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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

8. Mai 2020

Najwas Alltag

Die 14jährige Najwa* aus Aleppo in Syrien, lebt seit fünf Jahren mit ihrer Familie in einem Flüchtlingscamp im grenznahen libanesischen Ghazzé. Heute sieht sie besorgt aus. Normalerweise kocht die Mutter mittags etwas auf dem kleinen Gaskocher vor dem Zelt für sie und ihre sieben Geschwister. Aber heute hat es dafür nicht gereicht. Seit Wochen lebt die Familie auf Sparflamme. Durch die Corona-Krise hat ihr Vater keine Arbeit mehr. Bisher hatte er als Fahrer in einer Möbelfirma gearbeitet, die einem syrischen Flüchtling gehört, und Najwa konnte zur nahegelegenen Damme-Schule gehen.

Najwa fehlt die Schule. (Foto: ALPHA Libanon)
Najwa fehlt die Schule. (Foto: ALPHA Libanon)

Seit der Corona-Krise ist alles anders

Nachdem im Februar der erste Corona-Infizierte entdeckt wurde, hat die libanesische Regierung schrittweise das öffentliche Leben lahmgelegt und auch die Schulen geschlossen. Die aufgrund der Corona-Krankheit verhängten neuen restriktiven Bedingungen der sozialen Distanzierung, der Quarantäne und der Ausgangssperre führten in den Flüchtlingslagern zu einem totalen Einkommensverlust, da die meisten syrischen Flüchtlinge bisher als Tagelöhner in der Landwirtschaft, auf dem Bau oder als Taxifahrer gearbeitet hatten. Auch viele Kinder mussten arbeiten, um das Überleben der Familien zu sichern. Seit dem 15. März ist die Arbeit auf den Feldern und in vielen anderen Bereichen verlangsamt. Nur eines von drei Familienmitgliedern, die auf den Feldern arbeiten, kann einen Tageslohn erhalten, 10 Dollar für 8 Stunden Arbeit. Doch wie soll sich eine zehnköpfige Familie mit 10 Dollar pro Tag über Wasser halten?

Hinzu kommt eine dramatische Finanzkrise, die den Libanon seit Monaten beutelt. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage hatten sich die Lebensmittelpreise schon vor Corona innerhalb weniger Wochen mehr als verdoppelt. Es gibt einen Mangel an Grundnahrungsmitteln. Aufgrund der gestiegenen Preise und fehlenden Einkommensmöglichkeiten können immer weniger Familien ihre Kinder ausreichend ernähren.

Vor der Corona-Krise ging ich morgens in die Damme-Schule, um dort Förderunterricht zu erhalten sowie Computer- und Zeichenunterricht. Ich bin in der siebten Klasse. Viele Mädchen in meinem Alter müssen auf den Feldern arbeiten, ich war sehr froh, dass ich einen Platz bekommen hatte. Um 13 Uhr kam ich ins Lager zurück, aß zu Mittag und ging dann um 14 Uhr in die öffentliche libanesische Schule, da der Unterricht für syrische Kinder dort nachmittags stattfindet.

Najwa, 14

Im Camp eingesperrt

„Jetzt mit Corona bin ich im Lager eingesperrt. Die Schule ist geschlossen. Wir erhalten unsere Hausaufgaben auf dem Handy unseres Vaters, wir lernen ein wenig, spielen im Zelt […]. Die Aufgaben zu machen ist nicht leicht, denn Ruhe zum Lernen gibt es nicht.“, erklärt Najwa.

Najwa vor dem Zelt, in dem sie mit ihrer zehnköpfigen Familie im Flüchtlingscamp lebt. (Foto: ALPHA Libanon)
Najwa vor dem Zelt, in dem sie mit ihrer zehnköpfigen Familie im Flüchtlingscamp lebt. (Foto: ALPHA Libanon)

Im Lager haben die Bewohner Angst: vor Ratten und anderen Tieren und vor dem neuen Virus. Die Familien leben auf engstem Raum, die hygienischen Bedingungen sind schlecht. Soziale Distanz ist hier schwer durchsetzbar. Gemeinsam mit neun anderen Familienmitgliedern teilt sich Najwa ein Zelt. Privatsphäre gibt es da nicht. Latrinen und Duschen nutzt die Familie gemeinsam mit vier anderen Familien. Den Menschen fehlt es an allem. Sie haben keine Masken oder Handschuhe und es gibt keine Seife oder Desinfektionsmittel. Außerdem sind auch diese Preise stark gestiegen. Früher kosteten drei Liter Chlor zwei Dollar, jetzt sind es vier Dollar.

