
Verseuchtes Trinkwasser macht Kinder krank. Foto: Kindernothilfe/Roller
Hunger und mit Arsen verseuchtes Trinkwasser machen die Kinder in Nilphamari krank. In einer der ärmsten Regionen im äußersten Westen von Bangladesch sind 90 Prozent der Kinder mangelernährt. Die Eltern arbeiten als Tagelöhner und verdienen weniger als 30 Cent pro Tag. Die Kindernothilfe Österreich unterstützt vor Ort ein innovatives Projekt, das besonders Frauen und Kindern eine bessere Zukunft sichert. (Projekt 26801)
Rupali windet sich vor Bauchkrämpfen. Das Mädchen weiß warum: Das Trinkwasser hier im Nordwesten Bangladeschs enthält Arsen. Aber die Armut der Familien lässt ihnen keine andere Wahl: Wer durstig ist, trinkt trotzdem! Das Gift wird durch den Regen aus dem Boden gewaschen und gelangt so ins Trinkwasser. Die Vergiftung beginnt schleichend - mit Übelkeit, Bauchkrämpfen und Hautkrankheiten. Vor allem die Kinder leiden darunter. Denn sie sind ohnehin schon geschwächt und unterernährt. Neun von zehn Kindern bekommen nicht genug Nahrung.
Heimat der Armut
Die meisten Menschen arbeiten in Nilphamari als Tagelöhner. Nur acht Euro bekommen sie dafür pro Monat. Das heißt, die Familien müssen mit weniger als 30 Cent am Tag auskommen. „Das reicht nicht, um die Kinder zu versorgen", klagt Rupalis Mutter. Die älteren Kinder müssen den Eltern bei der Arbeit helfen. Auch die medizinische Versorgung ist äußerst dürftig. Der nächste Arzt ist mehrere Kilometer von den Familien entfernt.
In den Gemeindezentren des Projekts erhalten die Kinder täglich ein warmes Mittagessen und werden betreut, während ihre Eltern arbeiten gehen. Ein Arzt untersucht die Kinder regelmäßig und versorgt sie mit den notwendigsten medizinischen Mitteln. Wegen des verseuchten Wassers leiden besonders viele Kinder an Durchfall. Mit Entwurmungskuren und Vitamintabletten kann ihnen rasch geholfen werden. Die Einbeziehung der Menschen in Nilphamari ist dabei besonders wichtig. „Wir versuchen, die Probleme und Erfahrungen der Familien zu begreifen. Erst dann erarbeiten wir gemeinsam Lösungen", beschreibt Projektleiter Richard den Hilfsansatz. „Wichtig ist, die Menschen mit einzubeziehen. Erst dann kann Hilfe langfristig wirken".

Frauen finden gemeinsam Lösungen. Foto: Kindernothilfe/GroßmannHilfe zur Selbsthilfe - Viele machen mit
Schwerpunkt des Projekts sind Selbsthilfegruppen. Auch Rupalis Mutter ist seit kurzem Mitglied: „Einmal pro Woche treffe ich 20 andere Frauen. Wir sparen und verleihen das Geld weiter", erzählt sie. Das Prinzip ist einfach: Jede Frau legt wöchentlich etwa zehn Taka zurück, das sind umgerechnet zwölf Cent. Das Gesparte wird reihum verliehen. „Ich habe davon bei Nachbarn Eier gekauft", berichtet Rupalis Mutter. „Mein Mann verkauft sie in der Stadt an kleine Geschäfte und Restaurants. Mit zwölf Eiern machen wir 24 Taka Gewinn." Die Idee sei gut. Das Geld hat sie bereits zurückgezahlt. Um größere Pläne zu realisieren, bekommt die Selbsthilfegruppe Kleinkredite. „Wir haben davon einen Marktstand erworben und verkaufen Gemüse.", erzählt ein weiteres Mitglied „Unsere Kinder müssen nun endlich nicht mehr hungern."
Kinder im Fokus
Rupalis Mutter hat gelernt, dass sie selbst viel tun kann, um ihrer Familie zu helfen. Die Gruppe gibt ihr Rückhalt und Hoffnung. Projektleiter Richard betont: „Selbsthilfegruppen sind der Schwerpunkt des Projekts. Wir arbeiten in zehn Dörfern mit den Ärmsten unter den Armen. 300 Kinder stehen dabei im Mittelpunkt." Sie werden betreut und können sich beim Spielen mit anderen Kindern entfalten. Ihnen wird auch beim Einstieg in die Schule geholfen. "Alle Kinder sollen wieder zur Schule gehen. Die Eltern müssen begreifen, wie wichtig Bildung ist", erklärt Richard. Bei Problemen stehen die Mitarbeiter des Projekts stets zur Verfügung. Sie helfen beim Lernen, beim Erledigen der Hausaufgaben und haben immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Kinder.
Alle helfen mit
Im Rahmen des Projekts werden gemeinsam mit den Menschen vor Ort 50 arsenfreie Brunnen gebaut. Außerdem lernen die Bewohner landwirtschaftliche Anbaumethoden. Sie erhalten Saatgut und legen Gemüsegärten an. Wie auch Rupalis Mutter besuchen viele Frauen Seminare und lernen etwas über Ernährung und Familienplanung.
Gemeinsam stark
Das Konzept geht auf: „Wir haben schon 80 Selbsthilfegruppen gebildet, immer mehr Frauen zeigen Interesse", sagt Richard stolz. „Je ein Mitglied pro Gruppe trifft sich einmal im Monat mit anderen Gruppenvertretern. Gemeinsam haben sie die Kraft, bei der Regierung ganze Großprojekte durchzusetzen, z.B. die Stromversorgung für ein Dorf. Die Stimme jedes Einzelnen bekommt so ein ganz anderes Gewicht." Davon profitieren alle - besonders die Kinder.
Katharina Schabasser