Viele Kinder in Äthiopien kennen nur ein Leben in Armut. Das Durchschnittseinkommen in Langano Shalla, einer der am stärksten betroffenen Gemeinden, liegt bei umgerechnet 100 Euro im Jahr. Fließendes Wasser, Strom oder medizinische Versorgung sind nicht verfügbar. Viele Kinder müssen arbeiten, damit ihre Familien überleben können. Zur Schule können nur wenige gehen. Vor allem Mädchen sind benachteiligt und laufen Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden. (Projekt 60771)
Makiya ist tapfer
Bereits um sechs Uhr morgens bricht die kleine Makiya auf, um mit ihrer Mutter Feuerholz zu sammeln. Mehrere Stunden Fußmarsch stehen dem Mädchen bevor. Denn Holz ist in der Umgebung ihres Dorfes schwer zu finden. Makiya lebt mit ihrer Mutter rund 200 km südlich von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Das mühsam zusammengesuchte Holz müssen Mutter und Tochter dann noch zur kilometerweit entfernten Straße schleppen. Dort bieten sie es zum Verkauf an. Am Ende eines so anstrengenden Tages haben sie oft nicht einmal genug für eine einzige Mahlzeit verdient.
Kindern eine bessere Zukunft schenken. Foto: Kindernothilfe/Engel
Mädchen und Mütter stärken
Mädchen wie Makiya müssen ihren Müttern helfen, das Überleben ihrer Familie zu sichern. Zeit für die Schule bleibt dabei nicht. Dadurch haben sie keine Ausbildung und sind später völlig von ihren Männern abhängig. Neben der ohnehin schwierigen Lebenssituation leiden Mädchen und Frauen unter der Ungleichbehandlung und Unterdrückung. Sie sind häufig Opfer häuslicher Gewalt, Vergewaltigungen und Zwangsverheiratung.
Lernen für eine bessere Zukunft
In Lernzentren, die auf den Alltag der Mädchen abgestimmt sind, werden die Kinder von geschulten Mitarbeitern unterrichtet. Für die Kinder ist es ein besonderes Geschenk, dass sie nun lesen, schreiben und rechnen lernen. Sie können dort auch gemeinsam spielen, lachen, singen - einfach Kind sein. Sie sind zudem Teil einer Gemeinschaft und ihr Selbstwertgefühl wird gestärkt. In den Lernzentren werden auch die Mütter unterrichtet. Sie lernen dort zum Beispiel, wie man Geflügel und Schafe züchtet. Ein kleiner Kredit hilft ihnen dabei, Jungtiere und Futter zu kaufen. Dadurch werden die Mütter unabhängiger und können ihre Kinder vor Gewalt besser schützen.
Im Projekt der Kindernothilfe werden daher besonders Mädchen und Frauen unterstützt. Sie werden über ihre Rechte informiert und lernen, dass sie diese auch nutzen können. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern wird über Gleichberechtigung diskutiert und in Workshops nach Lösungen für das Problem der Ungleichbehandlung gesucht.
Mädchen schützen
Mädchen leiden besonders unter der nach wie vor weit verbreiteten Tradition der Beschneidung. Ziel ist es, sie in Zukunft vor der schmerzhaften Tradition zu schützen. Um das zu erreichen, werden Eltern von geschulten Mitarbeitern über die negativen Folgen von Beschneidungen informiert. Solange die Tradition jedoch praktiziert wird, ist die Behandlung der Mädchen besonders wichtig. Die Verbesserung der medizinischen Versorgung ist deshalb ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Mit Medikamenten und sauberen Verbänden können die Verletzungen behandelt und die schmerzhaften Entzündungen gelindert werden.
Gemeinsam eine Lösung finden
In den Dörfern des Projektgebiets leben viele HIV-positive Menschen. Frauen haben zudem nicht das Recht, die Anzahl ihrer Kinder selbst zu bestimmen. Deshalb wird im Projektzentrum gemeinsam mit Müttern und Vätern über Familienplanung diskutiert. Die Mitarbeiter des Zentrums stehen ihnen dabei unterstützend zur Seite. Frauen hören hier oft zum ersten Mal, dass sie und ihre Kinder auch Rechte haben. Die Männer sind von Beginn an in die Gespräche miteinbezogen. Das fördert die gegenseitige Akzeptanz und ein partnerschaftliches Miteinander.
Andreas Wagner