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Die vermissten Kinder Boliviens. Quelle: Jürgen Schübelin

Die verlorenen Kinder Boliviens

Von Jürgen Schübelin, Leiter des Referates für Lateinamerika und Karibik

Vieles hat sich in Bolivien in den zurückliegenden Jahren zum Besseren entwickelt: Die Zahlen von Kindern, die unter Armut und extremer Armut leiden, sind heute niedriger als zu Beginn der Regierungszeit von Präsident Evo Morales und seiner MAS-Partei (Movimiento al Socialismo – Bewegung zum Sozialismus). Seit der Staat die Erdgasproduktion in die eigenen Hände nahm und etwa Bergbauunternehmen sehr viel angemessener besteuert, sind die Ausgaben für Bildung, Gesundheit, Soziales und Infrastruktur deutlich gestiegen. Kinderrechte haben in Bolivien seit 2008 Verfassungsrang. Sämtliche Elemente des UN-Kinderrechte- und Kindesschutz-Systems wurden vom Parlament in La Paz ratifiziert. Und doch breitet sich in dem immer noch ärmsten Land auf dem südamerikanischen Kontinent wie ein Krebsgeschwür ein neues Problem aus, das von seiner Dimension her selbst Experten den Atem verschlägt: Die Entführung und der Handel mit Kindern – vor allem mit dem Ziel ihrer sexuellen Versklavung.

Man muss schon genau hinsehen, sonst übersieht man sie: kleine, zum Teil handgeschriebene Hinweise auf Busbahnhöfen an die Wand geklebt, eine schlechte Schwarzweiß-Kopie an einer Tür des Flughafens El Alto, ein unscharfes Gesicht, herausvergrößert aus dem Foto einer Schulklasse, inmitten der Pinnwand einer Nichtregierungsorganisation: Die verlorenen Kinder Boliviens haben es schwer, sich im Bewusstsein ihrer Mitmenschen zu halten. Hunderte Mädchen und Buben sind im vergangenen Jahr in La Paz, El Alto, Santa Cruz und Cochabamba verschwunden: „Das sind aber nur die offiziellen Zahlen der Polizei - und auch nur die der vier größten Städte“, sagt Susana Aillón, Psychologin beim Kindernothilfe-Partner Fundación La Paz und eine der profundesten bolivianischen Kennerinnen in Sachen trata – organisiertem Menschenhandel mit dem Ziel der sexuellen oder sklavenähnlichen Ausbeutung der Opfer. „Wir alle wissen, das ist nur die Spitze des Eisbergs.“

La Paz. (Quelle: Jürgen Schübelin)
La Paz: Hunderte Kinder verschwinden hier jedes Jahr spurlos.

Die 14-jährige Viviana aus dem distrito 1 in El Alto ist seit einem Monat verschwunden. Auf dem winzigen Foto, das ihre Mutter in Geschäften und bei Nichtregierungsorganisationen verteilt, schaut das Mädchen ernst und stolz. Um den Hals trägt sie eine Schärpe, offenbar von einer Veranstaltung in der Schule. „Es kommt in solchen Fällen auf jeden Tag an“, weiß Susana Aillón aus ihrer langjährigen Erfahrung, „werden die Kinder erst einmal über die Grenze geschafft, gibt es praktisch keine Chance mehr, sie jemals zurückholen zu können.“

Bolivien - eines der wichtigsten "Exportländer" für Kinder

Bolivien hat sich, von der weltweiten Öffentlichkeit so gut wie unbemerkt, innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten lateinamerikanischen „Exportländer“ von Kindern entwickelt. Es sind nicht mehr junge Frauen, die – wie noch vor einigen Jahren – die Hauptzielgruppe für Menschenhändlerbanden bilden, erläutert Susana Aillón, mittlerweile geht es um Kinder und zwar vor allem Mädchen ab fünf Jahren, für die es einen internationalen Markt mit einer offenbar unstillbaren Nachfrage gibt. Marianela Paco, Parlamentarierin und Mitglied im Menschenrechtsausschuss des bolivianischen Abgeordnetenhauses, schockte 2012 die Fachöffentlichkeit mit Daten aus einer Polizeistatistik, nach der sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahlen von durch kriminellen Organisationen aus Bolivien verschleppten Kindern und Jugendlichen praktisch verdoppelt haben.

