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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Alle haben das Recht auf Gesundheit

Ob hier in Österreich oder weltweit: derzeit beherrscht die Coronakrise unser aller Leben. Familien bangen um ihre Existenz und Versorgung ihrer Kinder.

Doch viele dringliche Herausforderungen in Fragen globaler Gesundheit werden durch den Fokus auf das Coronavirus aus dem Blick verdrängt. Als zentrale Aufgabe gilt es, das Recht auf Gesundheit für Alle durchzusetzen und die Gesundheitssysteme weltweit zu stärken, um Krankheiten wie HIV/AIDS, Tuberkulose oder Malaria wirksam zu begegnen. Denn so wie viele Krankheitserreger zuvor, wird das Coronavirus besonders dort weitreichende Folgen haben, wo Menschen bereits geschwächt sind und Gesundheitssysteme schlecht ausgestattet sind. Krankheit gefährdet Einkommen, Bildung und politische Teilhabe.

In den ärmlichen ländlichen Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens sind Mobile Krankenstationen oft die einzige Gesundheitsversorgung. (Foto: CHristoph Engels)
In den ärmlichen ländlichen Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens sind Mobile Krankenstationen oft die einzige Gesundheitsversorgung. (Foto: CHristoph Engels)

Um die globale Gesundheit zu verbessern, braucht es daher eine angemessene Finanzierung. Nur wenn Entwicklungsländer und Industriestaaten die Gesundheitsfinanzierung substantiell erhöhen und solidarisch gestalten, können die Gesundheitsbezogenen Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung erreicht werden. 

Die Bereiche HIV/Prävention, Aufklärung und Betreuung stellen auch einen Bestandteil der Projektarbeit der Kindernothilfe dar. Dabei steht die Hilfe für Kinder in Notsituationen – wie Aidswaisen – im Fokus.

Die Kindernothilfe schließt sich den Forderungen an, die im Hintergrundpapier vom Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) und dem Aktionsbündnis gegen AIDS festgehalten sind. Das Papier vom März 2020 umreißt die dringlich erforderlichen Schritte, um eine Mindesthöhe an öffentlichen Finanzmitteln für die Gesundheitsversorgung in den benachteiligten Ländern zu erreichen. Die Gesundheitssysteme müssen global gestärkt und der Zugang zu Medikamenten nachhaltig gesichert werden.

Selbst wenn die Länder mit niedrigen Einkommen die größtmöglichen Eigenanstrengungen unternehmen, sind sie weit davon entfernt, den dringlichen Finanzierungsbedarf durch inländische Quellen wie Steuern und Sozialausgaben decken zu können. Es braucht einerseits Maßnahmen zur Stärkung ihrer nationalen Ressourcen sowie zur Bekämpfung von Korruption und Steuervermeidung in ärmsten Ländern. Und andererseits müssen die Industrieländer bis 2025 mindestens 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens für gesundheitsbezogene Entwicklungszusammenarbeit aufbringen.

Multilaterale Instrumente, wie die Impfallianz Gavi, die den ärmsten Ländern der Welt Impfstoffe zu niedrigeren Preisen ermöglicht, und der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, sind konsequent zu stärken, damit diese Organisationen ihre zentrale Rolle bei der Bewältigung der jeweiligen spezifischen Gesundheitsprobleme weiterentwickeln können.

Auch Österreich hat sich verpflichtet, die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen zu erreichen, dazu zählt auch das Ziel 3 „Ein gesundes Leben für alle Menschen jedes Alters gewährleisten“. Um dieses Nachhaltigkeitsziel 3 bis 2030 zu erreichen, müssen die finanziellen Mittel Industrieländer und die Gesundheitsausgaben in den Partnerländern signifikant steigen. Die bisherige Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Gesundheit hat bereits Erfolge gezeitigt: die Gesundheitssituation in Entwicklungs- und Schwellenländern wurde verbessert. So sterben heute weniger Kinder aufgrund gesundheitlicher Probleme oder durch Mangelernährung als zu Beginn des Jahrtausends. Dennoch sind wir heute weit davon entfernt, das Recht aller Menschen auf Gesundheit zu verwirklichen. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, um die weltweiten Strukturen der Ungerechtigkeit auf dem Gebiet der Gesundheit zu überwinden

Ob hier in Österreich oder weltweit: derzeit beherrscht die Coronakrise unser aller Leben. Familien bangen um ihre Existenz und Versorgung ihrer Kinder. Doch viele dringliche Herausforderungen in Fragen globaler Gesundheit werden durch den Fokus auf das Coronavirus aus dem Blick verdrängt. Als [...]

