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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

26. Juni 2021

Typisch Rundi: Sitten und Bräuche in Burundi

Der jahrelange Bürgerkrieg zwischen Hutus und Tutsis (1993 – 2002) hat Burundi mehr als nur einmal in den Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit gestellt. Doch für die ostafrikanische Republik ist weitaus mehr typisch als bloß innenpolitische Spannungen, Korruption, Armut, Hunger und AIDS.

In Burundi beträgt das Durchschnittsalter 17 Jahre. (Quelle: UN World Population Prospects 2019)
In Burundi beträgt das Durchschnittsalter 17 Jahre. (Quelle: UN World Population Prospects 2019)

Burundi ist eines der kleinsten afrikanischen Länder. Der Binnenstaat liegt am sechstgrößten und zweittiefsten See der Welt, dem Tanganjikasee, und wird gerne als das Herz von Afrika bezeichnet.

Burundis Flagge verdeutlicht die unruhige Vergangenheit des Landes. Grün symbolisert für die Hoffnung, Weiß den lange verwehrten Frieden und Rot die Opfer des Unabhängigkeitskrieges. Die drei Sterne stehen für die Volksgruppen der Hutu, Tutsi und Twa. 

Fussball wird praktisch immer und überall in Burundi gespielt. Wenn es sein muss, auch mit einer selbstgebastelten Kugel aus Müll. Wenig verwunderlich also, dass Fussball Nationalsport ist. Die burundische National-Elf trägt den Spitznamen „Die kriegerischen Schwalben“. Auch der Präsident spielt Fußball. Ihn sollte man allerdings nicht allzu roh im Spiel anzugehen, ansonsten droht Gefängnis.

Ein Fussball aus Müll ist besser als gar keiner. (Foto: Kindernothilfe)
Ein Fussball aus Müll ist besser als gar keiner. (Foto: Kindernothilfe)

1996 nahm Burundi erstmals an den Olympischen Spielen teil und gewann in Atlanta auch gleich seine erste und bis dato einzige olympische Medaille. Vénuste Niyongabo gewann Gold im 5.000-Meter-Lauf.

Der Besitz von Kühen ein Zeichen von Macht und Reichtum und dürfen nicht geschlachtet werden. Auch Eidechsen darf man in Burundi nicht töten. Neben Kühen werden zudem Bäume verehrt.

Kühe bedeuten Glück und werden verehrt. (Foto: Kindernothilfe)
Kühe bedeuten Glück und werden verehrt. (Foto: Kindernothilfe)

Hochzeiten werden meistens sehr groß und ausgiebig gefeiert. Dabei geht der eigentlichen Eheschließung in der Kirche das sogenannte „Dot“ voraus. Bei dieser Art der Brautpreisüberreichung werden Symbole für Glück und Fruchtbarkeit, wie eine Kuh, geschenkt. Eine traditionelle Hochzeit ist für die beiden Familien der Eheleute bzw. die Brautleute selbst oft sehr teuer. Nicht wenige verschulden sich hoch für dieses opulente Fest und bedeutende Ereignis.

Tanz ist den Menschen in Burundi sehr wichtig. Es gibt zahlreiche regionale Varianten, zu den wichtigsten gehören der Agasimbo aus dem Süden, der Agasiga aus dem Norden und der Urwedengwe aus dem Westen sowie die Fest- und Hochzeitstänze Abatimbo und Abanyagasimbo.

Tanzen ist aus dem Alltag der Rundis nicht wegzudenken. (Foto: Kindernothilfepartner)
Tanzen ist aus dem Alltag der Rundis nicht wegzudenken. (Foto: Kindernothilfepartner)

Musik und insbesondere Trommeln spielen im Alltag der Rundis eine große Rolle und die Trommler, die sogenannten Batimbos, genießen hohes Ansehen in der Bevölkerung. Sie haben sogar über die Landesgrenzen hinaus Berühmheit erlangt. Die Trommeln selbst und der dazugehörende Tanz sind UNESCO Weltkulturerbe.

