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Studie "Poverty Reduction Strategy Papers - blind to the rights of the (working) child?" von der Kindernothilfe und der Werkstatt Ökonomie (Hg.)

Pressekonferenz Berlin: Studie zur ArmutsbekämpfungChristina Rau erhält die neue Studie
Foto: Uta Rademacher
Zielgruppe:
Erwachsenenbildung

Inhalt:
Seit Jahren beklagen Kinderrechtsorganisationen das immer gleiche Problem: In den so genannten Strategiepapieren zur Armutsbekämpfung (PRSP), die mittlerweile von über 53 Staaten in Afrika, Asien und Lateinamerika entweder als komplette Dokumente - oder zumindest als Entwürfe (I-PRSP’s) - erstellt wurden, kommen Kinder und Jugendliche nur am Rande - vorzugsweise in Nebensätzen - vor. Dabei sind sie es, deren Lebensbedingungen und -perspektiven - am unmittelbarsten und existentiellsten von wachsender Armut, der Verschlechterung sozialer Bedingungen und eskalierender Gewalt betroffen sind. Mehr als eine halbe Milliarde Kinder, 40 Prozent aller Mädchen und Jungen in Asien, Afrika und Lateinamerika, sind gezwungen, mit weniger als einem US-Dollar pro Tag zu überleben.

Klaus Heidel hat für die Kindernothilfe und die Heidelberger Werkstatt Ökonomie die 53 derzeit vorliegenden PRSP’s und Interim-PRSP’s analysiert, auf deren Grundlage Entwicklungs- und Transformationsländer Entschuldungsverhandlungen mit den internationalen Finanzinstitutionen führen und sich um Mittel der bi- und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit bemühen. Sein Fazit: Kinder - (und noch seltener Jugendliche) tauchen in den in den Strategiepapieren bestenfalls als von Unterernährung, Krankheit und anderen Armutsproblemen bedrohte und daher zu schützende Objekte auf.

Von ihren Rechten ist nicht die Rede. Die mittlerweile in der UN-Kinderrechtskonvention und verschiedenen Ergänzungsdokumenten erreichten Standards mit ihren durchaus differenzierten Überlegungen - etwa im Blick auf das kontroverse Thema Kinderarbeit - fanden bislang kaum Eingang in die PRSP’s. Selbst afrikanischen Staaten, in denen die unter 18-jährigen über 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen - und dabei durch ihre Arbeitskraft einen wesentlichen Beitrag zum ökonomischen Überleben erbringen, bieten in ihrem Strategiepapieren weder eine ausreichende noch eine kohärente Analyse zu Umfang und Formen von Kinderarbeit – geschweige denn Vorschläge zur Verbesserung der Situation der betroffenen Kinder und Jugendlichen.

Heidel präsentiert seine ernüchternden Erkenntnisse aus den PSRP-Vergleichen übersichtlich in Tabellenform - aufgearbeitet in knappen Kommentaren und Zusammenfassungen. Der Photograph Christof Engel steuert eine Auswahl eindrucksvoller schwarz-weiß-Fotos zu Lebensrealitäten arbeitender Kinder bei. Zwei Grundforderungen leitet Heidel aus seiner Arbeit ab: PRSP-Prozesse müssen partizipatorisch gestaltet werden, sonst sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie entstehen. Dazu gehört auch, dass (arbeitende) Kinder und Jugendliche mit ihren Organisationen so gestärkt werden, dass sie sich an derartigen Prozessen beteiligen können. Sowie: Nationale und Internationale Geberorganisationen haben - genauso wie Nichtregierungsorganisationen - die Pflicht, eine Art "Kinderverträglichkeitsprüfung" von Strategien zur Armutsreduzierung einzufordern und dazu beizutragen, dass die Rechte von Kindern kohärent ausgestaltet und abgesichert - und eben nicht länger durch ein paar isolierte Feigenblattprojekte ersetzt werden. Doch dafür ist in der nach wie vor erwachsenen-zentrierten Debatte um Armutsreduzierungs-Strategien noch sehr viel Umdenken notwendig.

Umfang:
78 Seiten

 

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