Einige der ärmsten Länder der Welt sind hoch verschuldet. Aus der Staatskasse fließt so viel Geld zur Tilgung von Zinsen, dass nichts mehr übrig bliebt für dringende Investitionen, zum Beispiel in Schulen oder Krankenhäuser. Ohne die notwendige Infrastruktur bleibt aber auch ein wirtschaftlicher Aufschwung aus - und so füllen sich die leeren Staatskassen nicht. Die Schulden behindern also die Entwicklung dieser Länder. Darum unterstützt die Kindernothilfe Initiativen, die sich für einen Schuldenerlass und ein faires Verfahren zur Regulierung der Verbindlichkeiten einsetzen.

Kein Geld für Straßen, Kanalisation oder andere wichtige Investitionen: Die hohe Verschuldung vieler Staaten trifft die Menschen. Foto: Alexandra Höner
Ursachen
Die hohen Schulden vieler Staaten haben verschiedene Ursachen. Während des Kalten Krieges „kauften" sich beide Lager mit Krediten die Loyalität armer Staaten. Dabei achteten die Kreditgeber nicht darauf, was mit dem Geld passierte. So flossen hohe Summen an Diktaturen und Militärregime, die das Geld in die Aufrüstung, in unsinnige Prestigeprojekte oder gar in die Taschen der Machthaber. Die Menschen in den armen Länder hatten oft gar nichts von den Krediten.
Entwicklungsländer geben immer mehr Geld für den Import von Öl und Gas aus. Außerdem schotten sich die Industrieländer mit hohen Zöllen gegen Güter ab, die in Entwicklungsländern produziert werden. Auch Subventionen für Produkte aus den Industriestaaten hindern Entwicklungsländer daran, ihre Waren zu exportieren und damit Geld zu verdienen. Die Konsequenz: Die betroffenen Staaten müssen Kredite aufnehmen. Zinsen und Tilgung der Schulden verschlingen große Teile des Etats, es bleibt kaum Geld für Investitionen in Sozial- oder Bildungssystem.

Ein wichtiger Schritt, aber noch nicht genug: Der Schuldenerlass von 1999 und 2005. Foto: laif
Schuldenerlass
1999 einigten sich die G7-Länder in Köln auf einen wichtigen Schritt, um die Schulden der am stärksten betroffenen Länder zu verringern. Die hoch verschuldeten armen Länder (Heavily Indebted Poor Countries- HIPC) sollten entlastet werden. Doch von den 38 Staaten haben bislang nur 15 von dieser Initiative profitiert.
In einer neuen Runde zur Entschuldung im Juni 2005 vereinbarten die Regierungschefs der G8-Staaten, 37 Ländern Schulden in Höhe von 45 Milliarden Euro zu erlassen. Aber die Summe zum Schuldenerlass wird von der übrigen Entwicklungshilfe abgezogen. Das bedeutet: Es kommt weniger Entwicklungshilfe bei den armen Staaten an. Außerdem blieben viele sehr arme Staaten beim Schuldenerlass außen vor.
Nur rund ein Drittel aller Länder, die von hohen Schulden erdrückt werden, wurden von der Initiative der G8 erfasst.
Die Rolle von IWF und Weltbank
Der Internationale Währungsfons (IWF) und die Weltbank analysieren und entscheiden mit, wie viele Schulden einem Land erlassen werden sollten. Das Problem: IWF und Weltbank sind gleichzeitig auch Gläubiger der verschuldeten Staaten und haben ein Interesse daran, nicht alle Verbindlichkeiten zu erlassen. Oft fordern IWF und Weltbank auch Strukturanpassungs-Programme von den Schuldnern. Viele Punkte dieser Programme gelten unter entwicklungspolitischen Experten als wenig sinnvoll.

Florence aus Uganda kann dank der Unterstützung der Kindernothilfe von ihrem Kiosk und ihren Näharbeiten ihre Familie versorgen. Foto: Pascal Rest
Was tut die Kindernothilfe Österreich?
Die Kindernothilfe setzt sich für ein faires Entschuldungsverfahren ein. In den Projekten der Kindernothilfe steht die Armutsbekämpfung stets im Vordergrund. Mit Ansätzen wie Kleinkredit-Programmen und einkommensschaffenden Maßnahmen werden die Menschen in die Lage versetzt, unabhängig von fremder Hilfe für sich selbst zu sorgen. So werden sie auch unabhängig von staatlicher Unterstützung, die in hoch verschuldeten Ländern ohnehin kaum vorhanden ist.