Die burundischen Trommler sind weltberühmt. (Foto: Wikimedia Commons/Paulfreed)
Die burundischen Trommler sind weltberühmt. (Foto: Wikimedia Commons/Paulfreed)

Seit 2011 ist für die Kinder in Burundi der neunjährige Besuch einer Grundschule vorgesehen. Oft starten die Klassen mit mehr als 80 Schüler*innen, aber nicht einmal die Hälfte macht am Ende einen Abschluss. Und das obwohl der Schulbesuch seit 2005 nichts mehr kostet.

Buchhandlungen sind eine Seltenheit. Und auch Rundische Literatur gibt es aufgrund der großen Armut und des weit verbreiteten Analphabetismus kaum. Kulturelle Normen und Werte werden in mündlich überlieferten Geschichten, Fabeln und Gedichten von Generation zu Generation weitergegeben.

Bananen sind ein wesentliches landwirtschaftliches Produkt - sowohl als festes Nahrungsmittel als auch als Grundlage des Bananenbiers. (Foto: Kindernothilfe)
Bananen sind ein wesentliches landwirtschaftliches Produkt – sowohl als festes Nahrungsmittel als auch als Grundlage des Bananenbiers. (Foto: Kindernothilfe)

Das Grundnahrungsmittel Burundis bilden Bohnen, insbesondere rote Kidneybohnen, und Kochbananen. Süßspeisen werden kaum gekocht, auch nicht als Nachspeisen nach dem Essen. Stattdessen dienen Erdnüsse, Zuckerrohr und Früchte als Snacks oder Dessert. Getrunken wird in Burundi häufig Urwarwa (Bananenwein) sowie die lokalen Biersorten “Primus” und “Impeke” aus Sorghum. Vor dem Essen wird traditionell ein Krug mit warmem Wasser und Seife zum Händewaschen herumgereicht. Und das nicht nur am Land, wo typischer Weise mit den Fingern gegessen wird.

Trotz jahrelanger Konflikte, Armut und Hunger werden Solidarität und Gemeinschaft in der burundische Gesellschaft groß geschrieben. So hat das gemeinsame Trinken von Impeke aus einem Gefäß Tradition und gilt als Zeichen der besonderen Einheit. Dazu wird für jeden Anwesenden ein Strohhalm in einen ausgehöhlten Kürbis gesteckt, aus dem er trinkt. Als Zeichen der Freundschaft nehmen sich junge Männer an der Hand. Händchenhalten unter Paaren oder gar Küssen in der Öffentlichkeit ist jedoch unüblich und unangebracht.

Der jahrelange Bürgerkrieg zwischen Hutus und Tutsis (1993 - 2002) hat Burundi mehr als nur einmal in den Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit gestellt. Doch für die ostafrikanische Republik ist weitaus mehr typisch als bloß innenpolitische Spannungen, Korruption, Armut, Hunger und AIDS. [...]

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16. Juni 2021

Rezepttipp aus Burundi

Ein typisches Gericht aus Burundi sind Rote Kidneybohnen mit Kochbananen. Denn das Grundnahrungsmittel des kleinen afrikanischen Landes bilden Bohnen, insbesondere rote Kidneybohnen, die überall wachsen. Außerdem essen Rundis sehr gerne Kochbananen. Da sie eher wie Kartoffeln, und gar nicht süß wie Bananen schmecken, kann man sie prima mit den kleinen roten Hülsenfrüchten vermischen. Lecker, nahrhaft und ganz leicht gemacht!

Existenz- und Ernährungssicherung in Burundi: Frauen bei der Nahrungszubereitung (Foto: Kindernothilfe)
Existenz- und Ernährungssicherung in Burundi: Frauen bei der Nahrungszubereitung (Foto: Kindernothilfe)
Dafür brauchen wir:

500 ml rote Kidney Bohnen getrocknet oder aus der Dose

4 Kochbananen

2 El Öl

1 Zwiebel, in Streifen

¼ Tl Salz

Cayennepfeffer

Und so wird’s gemacht:

Getrocknete Bohnen ca. 3 Stunden einweichen, dann in ca. 30 Minuten gar kochen und durch ein Sieb abgießen. Werden Bohnen aus der Dose verwendet diese durch ein Sieb abgießen und mit kaltem Wasser abspülen.

