Armut bestimmt das Leben der Menschen in der brasilianischen Stadt Itaobim. Die Kinder haben keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen oder eine berufliche Ausbildung zu machen. Arbeitsplätze und medizinische Versorgung gibt es kaum. Die Kinder und ihre Familien leiden an Hunger, sind unterernährt und geschwächt. Da viele Väter versuchen, in den Städten Arbeit zu finden, bleiben die Mütter mit den Kindern zurück. Viele Mädchen und Frauen sehen die letzte Möglichkeit um zu überleben in der Prostitution. Die Kindertagesstätte der Kindernothilfe Österreich gibt den Menschen in Itaobim Halt. Hier finden sie Hilfe, um der Armut zu entkommen. (Projekt 94315)

Kindern eine Chance geben!
Kreislauf der Armut
Kinder leiden besonderes an den Folgen der Unter- und Mangelernährung. Sie sind geschwächt, ihre Körper entwickeln sich langsamer und Konzentrationsprobleme machen ihnen zu schaffen. Den Kindern fällt es schwer, dem Schulunterricht zu folgen. Viele von ihnen brechen daher die Schule viel zu früh ab. Von klein an werden die Kinder mit Gewalt, Alkoholismus und Drogen konfrontiert. Als schwächste Glieder in der Gesellschaft haben sie kaum Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Gewalt wird für sie häufig zum Bestandteil des Familienlebens. Ohne jegliche Perspektive auf einen Arbeitsplatz und eine bessere Zukunft versuchen die Kinder, durch kleine Botendienste im Drogenmilieu oder durch Prostitution zu überleben.
Mit eigener Kraft aus der Armut
In der Tagesstätte „Casa de Juventude" werden die Kinder betreut und entwickeln wieder eine Zukunftsperspektive. Neben der pädagogischen und psychologischen Betreuung gibt es ein breites Angebot im sportlichen und künstlerisch-kreativen Bereich. Verschiedene Kurse, wie z.B. Computerkurse oder die projekteigene Bäckerei, bieten für viele Kinder die Möglichkeit, eine Ausbildung zu beginnen und ihre Fähigkeiten im Berufsleben umzusetzen. Die Suche nach Arbeit wird dadurch erleichtert.
Die Kinder werden bei Hausaufgaben, beim Lernen und auch bei Problemen in der Schule von ausgebildeten Mitarbeitern beraten und unterstützt. Die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern, ist in der „Casa de Juventude" besonders wichtig. So haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Wünsche und Bedürfnisse aktiv in die Programmgestaltung der Einrichtung einzubringen.

Berufsbildende Kurse verbessern die Chance auf Arbeitsplätze. Foto: Christoph Engel
Selbst aktiv werden
Auf Initiative der älteren Kinder wurde die „Grupo Vida" gegründet, in der sie sich gegen sexuelle Gewalt und sexuelle Ausbeutung engagieren. Sie treffen sich wöchentlich, spielen in der Theatergruppe der Einrichtung aktiv mit und arbeiten mit der lokalen Radiostation zusammen. Ihr Ziel ist es, über die bestehenden Gefahren der Prostitution und der sexuellen Gewalt zu informieren und aufzuklären. Sie haben selbst ein Informationsblatt gestaltet und verwenden dieses zur Aufklärung in ihrer Umgebung. Das Selbstvertrauen der Kinder wird dadurch gestärkt und sie stellen gemeinsam ein Projekt auf die Beine, das ihre Zukunft verbessern soll.
Durch ihre Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit im Kampf gegen sexuelle Gewalt und Ausbeutung zeigen sich bereits erste Erfolge. In Itaobim konnte die Zahl der Fälle von sexuellen Übergriffen reduziert werden, indem die Menschen aufmerksamer sind und in verdächtigen Situationen nicht mehr wegschauen, sondern aktiv werden. Besonders die älteren Kinder zeigen ein großes Engagement und Fürsorge für Gleichaltrige.

Gemeinsames Spielen hilft mit den Ängsten und Sorgen umzugehen. Foto: Ralf Krämer
Hilfe zur Selbsthilfe
Um die Perspektive der Kinder und ihrer Familien zu verbessern, wird neben den berufsbildenden Kursen wie Schneiderei, Weberei oder Informatik auch ein eigener Garten angelegt. Im Gemeinschaftsgarten lernen die Familien Anbaumethoden und ihnen wird gezeigt, wie sie das Obst und Gemüse weiter verarbeiten können. Sie haben bereits begonnen, Früchte zu verkaufen und sichern sich somit eine Einnahmequelle. Unterstützt werden die Familien durch geschulte Mitarbeiter und Experten, die sie in allen wichtigen Fragen zu Anbau und Verkauf beraten. Die Familien können dadurch selbst für ein besseres Einkommen sorgen und ihre Situation selbständig verbessern.
Katharina Schabasser