Kindernothilfe Österreich Kindernothilfe Österreich Kindernothilfe Österreich

Prominente Paten

Kindernothilfe-Österreich-Pate Josef Hader im Portrait

 Josef Hader_Lesung für Kindernothilfe Österreich_c Ralf KrämerJosef Hader bei einer Lesung für Kinder im Februar 2005. Foto: Kindernothilfe/Krämer Interviewerin Johanna Kriks/Kindernothilfe Österreich:
Herr Hader, ihr tiefschwarzer Humor aus Ihrem aktuellen Programm „Hader muss weg" findet im deutschsprachigen Raum großen Zuspruch. Dabei sind die von Ihnen gespielten Charaktere durchaus unsympathischer Natur. Wie erklären Sie die Begeisterung des Publikums?

Josef Hader: Meine Arbeit spielt sich zwischen Kabarett und Theater ab. Gute, spannende Theaterstücke haben meistens keine besonders glücklichen und sympathischen Bühnenfiguren. Die Figuren sind nicht so vordergründig, teilweise durchaus Kotzbrocken, die man aber bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Deshalb laufen die Leute nicht aus dem Saal.

Als Zuseher fragt man sich oft, welcher Teil ihrer Geschichten aus dem Programm „Privat" autobiographische Züge trägt.

Privat" ist von von Anfang an als Lügengeschichte konzipiert, als fantastische Satire. Und ich dachte mir, ganz am Anfang, die ersten fünf Minuten wäre es interessant die Wahrheit zu erzählen. Und dann habe ich etwas gemacht, was jeder machen sollte, auch wenn er gerade kein Programm schreibt, ich habe mich hingesetzt und alles aufgeschrieben was ich von meiner frühesten Kindheit weiß. Grundsätzlich haben die Programme viel mit mir zu tun, auch wenn die meisten Dinge erfunden sind, weil es ja nicht zufällig ist, was einem einfällt.

Hatte Josef Hader eine ganz normale Kindheit?

Also normal würde ich nicht sagen. Ich war so sechs Jahre sehr glücklich. Aufgewachsen auf einem Bauernhof aber ohne Höfe in der Nähe war ich von Gleichaltrigen quasi abgeriegelt. In der Schule habe ich dann etwas erlebt, was man zusammenfassend wahrscheinlich als Hölle beschreiben muss. Nämlich so diese Hölle der Gleichaltrigen, mit denen ich eigentlich nicht umgehen konnte, weil ich bis dahin immer mit Erwachsenen zu tun hatte. Und die Sozialisation in der Hinsicht war eine sehr schwierige. Ich glaube, ich habe mich dann mit 13, 14 Jahren halbwegs integrieren können. Bis dahin war es ziemlich schwierig für mich und ich habe eigentlich sehr viel Angst gehabt in dieser Zeit.

Es war damals kein Gefühl dafür da, dass Kinder das trainieren müssen, dass sie mit anderen Kindern zu tun haben. Es gab keinen Kindergarten. Die meisten Kinder waren ohnehin sozialisiert, weil sie Geschwister hatten oder mit anderen Kindern gespielt haben. Bei mir gab es das alles nicht, gleichzeitig bin ich sicher kein soziales Genie. Das ist nicht mein großes Talent, das Soziale. Dadurch ist eine sehr starke Prägung entstanden. Es ist heute noch so, dass ich mich in zu großen Ansammlungen nicht so wohl fühle. Das klingt natürlich pervers für jemanden, der auf der Bühne steht, aber da bin ich ja eigentlich allein, gegenüber von jemanden und nicht mittendrin.

Herr Hader, die Botschaft in der Kampagne der Kindernothilfe Österreich ist klar. Mit einem Euro pro Tag kann man Kindern Zukunft schenken. Was sagen Sie Ihren eigenen Kindern zur Armut und Benachteiligung von Kindern in den ärmsten Regionen der Welt?

Ich finde es wichtig, in den Kindern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es nicht überall so ist wie hier und dass es ihnen gut geht und anderen Kindern nicht. Kinder haben einen Zugang, der irgendwie sehr praktisch ist. Wo man dann lang erklären muss ist, warum das Problem sich nicht einfach lösen lässt. Was ja auch stimmt. Auf der einen Seite ist soviel Überfluss, auf der anderen Seite so viel Armut. Das ginge sich alles aus, wenn alles normal verteilt wird. So wie überhaupt Kinder einem immer wieder vermitteln, was selbstverständlich sein sollte, auch wenn es nicht so ist. Kinder sind auch für einen selbst ein Korrektiv. Das man die Welt besser wahrnimmt mit den Augen von jemanden, der erst kurz da ist.

Sie sind beruflich viel auf Reisen, vor allem im deutschsprachigen Raum. Gibt es Begegnungen mit Menschen, die Sie besonders beeindruckt haben?

Schwer beeindruckt haben mich vor allem Menschen, die ganz selbstverständlich positiv sind und so eine Zuneigung haben zu den Menschen und zu ihrem Leben, das hat mich immer am meisten fasziniert.

Herr Hader, Sie stehen seit 25 Jahren mit ihren Kabarettprogrammen auf der Bühne. Sie haben als Kabarettist, Theaterautor und Schauspieler zahlreiche Auszeichnungen erhalten und sind derzeit mit ihrem aktuellen Programm „Hader muss weg" auf Deutschland-Tournee. Kann man den Titel ihres Stücks auch so deuten, dass jetzt mal gut ist, Zeit für eine kreative Pause?

Nun, die Titel sind ja dazu da, dass möglichst viele Menschen unterschiedliche Deutungen hineinlegen. Das ist einer der Gründe, warum man so mysteriöse Titel macht bzw. warum ich das tue. Die Pausen passieren ohnehin. Das einzige, was gut am Älterwerden ist, ist, dass man ein bisschen klüger wird und genug Erholung einbaut. Ich kann eigentlich super auch ein fauler Hund sein, da muss sich niemand Sorgen machen.

2008 ist die Verfilmung von „Der Knochmann" geplant, darauf freue ich mich schon sehr.

Wir sind gerade dabei die zweite Fassung des Drehbuchs zu schreiben. Eigentlich kann man sagen, dass die Zusammenarbeit von Projekt zu Projekt besser funktioniert.

Hat sich auch der Plan zu einem eigenen Film von Josef Hader konkretisiert?

Das läuft parallel, dafür habe ich auch den Sommer über geschrieben. Wenn ich Tournee habe und spiele, versuche ich auch untertags zu schreiben. Dadurch hoffe ich, dass ich mit diesem Projekt in den nächsten Monaten weiterkomme.

Vielen Dank für das spannende Interview und alles Gute für Ihre neuen Projekte.


 


Spendensiegel Spendensiegel Kindernothilfe Österreich

top
Copyright © 2012 Kindernothilfe Österreich - Alle Rechte vorbehalten.