Für das Fundación La Paz-Team hat sich der Alptraum trata innerhalb von kurzer Zeit zu einem unfreiwilligen und extrem gefährlichen Arbeitsschwerpunkt entwickelt: Ursprünglich konzentrierte sich die Stiftung, die seit ihrer Gründung 1996 von der Kindernothilfe unterstützt wird, auf das pädagogische und sozialarbeiterische Engagement mit Straßenkindern in der bolivianischen Hauptstadt. Modellprojekte wie Sarantañani, ein in drei Stufen gegliedertes Rehabilitationsangebot für Buben, die teilweise jahrelang auf der Straße gelebt hatten, oder Oqharikuna, das Pendant für Mädchen und junge Frauen, setzten mit ihren anspruchsvollen Strategien und klug durchdachten Konzepten internationale Standards. „Doch die Problematik der Kinder, die früher tagsüber auf den Straßen und Plätzen von La Paz gelebt und nachts unter Brücken geschlafen haben, ist heute eine andere“, erklärt Raúl Velasco, der für Sarantañani verantwortliche Pädagoge.

Straßenkinder werden in Billigabsteigen abgedrängt

Fundación La Paz - Sarantañani. (Quelle: Jürgen Schübelin)
Sarantañani - ein Modellprojekt für ehemalige Straßenkinder.

Denn auch in der bolivianischen Hauptstadt hat – wie in fast allen lateinamerikanischen Metropolen – in den zurückliegenden Jahren ein atemberaubender Gentrifizierungs-Prozess stattgefunden. Die Stadtregierung investierte erhebliche Mittel, um Plätze und Grünanlagen zu schaffen. Immobilienspekulanten und Großinvestoren filetierten und veränderten das Stadtbild von La Paz rasant. Die Preise für Wohnungen explodierten. Zehntausende der ärmeren Bewohner verloren ihre Domizile und wurden an die Peripherie der Stadt, vor allem nach El Alto, verdrängt. Und es verschwanden alte, unbewohnte Häuser, Bauruinen und Schlafplätze unter Brücken, die den Kindern Unterschlupf bieten konnten. Die brutale Repression der Polizei tat ihr Übriges, um die Kinder zumindest die Nächte nicht mehr auf den Straßen verbringen zu lassen.

Dafür entstanden ganz neue Geschäftsmodelle, sogenannte telos (abgekürzt von hotelitos), Billigabsteigen, extrem prekär, extrem schmutzig, in die sich Gruppen von Kindern nachts einmieten können. Das Geld dafür müssen sie tagsüber verdienen, als Ausrufer und Begleiter der winzigen Kleinbusse, über die der größte Teil des öffentlichen Personennahverkehrs in La Paz abgewickelt wird, als Lastenträger, Autowäscher, Parkplatzwächter, durch Diebstähle und sexuelle Dienstleistungen. „Die Kinder sind durch die telos viel verwundbarer geworden“, ist sich Raúl Velasco sicher, „hier sind sie unsichtbar – und absolut schutzlos allem ausgeliefert, was man sich an Entsetzlichem vorstellen kann“: Drogenhändlern auf der Suche nach neuen Dealern und Kunden, enthemmter Gewalt und sexuellem Missbrauch durch Erwachsene oder ältere Jugendliche, aber auch den in La Paz und El Alto entstandenen Jugendgangs, die nach dem Vorbild der mittelamerikanischen maras mittlerweile ganze Viertel terrorisieren und - ganz oben in dieser perversen Hierarchie - eben jenen kriminellen Organisationen, die sich mit trata, mit Menschenhandel – präziser gesagt - mit Kinderhandel beschäftigen.

