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Ein Junge in Ruanda wird von seinem Vater auf dem Fahrrad angeschoben. (Quelle: Jakob Studnar)

Bildung schafft Zukunft

Nur wer zur Schule geht und eine gute berufliche Ausbildung hat, kann sich ein gesichertes Leben aufbauen. Aber noch immer fehlt etwa 60 Millionen Mädchen und Buben weltweit die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Hinzu kommen viele, die diese Möglichkeit zwar haben, in ihrem Unterricht aber wenig über Lebenswichtiges wie etwa Gesundheit, Hygiene, Ernährung oder Konfliktlösung lernen. Jedes dieser Kinder droht in einen Teufelskreis aus fehlender Bildung, Armut und allen damit verbundenen Problemen zu geraten - mit weitreichenden persönlichen und gesellschaftlichen Folgen. Darum engagiert sich die Kindernothilfe Österreich für Bildung und Ausbildung. 

  • Grundbildung

    Schulbildung schafft Chancen: Kinder, die zur Schule gehen, haben bessere Aussichten auf Arbeit, kennen Gesundheitsrisiken und können sinnvolle Entscheidungen für ihr Leben treffen. Aber viele Familien in den Ländern des Südens leben in extremer Armut. Kinder müssen deshalb mitarbeiten, um den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Die Folge: Rund 57 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule (UNESCO Institute for Statistics).

    In den Millenniumsentwicklungszielen hat sich die Weltgemeinschaft zum Ziel gesetzt, dass im Jahr 2015 jedes Kind wenigstens eine abgeschlossene Grundschulausbildung bekommt und Mädchen und Buben gleichermaßen zur Schule gehen können. Tatsächlich sind in den letzten zehn Jahren Fortschritte erzielt worden: Laut dem UNESCO Weltbericht "Bildung für alle 2011" ist die Einschulungsrate in Subsahara-Afrika trotz Bevölkerungswachstum um ein Drittel gestiegen. Der Anteil der Mädchen, die weltweit keine Schule besuchen, konnte von 60 auf 53 Prozent gesenkt werden. Während 1999 in Subsahara Afrika noch 42 Millionen Kinder nicht zur Schule gingen, waren es nach Angaben der UNESCO 2010 noch 31 Millionen Kinder. Dennoch gibt es weiterhin große Bildungsunterschiede und die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, stagniert seit Jahren. Mädchen, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder aus armen Familien und aus ländlichen Gegenden sind nach wie vor schlechter gestellt. In ländlichen Gebieten Afghanistans beispielsweise gehen 92 Prozent der Mädchen nicht in die Schule.

  • Berufsbildung

    Ein Junge schleift Holz in einer Schreinerei.
    Jugendlicher aus Bolivien macht eine Ausbildung zum Schreiner.

    Ohne Ausbildung keine guten Lebensperspektiven – dieser Satz gilt überall auf der Welt. In Entwicklungsländern haben Jugendliche häufig keinen Zugang zu Berufsbildungsprogrammen. Aber auch dort, wo eine berufliche Ausbildung möglich ist, ist diese oft nicht auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt.

    Eine für die Jugendlichen relevante berufliche Bildung umfasst daher das Erlernen und Erweitern von praktischen Fähigkeiten und theoretischen Kenntnissen. Erstes Ziel ist nicht, dass ein offizieller Abschluss erreicht wird, sondern dass junge Menschen ihren eigenen Lebensunterhalt sichern können. Berufliche Bildung ist auf die Bedürfnisse des Einzelnen und des Gemeinwesens ausgerichtet, gesellschaftlich relevant und orientiert sich am Arbeitsmarkt. Berufliche Bildung trägt so zur nachhaltigen Entwicklung bei.

  • Lebenskompetenz und Menschenrechte

    Denkt man hierzulande an Bildung, hat man vor allem Karrierechancen im Kopf: Wer die Möglichkeit zu einer guten Ausbildung hat, wird es zu etwas bringen im Leben. Bildung umfasst aber noch viel mehr. Lebenskompetenzen (life skills) zielen auf die Stärkung und Förderung von Fähigkeiten ab, die eine positive bzw. erfolgreiche Gestaltung des eigenen Lebens sowie eine konstruktive Bewältigung von schwierigen Lebensphasen ermöglichen. Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet die folgende Fähigkeiten dafür als wesentlich: Selbstwahrnehmung, Empathie, kreatives und kritisches Denken, Entscheidungsfähigkeit, Problemlösungskompetenz, effektive Kommunikationsfähigkeiten, interpersonale Beziehungsfähigkeiten, Gefühlsbewältigung und Stressbewältigung. Lebenskompetenzprogramme zeichnen sich durch sehr interaktive Lehr- und Lernmethoden aus. Sie werden weltweit sowohl in formalen als auch in non-formalen Bildungskontexten angewendet.

