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Kinder mit Behinderungen

Interview: "Behinderung ist in Kenia weiterhin ein Tabu"

Celestine M. Omondi arbeitet für den kenianschen Kindernothilfe-Partner "Association for the Physically Disabled of Kenya" (APDK) in Nairobi. Sie koordiniert die Programme für körperlich oder geistig behinderte Kinder und deren Familien. Im Gespräch mit Barbara Dünnweller, Kinderrechts-Expertin der Kindernothilfe in Deutschland, berichtet Celestine Omondi von der schwierigen Lage behinderter Menschen in Kenia.

WeltsozialforumCelestine M. Omondi.
Foto: Barbara Dünnweller
Frau Omondi, wie viele Menschen mit Behinderungen leben in Nairobi und wie hoch ist der Anteil der Kinder?

Es gab 1999 eine Volkszählung, aber Menschen mit Behinderungen wurden nicht kategorisiert. Daher ist es schwer zu sagen, wie viele es sind. Es gibt Schätzungen um die 120.000, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche.


Welche Arten von Behinderungen treten am häufigsten auf?
Bei den Erwachsenen ist es Polio. Bei den Kindern ist die häufigste Behinderung cerebral palsy (geistige und psychomotorische Behinderung), auch Polio des 21. Jahrhunderts genannt. Von 400 Kindern haben 180 diese Behinderung. Die Hauptursache dafür ist der schlechte Gesundheitszustand und die Mangelernährung der Mutter.

Welches sind die größten Herausforderungen in Ihrer Arbeit?
Die größte Herausforderung ist der mangelnde Zugang zu den grundlegenden Bedürfnissen, wie Gesundheit und Bildung. Das Bildungssystem in Kenia ist alles andere als behindertenfreundlich und das Thema Behinderung ist nach wie vor ein Tabu. In unserer Arbeit im Slum hat es zwei Jahre gedauert, bis das Eis gebrochen ist und die Menschen erkannt haben, dass es möglich ist, etwas zu tun. Eine Herausforderung für unsere Arbeit ist auch, dass die Missbrauchsrate bei Kindern mit Behinderungen besonders hoch ist und dass sie sehr oft Opfer von Gewalt werden. Hier ist noch viel Aufklärung nötig.

22994_205x135_617x409_32x31Rehabilitations-Arbeit mit einem behinderten Buben in einem APDK-Projekt. Foto: Oliver Krems Was sind Ihrer Erfahrung nach die besten und erfolgreichsten Ansätze in der Arbeit?
Der wichtigste und letztlich nachhaltigste Ansatz ist empowerment. Das bedeutet die Menschen zu stärken, ihnen (lebens-)praktische Kenntnisse zu vermitteln, sie über ihre Rechte aufzuklären. Dies gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das lässt sich am besten in Selbsthilfegruppen umsetzen.

Im Dezember 2006 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Konvention zu Menschen mit Behinderungen, die die Reche von Menschen mit Behinderungen schützen soll.  Unter anderem haben sich die Regierungen verpflichtet, nationale Gesetze zu prüfen und zu korrigieren, wenn sie behinderte Menschen disikriminieren. Kann die neue UN-Konvention zur Arbeit vor Ort beitragen?
Ja, wenn sie umgesetzt wird. Wir haben genügend Dokumente und Grundlagen und im Dezember 2004 wurde der Disability Council eingesetzt, der alle (Regierungs-)Maßnahmen überprüfen soll, ob sie behindertengerecht sind zum Beispiel und auch Sorge dafür tragen soll, dass entsprechende Gesetze zum Schutz und zur Förderung von Menschen mit Behinderungen geschaffen werden.

Wie sieht bei APDK die Advocacy-Arbeit für die Rechte behinderter Menschen aus?
Wir haben hier noch Ausbildungsbedarf. Zurzeit wird bei APDK diskutiert, ob jemand ausschließlich für diesen Bereich zuständig sein sollte. Wir machen erste Schritte auf der lokalen Ebene. Den UN-Tag zu Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember haben wir genutzt und Politiker in den Slum eingeladen.

7629_205x151_465x343_10x148APDK unterstützt Familien mit behinderten Kindern. Foto: Oliver Krems Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?
Dass allen Menschen mit Behinderungen eine Chance gegeben wird, dass Sie Zugang zu allen Grunddiensten bekommen. Damit meine ich: Bildung, Gesundheit, Transport und Verkehr. Ich wünsche mir auch, dass Kinder und Erwachsene mit Behinderungen in unserer Gesellschaft voll anerkannt werden und dass sie die gleichen Chancen wie Nichtbehinderte erhalten.

Was frustriert Sie bei der Arbeit?
Wenn ich zum Beispiel nichts tun kann. So habe ich einmal erlebt, dass einem Kind der Zugang zur Schule mit der Begründung verweigert wurde: „Das kann man den anderen Schülern nicht zumuten. Die kommen dann nicht zum Lernen, wenn sie das Kind anschauen." 

Woher nehmen Sie Ihre Motivation?
Ich bin glücklich, wenn sich etwas ändert im Leben eines Kindes. Mich motiviert auch, wenn ich feststelle, dass jeder Mensch, auch der mit Behinderungen, Potenziale hat.


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