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Viele Kinder schuften in Steinbrüchen statt in die Schule zu gehen. (Foto: Malte Pfau)

Welttag gegen Kinderarbeit: Corona verstärkt Ausbeutung von Kindern

Die Corona-Pandemie hat arbeitende Kinder und ihre Familien besonders hart getroffen und zwingt sie mehr denn je in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, warnt die Kindernothilfe anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit.

In vielen Ländern schuften Kinder auf Mülldeponien anstatt in die Schule zu gehen. (Foto: Kindernothilfe)
In vielen Ländern schuften Kinder auf Mülldeponien ... (Foto: Kindernothilfe)

Wien 10. Juni 2020 - Die Corona-Pandemie droht, Millionen von Kindern und ihre Familien in ausbeuterische Verhältnisse zu treiben. Viele von Armut betroffene Mädchen und Buben arbeiten seit jeher, um ihre Familien im täglichen Überlebenskampf zu unterstützen, das eigene Schulgeld zu bezahlen oder die Behandlungskosten für ein krankes Familienmitglied zu finanzieren. Mit der Krise wurden die wenigen Lebensgrundlagen nun von heute auf morgen vollständig zerstört und der ohnehin oft erschwerte Zugang zu Bildung eingeschränkt. Experten sprechen schon jetzt von einem enormen Rückschlag, der Kinderarbeiter in ihrem Schutz, ihrer Förderung und ihrer Entwicklung um Jahrzehnte zurückwerfen wird.

Zum diesjährigen Welttag gegen ausbeuterische Kinderarbeit blicken wir noch immer auf eine ernüchternde Bilanz: Laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten derzeit 152 Millionen Kinder weltweit, rund 72 Millionen sogar unter besonders schweren, ausbeuterischen und gesundheitsgefährdenden Bedingungen. Die Weltgemeinschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, die schlimmsten Formen von Kinderarbeit bis 2025 zu beenden. Doch nun hat die weltweite Corona-Pandemie arbeitende Kinder und ihre Familien besonders hart getroffen und so die Zielerreichung in weite Ferne gerückt. 

Oder in Steinbrüchen anstatt in die Schule zu gehen. (Foto: Malte Pfau)
... oder in Steinbrüchen anstatt in die Schule zu gehen. (Foto: Malte Pfau)

Die Kindernothilfe hat angesichts der globalen Krise eine Befragung arbeitender Kinder und ihrer Familien in sechs ihrer Projektländern durchgeführt. Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen auf, welche dramatischen Auswirkungen die Pandemie auf ihr Leben und ihre Rechte hat.

„Wenn wir arbeiten, haben wir ausreichend und gutes Essen. Wenn wir nicht arbeiten dürfen, müssen wir essen, was wir finden oder – im schlimmsten Fall – essen wir gar nicht“, erzählt etwa ein 16-jähriger Müllsammler von den Philippinen. Ausgangsbeschränkungen oder Lock-Downs verschlimmern somit die Situation jener Familien, die ohnehin schon von der Hand in den Mund leben.

Mit den weltweiten Schulschließungen fehlt einem Großteil der Mädchen und Buben aus armen und ärmsten Verhältnissen nun zudem der Zugang zu jeglicher Form von Bildung. Einige der Schulen unterrichten zwar online weiter – doch fehlt es in den meisten Familien an Computern oder Internetzugängen. So fordert ein Mädchen aus Bolivien: „Die Unterrichtseinheiten sollten via Radio oder TV stattfinden, denn dann hätten die meisten Kinder auch die Möglichkeit daran teilzunehmen. Wenn es bei dem reinen Online-Unterricht bleibt, haben wir keinen Zugang – entweder weil wir kein Smartphone haben oder weil wir uns das benötigte Datenvolumen nicht leisten können.“ Ohne Zugang zu Bildung aber bleibt den meisten Kindern und Jugendlichen nur der Weg in die Ausbeutung.

Rückfragen:
Mag. Julia Drazdil-Eder
Telefon: 01/513 93 30-60
julia.drazdil-eder@kindernothilfe.at