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Seit 25 Jahren setzen wir uns für Kinder in Not in Afrika, Asien und Lateinamerika ein. (Grafik: Martin Renner)

Ein außergewöhnlicher Besuch

"Es war für mich eine einzigartige Erfahrung, die Lebensrealität meines Patenkindes mit eigenen Augen zu sehen und die unbändige Lebensfreude der Kinder und die Gastfreundschaft zu erleben, mit der sie den schwierigen Lebensverhältnissen in den bolivianischen Anden trotzen. Es hat mich auch zum Nachdenken gebracht, in welchem Luxus ich in Österreich leben darf und worauf es im Leben wirklich ankommt." 2019 besuchte Patin Martina Wögerbauer das Hochland Boliviens, um ihr Patenkind Jesús persönlich zu treffen.

Martina Wögerbauer trifft ihr Patenkind Jesús. (Foto: Martina Wögerbauer)
Martina Wögerbauer trifft ihr Patenkind Jesús. (Foto: Martina Wögerbauer)

Steine, Schotter und noch mehr Steine – soweit das Auge reicht. Nur ein paar vereinzelte Häuser deuten darauf hin, dass hier wirklich Menschen leben. Im Pick-up von Osvaldo Enriquez, dem Leiter der Kindernothilfe-Partnerorganisation Pasocap, kämpfen wir uns die kurvigen Schotterwege im unwegsamen und kargen Gelände der bolivianischen Anden hoch. Hier wächst so gut wie nichts, es ist windig und unwirtlich.

Nach ein paar Kilometern treffen wir zufällig die Mutter meines Patenkindes Jesús. Zerknirscht erzählt sie Osvaldo sogleich, dass ihre Kinder das Ei, das eigentlich als Gastgeschenk für mich bestimmt gewesen wäre, gegessen haben und sie jetzt nichts mehr hat, was sie mir anbieten könnte. Wir beruhigen sie und fahren weiter zu der Schule meines Patenkindes, wo wir Jesús in seiner Klasse überraschen. Stolz erzählt mir die Lehrerin, dass Jesús einen schulübergreifenden Wettbewerb im Vortragen von Gedichten gewonnen hat. Der schüchterne Junge gibt mir eine Vorstellung und ich bin begeistert, wie er sich innerhalb weniger Sekunden völlig verwandelt und mir eine ganz andere Seite von sich zeigt. Ich habe ein paar Süßigkeiten mitgebracht, die ich in seiner und ein paar anderen Klassen der Schule verteile und bin überwältigt von der Freude, die die Kinder an solchen für uns scheinbaren Kleinigkeiten haben.

In Jesus' Zimmer.jpg
Jesús zeigt Martina seine Welt: zuhause und ...
In der Schule (Foto: Martina Wörgerbauer)
... in der Schule. (Foto: Martina Wögerbauer)

Danach fahren wir gemeinsam zum Haus von Jesús. Schon während der Fahrt blüht er immer mehr auf und erzählt mir stolz von seinen Hunden, Schweinen und Hühnern. Zuhause angekommen zeigt er mir sein Zimmer, das er mit seinen Brüdern teilt, sein Haus und seine Tiere. Jesús freut sich sehr über meine mitgebrachten Geschenke: „Noch nie habe ich selbst Buntstifte besessen“, lacht er glücklich.

Zurück in der Schule nehmen mich Jesús und seine Freunde mit auf den Sportplatz und bringen mir verschiedene Spiele bei. Einige davon kenne ich aus Österreich, andere sind völlig neu für mich, aber die Kinder sind geduldige Lehrer. Dann verabschiede ich mich schweren Herzens wieder von Jesús und seinen Freunden.