Angesichts der mangelhaften Hygienebedingungen und fehlender medizinischer Hilfe ist die Gefahr groß, dass sich das Virus unter den Bewohnern im Lager verbreitet. Prinzipiell ist das UNHCR für die syrischen Lager und Bewohner zuständig. Bisher gab es aber keine Zelte zur Isolation von Infizierten und auch keine Corona-Tests im Lager. Es wurde eine Hotline eingerichtet, die die syrischen Flüchtlinge anrufen können, wenn sie krank oder in Gefahr sind und für kranke Menschen ist der Zugang zu Krankenhäusern prinzipiell möglich.

Aber was ist mit der Enge und der sozialen Distanz? Die meisten der Lager im Libanon wurden zwischenzeitlich vom UNHCR mit Wasserstoffperoxid besprüht. Das Camp, in dem Najwa mit ihrer Familie lebt, wurde von der Gemeinde mit Hilfe von lokalen Freiwilligen der Damme-Schule besprüht.

Flüchtlingslager im Libanon werden mit Wasserstoffperoxid besprüht. Das soll gegen das Virus helfen. (Foto: ALPHA Libanon)
Flüchtlingslager im Libanon werden mit Wasserstoffperoxid besprüht. Das soll gegen das Virus helfen. (Foto: ALPHA Libanon)

Auch Najwas Mutter ist besorgt. Peinlich genau achtet sie darauf, dass alles sauber bleibt. So wie die anderen Lagerbewohner bezieht die Familie das Wasser aus einem Brunnen. Jedes Zelt hat einen Tank, das Wasser kommt aus einer Leitung zu den Tanks. Dieses Wasser ist allerdings verunreinigt, weil der Brunnen in der Nähe der Abwasserkanalisation gebohrt wurde. Um das Brunnenwasser für den Haushalt zu benutzen, kocht Najwas Mutter das Wasser bei 90 Grad ab. Trinkwasser muss sie zusätzlich kaufen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist die Krätze eine häufige Krankheit. Da das Lager auf einem Feld errichtet wurde, werden die Bewohner immer wieder von Ratten und anderen Nagetieren befallen.

Meine Mutter hat Angst vor dem Virus. Sie ist hysterisch bezüglich des Händewaschens und der Wäsche. Sie putzt den ganzen Tag. Die Nachbarn sind untereinander misstrauisch, jeder vermutet, dass der andere Corona hat…

Najwa, 14

Die Bewohner versuchen, so gut es geht mit der neuen Situation und den Gefahren umzugehen. Auch Najwa fällt es nicht leicht. „Es ist langweilig, meine Brüder und Schwestern ärgern mich. Ich wünschte, ich könnte ein bisschen Privatsphäre haben und hätte ein eigenes Zimmer…“ Die Schule fehlt ihr und sie ist besorgt über die Situation ihrer Familie aufgrund der Corona-Krise und die Zukunft. Aber sie ist dankbar über die Hilfe von außen. Lokale und internationale Organisationen (wie ALPHA Libanon und die Kindernothilfe) verteilen Hygiene- und Lebensmittelkörbe. Jetzt werden Reis, Linsen, Kichererbsen, Spaghetti, Zucker, Milch, Tee und Kaffee wieder auf dem Speiseplan stehen. Und Seife, Chlor zur Desinfektion, Handschuhe, waschbare Atemschutzmasken aus Stoff und Waschmittel werden Najwas Mutter helfen, sich und ihre Familie vor Verunreinigungen zu schützen.

* Name von der Redaktion geändert

Die 14jährige Najwa* aus Aleppo in Syrien, lebt seit fünf Jahren mit ihrer Familie in einem Flüchtlingscamp im grenznahen libanesischen Ghazzé. Heute sieht sie besorgt aus. Normalerweise kocht die Mutter mittags etwas auf dem kleinen Gaskocher vor dem Zelt für sie und ihre sieben Geschwister. A[...]

