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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

21. Februar 2020

Weibliche Genitalverstümmelung: Emotionale und gesundheitliche Menschenrechtsverletzung von Frauen mit 1,4 Milliarden US-Dollar Kosten für die Gesellschaft

Weltweit müssem 200 Millionen Mädchen und Frauen mit den folgen von FGM leben. (Foto: Travis Lupick / IPS)
Weltweit müssem 200 Millionen Mädchen und Frauen mit den folgen von FGM leben. (Foto: Travis Lupick / IPS)

Die WHO hat einen „Kostenrechner“ für weibliche Genitalverstümmelung (FGM) veröffentlicht, der die massiven wirtschaftlichen Kosten dieser menschenrechtsverletzende Praxis verdeutlicht.

Wenn die Gesellschaft nicht gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) vorgeht, entstehen weltweit massive wirtschaftliche Kosten – über 1 Milliarde US-Dollar. Denn auch wenn sich die Zahl an FGM zunehmend kleiner wird, gibt es nach wie vor rund 200 Millionen Opfer. „Durch die Berechnung der Kosten von FGM für Frauen und die Gesellschaft zeigt diese Studie, dass Untätigkeit wirtschaftliche Kosten verursacht und dass Investitionen in die Prävention langfristig die Kosten senken“, so Elizabeth Noble, Informationsbeauftragte der Abteilung für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte der WHO.

Gegenwärtig beläuft sich die wirtschaftliche Belastung durch die Behandlung von gesundheitlichen Komplikationen, die sich aus FGM-Praktiken in den 27 Ländern ergeben, die im Datensatz der WHO enthalten sind, auf 1,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums wird diese Zahl in den nächsten 30 Jahren um 50% steigen, wenn die Prävalenz von FGM unverändert bleibt, erklärte Noble. „Ein Abbruch der Praxis würde jedoch zu einem prognostizierten Rückgang von 60% der Kosten führen.“

Bildung als mögliches Mittel im Kampf gegen Weibliche Genitalverstümmelung (Foto: Jakob Studnar)
Bildung als mögliches Mittel im Kampf gegen Weibliche Genitalverstümmelung (Foto: Jakob Studnar)

FGM und die Rechte der Mädchen

„Durch die Verstümmelung der Geschlechtsorgane des Mädchens glaubt man, ihre Sexualität kontrollieren und ihre Jungfräulichkeit vor der Heirat garantieren zu können. Dies hat schwerwiegende Folgen für die sexuelle und reproduktive Gesundheit und die Rechte von Mädchen“, erläutert Alex Munive, Leiter der Programme „Gender and Inclusion of the Girls 2030“ bei Plan International Global Hub. Neben den unmittelbaren Risiken für die jungen Frauen wie Infektionen, Blutungen, psychische Traumata und sogar den Tod, sind auch die langfristigen Auswirkungen dieser Praktiken nicht zu ignorieren. Bei vielen Betroffenen kommt es zu chronische Schmerzen, chronischen Harnproblemen, geburtshilflichen Komplikationen einschließlich Fisteln und dauerhaften sexuellen Probleme.

Zusätzlich beeinflusst es die Ausbildungschancen der Mädchen. „FGM wird als Einführungsritual angesehen, das Mädchen auf die Ehe vorbereitet“, fügt Munive hinzu, „sobald ein Mädchen beschnitten ist, wird es schnell verheiratet und aus der Schule genommen. Sie werden wie erwachsene Frauen behandelt und verlieren alle ihre Kinderrechte.“ Daher kann Bildung selbst ein Weg sein, dieses Problem anzugehen. „Wir erkennen, dass Bildung ein wirksames Instrument zur Verhinderung von FGM ist. Mädchen, die von einer qualitativ hochwertigen Ausbildung profitieren, heiraten seltener, während sie noch Kinder sind.“ Da FGM allerdings häufig als Teil kultureller Gepflogenheiten durchgeführt wird, müssen „Strategien zur Beseitigung von FGM die zugrundeliegenden sozialen und kulturellen Überzeugungen berücksichtigen“, so Elizabeth Noble von der WHO. „Es ist daher wichtig, mit Meinungsführern (unter anderem Krankenschwestern, Hebammen und anderen Gesundheitsdienstleistern) in praktizierenden Gemeinschaften zusammenzuarbeiten und diese in ihrer Rolle zu stärken.“

Weltweit müssem 200 Millionen Mädchen und Frauen mit den folgen von FGM leben. (Foto: Travis Lupick / IPS) Die WHO hat einen „Kostenrechner“ für weibliche Genitalverstümmelung (FGM) veröffentlicht, der die massiven wirtschaftlichen Kosten dieser menschenrechtsverletzende Praxis verdeutli[...]

