
Die Schulschließungen sind eine massive Kinderrechtsverletzung.
Foto: Kindernothilfe/Schübelin
(Tegucigalpa/Wien/Duisburg, 08.10.) Nachdem der Ausnahmezustand in Honduras vor zwei Tagen aufgehoben wurde und sich die Situation für die Straßenkinder leicht verbessert hat, zeichnet sich in dem krisengeschüttelten lateinamerikanischen Land ein neuer Skandal ab: Die Regierung unter Interims-Präsident Roberto Micheletti hat beschlossen, das Schuljahr elf Wochen vor seinem regulären Ende zu beenden und damit die Kinder und Lehrer für fast fünf Monate in die Zwangsferien zu schicken.
Für die Kindernothilfe und deren Partner vor Ort ist diese Entscheidung ein Skandal, weil die Regierung ein politisches Problem auf dem Rücken der Kinder austrägt. "Die Regierung will sich der Lehrer - einer wichtigen Oppositionsgruppe - entledigen. Aber die Leidtragenden sind dabei wieder einmal die Kinder", erklärt Jürgen Schübelin, Referatsleiter für Lateinamerika und die Karibik bei der Kindernothilfe. Für die Kinder bedeute die Entscheidung eine massive Einschränkung ihrer Bildungschancen. „Wenn man den ausgefallenen Unterricht im Zusammenhang mit den Ausgangssperren und dem verhängten Ausnahmezustand während der vergangenen Wochen hinzurechnet, wurden die Mädchen und Buben in einem der ärmsten Länder Lateinamerikas damit praktisch um ein ganzes Schuljahr betrogen", so Schübelin. "Man weiß heute, dass Kinder, die ein halbes Jahr nicht zur Schule gehen, das bis dahin Erlernte fast vollständig wieder vergessen."
Viele der von Kindernothilfe unterstützten Projekte in Honduras bilden schon jetzt Anlaufstellen für Hunderte zusätzlicher Kinder und Jugendliche. So muss das Straßenkinder-Schutzhausprojekt "Casa Alianza" in Tegucigalpa muss das seit dem Staatsstreich vom 28. Juni sehr viel mehr Kinder unterbringen. Kritisch stellt sich die Situation vor allem auch in den ländlichen Gebieten dar: "Schon jetzt schicken viele zusätzliche Familien ihre Kinder in die Projekte, weil sie einfach nicht mehr wissen, was zu tun ist, um die Kinder zu schützen und ernähren zu können", sagt Jürgen Schübelin.
Derzeit bereitet die Kindernothilfe den Einstieg in ein überregionales Nothilfe-Programm vor, das den mit Kindernothilfe in Honduras kooperierenden Nichtregierungsorganisationen und Kirchengemeinden die Möglichkeit geben soll, während der dekretierten Zwangsferien mit Stadtteil- und Dorfprogrammen mehrere tausend Kinder zusätzlich zu erreichen: „Wir wollen versuchen, ein Zeichen zu setzen und auf das Loch, das die Regierung durch ihre infame Entscheidung im Blick auf die Bildungschancen der Kinder gerissen hat, aufmerksam machen und gleichzeitig wirksam etwas unternehmen: Neben pädagogischer Begleitung werde es unter anderem Essen, Sport- und Freizeitmöglichkeiten für die Kinder geben."
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