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1. Mai 2020

Ein Hemd am Fenster signalisiert Gewalt in der Familie

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat auf einen weltweit dramatischen Anstieg der häuslichen Gewalt im Zusammenhang mit COVID-19 hingewiesen. In einigen Ländern hat sich die Zahl der Anrufe bei den Notfallhotlines verdoppelt. Gleichzeitig sind in Zeiten der Kontaktsperre die soziale Kontrolle schwierig geworden und das Aufdecken von Kindesmissbrauch unwahrscheinlicher geworden, da die Betreuung der gefährdeten Familien auf ein Minimum reduziert wurde. Durch die weitverbreiteten Schulschließungen, können auch die Lehrkräfte keine Anzeichen von körperlicher Gewalt wahrnehmen und anzeigen.

Lateinamerikas Kinder sind erhöhter Gewaltbereitschaft ausgesetzt. (Foto: James Rodriguez)
Lateinamerikas Kinder sind erhöhter Gewaltbereitschaft ausgesetzt. (Foto: James Rodriguez)

Lateinamerikas Kinder

Lateinamerika ist bekannt als Region mit dem höchsten Gewaltaufkommen weltweit. „Die Mischung aus Armut, Ungleichheit, organisiertem Verbrechen, politischer Korruption und Regierungen, die nicht die Menschenrechte schützen, potenzieren sich gegenseitig zu einer hohen Gewaltbereitschaft unter den Einwohnern, vor allem gegen die Schwächsten: die Kinder und Jugendlichen.“, sagt Andrea Iglesis, Sozialpsychologin, Expertin für Kinderrechte und Kindernothilfe-Regionaltrainerin für Lateinamerika in Sachen Kinderschutz.

Laut den aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen „sind mehr als die Hälfte der Mädchen, Buben und Jugendlichen in der Region Opfer von physischer und emotionaler Gewalt, Vernachlässigung oder sexuellem Missbrauch. 40 Millionen Kinder unter 15 Jahren leiden unter Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung in der Familie der Schule und der Gemeinschaft.“ Das bedeutet, dass jeden Tag 67 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren Opfer von Mord und Totschlag sind – eine Rate, die fünfmal höher ist als der weltweite Durchschnitt. Zudem werden in Lateinamerika jeden Tag 1,1 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren Opfer von sexueller Gewalt. 6,3 Millionen Migranten sind unter 18 Jahren und es werden täglich mehr – aufgrund von Armut und Gewalt in ihren Familien und Gemeinden.

Zahlen, die schwer auszuhalten sind. Und die Vorstellung, dass sie angesichts Corona noch steigen könnten, ist erschütternd. Aber die Erfahrung lehrt, dass es so sein wird: Ausnahmezustände während einer Krise oder einer Katastrophe führen zu noch mehr Stress in den Familien, der sich in noch mehr Gewalt entlädt.

Anstieg der Gewaltbereitschaft

Die Folgen der Coronakrise haben nicht lange auf sich warten lassen. Die Systeme der Grundversorgung funktionieren mancherorts nicht mehr und es ist zu einem Anstieg von Morden an Frauen und häuslicher Gewalt gekommen, von der vor allem Kinder betroffen sind. Die Schutzmaßnahmen für Bedürftige und Kinder, die die einzelnen lateinamerikanischen Staaten je nach Mitteln und Möglichkeiten in ihren Statuten verankert haben, werden zur Zeit reduziert. „Selbst Vergehen an Minderjährigen werden zurzeit seltener gerichtlich verfolgt, was zu einem Anstieg der Gewalt führt“, beklagt Andra Iglesis.

In Zeiten von Corona gibt es viele Bereiche, die eine Herausforderung in Bezug auf den gesundheitlichen und seelischen Schutz der Mädchen und Buben darstellen. Insbesondere gilt dies für Kinder in Wohnheimen, Krankenhäusern und Jugendhaftanstalten. Ausgegrenzt von institutionalisierten Hilfsmaßnahmen sind zudem Straßenkinder sowie Kinder von Migranten und Flüchtlingen.