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12. Februar 2020

So haben die 2019er Spenden geholfen

Jedes Jahr unterstützen mehr als 3.600 Paten und 58.000 Spender Kinder in Not und ihre Familien in Afrika, Lateinamerika und Asien und schenken ihnen so die Chance auf eine bessere Zukunft.

Durch ihre Mittel konnte auch 2019 wieder vieles erreicht werden, um Mädchen und Buben zu schützen und Rechte besser zu verwirklichen.

2019 konnte wieder viel für die Buben und Mädchen in den Projekten erreicht werden. (Foto: KNH)
2019 konnte wieder viel für die Buben und Mädchen in den Projekten erreicht werden. (Foto: KNH)

Projekt „Maphunziro ndi Chuma“ – Bildung ist eine Kostbarkeit in Somba/Makata in Blantyre, Malawi

Das Projektgebiet im ärmlichen südmalawischen Blantyre Distrikt ist geprägt von einer der höchsten HIV/Aids-Rate des Landes (15%), die durch den niedrigen Bildungsstand, mangelnde Aufklärung, schädliche kulturelle Praktiken und Diskriminierung von Frauen begünstigt wird.

Kinder leiden besonders unter den Folgen der Pandemie. Vor allem Waisen, die ihre Eltern durch Aids verloren haben, sind durch die mangelnde Betreuung und Versorgung dazu gezwungen, selbst früh zu arbeiten anstatt in die Schule zu gehen. Darüber hinaus führt das Fehlen von Geburtsturkunden zu der weit verbreiteten verspäteten Einschulung. Damit sind viele Kinder schon zu alt für die Grundschule oder zu alt für den Jahrgang, in dem sie sich befinden.

"Maphunziro ndi Chuma" ermöglicht den Kinder in Blayntre, Malawi, kindgerechte Förderung. (Foto: KNH)
„Maphunziro ndi Chuma“ ermöglicht den Kinder in Blayntre, Malawi, kindgerechte Förderung. (Foto: KNH)

So hat Ihre Spende geholfen:

Im Projektgebiet konnten 15.973 Grundschulkinder und 2.190 Kinder in der Frühförderung begleitet werden, wodurch die Zahl der erfolgreichen Grundschulabschlüsse auf 46% gestiegen, sowie die Durchfallsquote auf 13% und die Schulabbruchsrate auf unter 1% gesunken sind. Außerdem wurden durch entsprechende Sensibilisierung der Eltern in den Frühförderzentren 94% der Kinder im normalen Schulalter – also dem sechsten Lebensjahr – eingeschult.

Projekt „Stärkung der Ärmsten“ – Kindzentrierte Gemeinwesenentwicklung in Choma, Sambia

Die Lebensbedingungen der meisten Kinder im südsambischen Choma sind mehr als schwierig. Selten bekommen sie genug zu essen und können von ihren Eltern ausreichend medizinisch versorgt werden. Viele von ihnen gehen nur unregelmäßig zur Schule, da sie früh mit anpacken müssen – auch unter gefährlichen Bedingungen auf den Tabakfeldern, im Steinbruch oder den Sandminen. Erschwerend kommt hinzu dass viele Kinder nicht offiziell registriert sind und keine Dokumente – wie beispielsweise Geburtsurkunden – haben.

Die anhaltende Dürre verschärft die ohnehin prekäre Lage zusehends. Immer mehr Kinder kommen gar nicht mehr in die Schule – Hunger wird häufig als Grund für den Schulabbruch genannt.

Im Projekt bekommen die Kinder aus Choma regelmäßig ausgewogene Mahlzeiten. (Foto: Christian Herrmanny)
Im Projekt bekommen die Kinder aus Choma regelmäßig ausgewogene Mahlzeiten. (Foto: Christian Herrmanny)

So hat Ihre Spende geholfen:

Für eine Dauer von sechs Monaten konnten 9.788 Schulkinder an 15 Schulen in Choma mit einer nahrhaften Mahlzeit pro Tag versorgt werden.

Zudem wurden 83 Kindern (51 Mädchen, 32 Buben) schulisch reintegriert und 873 erhielten eine Geburtsurkunde. Durch die Gründung von 10 neuen Selbsthilfegruppen konnten 624 Frauen ihre Resilienz gegen Dürren verbessern. Außerdem wurde ein 15ha großes Gebiet für die Moringa-Produktion erworben und seine Bewirtschaftung gestartet.