Banane schälen und grob hacken.

Öl erhitzen und die Zwiebeln darin anbräunen. Bohnen, Bananen, Salz und Caynennepfeffer zugeben und etwa 2 Minuten unter Rühren andünsten.

4 Tassen Wasser zugeben und köcheln lassen bis die Bananen gar sind und etwa 250 ml Flüssigkeit übrig sind.

Ein typisches Gericht aus Burundi sind Rote Kidneybohnen mit Kochbananen. Denn das Grundnahrungsmittel des kleinen afrikanischen Landes bilden Bohnen, insbesondere rote Kidneybohnen, die überall wachsen. Außerdem essen Rundis sehr gerne Kochbananen. Da sie eher wie Kartoffeln, und gar nicht süß [...]

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Ein Jahr mit Corona: So geht es arbeitenden Kindern weltweit

Bereits 2020 hat die Kindernothilfe in Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen eine explorative Studie über die Auswirkungen der Coronapandemie auf das Leben arbeitender Kinder und ihrer Familien durchgeführt. Wie es den arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Bolivien, Guatemala, Indonesien, Kenia, den Philippinen und Sambia seitdem ergangen ist, darüber haben wir mit ihnen in einer Folgebefragung gesprochen.

Stop abuse of children's work now (CESIP, Peru)
Stop abuse of children’s work now (CESIP, Peru)

Arbeitende Kinder berichten von ihren Erfahrungen nach einem Jahr COVID-19

Am schwierigsten war es, wenn meine Familie und ich nicht genug zu essen hatten. Meine Mama hatte keine Einnahmen mehr aus dem Verkauf von Quinoasaft, und mein Vater auch nicht, und ich habe sehr wenig verdient. Wir sind eine sehr große Familie.

Online-Unterricht war ein Problem, denn viele von uns hatten kein Telefon. So sind nur 30 Prozent aus meiner Klasse versetzt worden.

Alejandra, 17, aus Bolivien

Erste Ergebnisse

Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_1
Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_1
Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_2
Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_2

Kurzfassung gratis herunterladen:

https://www.kindernothilfe.at/blog/wp-content/uploads/2021/06/Kindernothilfe-KinderarbeiterInnen-Studie-Ein-Jahr-COVID-19_Kurzfassung.pdf

Bereits 2020 hat die Kindernothilfe in Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen eine explorative Studie über die Auswirkungen der Coronapandemie auf das Leben arbeitender Kinder und ihrer Familien durchgeführt. Wie es den arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Bolivien, Guate[...]

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Das Netz ist voller Gefahren für Kinder

Im vergangenen Jahr ist die Digitalisierung stark vorangeschritten – auch mit negativen Konsequenzen. Gerade Mädchen und Buben sind im Internet zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Missbrauchsdarstellungen und sexualisierte Ausbeutung sind dabei die furchtbarsten Gewaltformen, die Kinder widerfahren. Besonders abscheulich sind Live-Übertragungen von sexualisierter Gewalt, die weltweit empfangen werden können und dadurch die Strafverfolgung erschweren. Aber gerade diese haben ein alarmierendes Ausmaß angenommen.

In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren online ausgesetzt. (Quelle: Jakob Studnar)
In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren online ausgesetzt. (Quelle: Jakob Studnar)

Das alltägliche Leben hat sich durch die Pandemie und ihre Folgen – Lockdowns, Schulschließungen und Reisebeschränkungen – weltweit stark verändert. Viele Lebensbereiche verlagern sich ins Internet. Nicht nur Erwachsene verbringen viel Zeit im Homeoffice, auch Kinder werden oft von Zuhause aus unterrichtet und sitzen deshalb vor den Bildschirmen. In ihrer Freizeit nutzen sie zusätzlich immer öfter soziale Medien und Online-Videospiele. Dabei sind die Kinder oftmals unbeaufsichtigt. Zudem sinkt das Alter von Kindern, die in die Online-Welt einsteigen.

