieder zu kommen. Tief im Herzen weiß ich, dass ich mein Versprechen halten werde. In den wenigen Stunden ist mir Poonam ein großes Stück näher ans Herz gewachsen.



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