Straßenkinder-Projekt in Mbale, Uganda

Die weitverbreitete Armut im Mbale Distrikt im Osten Ugandas führt dazu, dass die Bevölkerung, die überwiegend von der Landwirtschaft lebt, klimatischen Auswirkungen schutzlos ausgeliefert ist. Viele Eltern sind nicht in der Lage, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern. Auf sich allein gestellt müssen sie selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Diese Situation überfordert sie und so zieht es viele von ihnen auf die Straße, wo sie auf ein besseres Leben hoffen. Dort verfallen sie jedoch in noch größere Armut und Perspektivlosigkeit. Zudem leben sie in der ständigen Gefahr, Opfer von sexueller Ausbeutung und Vergewaltigung zu werden.

Das Rehabilitationsprogramm in Mbale hilft den Straßenkindern aus dem Teufelskreis. (Foto: KNH)
Das Rehabilitationsprogramm in Mbale hilft den Straßenkindern aus dem Teufelskreis. (Foto: KNH)

So hat Ihre Spende geholfen:

77 neue Kinder (darunter 32 Mädchen) konnten in das durch die lokale Partnerorganisation Child Restoration Outreach geführte Kindernothilfe-Rehabilitationsprogramm aufgenommen und mit grundsätzlichen Notwendigkeiten (Nahrung, Kleidung und medizinische Versorgung) ausagestattet werden. Um ein gewisses Level an Bildung zu garantieren, das den Kindern bei der Bewältigung ihres zukünftigen Alltags hilft und eine Wiedereingliederung in das formale Schulsystem ermöglicht, wurden den Neuankömmlingen alle notwendigen Schul- und Lernmaterialien (Bücher, Stifte, Radiergummis etc.) zur Verfügung gestellt. Außerdem konnten 68 Kontakte hergestellt werden und 61 Mädchen und Jungen kehrten tatsächlich in ihre Familien zurück.

Projekt „Talita Cumi“ – Steh auf in Huehuetenango, Guatemala

Die zehn ländlichen, überwiegend idigen bevölkerten Projektgemeinschaften liegen im Departamento Huehuetenango nahe der Grenze zu Mexiko und haben kaum Zugang zum Arbeitsmarkt, zu medizinischer Versorgung und Bildungseinrichtungen. Viele Kinder sind mangelernährt. Zahlreiche Mädchen und Jungen müssen ihren Eltern bei der Arbeit helfen und können nicht zur Schule gehen. Kinder, die mit einer Behinderung leben, Frauen und Mädchen sind gesellschaftlich stark benachteiligt. Aufgrund der prekären Situation ist innerfamiliäre Gewalt ein tägliches Phänomen.

Frühkindliche Entwicklung und Kindesschutz stehen in Huehuetenango im Mittelpunkt (Foto: Jakob Studnar)
Frühkindliche Entwicklung und Kindesschutz stehen in Huehuetenango im Mittelpunkt (Foto: Jakob Studnar)

So hat Ihre Spende geholfen:

Im Rahmen des mit der lokalen Organisation SADEGUA betreuten Projekt „Talita Cumi“ (dt.: Steh auf), das frühkindliche Entwicklung und Kindesschutz in den Mittelpunkt stellt, konnten 2 neue Kindertagesstätten errichtet und 10 weitere Kindereinrichtungen mit Lernmaterialien ausgestattet werden. Zusätzlich wurde eine kleine Küche eingerichtet, in der täglich nährstoffreiche Speisen gekocht und Rezepte weitergegeben werden, um Mangel- bzw. Fehlernährung vorzubeugen. „Aufklärungs-Workshops“ fanden statt, um Eltern auf Kinderrechte, Kindesschutz vor jeglicher Gewalt sowie gewaltfreie Erziehung zu sensibilisieren.

Projekt „Tocobamba-Tirina“ – Gemeinwesenentwicklung Tocobamba, Bolivien

Tacobamba im Südwesten Boliviens zählt zu den ärmsten Regionen des Landes. Das Leben der vorwiegend indigenen Bevölkerung ist von extremer Armut, dürftiger Gesundheitsversorgung, Unter-/Mangelernährung und unzureichenden Schul- bzw. Ausbildungsmöglichkeiten gekennzeichnet. Die triste Situation hat zu einer massiven Abwanderung vor allem der jungen Bevölkerung geführt, wodurch in den Gemeinden heute vorwiegend Kinder und ältere Menschen anzutreffen sind.