Verlagerung vieler Lebensbereiche ins Internet

Die Digitalisierung bringt jedoch nicht nur Vorteile mit sich, sondern birgt auch Gefahren, vor allem für Kinder. Denn auch kriminelle Aktivitäten verlagern sich ins Netz und das weltweite Phänomen der sogenannte Cyber-Kriminalität hat im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen. Das Internet entwickelt sich immer mehr zum Schauplatz von Gewalt und immer öfter wird es für missbräuchliche Zwecke genutzt.

Online-Gewalt: Reale Gefahr für Kinder im digitalen Raum

Die Online-Gewalt, die Kinder erfahren, hat viele Formen: Zum einen die Gewalt unter den Kindern und Jugendlichen selbst (Cyber-Mobbing), zum anderen die Anbahnung sexueller Ausbeutung durch Erwachsene, die in sozialen Medien Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen (das sogenannte Grooming). Hinzu kommt die alarmierend steigende Zahl von Missbrauchsdarstellungen im Internet sowie die sexualisierte Gewalt an Kindern, die per Live-Stream übermittelt wird.

Die Digitalisierung birgt auch Gefahren – vor allem für Kinder. (Quelle: Jakob Studnar)
Die Digitalisierung birgt auch Gefahren – vor allem für Kinder. (Quelle: Jakob Studnar)

Sexualisierte Gewalt im Internet beginnt oft scheinbar harmlos. Erwachsene geben sich zum Beispiel als Kinder aus, um mit ihnen in Kontakt zu treten. Sie bauen allmählich Vertrauen zu diesen Kindern auf mit dem alleinigen Ziel, ihnen sexualisierte Gewalt anzutun. Den Kontakt stellen sie über Chat-Funktionen von Online-Spielen oder soziale Medien her. Dieses Vorgehen wird als Grooming bezeichnet. Ein sehr ernstzunehmendes Problem ist auch die Darstellung sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Internet, oft unzutreffend als Kinderpornografie bezeichnet. Diese Darstellungen waren schon vor der Pandemie sehr zahlreich und haben sich seitdem nochmals vervielfacht.

Behörden und Netzwerke melden steigende Zahlen

Verdächtiges Material aus der ganzen Welt sammelt unter anderem das halb-staatliche Nationale Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (National Center for Missing and Exploited Children – NCMEC) in den USA. Nach einer Prüfung leitet es die Medien für eine Strafverfolgung an die zuständigen Stellen weiter. Für die Jahre 2020/21 registrierte NCMEC eine Steigerung der eingehenden Verdachtsmeldungen um 31 Prozent.

Sexualisierte Gewalt im Internet beginnt oft scheinbar harmlos. (Quelle: Lorenz Töpperwien)
Sexualisierte Gewalt im Internet beginnt oft scheinbar harmlos. (Quelle: Lorenz Töpperwien)

Konkret erhöhte sich die Anzahl der Reporte von 16 Mio. Meldungen im Jahr 2020 auf 21 Mio. 2021. Ein Großteil der Meldungen stammt von Facebook. Das verdeutlicht, dass sexualisierter Online-Gewalt gegen Kinder nicht nur im sogenannten Dark Web stattfindet, sondern auch und vor allem im größten sozialen Netzwerk der Welt. Das FBI schätzt, dass weltweit täglich rund 750.000 potenzielle Sexualstraftäter auf der Suche nach Kindern im Internet sind.

Gefahren für Kinder im Internet weltweit

In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren im Internet ausgesetzt. Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. Von den rund 4,13 Milliarden Internetnutzer*innen weltweit lebt der größte Anteil in Asien (49%). Südostasien ist eine der internetaffinsten Regionen der Welt, wobei die Philippinen mit durchschnittlich 10 Stunden Bildschirmzeit pro Tag die globale Liste anführen. Afrika hingegen verzeichnet mit jährlich 20 % Wachstum an Internetnutzer*innen die stärksten Wachstumsraten. Allerdings ist das gesellschaftliche Bewusstsein für die Gefahren im Internet oftmals nicht gegeben und es fehlt dabei an geeigneten Rahmenbedingungen für den Kinderschutz. Regulierende Gesetze sind entweder nicht verabschiedet oder werden nur unzureichend implementiert.