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24. April 2020

Mehndi: typisch indische Handbemalung

Bei indischen Hochzeiten bemalen Schwestern oder Freundinnen der Braut Hände und Füße. Diese Technik heißt Mehndi. Als Farbe verwenden sie Henna, ein Naturfarbstoff, der aus den getrockneten und zerriebenen bzw. zermahlenen Blättern des Hennastrauches (Lawsonia inermis) gewonnen wird. Die Motive, die sie malen, haben eine Bedeutung: ein Pfau steht für Schönheit, ein Schwan für Erfolg, Blumen für Freude und Glück.

Typisch indische Mandala-Mehndis (Foto: Ali Ashraf Syed/shutterstock)
Typisch indische Mandala-Mehndis (Foto: Ali Ashraf Syed/shutterstock)

Mehndis selber machen:

Statt Henna kann man einen schwarzen oder braunen Kajalstift verwenden, der im Gegensatz zu deem natürlichen Färbemittel wieder abwaschbar ist. Ausserdem braucht man Schmierpapier zum Vormalen, Bleistift und Radiergummi.

Und so wird’s gemacht:

  • Zuerst den Handumriss auf ein Blatt zeichnen und verschiedene Muster ausprobieren – Blumen, Blätter, Herzen usw.
  • Dann mit dem Kajalstift die Motive auf die Hand zeichnen.

Bei indischen Hochzeiten bemalen Schwestern oder Freundinnen der Braut Hände und Füße. Diese Technik heißt Mehndi. Als Farbe verwenden sie Henna, ein Naturfarbstoff, der aus den getrockneten und zerriebenen bzw. zermahlenen Blättern des Hennastrauches (Lawsonia inermis) gewonnen wird. Die Mo[...]

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In der Coronakrise muss Kindeswohl eine Priorität sein

UNO Generalsekretär António Guterres hat offiziell dazu aufgerufen, weltweit den Schutz der Kinder zu gewährleisten, von denen er sagt, dass Millionen infolge der Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt sind.

In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)
In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)

Während das Coronavirus ein signifikant geringeres Gesundheitsrisiko für Kinder birgt als für Erwachsene, können die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowohl der Krankheit als auch der Isolation für sie äußerst schädlich sein. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Kurzdossier „Die Auswirkungen von COVID-19 auf Kinder“ hervor, der die verschiedenen Bereiche beleuchtet, in denen Kinder in der aktuellen Situation stärker gefährdet sind als sonst: Gesundheit, Familienleben, Bildung, Zugang zu medizinischer Versorgung und Internet.

Dem Bericht zufolge wird derzeit der Alltag von etwa 60 Prozent aller Kinder weltweit von einem gewisses Maß an Isolation bestimmt, was ihre Mobilität und/oder ihren Zugang zur Gesellschaft einschränkt. Die ernstzunehmenden Gefahren entstehen überwiegend dadurch, dass die Mädchen und Buben nicht mehr zur Schule gehen können. Laut UNO sind in den 188 Ländern, die eine Ausgangssperre durchgesetzt haben, mehr als 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche in der einen oder anderen folgenden Weise betroffen:

+ Zugang zu Nahrungsmitteln
+ Zugang zu digitalen Lehrmitteln
+ häusliche Gewalt und/oder Konflikte
+ Cybermobbing und sexuelle Ausbeutung im Internet

Darüber hinaus hat sich das Risiko verschärft, dass Kinder mit Grunderkrankungen nicht mit notwendigen Medikamenten und geeigneten Pflegeprodukten versorgt werden können.