Die Wochenlange Regenfälle führten im Januar und Februar 2018 zu großflächigen Überschwemmungen, die mehrere Todesopfer forderten und große Teile der Ernte zerstörten. Das führte zu einer Verschärfung der ohnehin prekären Situation im Projektgebiet, unter der die Menschen noch immer leiden.

Die Kinder in Tocobamba, Bolivien, werden zahnärztlich untersucht. (Foto: KNH)
Die Kinder in Tocobamba, Bolivien, werden zahnärztlich untersucht. (Foto: KNH)

So hat Ihre Spende geholfen:

An vier Schulen wurden Spielgeräte aufgestellt und Bibliotheken eingerichtet, zudem konnten die Schul- und Aufenthaltsräume teilrenoviert werden. 71 Lehrer aus 13 Schulen erhielten eine Kinderrechte-Schulung.

Um die Ernährungssicherheit im Projektgebiet zu stabilisieren wurden 34 Gemüse-Gewächshäuser gebaut. Durch die Nutzung von einfachen „Schutzzelten“ für den Gemüseanbau kann der Ertrag nachhaltig ausgeweitet und regelmäßige, nahrhaftere Verpflegung in den Schulen gewährleistet werden. Außerdem konnten 221 Personen zahnärtzlich behandelt werden, und 1.040 Personen erhielten Mundhygieneartikel und eine Hygiene-Schulung.

Projekt „Quilombo dos Direitos“ in Buriti do Meio, São Francisco, Brasilien

Das ländliche Buriti do Meio ist einer der 8 Quilombola-Gemeinden im ostbrasilianischen Verwaltungsbezirk São Francisco. Die 180 Familien gehören zu den nach wie vor benachteiligten Nachfahren der während der portugiesischen Herrschaft geflohenen Sklaven leben unter ärmlichsten Bedingungen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei nur 254 Reais (ca. 84 Euro), 27% der 10- bis 17-Jährigen müssen arbeiten und 12% der Mädchen und Buben gehen gar nicht in die Schule. Die einzige öffentliche Schule, die den Kindern der Gemeinde offensteht, schnitt im nationalen Schulvergleich schlecht ab.

Lange Dürreperioden und unregelmäßige Niederschläge haben in der letzten Zeit das Leben der Landbevölkerung zusätzlich erschwert und in Buriti do Meio zu einem Wasserversorgungsproblem geführt. Wasser für die Anpflanzung von Lebensmitteln ist in Trockenzeiten nicht in ausreichendem Maß verfügbar. Reis und Bohnen sind für viele die einzigen Nahrungsmittel, was immer wieder zu Fällen von Mangelernährung bei Kindern führt.

Ein neuer Wassertank und neue Gemüsegärten sichern den Quilombola-indern gesunde und ausgewogene Ernährung in Sao Francisco, Brasilien. (Foto: KNH)
Ein neuer Wassertank und neue Gemüsegärten sichern den Quilombola-indern gesunde und ausgewogene Ernährung in Sao Francisco, Brasilien. (Foto: KNH)

So hat Ihre Spende geholfen:

Es konnte ein weiterer Wassertank mit einer Kapazität von 52.000 Litern in einer der Ortschaften der Gemeinde gebaut werden. Dieser und die bereits zwei vorhandenen Tanks ermöglichen den Anbau von eigenem Gemüse, das ungefähr 60 Familien mit frischem Salat, Kohl, Roter Beete, Möhren, Tomaten, Paprika, Zucchini und Zwiebeln versorgt. Zusätzlich wurde ein weiterer gemeinschaftlicher Gemüsegarten angelegt.

Projekt „Bildung statt Teepflücken“ in Nuwara Eliya, Sri Lanka

Die Menschen auf den Teeplantagen in Nuwara Eliya im zentralen Hochland Sri Lankas stammen fast alle aus marginalisierten tamilischen Familien. Sie leben unter der Armutsgrenze und sind von den staatlichen Sozialleistungen größtenteils ausgeschlossen. Auch das Bildungsangebot ist mehr als dürftig: Es gibt auf den Plantagen nur Grundschulen; Bücher und Lernmaterialien sind von minderer Qualität und die Lehrer schlecht ausgebildet. Die meisten Mädchen und Jungen brechen die Schule vorzeitig ab, um selbst Geld zu verdienen. Viele von ihnen verlassen ihre Familien und suchen sich Arbeit in Haushalten und Fabriken in den größeren Städten, wo sie oft nur weiterer Ausbeutung ausgesetzt sind.