Die Kindernothilfe ermöglicht Kinderschutz-Schulungen. (Quelle: Lars Heidrich)
Die Kindernothilfe ermöglicht Kinderschutz-Schulungen. (Quelle: Lars Heidrich)

Sensibilisierung für die Gefahren im Internet als Teil von Schulunterricht – ein Projekt der Stairway Foundation auf den Phillipinen

Zahlreiche unserer Partnerorganisationen setzen sich für den Schutz von Kindern im Internet ein. Eine herausragende Partnerorganisation ist dabei die Stairways Foundation. Ein gemeinsames Projekt mit der Stairway Foundation zielt darauf, Kinder und Jugendliche präventiv für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren. Dabei werden Schulen und andere Bildungseinrichtungen eingeschlossen. Hierzu hat Stairway Foundation ein entsprechendes Modul für den Schulunterreicht entwickelt –in Abstimmung mit dem Bildungsministerium. Ziel ist es, dieses Modul, dass Schüler:innen für die Gefahren im Internet sensibilisiert, fest im Unterricht zu verankern. Den coronabedingten Schulschließungen zur Folge hat Stairways das entsprechende Modul adaptiert, sodass es nun auch für den Fernunterricht genutzt werden kann.

Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)
Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)

Darüber hinaus werden im Rahmen des Projektes Pflichtenträger*innen in die Lage versetzt, Verdachtsfälle von Missbrauch schneller zu erkennen und kompetent darauf zu reagieren. Es bestärkt Lokalpolitiker*innen darin, den Schutz von Kindern durch gesetzliche Bestimmungen auf lokaler Ebene sicherzustellen.

Stairways hat vor einigen Jahren auch das regionale Netzwerk „Break the Silence“ gegründet, das mittlerweile 45 Organisationen zählt. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder beendet wird. Einige Partner von uns auf den Philippinen sind ebenfalls Teil dieses Netzwerks.

Eine effektivere Strafverfolgung fördern – die Arbeit von ECPAT Thailand

Unser Partner, ECPAT Foundation in Thailand, setzt sich ebenfalls dafür ein, sexuelle Gewalt an Kindern zu verhindern. Er arbeitet eng mit Behörden zusammen, um die gesetzlichen Grundlagen und die Strafverfolgung zu verbessern.  ECPAT schulte beispielsweise Strafverfolgungsbeamte, darunter Polizist*innen, Anwält*innen und Forensiker*innen, wie sie ordnungsgemäß bei Straftaten im Bereich der sexuellen Ausbeutung und der Missbrauchsdarstellungen von Kindern im Internet ermitteln. Sie übten mithilfe digitaler oder Computerforensik die Täter*innen und die Internetseiten, auf die Täter*innen zugreifen, zu identifizieren. Auf dem Programm stand ebenfalls, gelöschte und versteckte Dateien aufzuspüren und den Täter*innen somit besser auf die Spur zu kommen.

Auch mit dem Justizministerium arbeitete unser Projektpartner eng zusammen. So wurden mit weiteren Partnern gemeinsame Strategien für die Verwaltung und Behandlung spezifischer Missbrauchsfälle zwischen den verschiedenen thailändischen Strafverfolgungsbehörden entwickelt. Mithilfe von ECPAT entwickelte das Ministerium für Kinder und Jugendliche einen nationalen Strategieplan für den Online-Kinderschutz. Dadurch soll Missbrauch und die Ausbeutung von Kindern im Internet besser überwacht und bekämpft werden können.

Schulungen unserer Partnerorganisationen für einen besseren Schutz von Kindern im Internet

Als Kindernothilfe wollen wir unseren Partnern in ihrer Arbeit stärken. Unter anderem bieten wir ihnen und anderen interessierten Organisationen deshalb Weiterbildungen an. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Thema Kinderschutz. In unser Portfolio haben wir auch den Schutz von Kindern im Internet aufgenommen. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben wir im Rahmen unserer Schulungen ein Modul zu Online-Sicherheit entwickelt und führen es derzeit mit vielen unserer Partnerorganisationen durch. Zudem unterstützen wir sie dabei, sich auf politischer Ebene – lokal, national oder international – für bessere Rahmenbedingungen stark zu machen.

