Alarmierender Report des lokalen Kindernothilfe-Partners SPARC über die Kinderrechtslage
(Islamabad/Wien/Duisburg, 25. Juni 2010) Obwohl der pakistanische Staat im vergangenen Jahr immer mehr Kinder aus Terror-Camps befreien konnte, ist die Gefahr unge-brochen, dass auch weiterhin Mädchen und Buben zu Selbstmord-Attentätern ausgebildet werden. Das ist eines der alarmierenden Ergebnisse, die aus „The State of Pakistan's Children 2009" hervorgehen.
Der jährliche Bericht zur Kinderrechts-Situation in Pakistan zieht eine ernüchternde Bilanz: „Seit 2003 haben sich die Lebens-bedingungen für Kinder kaum verbessert. Wachsende Armut, mangelnde Bildung, Ernährung und Gesundheits-versorgung führen dazu, dass viele Kinder nach wie vor unter sehr desolaten Bedingungen leben und Opfer von Extremismus werden", erklärt Arshad Mahmood von der pakistanischen Kinderrechts-Organisation Society For the Protection of the Rights of the Child (SPARC), die den Report mit Unterstützung der Kindernothilfe verfasst hat.
„Besonders enttäuschend ist, dass Pakistan selbst 20 Jahre nach Einführung der UN-Kinderrechtskonvention noch keinen ausreichenden legislativen Rahmen zum Schutz seiner Kinder geschaffen hat", so Mahmood. Zwar liegen seit 2009 mehrere Gesetzesvorschläge zum Kindesschutz vor, doch den Weg ins Parlament haben sie bis heute nicht geschafft. „Und zwar teilweise aus sehr zweifelhaften Gründen", erklärt Mahmood. Mit dem Argument, Kinder würden auf dem indischen Subkontinent wegen „Armut, des heißen Klimas und scharfer Nahrung" schneller erwachsen, konnten einige Kräfte innerhalb der Regierung sogar verhindern, dass das Strafmündigkeitsalter von derzeit sieben Jahren angehoben wird.
„Ebenfalls unbefriedigend ist die Entwicklung in Sachen Bildung und Ernährung", so Mahmood weiter. Rund 500.000 Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich aufgrund vermeidbarer Krankheiten. Zudem werden bis 2015 voraussichtlich 3,7 Millionen Mädchen und Buben ohne Schulausbildung sein, womit Pakistan einen Negativ-Rekord in der Region erreicht. So verfehlt das Land auch aller Wahrscheinlichkeit nach die UN-Millenniumsziele in den Bereichen Bildung und Ernährung.
Nicht weniger schleppend kommt Pakistan bei der Abschaffung ausbeuterischer Kinderarbeit voran. Arshad Mahmood: „Unser Bericht zeigt nicht nur, dass die Anzahl der arbeitenden Kinder weiterhin erschreckend hoch ist, sondern auch, dass viele von ihnen unter extrem gefährlichen Bedingungen schuften müssen." Eine Trendwende ist kaum in Sicht: Wachsende Armut in Pakistan verschärft das Problem und im vergangenen Jahr hat die Politik kein einziges Programm gegen Kinderarbeit auf den Weg gebracht. „Die Kindernothilfe beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge", sagt Luzia Wibiral, Geschäftsführerin der Kindernothilfe, „deshalb wollen wir bei unserer Projektarbeit in Pakistan diesem Problem weiterhin besondere Aufmerksamkeit widmen."
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Gottfried Mernyi
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