
Foto: Kindernothilfe/Roller
Sie suchen ein besseres Leben und landen im Elend: 100.000 Menschen wohnen in den Slums von Islamabad, der Hauptstadt Pakistans. Viele von ihnen kommen aus armen, ländlichen Regionen in der Hoffnung auf Arbeit. Sie stranden in einem der Elendsviertel, leben ohne Strom und Wasser. Kinder haben es hier schwer. Mädchen wie Hina (14) haben kaum eine Chance. Sie ist behindert, konnte noch als Jugendliche kaum sprechen. Dank der Mitarbeiter des Projekts unterhält sie ihre Freunde heute mit Geschichten und lernt Nähen. Die Kindernothilfe Österreich fördert behinderte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien. (Projekt 25056) Im Elend gestrandet
Hina und ihre Familie stammen aus der Region Sialkot. Vater und Mutter arbeiteten hart. Doch überleben konnte die kleine Familie davon kaum. Wie so viele Menschen zogen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Islamabad. Stattdessen landeten sie in einem der vielen Slums. Ihr Schicksal teilen rund 100.000 Menschen. Sie leben in lehmverputzten Hütten. Die Siedlungen liegen direkt an den Abwasserkanälen, während des Monsuns drohen stets Überschwemmungen. Schmutzige Rinnsale spülen Abwässer davon und dienen gleichzeitig als Quelle für Trinkwasser. Hina und ihre Freunde sind dadurch stark gefährdet, sich beim Spielen mit Krankheiten anzustecken. Die Siedlungen sind illegal, daher weigert sich die Stadtverwaltung, Straßen oder eine Wasserversorgung zu bauen, wodurch die Kinder vor vielen Krankheiten geschützt werden könnten.
Hilfe bleibt den Ärmsten verwehrt
Wenn Hina krank wird, können ihre Eltern sie nicht mit Medikamenten versorgen, sondern nur hoffen, dass sie wieder gesund wird. Die öffentlichen Krankenhäuser behandeln die Bewohner der Slums nur selten. Auch an den staatlichen Programmen zur Geburtsvorbereitung und -hilfe können die Frauen und Mädchen nicht teilnehmen. Deshalb kommen in den Slums viele Kinder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen zur Welt. Ohne Förderung können diese Kinder keine Schulen besuchen oder gar eine angemessene Arbeit finden.
Die Kindernothilfe Österreich unterstützt deshalb 120 Kinder und Jugendliche sowie deren Familien. Alle stammen aus den Slums der Hauptstadt, viele haben Behinderungen. Ziel der Arbeit ist es, die Situation in den Elendsvierteln auf lange Sicht zu verbessern. Dazu soll frühzeitig erkannt werden, ob ein Neugeborenes behindert ist. Förder- und Ausbildungsprogramme sollen den Mädchen und Buben ermöglichen, ein weitgehend eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Dazu zählen einerseits die körperliche Förderung und andererseits die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

Foto: Kindernothilfe/RollerHinas Erfolgsgeschichte
Hinas Beispiel zeigt, wie erfolgreich das Projekt ist. Das Mädchen war wegen der Behinderung geistig weit hinter Gleichaltrigen zurück geblieben. Erst als Mitarbeiter des Kindernothilfe Projekts die Familie trafen, veränderte sich Hinas Leben. Eine gezielte Förderung des Mädchens begann. Täglich besucht Hina eines der neun Kinderzentren der Organisation. Fünf bis sechs Stunden pro Tag wird sie mit anderen Kindern von speziell geschulten Mitarbeitern gefördert: Spielerisch lernt sie viele Fertigkeiten, die ihr im Alltag helfen. Das tägliche Spielen ist dabei besonders wichtig. Je wohler sich die Kinder fühlen, desto mehr Fortschritte machen sie.
Die eigens auf Hina abgestimmte Therapie ermöglicht die gezielte Förderung des Mädchens. So hat sie sprechen gelernt. Sie ist viel selbstbewusster geworden und beginnt sogar, nähen zu lernen. Die positive Entwicklung wäre ohne den Einsatz von Hinas Eltern unmöglich. Sie haben gelernt, ihre Tochter auch zu Hause zu fördern. Sie wissen außerdem, dass sie mit ihrer Situation nicht allein sind und treffen sich regelmäßig mit den Eltern anderer behinderter Kinder. Die Einbindung der Mütter und Väter ist dabei besonders wichtig. Außerdem werden im Rahmen des Projekts freiwillige Gesundheitshelfer ausgebildet, die Familien bei der Förderung der Mädchen und Buben unterstützen. Denn Ziel des Projektes ist es auch, die Menschen im Slum mit in die Arbeit einzubinden. Sie sollen Verantwortung für ihre Gemeinschaft übernehmen und die positiven Entwicklungen langfristig selbst weiterführen.
Im Gesundheitszentrum des Projekts bekommen Mütter und Kinder medizinische Hilfe. Außerdem können SlumbewohnerInnen an Kursen über HIV und Aids, Durchfallerkrankungen, Risikofaktoren für Behinderungen und Sexualkunde teilnehmen. Es gibt Impfkampagnen, um Krankheiten wie Kinderlähmung aus dem Slum zu verbannen und in den Griff zu bekommen. Im Rahmen des Projekts werden von geschulten Mitarbeitern auch Hebammen ausgebildet. Sie lernen, woran man frühkindliche Beeinträchtigungen erkennt und wie man bestimmte Schädigungen bei der Geburt vermeiden kann. Kindern kann dadurch schon vor der Geburt geholfen werden, einmal ein besseres Leben zu führen.
Andreas Wagner