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Kinder in Pakistan schützen. Foto: Jörg Denker

Pakistan: Gewalt gegen Kinder reduzieren

Gemeinsam mit dem lokalen Partner SPARC setzt sich die Kindernothilfe in Pakistan gegen Missbrauch und Kinderrechtsverletzungen ein. Im Interview erzählt SPARC-Verantwortliche Zarina Jillani über Kinderehe, zu geringe Strafmaße und die Macht der Bildung.

Gemeinsam mit der führenden Kinderrechtsorganisation Pakistans, SPARC (Society for the Protection of the Rights of the Child), engagiert sich die Kindernothilfe seit vielen Jahren für die Einhaltung der Kinderrechte und hat vor kurzem den Bericht „Die Lage der Kinder in Pakistan“ mitfinanziert. Darin kann auch von erfreulichen Erfolgen zum Thema Prügelstrafe in Schulen berichtet werden. Ein Thema, das nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Verleihung des Friedensnobelpreises an die 17-jährige Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai, wieder auf dem Radar der Medien ist. Im Interview mit der Kindernothilfe erzählt SPARC-Verantwortliche Zarina Jillani über den Lagebericht, Kinderehe, zu geringe Strafmaße und die Macht der Bildung.

Kindernothilfe: „Die Lage der Kinder in Pakistan 2013“ berichtet in einem eigenen Kapital über tägliche Gewalt gegen Kinder. Friedensnobelpreisträgerin Malala wurde gar in den Kopf geschossen, weil sie trotz Verbots weiterhin die Schule besuchte. Wie schlimm ist die tägliche Gewalt tatsächlich?

Zarina Jillani: Es sind vor allem die Regionen im Westen Pakistans, in denen die Kinder den größten Gefahren ausgesetzt sind. Missbrauch und Prügelstrafe – zu Hause wie in den Schulen – stehen an der Tagesordnung.

Kindernothilfe: In Indien wurde kürzlich ein Gesetzesentwurf verabschiedet, das die Prügelstrafe in Schulen unter Strafe stellt. Dazu zählt auch psychischer Missbrauch. Würden Sie sich so ein Gesetz auch für Pakistan wünschen?

Zarina Jillani: SPARC betreibt seit Jahren intensives Lobbying für eine Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen bei Prügelstrafen. Im Juni 2010 wurde in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa der Child Protection Act 2010 im Zivilgesetzbuch verabschiedet. Artikel 33 dieses zusätzlichen Gesetzes untersagt jegliche Form der Prügelstrafe. Jedoch verweist das Gesetz gleichzeitig auf Artikel 89 des pakistanischen Strafgesetzbuches, der die Prügelstrafe unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Das heißt, dass nichts, was in gutem Glauben für das Wohl einer Person unter zwölf Jahren von einem Vormund getan wird, ein Angriff ist. Das Gesetz gilt sowohl für das Zuhause, als auch für die Schule, die Betreuungseinrichtung oder den Arbeitsplatz von Kindern. Nur in Fällen von schwerer Körperverletzung wird der Angreifer vor Gericht gestellt. Somit wurde zwar mit dem neuen Gesetz ein wichtiges Ziel erreicht, die Umsetzung des in sich nicht schlüssigen Gesetzes bleibt jedoch leider unklar.

Kindernothilfe: Zahlen aus dem Jahr 2012 zeigen, dass 42 Prozent aller Kinderehen weltweit in Pakistan geschlossen werden. Was kann in diesem Bereich getan werden?

Zarina Jillani. Foto: SPARC
Zarina Jillani von SPARC im Interview.

Zarina Jillani: Kinderehen sind vor allem in ländlichen Regionen weit verbreitet – obwohl die Kinderehe bereits seit 1929 unter Strafe gestellt ist. Doch das Gesetz wird in den weitgehend unabhängigen Regionen nicht exekutiert, oder die geringen Strafen haben keine abschreckende Wirkung. Denn im Falle einer Verurteilung drohen entweder ein Monat Haft oder 1.000 Rupien (7,4 Euro) Strafe. Hier setzt SPARC an: Wir kämpfen gegen Kinderehen. Verbessern wir den Zugang der Mädchen zu Schule und Bildung über die Volksschule hinaus, ist schon ein wichtiger Schritt in der Arbeit gegen Frühverheiratung getan. Die Mädchen sind besser über ihre Rechte aufgeklärt und haben mehr Chancen auf eigene Arbeit.