Ernährungsunsicherheit

Vor der Coronakrise haben viele Kinder auf der ganzen Welt ihre einzigen Mahlzeiten in den Bildungseinrichtungen erhalten. Der Bericht schätzt, dass jetzt mehr als 368 Millionen Kinder in etwa 143 Ländern ihre Nahrung auf alternative Weise suchen müssen.

Gewaltrisiko in der Familie

Die Belastung in Quarantänefamilien trifft häufig die Kinder in voller Härte. Nicht selten sind sie entweder selbst von familiärer Gewalt betroffen oder müssen diese zumindest mitansehen, da viele Opfer mit ihren Missbrauchern zu Hause festsitzen, so das UN-Dossier. Kinderrechtsvertreter weltweit haben bereits ebenfalls Alarm geschlagen und die Gefährdung des Kindeswohl durch unterschiedlichen gearteten Missbrauch offen kundgetan.

Soziale Zerrüttung und hoher Stress zuhause können tiefgreifende Auswirkungen auf Kinder haben, und Millionen von ihnen sind jetzt einem erhöhten Risiko von Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung ausgesetzt. Jene, die in Armut leben müssen, umso mehr.

Janti Soeripto, Save the Children

Digitaler Zugang

Da Kinder nicht in der Lage sind, physisch zur Schule zu gehen, müssen viele nun auf Online-Learning ausweichen, was verschiedene digitale Werkzeuge erfordert. Der ungleich verteilte Zugang zum Internet bedeutet jedoch, dass nicht jeder das gleiche Ausbildungsniveau erhalten kann. Nur 30 Prozent der einkommensschwachen Länder können ihre Schüler digital weiter unterrichten. Zudem kommen geschlechtsspezifische Benachteiligungen, da mehr Buben Zugang zu digitaler Technologie haben als Mädchen. Dadurch wird es für Mädchen grundsätzlich schwieriger, ihre Ausbildung auf diese Weise fortzusetzen und birgt das lanfristige Risiko, dass Mädchen die Schule abbrechen könnten. Auch die Häufigkeit von Teenagerschwangerschaften könnte dadurch steigen.

Gefahren online

Da viele Kinder nun (gezwungenermaßen) online sind, um einerseits ihrem Unterricht folgen zu können und andererseits mit Freunden in Verbindung zu bleiben, sind sie plötzlich dem grundsätzlichen Webrisiko ausgesetzt.

Nicht alle Kinder haben die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Ressourcen, um online sicher zu sein.

Dr. Howard Taylor, End Violence Against Children

Einem von UNICEF und verschiedenen Kinderrechtsorganisationen veröffentlichten Bericht zufolge verhalten sich Kinder unter Einschränkung ihrer sozialen Kontakte mit größerer Wahrscheinlichkeit unvorsichtiger und knüpfen gut- und leichtgläubiger „neue Kontakte“. Folglich sind sie eher dem Risiko ausgesetzt, in die Fänge von Cyberkriminellen zu gelangen, im Internet gemobbt zu werden oder gar Inhalte wie sexuell eindeutige Fotos zu teilen, die später für Erpressungsmethoden verwendet werden.

In dieser alarmierenden Situation kommt Regierungen und Familienmitglieder eine entscheidende Rolle beim Schutz von Kindern zu. Der UNICEF-Bericht drängt darauf, dass Kindesschutzmaßnahmen und -services von staatlicher Seite sichergestellt werden und dass Technologieunternehmen ihre Produkte so ausgestalten, dass der Datenschutz von kindlichen Nutzern nicht verletzt wird. Besonders Social-Media-Anbieter haben eine „besondere Verantwortung für den Schutz der schutzbedürftigen Personen“ bei der Nutzung ihrer Dienste zu sorgen. Und schlussendlich sind Eltern ihrerseits aufgefordert, Antiviren- und Software-Updates auf den mobilen Geräten ihrer Kinder regelmäßig zu kontrollieren und auf dem aktuellsten Stand zu halten.

UNO Generalsekretär António Guterres hat offiziell dazu aufgerufen, weltweit den Schutz der Kinder zu gewährleisten, von denen er sagt, dass Millionen infolge der Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt sind. In der aktuellen Coronakrise sind[...]