    Zwei Kinder in Sri Lanka schaukeln.
    Bildung ist mehr als Rechnen, Schreiben und Lesen.

    Zudem benötigen Kinder in Ländern des Südens Wissen über Menschenrechte und Kompetenzen, damit sie sich für diese einsetzen und gegenüber staatlichen Institutionen einfordern können. In unseren Projekten machen wir uns deshalb stark für eine gute, umfassende und inklusive Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, die neben Rechnen, Schreiben und Lesen auch alle weiteren lebenswichtigen Kompetenzen sowie Kenntnisse über Kinderrechte vermittelt, die an die Lebenswirklichkeiten der Kinder angepasst sind. Das heißt etwa: Kinder in kargen ländlichen Regionen sollten über Lebensmittel-Anbau und Wasserspeicherung basierend auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit Bescheid wissen. Kinder in Regionen mit hoher HIV/Aids-Rate sollten über die Ansteckungsrisiken aufgeklärt werden und Selbstbewusstsein entwickeln, um Gefahrensituationen souverän zu begegnen. Und Kinder in allen Regionen sollten über ihre Rechte aufgeklärt und befähigt werden, diese einzufordern.

  • Bildung - unersetzlich in Kindernothilfe-Projekten

    Die Kindernothilfe engagiert sich in ihren Partnerländern für eine umfassende, gute Grundbildung in formalen, non-formalen und alternativen Bildungsprogrammen, von der frühkindlichen Bildung über die Grundschulbildung bis zur Berufsbildung. Die Projekte und Programme zielen darauf ab, die Familien ökonomisch und sozial so zu stärken, dass sie in der Lage sind, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ihr Recht auf Bildung einzufordern. Außerdem stellen die Kindernothilfe-Partner für Kinder in besonders schwierigen Situationen Bildungsangebote zur Verfügung, die an ihre spezifischen Bedürfnissen angepasst sind und die Lebenssituation nachhaltig verbessern. Dies sind zum Beispiel Schulen und Fördermaßnahmen, die Kinder, die lange nicht zur Schule gegangen sind, auf den Unterricht in einer staatlichen Schule vorbereiten. Lehrerinnen und Lehrer werden darin fortgebildet, die Kinderrechte zu achten und ihren Unterricht an die Lebenswirklichkeit der Schüler anzupassen. Auch unsere Berufsausbildungsprogramme richten sich an der Realität der Kinder und den lokalen Arbeitsmarkt aus und bewirken eine konkrete Verbesserung ihrer Lebensumstände.

    Dazu schaffen wir auch sogenannte non-formale Bildungsangebote, die zunächst nicht in den staatlichen Betrieb eingebunden sind, später aber damit verknüpft werden sollen. Damit sollen auch Kinder erreicht werden, die völlig vom Bildungssystem abgeschnitten sind. Das sind häufig Kinder, die unter extremer Armut leiden und ausgestoßen sind, wie etwa Straßenkinder oder arbeitende Kinder. Auch in Kriegen, Konflikten und nach Naturkatastrophen bleibt vielen Kindern Bildung verwehrt. Non-formale Bildungsprogramme müssen nach Katastrophen sehr häufig für einen begrenzten Zeitraum fehlende formale Bildung ersetzen.

    Wichtig, aber oft vernachlässigt, ist die frühkindliche Erziehung und Entwicklung. Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind aus psychologischer Sicht eine entscheidende Phase, denn hier werden die Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt. Kinder unter fünf Jahren gehören zu den verletzlichsten einer Gesellschaft. Daher setzt die Kindernothilfe einen Schwerpunkt auf ganzheitliche Projekte zur frühkindlichen Bildung und Frühförderung.

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Das Dossier der Kindernothilfe e.V. in Zusammenarbeit mit der Redaktion welt-sichten zum Potenzial frühkindlicher Bildung für nachhaltige Entwicklung ist im September 2014 erschienen.

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