Internet: Segen und Fluch

In Zeiten der Kontaktsperre und Isolation, wenn Kinder nicht mit Lehrern oder anderen Vertrauenspersonen sprechen und sie um Hilfe bitten können, ist das Internet einerseits ein großer Segen. Organisationen wie die lokalen Kindernothilfe-Partner haben Seiten eingerichtet, über die Kinder Bescheid geben können, wenn sie Opfer von Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Für viele eine Hilfe, für andere aber auch nur ein schöner Traum. Laut UIT, der Telefongesellschaft in Lateinamerika und der Karibik, haben im Durchschnitt nur 44 Prozent der Haushalte in Lateinamerika Zugang zum Internet – in Zentralamerika und den Andenländern sind es gerade mal 34 Prozent, in der Karibik sogar nur 20 Prozent. „Und diese Zahlen gelten auch nur für die Städte. Ländliche Regionen sind stark benachteiligt, was den Zugang zu Hilfsportalen im Internet betrifft“, sagt Andrea Iglesis. Sie weist außerdem darauf hin, dass das Internet nicht nur ein Segen in Quarantänezeiten ist, sondern unter Umständen für Minderjährige auch ein Fluch: „In derselben Weise, wie sich der Gebrauch der Informationstechnologien im Moment erhöht, wächst auch die Cyber-Kriminalität.“ Eine Aufklärung der Bevölkerung über die Gefahren des Internets sei ebenso dringend notwendig wie eine Prävention und Ahndung möglicher Delikte.

Hilfe für misshandelte Kinder

„Es gibt Hilfsangebote aus der Zivilbevölkerung heraus, um den Kindern zu helfen: zum Beispiel die Vereinbarung, ein Hemd in einer bestimmten Farbe aus dem Fenster zu hängen, wenn man Hilfe benötigt – als Signal für Nachbarn und Passanten, dass hier ein Kind in Not ist.“ – ein einfacher, praktikabler und wirksamer Weg für misshandelte Kinder.

Die Kindernothilfe und ihre Partnerorganisationen in Lateinamerika arbeiten schon seit vielen Jahren mit den lokalen Behörden zusammen, um Maßnahmen zur Gewaltprävention zu entwickeln, damit Kinder geschützt aufwachsen können. Sie fangen missbrauchte Mädchen und Buben, die nicht in ihren Familien bleiben können, in Schutzhäusern auf. Zudem werden Eltern über Kinderrechte aufgeklärt und bei ihrer Umsetzung unterstützt. In der aktuellen Situation arbeiten viele Partner mit Hochdruck daran, in ihren Projektgebieten den innerfamiliären Stress zu minimieren und die Gesellschaft dazu zu bringen, Gewaltdelikte anzuzeigen. Es wurden bereits frühzeitig gesundheits- und gewaltpräventiven Maßnahmen zum Schutz der Kinder verstärkt. So haben sie zum Beispiel Ansprechpartner in Gemeinden bestimmt, um schnell auf mögliche Vergehen reagieren zu können, ohne das Kontaktverbot zu verletzen.

Die Zukunft der Kinder in Lateinamerika

Laut einer Studie von Human Rights Watch vom 9. April 2020 gibt es Anzeichen, dass die durch COVID-19 verursachte Krise lang anhaltende und verheerende Auswirkungen auf die Mädchen und Buben in Lateinamerika haben wird.

Durch die Wahrscheinlichkeit eines Gesundheitssystem-Kollaps in vielen lateinamerikanischen Regionen verschärft sich das Risiko der Kindersterblichkeit, da notwendige Impfungen oder andere Medikamente nicht mehr gegeben werden können. Diese Gefahr ist in den vielen Flüchtlings- und Migrantenlager, wo tausende Menschen dicht gedrängt leben und weder das Kontaktverbot noch die erforderlichen Hygieneregeln eingehalten werden können, noch größer. Zusätzlich sind jene Kinder, die aus Schutzgründen in Wohnheimen untergebracht werden und dort auf engem Raum mit anderen Kindern aus anderen Familien zusammenleben, einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

Abgesehen davon ist davon auszugehen, dass der Arbeitsplatzverlust und das geringere Einkommen sowie die damit einhergehende finanziell unstabile Situation in vielen Familien dazu führen wird, dass mehr Kinder als vorher arbeiten müssen. Ebenso ist mit einem Anstieg des sexuellen Missbrauchs, der Kinderehen und der Kinderschwangerschaften sowie der sexuellen Ausbeutung über das Internet zu rechnen. Die durch COVID-19 zu Waisen oder Halbwaisen gewordenen Kinder sind dabei noch schutzloser der Gefahr von sexueller und kommerzieller Ausbeutung ausgesetzt.