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17. April 2020

Philippinen: „Quarantäne verschärft häusliche Gewalt an Kindern“

Ysrael C. Diloy aus den Philippinen ist auf den Themenbereich Kinderschutz spezialisiert. Im Interview geht er auf die Gefahren ein, die häusliche Quarantäne durch Covid-19 für Mädchen und Buben mit sich bringt.

Corona-Quarantäne verschärft häusliche Gewalt an Kindern auf den Philippinen (Foto: Christiane Dase)
Corona-Quarantäne verschärft häusliche Gewalt an Kindern auf den Philippinen (Foto: Christiane Dase)

Gegenwärtig erlebt die Welt eine beispiellose Krise. Infektionsrisiko und Quarantänemaßnahmen haben die gesundheitliche und soziale Situation in vielen Ländern verschlechtert, vor allem für Kinder. Auch in den Philippinen?
Das überlastete Gesundheitssystem hat die Krankenhäuser des Landes gezwungen, ihre Ambulanzen zu schließen und die Bettenkapazität der Krankenhäuser drastisch zu verringern. Dies hat dazu geführt, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung für Nicht-Covid-19-Fälle eingeschränkt ist. Die Quarantänemaßnahmen wirken sich in den Gemeinden auf das Familieneinkommen aus: Dadurch erhalten die Kinder weniger hochwertige Nahrung. Daneben schränken Schulschließungen und Quarantänemaßnahmen die Möglichkeiten von Familien ein. Davon sind 27 Millionen schulpflichtige Kinder im ganzen Land betroffen. Mädchen und Buben haben kaum Zugang zu Freizeit- und Spielmöglichkeiten mit Gleichaltrigen. Die psychische Gesundheit ist in allen Altersgruppen gefährdet.

Sehen Sie eine Zunahme der Gewaltbereitschaft gegenüber Kindern in Zeiten von Covid-19?
Die Pandemie hat weniger neue Probleme verursacht, sondern bestehende Risiken verstärkt. In Asien gehören dazu kulturelle Überzeugungen und Praktiken wie die Tabuisierung rund um das Thema Sexualität als auch die Sexualität selbst dazu. Wir nennen das „eine Kultur des Schweigens“. Die Auswirkungen, verursacht durch die Covid-19-Pandemie, verstärken sich nun: Mädchen und Buben werden zu Hause schneller zu Opfern sexuellen Kindesmissbrauchs, sind häufig mit dem oder den potenziellen Tätern eingeschlossen. In den meisten Fällen handelt es sich um Väter oder Stiefväter. Üblicherweise erfahren Hilfspersonen wie Lehrer oder Schulberater im Schulalltag zuerst von den Übergriffen. Das ist wegen der Quarantänemaßnahmen nun nicht mehr möglich.
Aber natürlich lauert die Gefahr auch in häuslicher Gewalt selbst: Kinder werden als Eigentum oder als weniger menschliche Wesen betrachtet. Es kommt häufig zu körperlicher Bestrafung und einem Kreislauf familiärer Gewalt.

Die Armut verschärft diese Notlage aktuell…?
Geringere Einkommensmöglichkeiten in den Familien erhöhen nun das Risiko der sexuellen Ausbeutung von Kindern. Denn die Familien befinden sich derzeit in einer Art Überlebensmodus, versuchen alles Mögliche, um ihre Familie ernähren zu können. Eine mögliche Konsequenz: Der Kinderschutz hat eine niedrigere Priorität. Beispiel Online-Live-Streaming: Weil Mädchen und Jungen jetzt noch mehr Zeit vor den digitalen Medien verbringen, erhöht sich die Gefahr unangemessener oder gar schädlicher Online-Inhalte und die mögliche Interaktion mit Online-Tätern. Aber auch Jugendliche, die sich in der Regel auf romantische Beziehungen mit Gleichaltrigen einlassen, haben aufgrund der Quarantäne nur begrenzte Möglichkeiten der körperlichen Interaktion. Deswegen suchen sie den Online-Austausch und tauschen intime Bilder, die möglicherweise fremdverwertet werden.