Die Entführung der Kinder beginnt oft mit kleinen Geschenken

Normalerweise werden Kinder dabei nicht einfach von der Straße entführt, erläutert Fundación La Paz-Direktor und Psychologe Dr. Jorge Domic. In den meisten Fällen, die sich rekonstruieren ließen, wurde das „Verschwinden“ der Kinder sorgfältig geplant und begann mit schleichender Korrumpierung. Zunächst kleine Geschenke: eine Cola, ein Besuch in einem Fast-Food-Restaurant, ein Lippenstift, Süßigkeiten. Teilweise sind es Frauen, die sich das Vertrauen der Kinder erschleichen. Dann kommt die Einladung, einen Ausflug zu machen, in einem schicken Auto mitzufahren. Und eines Tages sind die Kinder weg. „Meiner Freundin wurde eine Stelle in einem Restaurant angeboten“, berichtet eines der Mädchen. Wo? Keine Ahnung. Seit wann? Keine Ahnung. Mit wem ist sie weggegangen? Keine Ahnung...

„Diese Kinder haben niemanden, der ihr Verschwinden anzeigt. Und“, fügt Susana Aillón voller Bitterkeit hinzu, „es gibt auch niemanden, der sich für ihr Verschwinden interessieren würde.“ Was danach folgt, hat das Netzwerk der bolivianischen Organisationen, die sich mit trata beschäftigt (Observatorio de la trata), wie bei einem gigantischen Puzzle Stück um Stück, Indiz um Indiz, zusammenzusetzen versucht: Weil im Land immer größere Geldmengen zirkulieren, die durch die Kokain-Produktion und den Drogenhandel erwirtschaftet werden, wächst auch die Nachfrage nach Kindern als Sexualobjekte. Einhalt gebietet den Tätern dabei so wie gut wie niemand: Denn diese kriminellen Strukturen sind in der Lage, staatliche Institutionen nach Belieben zu unterwandern, Polizisten, Militärs, Staatsanwälte, Richter, Abgeordnete und Regierungsbeamte zu kaufen. Ganze zehn Festnahmen gab es im vergangenen Jahr in Bolivien wegen Menschenhandel. Aber in keinem einzigen Fall kam es, wie das nationale Netzwerk gegen trata dokumentiert, zu einer Anklage oder gar einer Verurteilung.

„Ein ganz besonderes Problem stellen die Lastwagenrouten quer durch Bolivien dar“, erläutert Susana Aillón. „Dort, wo Lastwagenfahrer Rast machen, gibt es Alkohol, Koka und kommerzielle sexuelle Gewalt gegen Kinder“. Der mächtige Verband der Lastwagenfahrer und -besitzer Boliviens zeigte sich bislang völlig resistent gegenüber jeder Art von Versuch, mit den Organisationen aus dem Netzwerk gegen trata ins Gespräch zu kommen..

Ein Großteil der entführten Kinder landet in Brasilien...

Rio de Janeiro. (Quelle: Wikimedia Commons/Mariordo)
Brasilien: Endstation für viele Kinder.

Ein Großteil der verschwundenen Kinder wird von ihren Peinigern über kurz oder lang ins Ausland geschafft. Die Routen führen über Brasilien, Argentinien, Paraguay, Peru und Chile. Allein über 700 Kilometer erstreckt sich die „grüne“ Grenze zu Paraguay, praktisch von nichts und niemanden zu kontrollieren. Oder der Grenzfluss Río Bermejo zwischen Bolivien und Argentinien: Hier sprechen die Einheimischen von espaldas mojadas, nassen Schultern, wenn Kinder von Schleußerbanden mit Hilfe von Gummireifen ans andere Ufer geschafft werden. Es geht auch einfacher: „Die Grenze zu Brasilien in Cobija ist auch über ganz normale Straßen praktisch ohne jede Kontrolle und jegliche Registrierung zu passieren“, erläutert Susana Aillón, „wir befürchten, dass auf dieser Route ein großer Teil der verschwundenen Kinder nach Brasilien verschleppt wird.“ Teilweise ist im Nachbarland dann Endstation: in Bordellen, bei Pädophilenringen. „Oder bei Einzelkunden“, so Jorge Domic, „die sich ein Kind bestellen, indem sie auf einschlägige Anzeigen, wie ‚Biete 30 Kilogramm Frischfleisch’ reagieren.“

Immerhin: Ende Juli unterzeichnete ein Richter Haftbefehle für drei Justizangestellte aus Puerto Suárez, dem Grenzposten an der Hauptroute hinüber in den brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul und von dort weiter nach São Paulo und Rio de Janeiro. Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, die Verschleppung von über 60 Kindern und Jugendlichen mit dem Ziel der sexuellen Versklavung mitermöglicht zu haben. Der Polizei gelang es jedoch nur, lediglich drei der Mädchen noch auf bolivianischem Territorium zu befreien.