* ECPAT steht für End Child Prostitution, Child Pornography & Trafficking of Children for Sexual Purposes. In Zusammenarbeit mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen engagiert sich die Arbeitsgemeinschaft in verschiedenen Kampagnen und Projekten zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit, der Entwicklung von Präventivmaßnahmen und der Schaffung von rechtlichen Grundlagen zum Schutz der Kinder.

Im vergangenen Jahr ist die Digitalisierung stark vorangeschritten – auch mit negativen Konsequenzen. Gerade Mädchen und Buben sind im Internet zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Missbrauchsdarstellungen und sexualisierte Ausbeutung sind dabei die furchtbarsten Gewaltformen, die Kinder widerfahren.[...]

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15. Mai 2021

Chiles große „Reiñma“: die Familie der Mapuche

Auch die jungen Mapuche besinnen sich wieder auf ihre Wurzeln und Werte. In der Dorfschule lernen sie zum Beispiel, wie man Trutruka spielt. (Foto: Jürgen Schübelin)
Auch die jungen Mapuche besinnen sich wieder auf ihre Wurzeln und Werte. In der Dorfschule lernen sie zum Beispiel, wie man Kultrún spielt. (Foto: Jürgen Schübelin)

Die Mapuche sind die größte indigene Volksgruppe und gleichzeitig ethnische Minderheit in Chile. Aber ihre Rechte werden systematisch missachtet, und sie sind Diskriminierung, Ausgrenzung und Vorurteilen ausgesetzt. Wenig verwunderlich, dass vor allem die in der Großstadt lebenden jüngeren Generationen die eigene Identität zu verleugnen begannen (z.B. durch die Änderung des Namens). Zunehmend verdrängten sie kulturelle Traditionen, Werte und gar die eigene Sprache Mapudungun. Erst seit einigen Jahren besinnen sie sich wieder auf die eigene Kultur und Identität, um sich so gegenseitig zu unterstützen. Gerade in Zeiten der Covid-19-Pandemie ist dies von entscheidender Bedeutung.

„Die Menschen der Erde“ werden von der, noch aus den Zeiten der Militärdiktatur stammenden, chilenischen Verfassung nicht als Volk anerkannt. Das führte dazu, dass signifikant mehr Mapuche-Familien in Armut und extremer Armut leben als Nicht-Mapuche-Familien. Sieben der zehn ärmsten Kommunen Chiles liegen im Mapuche-Gebiet Wallmapu.

In den Armensidelungen mangelt es an allem, aber vor allem Zukunftsperspektiven. (Foto: Jürgen Schübelin)
In den Armensidelungen mangelt es an allem, aber vor allem Zukunftsperspektiven. (Foto: Jürgen Schübelin)

Die vorherrschenden beengten Lebensbedingungen – vielfach ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und angemessener Abwasserentsorgung – sorgen für einen schlechteren Gesundheitszustand. Die Lebenserwartung ist geringer und die Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit höher. Die unmittelbaren Auswirkungen auf das Bildungsniveau der Mapuche-Familien sind unübersehbar. Unter den Mapuche gibt es sehr viel mehr Analphabeten als im Landesdurchschnitt. Denn die Kinder gehen meist weniger Jahre zur Schule. Ihre Arbeitskraft wird in der Subsistenzlandwirtschaft, von der ihre Familien leben, bereits in frühen Jahren dringend benötigt. Zudem sind die Unterrichtbedingungen in den Schulen, zu denen sie Zugang haben, häufig äußerst prekär.