Gibt es dazu bereits Zahlen, welche die Entwicklung unterstreichen?
Leider liegen derzeit noch keine Daten vor, um die genaue Zahl der Fälle während der Quarantänezeit zu bestimmen. Frühere Pandemien oder Katastrophenfälle haben aber bereits gezeigt, dass sexueller Missbrauch und sexuelle Ausbeutung von Kindern in solchen Situationen drastisch zunehmen.

Lassen sich Online-Medien während der Covid-19-Pandemie auch als Hilfsmittel nutzen?
Ja! Weil wir mit den Familien nicht direkt kommunizieren können, nutzen wir selbst umso mehr die sozialen Medien. Wir tauschen uns dort zum Thema Gewaltprävention aus oder teilen Informationen, wo man Zugang zu genauen Informationen über Covid-19 erhält. Unsere E-Learning-Maßnahmen zum Thema Kinderschutz sind für uns darüber hinaus eine große Hilfe. Hier erhalten Erwachsene und Kinder mitten in der Corona-Pandemie Zugang zu kostenlosen Veranstaltungen rund um Kinderschutz. Wir informieren die Menschen darüber, dass sie mehr darüber lernen können, auch wenn sie in ihren eigenen vier Wänden isoliert sind.

Wie können Hilfsorganisationen Kinder in dieser Pandemie unterstützen? 
Entwicklungsorganisationen, die direkt in den Gemeinden arbeiten, können während der Pandemie Fragen rund um Gewalt an Kindern mit folgenden Maßnahmen begegnen: 
Gewaltprävention: Sie lässt sich vor allem über nicht-traditionelle Kanäle wie die sozialen Medien vermitteln. So sind die Familien besser in der Lage, eine sicherere Umgebung für Kinder zu schaffen; die Kinder lernen selbst, welches Verhalten richtig und falsch ist. Sofern der Zugang zur Technologie nicht möglich ist, müssen NGOs über andere Wege der Verbreitung nachdenken. 
Aufdeckung und Meldung von Gewalt: Organisationen sind ein wichtiges Bindeglied zwischen offiziellen Meldesystemen und -strukturen und den Betroffenen. Kümmert sich eine NGO bereits konkret um eine Familie, haben Mitarbeiter es leichter, auf diese Weise potenzielle Missbrauchsfälle aufzudecken und bei der Weiterleitung an offizielle Kanäle zu unterstützen.
Lobbyarbeit für die Aufrechterhaltung von Kinderschutzmaßnahmen: Weil sich Regierungen im Moment im Krisenmodus befinden, besteht die Gefahr, dass der Schutz der Kinder kaum Priorität hat. Deswegen sollten Kinderrechtsorganisationen mit Regierungen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Kinderrechte und Kindesschutz in die Regierungsmaßnahmen im Rahmen von Covid-19 mit einbezogen werden.

Wissen Sie, wie sich die Gewalt an Kindern im gesamten asiatischen Raum in den vergangenen Wochen verändert hat?
Noch gibt es dafür zu wenige Daten. Aber Länder wie Thailand und Kambodscha haben ebenfalls bereits Befürchtungen geäußert, dass der Online-Missbrauch von Kindern aufgrund der Quarantäne zunimmt. In Südasien, vor allem in Indien, hat der Zugang zu Notfallnummern für Kinder und Jugendliche zugenommen.

Ysrael C. Diloy aus den Philippinen ist auf den Themenbereich Kinderschutz spezialisiert. Im Interview geht er auf die Gefahren ein, die häusliche Quarantäne durch Covid-19 für Mädchen und Buben mit sich bringt. Corona-Quarantäne verschärft häusliche Gewalt an Kindern auf den Philippine[...]

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13. April 2020

Lateinamerika hat kaum Abwehrkraft gegen das Coronavirus

Überfüllte öffentliche Krankenhäuser sind in Lateinamerika auch ohne Epidemien weit verbreitet. Lange Wartezeiten und die Notwendigkeit, medizinische Ausgaben aus der eigenen Tasche zu decken, sind erschreckende Normalität.