Um die Kinder Lateinamerikas in dieser Krise und auch danach zu schützen, braucht es neben legislativen Strukturen Räume der Sicherheit für Kinder. Zudem müssen Familien finanziell gestärkt und auf die Rechte ihrer Kinder hingewiesen werden.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat auf einen weltweit dramatischen Anstieg der häuslichen Gewalt im Zusammenhang mit COVID-19 hingewiesen. In einigen Ländern hat sich die Zahl der Anrufe bei den Notfallhotlines verdoppelt. Gleichzeitig sind in Zeiten der Kontaktsperre die soziale Kont[...]

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Alle haben das Recht auf Gesundheit

Ob hier in Österreich oder weltweit: derzeit beherrscht die Coronakrise unser aller Leben. Familien bangen um ihre Existenz und Versorgung ihrer Kinder.

Doch viele dringliche Herausforderungen in Fragen globaler Gesundheit werden durch den Fokus auf das Coronavirus aus dem Blick verdrängt. Als zentrale Aufgabe gilt es, das Recht auf Gesundheit für Alle durchzusetzen und die Gesundheitssysteme weltweit zu stärken, um Krankheiten wie HIV/AIDS, Tuberkulose oder Malaria wirksam zu begegnen. Denn so wie viele Krankheitserreger zuvor, wird das Coronavirus besonders dort weitreichende Folgen haben, wo Menschen bereits geschwächt sind und Gesundheitssysteme schlecht ausgestattet sind. Krankheit gefährdet Einkommen, Bildung und politische Teilhabe.

In den ärmlichen ländlichen Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens sind Mobile Krankenstationen oft die einzige Gesundheitsversorgung. (Foto: CHristoph Engels)
In den ärmlichen ländlichen Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens sind Mobile Krankenstationen oft die einzige Gesundheitsversorgung. (Foto: CHristoph Engels)

Um die globale Gesundheit zu verbessern, braucht es daher eine angemessene Finanzierung. Nur wenn Entwicklungsländer und Industriestaaten die Gesundheitsfinanzierung substantiell erhöhen und solidarisch gestalten, können die Gesundheitsbezogenen Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung erreicht werden. 

Die Bereiche HIV/Prävention, Aufklärung und Betreuung stellen auch einen Bestandteil der Projektarbeit der Kindernothilfe dar. Dabei steht die Hilfe für Kinder in Notsituationen – wie Aidswaisen – im Fokus.

Die Kindernothilfe schließt sich den Forderungen an, die im Hintergrundpapier vom Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) und dem Aktionsbündnis gegen AIDS festgehalten sind. Das Papier vom März 2020 umreißt die dringlich erforderlichen Schritte, um eine Mindesthöhe an öffentlichen Finanzmitteln für die Gesundheitsversorgung in den benachteiligten Ländern zu erreichen. Die Gesundheitssysteme müssen global gestärkt und der Zugang zu Medikamenten nachhaltig gesichert werden.

Selbst wenn die Länder mit niedrigen Einkommen die größtmöglichen Eigenanstrengungen unternehmen, sind sie weit davon entfernt, den dringlichen Finanzierungsbedarf durch inländische Quellen wie Steuern und Sozialausgaben decken zu können. Es braucht einerseits Maßnahmen zur Stärkung ihrer nationalen Ressourcen sowie zur Bekämpfung von Korruption und Steuervermeidung in ärmsten Ländern. Und andererseits müssen die Industrieländer bis 2025 mindestens 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens für gesundheitsbezogene Entwicklungszusammenarbeit aufbringen.

Multilaterale Instrumente, wie die Impfallianz Gavi, die den ärmsten Ländern der Welt Impfstoffe zu niedrigeren Preisen ermöglicht, und der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, sind konsequent zu stärken, damit diese Organisationen ihre zentrale Rolle bei der Bewältigung der jeweiligen spezifischen Gesundheitsprobleme weiterentwickeln können.

