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Tag gegen Menschenhandel: Kindernothilfe geht gegen Kindesentführungen vor

Trata - verschwundene Kinder, Bild eines verschwundenen Mädchens an der Glastür zum Flughafen El Alto, La Paz (Quelle: Schübelin, Jürgen)
Die Fahndungsmeldungen nach vermissten Kindern sind oft unscheinbar. Foto: Jürgen Schübelin

Hunderte Kinder verschwinden offiziell jährlich in Bolivien, inoffiziell sind es Tausende. Ein Kindernothilfe-Projekt trainiert Kinder aus Risikogruppen darin, wie sie die Gefahr, Opfer von Verschleppungen zu werden, rechtzeitig erkennen können. Die Öffentlichkeit soll verstärkt auf den florierenden Wirtschaftszweig – den Handel mit Kindern – aufmerksam gemacht werden.

Wien 27. Juli 2015 - Man muss schon genau hinsehen, sonst übersieht man sie: kleine, zum Teil handgeschriebene Zettel, auf Busbahnhöfen an die Wand geklebt. Eine schlechte schwarz-weiß-Kopie an einer Tür des Flughafens von La Paz, der Hauptstadt Boliviens – die verlorenen Kinder Boliviens haben es schwer, sich im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten. Hunderte Mädchen und Buben sind im vergangenen Jahr allein in La Paz, Santa Cruz und Cochabamba verschwunden. „Das sind aber nur die offiziellen Zahlen der Polizei – und auch nur die der größten Städte“, sagt Susana Aillón, Psychologin beim Kindernothilfe-Partner Fundación La Paz und eine der profundesten Kennerinnen in Sachen „trata“ – organisiertem Menschenhandel mit dem Ziel der sexuellen oder sklavenähnlichen Ausbeutung der Opfer. „Wir alle wissen, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist.“

Zum Internationalen Tag gegen Menschenhandel am 30. Juli will die Kindernothilfe auf das sich immer weiter ausbreitende Problem des Kinderhandels in Bolivien aufmerksam machen. Das ärmste Land Lateinamerikas hat sich – von der weltweiten Öffentlichkeit so gut wie unbemerkt – innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten lateinamerikanischen „Exportländer“ von Kindern entwickelt. Vor allem Mädchen ab fünf Jahren sind betroffen, werden auf der Straße, wo sie meist arbeiten oder betteln, angesprochen, mit kleinen Geschenken gelockt – und eines Tages sind sie ganz weg. Ein Großteil der Kinder wird über kurz oder lang ins Ausland geschafft, an Bordelle oder Pädophilenringe oder auch Einzelpersonen verkauft.

Dabei hätten die Menschenhändler in Bolivien, wenn ihre Opfer nicht gerade aus der Oberschicht kommen, wenig zu befürchten, sagt die bolivianische Psychologin Aillón. Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes wollen die Kindernothilfe und die Fundación La Paz daher zunächst einmal eine möglichst breite Öffentlichkeit informieren, aufrütteln und zur Gegenwehr bewegen. Kinder aus Risikogruppen werden von Psychologen und Sozialarbeitern systematisch trainiert, wie sie die Gefahr, Opfer von Verschleppungen zu werden, rechtzeitig erkennen können. In drei therapeutischen Zentren werden Kinder, die bereits Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, betreut. Und: Gemeinsam mit den Schulbehörden wird es nun eine Überarbeitung aller Lehrpläne geben – mit dem Ziel, Menschenhandel und das Problem der sexuellen Gewalt gegen Kinder ausführlich im Unterricht zu behandeln.

 

Rückfragen:
Mag. Julia Drazdil-Eder
Telefon: 01/513 93 30-60
julia.drazdil-eder@kindernothilfe.at