Lateinamerikas Gesundheitssysteme sind stark gefährdet. (Foto: Integralatampost / IPS)
Lateinamerikas Gesundheitssysteme sind stark gefährdet. (Foto: Integralatampost / IPS)

Die Gesundheitssysteme in Lateinamerika, die bereits jetzt kaum ausreichende Versorgung speziell der ärmeren Bevölkerungsschichten gewährleisten können, sind bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie stark gefährdet. Geringe Gesundheitsbudgets und eine relative Knappheit an Krankenhausbetten sind Indikatoren dafür, dass die meisten Länder in der Region keinen universellen Zugang zu medizinischer Versorgung garantieren und Gefahr laufen, von dem neuartigen Coronavirus überwältigt zu werden. „Selbst in gut organisierten und robusten Gesundheitssystemen sind die Herausforderungen einer Pandemie schnell zu spüren. Dies gilt umso mehr für schwache Strukturen so wie sie in weiten Teilen Lateinamerikas zu finden sind.“, sagte der frühere venezolanische Gesundheitsminister José Félix Oletta (1997-1999).

Wenn man in einer Epidemie zurückfällt, wird es zum Chaos kommen.

José Félix Oletta

Laut Pan American Health Organization (PAHO) haben von den 630 Millionen Menschen in Lateinamerika und der Karibik rund 30% keinen regelmäßigen Zugang zu Gesundheitsdiensten, hauptsächlich aufgrund von geografischen oder Einkommensrestriktionen. Diese Zahl entspricht dem Anteil der in Armut lebenden Menschen in der Region, den die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC) mit 185 Millionen beziffert. Davon sind über 10% – 68 Millionen Menschen – von extremer Armut betroffen.

Geben die Staaten zu wenig für medizinische Versorgung aus?

Aktuell entspricht der regionale Durchschnitt der Gesundheitsausgaben nach Angaben von ECLAC und PAHO weniger als 4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. rund 2,2% der Staatsausgaben. Und das, obwohl sich die Regierungen der Region 2014 dazu verpflichtet haben, ihre Gesundheitsbudgets auf mindestens 6% des BIP anzuheben. Aber nur Kuba (10,6%), Costa Rica (6,8%) und Uruguay (6,1%) haben dieses Ziel erreicht. Während die Staatsausgaben für medizinische Versorgung in den Industriestaaten bei 8% des BIP (3.000 und 4.000 Dollar pro Einwohner und Jahr), werden in Lateinamerika nur etwa 1.000 Dollar pro Person ausgegeben. In Argentinien, Chile, Kuba und Uruguay sind es rund 2.000 Dollar pro Person, in Haiti, Honduras und Venezuela jedoch weniger als 400 Dollar. Der Betrag, den Menschen direkt für eine Dienstleistung ausgeben, ist in Kuba, Costa Rica oder Uruguay mit 10 bis 20% geringer als in anderen Ländern wie zB der Dominikanische Republik (45%), Guatemala (54%) oder Venezuela (63%). Diese Belastungen des Einzelnen veranschaulichen die Unzulänglichkeit der staatlichen Gesundheitsversorgung und sozialen Sicherheit, aber auch des privaten Versicherungssystems. Außerdem verdeutlichen sie die prekäre Situation der in Armut lebenden Bevölkerung, die oft aus finanziellen Gründen keine adäquate medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.

Zu wenige Krankenhausbetten für zu viele Menschen?

Ein weiterer Indikator ist die Anzahl der in Krankenhäusern verfügbaren Betten, die allerdings keine Auskunft über Qualität der Infrastruktur, des Personals oder der Effizienz dieser Einrichtungen geben: Der regionale Durchschnitt liegt bei 27 Betten pro 10.000 Einwohner. Ein – teilweise sehr kleiner – Teil davon sind Intensivpflegebetten.

Es reicht nicht aus, Krankenhäuser und Gesundheitszentren zu haben. Eine qualitativ hochwertige Versorgung kann erst durch das richtige Zusammenspiel aus medizinischem Personal, Infrastruktur und Ausstattung, Medikamenten und erforderlichen Gesundheitstechnologien gewährleistet werden.

Carissa Etienne, PAHO

Wenn sich die COVID-19-Pandemie in der Region weiter ausbreitet, sind Bolivien, Guatemala, Haiti, Honduras, Nicaragua, Paraguay und Venezuela laut PAHO „die am stärksten gefährdeten lateinamerikanischen Länder“.

