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Kinderschutzzentren im Libanon: Wo Flüchtlingskinder wieder lachen lernen

Millionen syrische Kinder sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat auf der Flucht. Jedes von ihnen hat eine eigene, schreckliche Geschichte zu erzählen. In den Schutzzentren der Kindernothilfe helfen ihnen Therapeuten, ihr Kriegstrauma zu bewältigen.

Nemaa trägt immer helle Farben, heute hat sie einen gelben Pullover an und die Fingernägel orange lackiert. Sie macht das, um Licht in all das Dunkle in ihrem Kopf zu bringen, um das Blut zu übermalen, das die Zwölfjährige gesehen hat - zu Hause in Al Qunaitra in Syrien. Suha hat ein Gedicht geschrieben, in geschwungenen arabischen Buchstaben steht es in einem Schulheft: „Syrien, du bist wie eine Träne auf unseren Wangen. Millionen Menschen weinen.“ Auch ihre Oma weint immer, erzählt Suha. Berichtet von ihren Erlebnissen im Bürgerkrieg, während die anderen Kinder um sie herum spielen. Hier, im Schutzzentrum der Kindernothilfe.

WAZ KNH Libanon - Weihnachts-Spendenaktion 2014 (Quelle: Jakob Studnar)
Viele der Kinder sind schwer traumatisiert.

Millionen Kinder sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen, Hunderttausende allein ins Nachbarland, den Libanon. Und jedes von ihnen hat eine eigene, schreckliche Geschichte zu erzählen. Das Projekt, das die Kindernothilfe unterstützt, liegt in der libanesischen Region Chouf. Mit unserem lokalen Partner Amurt betreuen wir hunderte Mädchen und Buben, die keine Schule besuchen können - aus Platzmangel oder weil sie zu stark traumatisiert sind. Sie erhalten neben dem normalen Unterricht auch eine einfühlsame psychosoziale Betreuung: Therapeuten helfen den Kindern, ihr Kriegstrauma zu bewältigen.

Auch Halima kommt täglich in ein Kindernothilfe-Schutzzentrum - hier in Kafr Nabrakh. 120 Mädchen und Buben werden hier in den kommenden drei Monaten auf den bevorstehenden Schulalltag vorbereitet. Die fünfjährige Halima lacht nicht und spricht nicht, sie sieht verloren aus unter den anderen tanzenden Kindern. Ihre Familie stammt aus Qunaitra und ist vor zwei Jahren vor Bombenterror, Gewalt und Angst von den Golanhöhen geflohen. Halima hat mehr gesehen, als eine Kinderseele erträgt. Der Vater verdingt sich seitdem als Tagelöhner in der kleinen Stadt und bringt abends, wenn es gut läuft, 20 bis 30 Dollar mit nach Hause. Für eine zehnköpfige Familie reicht das Geld aber nicht aus. Allein der Schulbesuch für ein Kind kostet im Libanon jährlich 600 US-Dollar. Registrierung, Transport, Schuluniform, Bücher und Lehrmaterial inklusive. Ohne die Unterstützung der Kindernothilfe könnte keine der schulpflichtigen Schwestern die Schule besuchen.

WAZ KNH Libanon - Weihnachts-Spendenaktion 2014 (Quelle: Jakob Studnar)
Im Schutzzentrum helfen Psychologen den Kindern, ihre Traumata zu bewältigen.

Halima kommt täglich in das Kinderschutzzentrum „Al Mahabbah“, was so viel heißt wie „Die Liebe“. Langsam und mit viel Geduld der Sozialarbeiter lernt sie hier, sich an den bevorstehenden Schulalltag zu gewöhnen. Vor allem – sagt Nadia Rabeh, die Psychologin des Kinderschutzzentrums – geht es darum, dass sich Kinder wie Halima aus ihrer Schockstarre lösen, ihre Gefühle wieder zulassen und einen Weg finden, Erlebtes auszudrücken – durch Malen, Spielen und manchmal auch durch ihre Tränen.„Es dauert lange, bis die Kinder Vertrauen fassen und mit uns über ihre Sorgen und Ängste sprechen“, erzählt Rabah aus ihrem Alltag mit den Flüchtlingskindern. „Und noch länger braucht es, bis sie wieder fröhliche Blumen oder lachende Gesichter malen können.“