Kindersoldaten

Kindersoldaten: Opfer und Täter zugleich

Tausende Kinder kämpfen weltweit in Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Es sind Mädchen wie Buben in Lateinamerika, Afrika und Asien, aber auch in Europa. Die meisten Kindersoldaten gibt es jedoch in Afrika. Nach UN-Schätzungen sind hier über 100.000 betroffen, vor allem in Uganda, Liberia, der Demokratischen Republik Kongo und Sudan.

Kindersoldaten in UgandaAchtjähriger Kindersoldat in Norduganda. Foto: dpa

Die meisten der derzeit in etwa 20 Konflikten weltweit eingesetzten Kinder und Jugendlichen kämpfen nicht in Regierungsarmeen, sondern in anderen bewaffneten Gruppen. Viele von ihnen werden zwangsrekrutiert, andere melden sich freiwillig, weil sie kaum Alternativen sehen, sich nicht am Krieg zu beteiligen. Gründe für diese „Freiwilligkeit“ sind fehlende Beschäftigung oder Ausbildung und der Wunsch, der Gewalt im häuslichen Milieu zu entkommen. Rache spielt eine weitere Rolle, wenn Familienmitglieder während eines bewaffneten Konflikts ums Leben gekommen sind.

Sexueller Missbrauch 
Das Leben von Kindersoldaten ist hart und gefährlich: Sie werden als Boten, Träger und Spione eingesetzt, sie müssen Sprengsätze anbringen und lernen, mit Pistolen und Sturmgewehren umzugehen. Mädchen werden oft gezwungen, die sexuellen Bedürfnisse der Soldaten im Lager zu befriedigen. Kindersoldaten sind nicht nur Opfer in bewaffneten Konflikten, sie sind zugleich auch Täterinnen und Täter. Häufig müssen sie während ihrer Ausbildung unter Androhung von Mord, Freunde und Mitglieder der eigenen Familie töten, um sich „abzuhärten“. Kinder werden auch deshalb als Soldaten benutzt, weil sie gefügiger sind als Erwachsene und besser zum Töten erzogen werden können. Vielfach geschieht dies unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol. Kinder haben ein Leben lang mit den Folgen der körperlichen und seelischen Grausamkeiten zu kämpfen.

Recht und Realität
„Jedes Kind hat ein Recht auf Schutz vor kriegerischer Gewalt“, heißt es in Artikel 38 der UN-Kinderrechtskonvention, die am 20. November 1989 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Nahezu alle Staaten der Welt haben dieses Übereinkommen ratifiziert und sich damit verpflichtet, es einzuhalten. Ergänzt wurde dieser Vertrag am 25. Mai 2000 von der UN-Generalversammlung durch ein so genanntes Zusatzprotokoll. Es trat am 12. Februar 2002 in Kraft und verbietet Regierungen und bewaffneten Gruppierungen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu rekrutieren und in kriegerischen Konflikten einzusetzen. Allerdings dürfen Regierungsarmeen auch weiterhin bereits 16-Jährige als Freiwillige anwerben. Bis heute haben über 100 Staaten das Abkommen ratifiziert. Trotzdem werden Kinder weiter eingesetzt, zum Beispiel in Ruanda, Uganda, Afghanistan, den Philippinen und Sri Lanka.

Internationaler Tag gegen Kindersoldaten
Das Inkrafttreten des Zusatzprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention am 12. Februar 2002 wird seitdem als ein internationaler Tag gegen Kindersoldaten begangen. In zahlreichen Aktionen machen Nichtregierungsorganisationen besonders an diesem Tag auf die Situation von Kindersoldaten aufmerksam und fordern:

Forderungen an Regierungen und den UN-Sicherheitsrat
• sicherzustellen, dass das Zusatzprotokoll von den Regierungen vollständig umgesetzt wird;
• dass diejenigen, die Kinder rekrutieren vom Internationalen Strafgerichtshof verfolgt werden;
• dass Regierungen den Dialog zwischen den Konfliktparteien fördern;
• dass Friedensvereinbarungen Maßnahmen für die Entlassung und Wiedereingliederung von Kindersoldaten beinhalten;
• die unverzügliche Demobilisierung von Kindersoldaten;
• eine angemessene Unterstützung für die betroffenen Kinder, um ihre Leiden zu mildern und ihre Wiedereingliederung zu fördern;
• dass mehr Geld im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit für die Wiedereingliederung von ehemaligen Kindersoldaten zur Verfügung gestellt wird.

Der politische Wille der Staaten spielt eine entscheidende Rolle, aber auch der Druck von Seiten der Nichtregierungsorganisationen. Die Kindernothilfe Österreich wird nicht nachlassen, den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen als Soldaten anzuprangern, sich für ihre Demobilisierung einzusetzen und Hilfe für ihre Rehabilitation und Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu fordern.



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