Brasiliens chronisches Ungleichgewicht

In den letzten drei Jahrzehnten hat das größte Land Lateinamerikas mit 211 Millionen Einwohnern ein einzigartiges öffentliches Gesundheitssystem mit Programmen wie Mais Médicos, Farmácia Brasil Poupa Lar und Estratégia Saúde da Família entwickelt. Letzteres ist eine Strategie, die es einem Team von Ärzten, Krankenschwestern und Assistenten ermöglicht, bis zu 3.000 Menschen auf lokaler Ebene zu betreuen. Mais Médicos entsandte bis zu 18.000 Ärzte, mehr als die Hälfte davon Kubaner, in abgelegene Dörfer und isolierte ländliche Gemeinden in Brasilien. Aber seit Dezember 2018 schrumpft das Programm, nachdem Brasilia die Beziehungen zu Havanna abgebrochen hatte und tausende kubanischer Ärzte gezwungen waren, nach Hause zurückzukehren. Zudem muss das staatliche Gesundheitssystem mit 44% der Krankenhausbetten 75% Prozent der Bevölkerung versorgen (die Hälfte davon in vier seiner 27 Bundesstaaten im reicheren Südosten), während Privatkliniken für 25% der Einwohner mehr als die Hälfte aller Betten bereit halten. Von den 47.000 Intensivpflegebetten für alle sind 90% belegt.

Brasilien ist nicht gerüstet, sich der Coronavirus-Epidemie zu stellen, nicht so sehr wegen mangelnder Ressourcen, sondern wegen magelhafter Verteilung, ungerechtem Zugang zu Gesundheitsleistungen, Mißwirtschaft und Mangel an Gerechtigkeit“

Eduardo Costa, Epidemiologe

Chile ist vorbereitet, obwohl es nie genug ist

In Chile, einem Land mit 18,7 Millionen Einwohnern, ist die Krankenversicherung für 14 Millionen öffentlich und für drei Millionen privat. Zudem gibt es ein eigenes System für die 400.000 Militärangehörigen, das unter der Pinochet-Diktatur (1990) eingeführt worden war. Alle Arbeitnehmer müssen 7% ihres Lohns an die Gesundheitseinrichtung ihrer Wahl zahlen. Dennoch sind wochen- bis monatelange Wartezeiten auf einen Arzttermine die Norm, bis zu einem Operationstermin kann es sogar mehrere Jahre dauern. Diese Mißstände waren einer der Auslöser für die Massenproteste im Oktober 2019. Chile hat 22 Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner. Das sind insgesamt rund 32.000, davon 3.300 für Notfälle, die die Regierung angesichts der Pandemie auf 5.200 erhöhen will.

Das Gesundheitssystem hat für diese unerwartete Situation keinesfalls aureichend Kapazität.

Nelly Alvarado, Professorin an der Diego Portales University und Spezialistin für öffentliche Gesundheit

Die Professorin an der Diego Portales University und Spezialistin für öffentliche Gesundheit wies darauf hin, dass Intensivpflegebetten „weder in Chile noch im Rest der Welt reichlich vorhanden sind. Sie sind teuer und hochkomplex, da anspruchsvolle Geräte und spezialisiertes Personal erforderlich sind.“

Gesundheitsinvestitionen zahlen sich aus

Lateinamerika, das in Bezug auf Gesundheitsversorgung und Ausgaben hinterherhinkt, sollte dem Aufruf von Maria Neira, WHO-Direktorin des Ministeriums für öffentliche Gesundheit, Umwelt und soziale Determinanten von Gesundheit, folgen: „Wir alle haben vergessen, dass Investitionen in die öffentliche Gesundheit und die Gesundheitssysteme nicht bereut werden sollten … sie werden sich immer auszahlen.“

Überfüllte öffentliche Krankenhäuser sind in Lateinamerika auch ohne Epidemien weit verbreitet. Lange Wartezeiten und die Notwendigkeit, medizinische Ausgaben aus der eigenen Tasche zu decken, sind erschreckende Normalität. Lateinamerikas Gesundheitssysteme sind stark gefährdet. (Foto: Int[...]

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