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Prominente Paten

Ich kann mich nicht freuen, dass andere weniger haben als ich

Der Kabarettist Dirk Stermann im Gespräch mit Kindernothilfe-Mitarbeiterin Isabelle Mennig

Dirk Stermann, österreichischer Kabarettist und Pate der KNH ÖDirk Stermann, Foto: Kindernothilfe/Mennig

Prominente Paten übernehmen Patenschaften, spenden für bestimmte Projekte und machen im Fernsehen, in Publikationen und bei Veranstaltungen auf die Situation von Kindern in Not aufmerksam. Wie auch Dirk Stermann, Kabarettist und Moderator von „Willkommen Österreich". Seit eineinhalb Jahren verhilft er als Kindernothilfe-Pate der 17-jährigen Nakuleswary aus Sri Lanka zu einer besseren Zukunft. In der neuen Werbekampagne der Kindernothilfe Österreich zeigt er seine Wandlungsfähigkeit als Arzt, Koch und Lehrer. Dirk Stermann über sein soziales Engagement, das Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka und die Wichtigkeit von Bildung.

Dirk Stermann, als Satiriker nimmst du gerne Politiker und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf den Arm, als Pate der Kindernothilfe kümmerst du dich um die Anliegen von Kindern in Not. Wie lassen sich diese beiden Bereiche vereinen?

Ich trenn die beiden Bereiche ziemlich stark. Ich bin ja auch Vater einer Tochter und von ihr möchte ich nicht als Kabarettist wahrgenommen werden, sondern als Vater. Aber ich kann die Rollen ganz gut trennen, glaube ich. So gesehen kann ich auch Kinder „auf den Arm nehmen".

Was waren die Gründe, weshalb du dich für die Kindernothilfe engagieren wolltest?

Das Gute ist, dass man sich leicht informieren kann. Die Projekte sind eindeutig und nachvollziehbar. Dazu kam, dass wir nach dem Tsunami in Sri Lanka vor Ort waren. Und unser Patenkind kommt eben auch aus Sri Lanka. Insofern hat das alles gepasst. Noch dazu ist es gleich alt wie meine Tochter Hannah. Für mich war es so eindeutig richtig und gut.

Als bekannte und prominente Persönlichkeit hast du auch eine gewisse Vorbildrolle - hat das bei deiner Entscheidung, Pate zu werden, auch mitgespielt?

Bevor ich die Patenschaft übernommen habe, hatte ich das Gefühl, dass es Zeit ist, was zu tun. Über Josef Hader bin ich dann zur Kindernothilfe gekommen. Er hat euch damals unterstützt und ich habe die Plakate mit ihm gesehen und mit ihm gesprochen. Wenn ich auch so eine Vorbildrolle übernehmen könnte, fände ich das gut. Quasi eine Art Schneeballsystem zu schaffen: der eine macht's, der andere sieht's und dann macht der eine es dem anderen nach.

Ist das soziale Engagement eine logische Konsequenz aus deiner beruflichen Tätigkeit, bei der du gesellschaftliche und politische Missstände auf die Schippe nimmst?

Nicht zwangsläufig. Aber wenn ich alles immer nur satirisch sehen würde, dann könnte ich ja nicht mehr teilnehmen am Leben. Es wäre furchtbar, immer so distanziert zu sein bei allem. Es muss Bereiche und Nischen geben, die dich auch berühren. Was dich berührt, mit dem wirst du auch nicht zynisch, sondern ganz normal umgehen. Man muss andere an seinem eigenen Glück teilhaben lassen. Ich gehöre eher zu denen, die sich nicht daran freuen, wenn andere viel weniger haben als man selbst.

Dein Patenkind kommt aus Sri Lanka, das in letzter Zeit aufgrund des Endes des jahrzehntelangen Bürgerkriegs vermehrt in den Schlagzeilen war. Hunderttausende Menschen waren auf der Flucht, es gab viele zivile Opfer. Welche Emotionen hat das bei dir ausgelöst?

Wenn man nicht völlig erkaltet ist, lösen solche Ereignisse immer Emotionen aus. Zivilisten sind ja immer diejenigen, die zwischen Mächte, die sich bekämpfen, hineingeraten. Der Zivilist selber ist ja nicht Teil des Konflikts. Wenn man dann auch noch ein Gesicht zu einem Schicksal hat - ich weiß ja, wie mein Patenkind ausschaut, dann ist das natürlich noch beklemmender. Noch dazu handelt es sich um ein Mädchen, das Tamilin ist, also mitten in dem Konflikt lebt.

In deinem Kinderbuch, „Die Speibbanane", übst du Kritik an der globalen Ökonomie. Was hatte das für einen Hintergrund, dass du so ein Thema für ein Kinderbuch gewählt hast? Wolltest du deiner Tochter Hannah damit diese komplexen Zusammenhänge auf einfache Art und Weise erklären?

Ich habe die Geschichte für meine Tochter geschrieben und ihr am Abend immer vorgelesen, damit sie besser einschläft. Da geht's um eine Banane, die aus ihrer gewohnten Umgebung rausgerissen und nach Europa verschifft wird. Beim Transport wird ihr vom Herumschaukeln aber immer schlecht. Sie sagt: „Ich glaub, ich muss gleich speiben". Auf einem Markt in Europa wird sie von einer Frau gekauft und im Einkaufskorb nachhause getragen. Und wieder wird ihr schlecht vom vielen Wackeln. Jetzt muss die Banane tatsächlich speiben. Also wird sie wieder zum Marktstand zurückgebracht und mit den Worten „So eine Banane kann man nicht verkaufen!" in ihre Heimat geschifft. Zuhause angekommen erzählt sie ihren Freunden von ihren Erlebnissen in Europa.

Die Rollen Lehrer, Koch und Arzt, die du im neuen TV-Spot der Kindernothilfe verkörperst, sind dir wie auf den Leib geschnitten - komisch und trotzdem ernsthaft - wie gefällt dir diese Art der Kampagne?

Sie zeigt ganz verkürzt, was Hilfe bedeutet. Mit Bildung, Essen und medizinischer Versorgung sind die grundlegenden Dinge gewährleistet. Die Kampagne soll das Interesse wecken für die Möglichkeit zu helfen und dann kann man sich ja eh bei euch erkundigen.

Welche Menschen beeindrucken dich?

Ich finde es grundsätzlich immer gut, wenn Leute in ihrem Leben Schnitte setzen und sich für etwas einsetzen, was nicht nur egozentrisch ist. Noch dazu ist es ja eh so wenig, was man tut. Einen Tag zu opfern für den TV-Spot-Dreh, das ist jetzt nicht sehr anstrengend.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 


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