Vor allem in den ländlichen Regionen Chiles mit den höchsten Armutsindindikatoren - und gleichzeitig den am schlechtesten ausgestatteten Schulen, wie hier im Süden von Temuco, gab es während der langen Pandemie-Monate für die Kinder aus Mapuche-Familien keine Chance auf eine Alternative zum ausgefallenen Präsenzunterricht. (Foto: Jürgen Schübelin)
Vor allem in den ländlichen Regionen Chiles mit den höchsten Armutsindindikatoren – und gleichzeitig den am schlechtesten ausgestatteten Schulen, wie hier im Süden von Temuco, gab es während der langen Pandemie-Monate für die Kinder aus Mapuche-Familien keine Chance auf eine Alternative zum ausgefallenen Präsenzunterricht. (Foto: Jürgen Schübelin)

Corona verschärft die Situation

In der Covid-19-Pandemie zeigt sich, wie wenig die Zentralregierung in der fernen Hauptstadt Santiago die Lebenswirklichkeit einer Mapuche-Familie kennt. Die aktuelle zweite Welle hat zu den höchsten, jemals im Land registrierten Infiziertenzahlen geführt. Deshalb dekretierte das Kabinett von Präsident Sebastián Piñera erneut einen kompletten Lockdown mit strengen Quarantäne-Regeln. Man darf die Wohnung nur zwei Stunden pro Woche verlassen, um einzukaufen und sich mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen. Und das nur nach vorheriger elektronischer Anmeldung bei der Polizei.

In den kleinen, weitläufig verstreuten Mapuche-comunidades ist das aber faktisch unmöglich einzuhalten. Es bedarf viel mehr als diese 120 Minuten, um in den nächstgelegenen größeren Ort zu gelangen, dort einzukaufen und rechtzeitig wieder zurück zu sein. Folglich kam es in den zurückliegenden Wochen reihenweise zu Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnungen. Unzählige Mapuche-Familien wurden von den Carabineros, der chilenischen Polizei, aufgegriffen und mit empfindlichen Strafen belegt. In den sozialen Netzwerken machten Bilder eines brutalen Polizeieinsatzes gegen Mapuche-Bäuerinnen die Runde. Sie hatte trotz Lockdowns versucht, in Temuco etwas Gemüse und andere Feldfrüchte zu verkaufen.

„Wigka-Kuxan“ trifft indigene Gemeinden stärker

Bereits während der ersten Pandemiewelle war der proportionale Anteil der Corona-Toten nirgendwo so hoch wie in der Wallmapu-Region um Temuco. Zudem entzog die Pandemie vielen Mapuche-Familien fast vollständig ihre Einkommensmöglichkeiten. Durch die strengen Quarantäneregeln brachen seit März 2020 fast alle Jobs im informellen Sektor weg. Ebenso waren Hilfsarbeiten auf Baustellen nicht mehr verfügbar. Die Kleinbauernfamilien in Wallmapu hatten über Monate hinweg so gut wie keine Möglichkeit, ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse oder auch kunsthandwerkliche Produkte wie Web- und Strickarbeiten auf den Märkten anzubieten.

Nothilfepakete gegen die größte Not. (Foto: Kindernothilfepartner)
Nothilfepakete gegen die größte Not. (Foto: Kindernothilfepartner)

Die Folge: Noch höhere Schulden und noch weniger Geld für Gesundheitsausgaben oder die Bildung der Kinder. Dadurch haben sich Existenzsorgen und Zukunftsängste in den Mapuche-Gemeinden dramatisch verschärft.

Schutzmaßnahmen und Versorgung auf Eigeninitiative

Im südchilenischen Wallmapu entwickeln die Mapuche comunidades immer mehr Selbstorganisations- und Selbsthilfe-Strategien. Dadurch treten sie dem eklatanten Versagen des chilenischen Zentralstaates gegenüber ihrer besonderen Situation in der Krise entgegen.

Viele Mapuche-Gemeinden haben beschlossen, sich durch die Schaffung selbstorganisierter Quarantäne-Zonen vor zusätzlichem Ansteckungsrisiko durch Ortsfremde zu schützen. Selbst wenn das neuerliche Konflikte mit Polizei und Behörden bedeutet, die unbedingt den Zugang zu den Mapuche-Gebieten sicherstellen wollen. Außerdem haben sie sogenannte „ollas comunes“ (gemeinsame Töpfe und solidarische Tafeln) auf die Beine gestellt. So versorgen sie die sozial Bedürftigsten mit Nahrung und Dingen des täglichen Bedarfs. Ähnliche Initiativen bieten landwirtschaftliche Produkte und handwerkliche Dienstleistungen innerhalb und zwischen den verschiedenen comunidades an. Denn die sporadischen staatlichen Lebensmittelverteilungen und Hilfsmaßnahmen waren bislang völlig unzureichend.