Die Kinder in Nuwara Eliya, Sri Lanka, lernen statt auf der Tee-Plantage zu arbeiten. (Foto: Manfred Fesl)
Die Kinder in Nuwara Eliya, Sri Lanka, lernen statt auf der Tee-Plantage zu arbeiten. (Foto: Manfred Fesl)

So hat Ihre Spende geholfen:

Die Zahl an Kinderarbeitern konnte von 150 auf 10 gesenkt werden. Außerdem brachen im vergangenen Jahr lediglich 11 Jugendliche die Schule vorzeitig ab.

Projekt Gnanapoo Illam Schülerinnenwohnheim in Porayar, Indien

Die rund 8.000 Einwohner der Kleinstadt Porayar im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu verdienen sich ihr spärliches, meist unzureichendes Einkommen vorwiegend als Tagelöhner in der Landwirtschaft bzw. Fischfang oder als einfache Handwerker. Viele der Familien, vor allem in den umliegenden Dörfern, leben unterhalb der Armutsgrenze und können gerade ihren Grundbedarf decken. Speziell Mädchen leiden besonders unter diesen Lebensumständen und sind in ihrer persönlichen sowie gesundheitlichen Entwicklung stark beeinträchtigt. Sie erleben eine besonders starke Diskriminierung, sind häufig Gewalt ausgesetzt, werden von Bildung ausgeschlossen und als Bürde gesehen.

In Gnanapoo Illam, Indien, werden die Mädchen in all ihren Bedürfnissen und Rechten versorgt. (Foto: KNH)
In Gnanapoo Illam, Indien, werden die Mädchen in all ihren Bedürfnissen und Rechten versorgt. (Foto: KNH)

So hat Ihre Spende geholfen:

In dem vom lokalen Partner TELC geführten Schülerinnen-Wohnheim Gnanapoo Illam konnten 195 Mädchen (darunter 35 Halbwaisen) durch Kindernothilfe-Patenschaften in ihrer Entwicklung gefördert werden, 36 davon neu aufgenommen. 148 von ihnen besuchten weiterführende Schulen, während 47 bereits eine Ausbildung absolvierten. Allen Mädchen konnten neben einer ausgewogenen, gesunden Ernährung mit 3 warmen Mahlzeiten am Tag der jährliche Gesundheitscheck-Up sowie eine Zahn- und Augenuntersuchung ermöglicht werden.

Projekt Baan Doi – Kinderhaus am Schönen Berg in Mae Sai, Thailand

Die nordthailändische Stadt Mae Sai liegt an der Grenze zu Myanmar und ist somit ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für illegale Migranten und Menschenhändler. Dazu kommen die Geschäfte, die die Verbreitung des HIV-Virus beschleunigen. Dazwischen befinden sich – oft staatenlose – Kinder, die Opfer des Geschäfts mit Menschen werden oder durch die HIV-Epidemie direkt oder indirekt betroffen sind. Viele kennen ihre Eltern nicht, andere sind durch die Erkrankung und den Tod der Eltern Waisen geworden. Sie alle brauchen Unterstützung, wenn es darum geht, ein neues Zuhause zu finden, medizinische versorgt und psychologische bertreut zu werden sowie eine solide Ausbildung zu bekommen.

Im Kinderhaus am schönen Berg finden die Kinder aus Mae Sai ein neues Zuhause. (Foto: Jakob Studnar)
Im Kinderhaus am schönen Berg finden die Kinder aus Mae Sai ein neues Zuhause. (Foto: Jakob Studnar)

So hat Ihre Spende geholfen:

11 der 18 Kinder (8 Buben und 10 Mädchen) im Kinderhaus erhielten antiretrovirale Medikamente und wurden engmaschig ärztlich untersucht. Neben den regelmäßigen Gesundheits-Check-ups wurden die Kinder auch psychologisch begleitet und machten wöchentlich Yoga und Sport. Darüber hinaus genossen sie dreimal täglich gesundes und frisches Essen mit viel Obst und Gemüse.

