Die Region im Süden Chiles zählt zu den ärmsten Gebieten des Landes. Circa 30 Prozent der Bevölkerung rund um die Orte Nueva Imperial und Teodoro Schmidt leben unter der Armutsgrenze. Hier sind die Mapuche, die indigenen Einwohner Chiles, zu Hause. Sie leiden unter Ausgrenzung und Diskriminierung. Das Bildungs- und Kulturprojekt „Kimkantun" setzt sich für eine kulturell angepasste Bildung und Stärkung der Mapuche-Kinder ein. Die bedrohte kulturelle Identität der Kinder wird durch Sprachförderung, Musik und Tänze gestärkt. Die traditionelle Vermittlung von Wissen durch Ältere innerhalb des Familienverbandes soll durch das Projekt wieder aufleben. (Projekt 92046)

Foto: Kindernothilfe/Schübelin
Verlust der eigenen Kultur und Identität
Noch kennen und beherrschen viele Mapuche ihre Sprache „Mapudungun" ("mapu" für Erde und "dungun" für Sprache). Doch schon seit Jahrzehnten geben immer weniger Eltern das Mapudungun an ihre Kinder weiter - ein Indiz dafür, wie wenig wertvoll den Eltern ihre eigene Sprache und Kultur nach jahrhundertelanger Diskriminierung erscheint. Viele Kinder der Mapuche sprechen so lediglich Spanisch. Viele Bewohner wandern außerdem in die Städte ab und versuchen sich dort zu assimilieren. Sie hoffen auf mehr und vor allem besser bezahlte Arbeit - eine Erwartung, die aber leider nur in wenigen Fällen erfüllt wird.
Der Verlust der eigenen Kultur bedeutet auch den Verlust der eigenen Identität und führt zu Problemen. Die Kinder der Mapuche haben besonders häufig Schwierigkeiten in der Schule. Sie sind weder mit ihrer eigenen Kultur vertraut, noch können sie sich mit der der übrigen chilenischen Bevölkerung identifizieren. Zu den persönlichen und kulturellen Problemen kommt hinzu, dass die Mehrheit der Mapuche somit auch noch schulisch schlecht ist. Die Chance, aus eigener Kraft aus der Armut zu entkommen, ist dadurch äußerst gering.
Austausch zwischen Jung und Alt
Im Projekt der Kindernothilfe Österreich wird deshalb die Vermittlung der Kultur der Mapuche gefördert. Dadurch wird ihr Selbstwertgefühl gestärkt. In Kursen und Workshops treffen sich die Kinder und Eltern sowie die älteren Dorfbewohner, um sich auszutauschen und über ihre kulturelle Herkunft zu sprechen. Traditionelle Musik und Tänze werden dabei ebenso von den Älteren an die Jüngeren weitergegeben wie die Sprache der Mapuche: "Mapudungun". Die Mädchen und Buben schreiben und gestalten selbst kleine Lernhefte, um Mapundungun zu lernen. Auch Kurse in Kunsthandwerk wie Keramik, Weben und der Fertigung von Silberschmuck werden angeboten. Die Waren können anschließend verkauft und damit das Einkommen der Familien verbessert werden.

Durch das Veranstalten von traditionellen Festen wird das Selbstwertgefühl der Mapuche-Kinder gestärkt. Foto: Beate Eckerskorn
Kultur verbreiten
Um die Traditionen nicht nur zu besprechen, sondern auch zu leben, organisieren die Kinder gemeinsam mit den Projektmitarbeitern traditionelle Feste und Feiern. Das Selbstbewusstsein und die Identität der Kinder werden gestärkt. Und es wird ihnen die Möglichkeit gegeben, stolz auf die eigenen Leistungen und die eigene Kultur zu sein.
Lehrer der umliegenden Schulen werden ebenfalls einbezogen, damit diese mit den Traditionen ihrer indigenen Schülerinnen und Schüler vertraut werden. Gemeinsam werden Möglichkeiten erarbeitet, die Diskriminierung zu lindern und die erfolgreiche Integration zu fördern.
Wichtig ist dabei, dass die Ideen und Vorschläge von den Mapuche selbst kommen. Freiwillige aus den Dörfern arbeiten bei der inhaltlichen Gestaltung, Planung und Durchführung der Aktionen des Projekts mit. Alle Mitglieder der Dorfgemeinschaft, wie z.B. die Dorfältesten, beteiligen sich aktiv an der Gestaltung und Wissensvermittlung der verschiedenen Themenbereiche. Die Dorfgemeinschaft soll auf Dauer selbst die Initiative ergreifen können. ![]()
Katharina Schabasser