In Temucuicui, Wallmapu, setzen die Mapuche-Familien auf Selbsthilfe und Eigeninitiative. (Foto: Jürgen Schübelin)
In Temucuicui, Wallmapu, setzen die Mapuche-Familien auf Selbsthilfe und Eigeninitiative. (Foto: Jürgen Schübelin)

Radio- und online-Programme sowie soziale Medien informieren auf Spanisch und Mapudungun, wie man möglichst unbeschadet durch Lockdowns und Quarantänen kommt. Hier engagieren sich vor allem junge Mapuche und erklären immer wieder die wichtigsten Regeln zum Schutz vor einer Covid-Ansteckung. Dabei wird vor allem zur Solidarisierung mit den Ältesten, ebenso ihrem Schutz und ihrer Versorgung aufgefordert. Denn sie spielen als Wissensüberlieferer eine ganz zentrale Rolle innerhalb der Gemeinschaft. Damit ist ihr Wohlergehen unverzichtbarer Bestandteil einer kulturellen und spirituellen Überlebensstrategie in besonders schwierigen Zeiten.

Zunehmendes Bewusstsein für die Rechte indigener Menschen

Innerhalb der chilenischen Mehrheitsgesellschaft kommt es langsam zum Umdenken. Es wachsen Bewusstsein und politischer Wille, der konsequenten Verweigerung der Rechte indigener Menschen und Verneinung ihrer Existenz ein Ende zu setzen. Die „Wenufoye“, die Flagge der Mapuche, war seit Oktober 2019 auf den Straßen Chiles allgegenwärtig. Sie wurde zum Zeichen der Auflehnung gegen rassistische Diskriminierung, fehlende Rechtsstaatlichkeit und das Erbe des Pinochet-Regimes.

Die "Wenufoye", die Flagge der Mapuche. (Foto: Mapucheexpress)
Die „Wenufoye“, die Flagge der Mapuche. (Foto: Mapucheexpress)

Massenproteste gegen das neoliberale Wirtschaftssystems und Ringen um eine neue Verfassung

So erhalten die Forderungen der indigenen Gemeinschaften Chiles trotz Pandemie-Bedingungen immer mehr  an öffentlichem Rückhalt. Die Beteiligung an der Erarbeitung einer neuen Verfassung und die Anerkennung ihrer politischen, wirtschaftlichen, sozialen und vor allem kulturellen Rechte sind längst überfällig. Auch die bereits seit dem Ende der Diktatur geforderte Festschreibung Chiles als einen plurinationalen Staat wird unterstützt.

Die Oktober-Aufstände 2019 (Foto: Jürgen Schübelin)
Die Oktober-Aufstände 2019 (Foto: Jürgen Schübelin)

Ein erster kleiner Schritt

Auch wenn es nur 17 von 155 Abgeordneten sind, der Proporz-Anteil indigener Vertreter*innen in der anstehenden Verfassungsgebenden Versammlung ist ein erster kleiner Fortschritt. Denn er ist ein Zeichnen, „eine historische Schuld an der indigenen Bevölkerung durch demokratische Mechanismen der Partizipation zu begleichen.“ So der Tenor der mehr als 40 Organisationen in einem offenen Brief an den Kongress in Valparaiso.

* Auf Mapudungun („Sprache der Erde“) nennen die Menschen die Pandemie „Wigka-Kuxan“

Auch die jungen Mapuche besinnen sich wieder auf ihre Wurzeln und Werte. In der Dorfschule lernen sie zum Beispiel, wie man Kultrún spielt. (Foto: Jürgen Schübelin) Die Mapuche sind die größte indigene Volksgruppe und gleichzeitig ethnische Minderheit in Chile. Aber ihre Rechte werden system[...]

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