(Port-au-Prince/ Duisburg/ Wien, 24.02.2010) Sechs Wochen nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti arbeitet die Kindernothilfe mit aller Kraft daran, das Kinderzentren-Programm, aber auch die Notschul- und Trauma-Care-Projekte auszuweiten. Inzwischen erreicht die Kindernothilfe über ihre haitianischen Partner 2.318 Mädchen und Buben in Port-au-Prince und Umgebung, darunter in Carrefour, Leogane, Jacmel und Coupeau. Mit dem Ausbau der Kinderzentren werden auch weitere qualifizierte Mitarbeiter benötigt. Dazu werden 125 neue Mitarbeiter pädagogisch aber auch organisatorisch geschult und auf die Arbeit mit den Kindern vorbereitet.
In Leogane hat die Kindernothilfe heute noch einmal weitere 120 Kinder in ihre Förderung aufgenommen. Damit werden hier insgesamt 320 Kinder im Kinderzentrum der Kindernothilfe betreut, versorgt und unterrichtet. Leogane liegt im Epizentrum des Erdbebens und die Wucht der Erschütterung hat fast alle Häuser und Unterkünfte zerstört. Die Menschen hier leben dicht an dicht in einer großen Zeltstadt. In unmittelbarer Nähe dazu liegt das Kinderzentrum.
Nach wie vor bemüht sich die Kindernothilfe um die Registrierung aller Kinder bei der UN-Behörde. In den letzten Tagen etwa wurden 400 Kinder im Kinderzentrum Delmas 31, in Port-au-Prince, registriert und mit Personalbogen und Foto erfasst. Für jedermann schon von weitem sichtbar tragen die Mädchen und Buben bunte T-Shirts als Zeichen der Zusammengehörigkeit.
Besonders wichtig für viele Kinder: Sie können endlich wieder lernen. Zum Teil unterrichten Lehrer ihre Klassen einfach unter freiem Himmel oder unter dem grünen Blätterdach eines Baumes. Planen und Seile, die die Kindernothilfe-Mitarbeiter auch in die abgelegenen Regionen bringen, helfen, die Notschulen zu überdachen und die Kinder besser vor der Sonne, aber auch dem aufkommenden Regen zu schützen. In Coupeau, einer kleinen Berggemeinde südlich von Carrefour, haben Lehrer und Eltern gemeinsam das Gebäude der zerstörten Schule der Kindernothilfe ausgeräumt und die verschütteten Bänke und Tische freigelegt. Planen und Seile ersetzen auch hier vorerst das Dach des Klassenzimmers. Mit wenig Ressourcen, aber viel Energie konnte die Notschule ihre Arbeit aufnehmen. Zusammen mit zwei chilenischen Architekten plant die Kindernothilfe nun den erdbebensicheren Wiederaufbau der Schule.
Gottfried Mernyi