Armut und Aids prägen den Alltag der Menschen in Kabwe im Zentrum Sambias. Die meisten versuchen, mit weniger als zwei Euro am Tag zu überleben. Arbeitende Kinder sind dort selbstverständlich. Ohne ihre Mithilfe könnten viele Familien nicht überleben. Wenn Eltern an Aids erkranken und sterben, tragen die ältesten Geschwister die Verantwortung für eine ganze Familie. (Projekt 61231)
Kinder schuften wie Sklaven
In Nakoli, einem Armenviertel bei Kabwe, haben zahlreiche Kinder ihre Eltern durch Aids

Aidswaisen sind auf sich alleine gestellt.
verloren. Wenn sie Glück haben, werden sie von Verwandten, in den meisten Fällen ihren Großeltern, aufgenommen. Vielfach müssen aber die ältesten Kinder die gesamte Verantwortung für die jüngeren Geschwister übernehmen.
Ihnen bleibt keine andere Wahl, als sich ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Lebensmitteln oder als Lastenträger bis tief in die Nacht zu verdienen. Mädchen werden von Barbesitzern eingestellt, um die Kunden zu umsorgen. Sexuelle Übergriffe sind an der Tagesordnung. Für Schulbesuche bleibt keine Zeit und für Schulmaterial kein Geld.
Um diesen Kindern eine Perspektive zu ermöglichen, setzt sich die Kindernothilfe Österreich gegen Kinderarbeit ein. Ziel ist es, den Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen. Gemeinsam mit den Bewohnern von Nakoli/Kabwe wurde bereits eine Schule errichtet. Die Kinder bekommen neben Heften, Büchern und Stiften auch die notwendige Kleidung für die Schule. Im Zentrum des Projektes können die Kinder auch ihre Freizeit verbringen. Beim Lernen und Spielen mit Gleichaltrigen können sie ihre individuellen Fähigkeiten entwickeln. Sie fühlen sich nicht mehr alleine und können in der Gemeinschaft offen über ihre Probleme sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Viele Aidswaisen sind auf sich allein gestellt. Foto: Karl Pfahler
Kampf gegen HIV/Aids
Um das Tabu rund um Aids zu brechen und Neuinfektionen zu verhindern, ist die Aufklärungsarbeit ein wesentlicher Teil des Projekts in Kabwe. In Workshops werden die Erwachsenen über die Rechte von Kindern und die negativen Auswirkungen von Kinderarbeit informiert. Durch die Einbeziehung möglichst vieler Menschen wird versucht, die gesamte Gemeinde auf die Probleme aufmerksam zu machen, um diese gemeinsam zu lösen.
Durch die Unterstützung der Kindernothilfe Österreich erhalten Kinder die Chance, ihrem Elend zu entkommen. Sie können erstmals zur Schule gehen oder eine Berufsausbildung machen.
Damit die Kinder auch bis zum Abschluss in der Schule bleiben, nehmen pro Jahr 50 Frauen aus besonders armen Familien an Alphabetisierungsprogrammen teil. Eigene Kurse und die Vergabe von Kleinkrediten helfen beim Aufbau einer beruflichen Existenz. Ziel ist, dass mit dem selbst erwirtschafteten Geld die Familie den Schulbesuch, die gesunde Ernährung und die medizinische Versorgung der eigenen und der Pflegekinder selbst tragen kann. So wird das Leben der Kinder und Familien langfristig verbessert.
Gottfried Mernyi