Im ostafrikanischen Malawi kämpft die Hälfte der rund 15 Millionen Einwohner mit weniger als einem Euro ums Überleben. Jeder vierte Malawier ist unterernährt, darunter mehr als eine Million Kinder und schwangere Frauen. Eine zentrale Bedeutung bei der Überwindung von Hunger und Armut haben Frauen-Selbsthilfegruppen. Starke und selbstbestimmte Mütter bedeuten für die Kinder ausreichende Ernährung, mehr Gesundheitsvorsorge und Zugang zu Schulbildung.

Yohane mit zwei seiner kleineren Geschwister. Foto: Kindernothilfe/Mennig
Die vielen Gesichter der Armut
Bei einem Besuch im Bezirk Ntchisi in einem kleinen Dorf nördlich der malawischen Hauptstadt Lilongwe zeigen sich die vielen Gesichter der Armut: Hier lebt der kleine Yohane mit seinen sechs Geschwistern und seiner Mutter. In der strohbedeckten Lehmhütte schläft die Familie auf dem Boden, ein Bett oder Matratze hat hier niemand. In Yohanes Dorf gibt es keine Elektrizität und keinen Brunnen. Mehrere Stunden am Tag braucht seine Mutter, um an Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen zu gelangen. Beschwerlich ist auch die Arbeit auf den kleinen Feldern, auf denen die Familie während der Regenzeit Mais und Soja anbaut. Einen Traktor besitzt keine der Familien im Dorf, Lasttiere nur die allerwenigsten. Deshalb müssen auch Yohane und seine Geschwister auf dem Feld mithelfen und können nicht regelmäßig in die Schule gehen, die zwei Dörfer entfernt ist. Jeder Helfer auf dem Feld zählt, denn je mehr Ertrag erwirtschaftet werden kann, desto höher ist die Chance, dass bis zur nächsten Ernte niemand hungern muss. Jedoch auch die einseitige Ernährung hinterlässt ihre Spuren an den kleinen Körpern und ist auch in den Augen der Kinder zu sehen.
Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt
Wenn man Yohanes Dorf betritt, spürt man unmittelbar die Last und Sorgen, die auf den Bewohnern lasten. Unterstützung von der Regierung Malawis können sich die Familien kaum erwarten, zählt doch Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt. Lediglich sieben Prozent der Bevölkerung hat Zugang zu Elektrizität, die medizinische Versorgung ist unzureichend. Das schwache staatliche Schulsystem und die Armut der Familien tragen außerdem dazu bei, dass die wenigsten Kinder eine Möglichkeit auf einen höheren Schulabschluss haben.
Der Schlüssel zur Überwindung der Armut liegt bei den Frauen
Damit Kinder wie Yohane und ihre Familien die Chance auf eine menschenwürdige Zukunft haben, braucht es Mut zur Veränderung. Der Schlüssel zur Überwindung der Armut in den Dörfern Malawis liegt jedoch bei den Frauen selbst. In Selbsthilfegruppen lernen sie, sich gemeinsam für ihre Anliegen einzusetzen. Frauen werden aktiv dazu ermutigt, aus ihrer scheinbar vorbestimmten Armut auszubrechen und so ihren Kindern Gesundheit, Bildung und eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Das gemeinsame Sparen ermöglicht die Vergabe von Mikrokrediten. Foto: Kindernothilfe/Mennig
Die drei Phasen des Selbsthilfegruppen-Ansatz
In Malawi unterstützt die Kindernothilfe seit Mai 2010 zwölf Organisationen bei der Arbeit mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz. Die Idee dahinter ist einfach, aber wirksam. In der ersten Phase schließen sich die Ärmsten der Armen - überwiegend Frauen - in Gruppen zu jeweils 15 bis 20 Mitgliedern zusammen, die in wöchentlichen Treffen ihre wichtigsten Probleme analysieren und Lösungsstrategien erarbeiten. Eine wichtige Rolle dabei spielt das regelmäßige gemeinsame Sparen und die Vergabe von kleinen Krediten, mit denen beispielsweise eine Ziegen- oder Taubenzucht oder andere Einkommen schaffenden Maßnahmen gestartet werden können. Auch der Austausch von alltäglichen Erfahrungen bereichert die Frauen und stärkt die Gruppe. Die Gruppen werden von geschulten Freiwilligen aus der Gemeinde - oft jugendliche Mädchen - begleitet und unterstützt, denn für die meisten Frauen ist es das erste Mal, dass sie selbstständig wirtschaften und mit Geld umgehend müssen. Jede Woche übernimmt ein anderes Mitglied den Vorsitz bei den Treffen. So wird sichergestellt, dass jede einzelne gestärkt und gehört wird.

Taubenzucht, ermöglicht durch das Sparen in der Gruppe. Foto: Kindernothilfe/Mennig
Dort, wo die Selbsthilfegruppen in Afrika schon länger aktiv sind, haben die Frauen durch die allgemeine Anerkennung im Dorf an Selbstbewusstsein gewonnen. So kümmern sie sich in der zweiten Phase etwa um den Bau einer fehlenden Brücke am Schulweg, organisieren Alphabetisierungskurse für Erwachsene oder setzen sich bei den staatlichen Behörden erfolgreich für eine Impfkampagne ihrer Kinder ein. In der letzten Phase wird nach etwa drei Jahren eine Föderation gegründet. Dieser große Zusammenschluss repräsentiert rund 100 Selbsthilfegruppen mit 1.500 bis 2.000 Mitgliedern und deren Kindern. Er übernimmt wichtige Bildungs- und Lobbyaufgaben. Dies kann dazu beitragen, dass beispielsweise die Errichtung eines besseren Systems zur Wasserversorgung oder der Ausbau des Schulsystems umgesetzt wird und kein unerfüllter Traum mehr bleiben muss.
Im Mittelpunkt stehen nachhaltige Verbesserungen für die Kinder
Die Arbeit in der Gruppe setzt erstaunliche Prozesse in Gang, die von den Ärmsten der Armen selbst getragen werden. Die Frauen sind keine Almosenempfänger, sondern werden befähigt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Alles, was die Frauen in den Selbsthilfegruppen lernen, wirkt sich unmittelbar positiv auf die Kinder aus. Die gestärkten Mütter haben ein geregeltes Einkommen und eine gefestigte Lebenssituation. Anders als zuvor erhalten die Kinder täglich ausreichend ausgewogene Mahlzeiten, können eine Schule besuchen und werden besser medizinisch versorgt. Dies eröffnet den Kindern in Malawi Zukunftschancen, die sie ohne die Selbshilfegruppen nicht gehabt hätten.
Unterstützen Sie die starken Frauen und ihre Kinder in Malawi!