Auch Österreich hat sich verpflichtet, die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen zu erreichen, dazu zählt auch das Ziel 3 „Ein gesundes Leben für alle Menschen jedes Alters gewährleisten“. Um dieses Nachhaltigkeitsziel 3 bis 2030 zu erreichen, müssen die finanziellen Mittel Industrieländer und die Gesundheitsausgaben in den Partnerländern signifikant steigen. Die bisherige Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Gesundheit hat bereits Erfolge gezeitigt: die Gesundheitssituation in Entwicklungs- und Schwellenländern wurde verbessert. So sterben heute weniger Kinder aufgrund gesundheitlicher Probleme oder durch Mangelernährung als zu Beginn des Jahrtausends. Dennoch sind wir heute weit davon entfernt, das Recht aller Menschen auf Gesundheit zu verwirklichen. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, um die weltweiten Strukturen der Ungerechtigkeit auf dem Gebiet der Gesundheit zu überwinden

Ob hier in Österreich oder weltweit: derzeit beherrscht die Coronakrise unser aller Leben. Familien bangen um ihre Existenz und Versorgung ihrer Kinder. Doch viele dringliche Herausforderungen in Fragen globaler Gesundheit werden durch den Fokus auf das Coronavirus aus dem Blick verdrängt. Als [...]

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24. April 2020

Mehndi: typisch indische Handbemalung

Bei indischen Hochzeiten bemalen Schwestern oder Freundinnen der Braut Hände und Füße. Diese Technik heißt Mehndi. Als Farbe verwenden sie Henna, ein Naturfarbstoff, der aus den getrockneten und zerriebenen bzw. zermahlenen Blättern des Hennastrauches (Lawsonia inermis) gewonnen wird. Die Motive, die sie malen, haben eine Bedeutung: ein Pfau steht für Schönheit, ein Schwan für Erfolg, Blumen für Freude und Glück.

Typisch indische Mandala-Mehndis (Foto: Ali Ashraf Syed/shutterstock)
Typisch indische Mandala-Mehndis (Foto: Ali Ashraf Syed/shutterstock)

Mehndis selber machen:

Statt Henna kann man einen schwarzen oder braunen Kajalstift verwenden, der im Gegensatz zu deem natürlichen Färbemittel wieder abwaschbar ist. Ausserdem braucht man Schmierpapier zum Vormalen, Bleistift und Radiergummi.

Und so wird’s gemacht:

  • Zuerst den Handumriss auf ein Blatt zeichnen und verschiedene Muster ausprobieren – Blumen, Blätter, Herzen usw.
  • Dann mit dem Kajalstift die Motive auf die Hand zeichnen.

Bei indischen Hochzeiten bemalen Schwestern oder Freundinnen der Braut Hände und Füße. Diese Technik heißt Mehndi. Als Farbe verwenden sie Henna, ein Naturfarbstoff, der aus den getrockneten und zerriebenen bzw. zermahlenen Blättern des Hennastrauches (Lawsonia inermis) gewonnen wird. Die Mo[...]

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In der Coronakrise muss Kindeswohl eine Priorität sein

UNO Generalsekretär António Guterres hat offiziell dazu aufgerufen, weltweit den Schutz der Kinder zu gewährleisten, von denen er sagt, dass Millionen infolge der Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt sind.

In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)
In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)

Während das Coronavirus ein signifikant geringeres Gesundheitsrisiko für Kinder birgt als für Erwachsene, können die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowohl der Krankheit als auch der Isolation für sie äußerst schädlich sein. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Kurzdossier „Die Auswirkungen von COVID-19 auf Kinder“ hervor, der die verschiedenen Bereiche beleuchtet, in denen Kinder in der aktuellen Situation stärker gefährdet sind als sonst: Gesundheit, Familienleben, Bildung, Zugang zu medizinischer Versorgung und Internet.

Dem Bericht zufolge wird derzeit der Alltag von etwa 60 Prozent aller Kinder weltweit von einem gewisses Maß an Isolation bestimmt, was ihre Mobilität und/oder ihren Zugang zur Gesellschaft einschränkt. Die ernstzunehmenden Gefahren entstehen überwiegend dadurch, dass die Mädchen und Buben nicht mehr zur Schule gehen können. Laut UNO sind in den 188 Ländern, die eine Ausgangssperre durchgesetzt haben, mehr als 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche in der einen oder anderen folgenden Weise betroffen:

+ Zugang zu Nahrungsmitteln
+ Zugang zu digitalen Lehrmitteln
+ häusliche Gewalt und/oder Konflikte
+ Cybermobbing und sexuelle Ausbeutung im Internet

Darüber hinaus hat sich das Risiko verschärft, dass Kinder mit Grunderkrankungen nicht mit notwendigen Medikamenten und geeigneten Pflegeprodukten versorgt werden können.