... andere werden nach Europa verschleppt

Aber dokumentiert sind auch Fälle, in denen sich die Spur in Europa, den Golfstaaten oder gar China verliert. Transportiert werden die Kinder, so die Recherchen des bolivianischen Anti-Menschenhandels-Netzwerkes, oftmals in den Frachträumen der Flugzeuge, unter Drogen und Narkose gesetzt, in Containern und größeren Gepäckstücken versteckt. „Wir mussten lernen, dass sich immer wieder auch Ärzte für diese Geschäfte hergeben“, berichtet Susana Aillón, „und wir wissen natürlich auch, dass Kinder teilweise deswegen nach Europa geschafft werden, um ihnen ihre Organe zu stehlen.“

Bei alledem geht es um gigantische Gewinne für die kriminellen Netzwerke, die hinter den Entführungen stehen: Die Organisation Amerikanischer Staaten (OEA) errechnete Ende 2012, dass mit der trata allein in Lateinamerika jährlich 6,6 Milliarden US-Dollar verdient werden. Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, habe sich, so Experten des Staatenbündnisses, nach Waffen- und Drogenhandel zum drittprofitabelsten Geschäftsfeld weltweit entwickelt.

Ganz selten finden einzelne Mädchen und Buben einen Weg zurück. Jeanette Pérez, Psychologin und Programmdirektorin der Organisationen Maya Paya Kimsa, engagiert sich in El Alto seit über zehn Jahren sehr erfolgreich in der Sozialarbeit mit Straßenkindern. Sie schildert das Schicksal eines Mädchens aus diesem Projekt, das nach Brasilien verschleppt wurde und dann nach langen Zeit plötzlich wieder in Maya Paya Kimsa auftauchte - schwerkrank: „Sie war nur noch eine Schatten ihrer selbst. In einem Bordell hatte man sie so oft vergewaltigt, dass sie sich eine schwere Unterleibsinfektion holte, die nie behandelt wurde und deswegen Magen und Darm erfasst hatte.“ In diesem Fall kam jede Hilfe zu spät: Obwohl Jeanette und ihr Team alles versuchten, um doch noch eine Krankenhausbehandlung zu organisieren, starb das Mädchen nach wenigen Wochen an ihrer Sepsis.

Sozialarbeiter üben mit Kindern, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen

Plakat der Fundación La Paz mit Einladungen zu Präventions-workshops. (Quelle: Jürgen Schübelin)
Plakat für einen Präventions-Workshop für Kinder gegen Gewalt.

Gibt es für Nichtregierungs-Organisationen angesichts dieses ungleichen Kampfes überhaupt eine Chance, etwas für die betroffenen Kinder und Jugendlichen erreichen zu können? Susana Aillón sieht das ganz nüchtern: „Trata ist in Bolivien ein gesellschaftliches Problem.“ Kriminelle, mafiöse Organisationen haben dann, wenn ihre Opfer nicht gerade aus der Oberschicht oder aus der neuen politischen Elite kommen, wenig zu befürchten. Deshalb geht es der Fundación La Paz darum, zunächst einmal eine möglichst breite Öffentlichkeit zu informieren, aufzurütteln, zur Gegenwehr zu bewegen. Im Rahmen eines gemeinsam mit Kindernothilfe entwickelten Projektes, das auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird, trainieren Psychologen und Sozialarbeiter Kinder aus Risikogruppen systematisch darin, wie sie die Gefahr, Opfer von Verschleppungen zu werden, rechtzeitig erkennen können. Geübt wird aber auch, den Peinigern wieder zu entkommen, sobald sich dafür auch nur die kleinste Chance bietet.