Ernährungsunsicherheit

Vor der Coronakrise haben viele Kinder auf der ganzen Welt ihre einzigen Mahlzeiten in den Bildungseinrichtungen erhalten. Der Bericht schätzt, dass jetzt mehr als 368 Millionen Kinder in etwa 143 Ländern ihre Nahrung auf alternative Weise suchen müssen.

Gewaltrisiko in der Familie

Die Belastung in Quarantänefamilien trifft häufig die Kinder in voller Härte. Nicht selten sind sie entweder selbst von familiärer Gewalt betroffen oder müssen diese zumindest mitansehen, da viele Opfer mit ihren Missbrauchern zu Hause festsitzen, so das UN-Dossier. Kinderrechtsvertreter weltweit haben bereits ebenfalls Alarm geschlagen und die Gefährdung des Kindeswohl durch unterschiedlichen gearteten Missbrauch offen kundgetan.

Soziale Zerrüttung und hoher Stress zuhause können tiefgreifende Auswirkungen auf Kinder haben, und Millionen von ihnen sind jetzt einem erhöhten Risiko von Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung ausgesetzt. Jene, die in Armut leben müssen, umso mehr.

Janti Soeripto, Save the Children

Digitaler Zugang

Da Kinder nicht in der Lage sind, physisch zur Schule zu gehen, müssen viele nun auf Online-Learning ausweichen, was verschiedene digitale Werkzeuge erfordert. Der ungleich verteilte Zugang zum Internet bedeutet jedoch, dass nicht jeder das gleiche Ausbildungsniveau erhalten kann. Nur 30 Prozent der einkommensschwachen Länder können ihre Schüler digital weiter unterrichten. Zudem kommen geschlechtsspezifische Benachteiligungen, da mehr Buben Zugang zu digitaler Technologie haben als Mädchen. Dadurch wird es für Mädchen grundsätzlich schwieriger, ihre Ausbildung auf diese Weise fortzusetzen und birgt das lanfristige Risiko, dass Mädchen die Schule abbrechen könnten. Auch die Häufigkeit von Teenagerschwangerschaften könnte dadurch steigen.

Gefahren online

Da viele Kinder nun (gezwungenermaßen) online sind, um einerseits ihrem Unterricht folgen zu können und andererseits mit Freunden in Verbindung zu bleiben, sind sie plötzlich dem grundsätzlichen Webrisiko ausgesetzt.

Nicht alle Kinder haben die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Ressourcen, um online sicher zu sein.

Dr. Howard Taylor, End Violence Against Children

Einem von UNICEF und verschiedenen Kinderrechtsorganisationen veröffentlichten Bericht zufolge verhalten sich Kinder unter Einschränkung ihrer sozialen Kontakte mit größerer Wahrscheinlichkeit unvorsichtiger und knüpfen gut- und leichtgläubiger „neue Kontakte“. Folglich sind sie eher dem Risiko ausgesetzt, in die Fänge von Cyberkriminellen zu gelangen, im Internet gemobbt zu werden oder gar Inhalte wie sexuell eindeutige Fotos zu teilen, die später für Erpressungsmethoden verwendet werden.

In dieser alarmierenden Situation kommt Regierungen und Familienmitglieder eine entscheidende Rolle beim Schutz von Kindern zu. Der UNICEF-Bericht drängt darauf, dass Kindesschutzmaßnahmen und -services von staatlicher Seite sichergestellt werden und dass Technologieunternehmen ihre Produkte so ausgestalten, dass der Datenschutz von kindlichen Nutzern nicht verletzt wird. Besonders Social-Media-Anbieter haben eine „besondere Verantwortung für den Schutz der schutzbedürftigen Personen“ bei der Nutzung ihrer Dienste zu sorgen. Und schlussendlich sind Eltern ihrerseits aufgefordert, Antiviren- und Software-Updates auf den mobilen Geräten ihrer Kinder regelmäßig zu kontrollieren und auf dem aktuellsten Stand zu halten.

UNO Generalsekretär António Guterres hat offiziell dazu aufgerufen, weltweit den Schutz der Kinder zu gewährleisten, von denen er sagt, dass Millionen infolge der Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt sind. In der aktuellen Coronakrise sind[...]

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