In drei therapeutischen Zentren arbeiten die Fundación La Paz-Teams mit Kindern, die bereits Opfer von sexueller Gewalt in allen ihren Ausformungen geworden sind. Hier geht es vor allem darum, hochtraumatisierte, verletzte Kinder zu stabilisieren, ihnen espacios seguros, sichere Räume und einen Weg zurück zum eigenen Selbstwertgefühl anzubieten. In den Therapien wird ganz viel getanzt, mit der Methode des Psycho-Dramas gearbeitet und versucht, wo irgend möglich, familiäre Unterstützungssysteme zu identifizieren und einzubeziehen: „Das ist wie eine ganz mühsame Wiederaufbauarbeit – nach der vorausgegangenen, fast völligen Zerstörung“, beschreibt Gisela Campo, die Projektverantwortliche dieses Teils der Fundación La Paz-Arbeit, ihre Aufgabe. Und dann gibt es noch RIBUTRA – el rincón del buen trato, den Ort des Guten-Miteinander-Umgehens. RIBUTRA ist das erfolgreiche, seit Jahren erprobte Gewalt-Präventionsprojekt der Fundación La Paz mit Kindern und Jugendlichen, das mittlerweile Tausende von Mädchen und Buben aus der bolivianischen Hauptstadt kennen – und das in dieser David-gegen-Goliath-Auseinandersetzung gegen die kommerzielle sexuelle Gewalt und das Krebsgeschwür der trata eine unverzichtbare Rolle spielt.

Ein großer Erfolg: das Gesetz gegen Kinderhandel

Zu den ganz wichtigen Erfolgen des Fundación La Paz-Teams gehört, gemeinsam mit den anderen Netzwerkpartnern erreicht zu haben, dass es in Bolivien jetzt endlich ein nationales Gesetz gegen trata und Menschenhandel gibt. Anfang dieses Jahres wurden nun auch die Ausführungsbestimmungen zu dieser Ley 263 (Gesetz 263) verabschiedet. Susana Aillón und ihre Mitstreiter haben sogar durchgesetzt, dass sich das Parlament der Anden-Staaten mit Sitz in Bogotá, Kolumbien, erstmals mit der Problematik der verschwundenen Kinder beschäftigte. Und im Rahmen des Fundación La Paz-Kindernothilfe-BMZ-Projektes wird es zusammen mit den bolivianischen Schulbehörden eine Überarbeitung aller Lehrpläne mit dem Ziel, trata und Menschenhandel, aber auch das Problem der sexuellen Gewalt gegen Kinder ausführlich im Unterricht zu bearbeiten, geben. „Wir wissen, dass wir immer noch am Anfang dieser Auseinandersetzung stehen“, sagt Susana Aillón, „aber wir werden von Monat zu Monat mehr, die sich mit diesen Verbrechen gegen Kindern einfach nicht mehr abfinden!“

Darüber, dass sie von ihren ärgsten Feinden nicht gebührend wahrgenommen werden, können sich Susana Aillón und ihre Kollegen von der Fundación La Paz nicht beschweren: Ihr jüngstes Buch mit einer Untersuchung über kommerzielle sexuelle Gewalt und den Menschenhandel mit Kindern als Opfer - Existimos Sin Existir (Wir existieren, ohne zu sein) - war noch nicht aus der Druckerpresse, als sich im Sitz der Fundación elegant gekleidete Individuen vorstellten, die unbedingt die Publikation, die zu diesem Zeit noch nirgendwo öffentlich angekündigt war, kaufen wollten. Und aus dem bolivianischen Innenministerium erreichte Jorge Domic zeitgleich das Schreiben eines ranghohen Beamten, der die Fundación in harschem Ton aufforderte, alle ihre Quellen und Kontakte rund um die Recherchen zu diesem Buch offenzulegen und eben diesem Beamten zugänglich zu machen. „Als wir uns diskret im Ministerium erkundigten, wie wir mit dieser Aufforderung umgehen sollten“, erinnert sich Domic, „rieten uns mehrere Mitarbeiter, die unsere Arbeit kennen, dringend, diesem Mann nichts, aber auch gar nichts von unseren Informationen preiszugeben.“

 


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