Katastrophenhilfe nach Wirbelsturm Idai in Chimanimani und Chipinge, Simbabwe

Der Zyklon „Idai“ traf den Osten Simbabwes am 16. März 2019. Seine Auswirkungen haben das gesamte Land unvorbereitet getroffen. Gründe dafür sind u.a. der desolate Zustand des Staates und seiner Strukturen, die Währungs- und Benzinpreiskrise und die mangelhafte staatliche Katastropheninfrastruktur und –vorsorge. Schon zu Beginn des Jahres litten die Menschen in manchen Teilen Simbabwes unter Dürre, Ernteausfällen und lokalen Cholera-Epidemien. Allein durch diese Krisen war das Land bereits am Rande seiner eigenen Kapazitäten.

„Idai“ zerstörte mehr als 4.000 Häuser oder machte sie unbewohnbar und gefährdete die Lebensgrundlagen von mehr als 270.000 Menschen.

Humintäre Hilfe nach Wirbelsturm Idai, Simbabwe. (Foto: KNH Partner)
Humintäre Hilfe nach Wirbelsturm Idai, Simbabwe. (Foto: KNH Partner)

So hat Ihre Spende geholfen:

In den am schlimmsten betroffenen Gebieten Chimanimani und Chipinge konnten 5.000 kg Mehl, 1.000 kg Zucker, 500 kg Salz, 500 kg Trockenfisch, 1.000 l Öl und 500 Solarlampen im Rahmen einer unmittelbaren Humanitären Hilfsaktion verteilt werden. Außerdem wurden sofort sogenannte WASH (Wasser, sanitäre Anlagen, Hygiene) –Trainings durchgeführt. Es handelte sich dabei um Lehrworkshops, die in Naturkatastrophen essentiell sind, um die Ausbreitung von Krankheiten, die durch Keime in stehenden Gewässern entstehen, zu vermeiden.

DANKE!

Jedes Jahr unterstützen mehr als 3.600 Paten und 58.000 Spender Kinder in Not und ihre Familien in Afrika, Lateinamerika und Asien und schenken ihnen so die Chance auf eine bessere Zukunft. Durch ihre Mittel konnte auch 2019 wieder vieles erreicht werden, um Mädchen und Buben zu schützen und R[...]

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5. Februar 2020

Sambia: Eine Geschichte von Wetterextremen

Der drastische Rückgang der Niederschläge und die steigenden Temperaturen in Sambia haben die landwirtschaftliche Produktivität um etwa 16 Prozent reduziert und in der Folge das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Während Sambia weiterhin seine sozioökonomischen Entwicklung voranzutreiben versucht, ist es sich der Tatsache bewusst, dass eine gesunde Umwelt für nachhaltige Entwicklung unabdingbar ist.

Planeta Hatuleke, eine Kleinbäuerin aus dem südsambischen Distrikt Pemba, in ihrem Maisfeld. In diesem Jahr hofft sie, dass sie dank der klimafreundlichen Landwirtschaftstechniken, die sie beim Anbau ihrer Ernte im November angewendet hat, nicht zu den 2,3 Millionen Menschen im Land gehören wird, Hunger leiden müssen. (Foto: Friday Phiri)
Planeta Hatuleke, eine Kleinbäuerin aus dem südsambischen Distrikt Pemba, in ihrem Maisfeld. In diesem Jahr hofft sie, dass sie dank der klimafreundlichen Landwirtschaftstechniken, die sie beim Anbau ihrer Ernte im November angewendet hat, nicht zu den 2,3 Millionen Menschen im Land gehören wird, Hunger leiden müssen. (Foto: Friday Phiri)

Es ist früher Samstagmorgen, und Planeta Hatuleke, eine Kleinbäuerin des Distrikts Pemba in Südsambia, erwacht zu tröstendem Regen. Wie die Einheimischen sagen, hat sich der Himmel geöffnet und endlich regnet es nach einer längeren Trockenperiode. „Das Niederschlagsmuster war bisher nicht konsistent. Wir sollten uns auf eine Wiederholung der letzten Saison gefasst machen“, seufzt sie pessimistisch.

Hatuleke und ihre 8-köpfigen Familie ernteten in der letzten Landwirtschaftssaison nur fünf 50-kg-Säcke Mais, was lediglich 10% ihres jährlichen Nahrungsbedarfs deckte. „Es war nicht einfach, meine Familie zu ernähren, nachdem die fünf Säcke aufgebraucht waren. Die Hilfsrationen der Regierung reichten für große Familien wie meine nicht aus. Wir haben vom Verkauf unserer Gartenerträge überlebt“, sagt die 55-jährige Witwe.

70.000 Tonnen Hilfsnahrung

2018/19 waren von Dürre bzw. ausgedehnten Trockenperioden geprägt. Nach Angaben der staatlichen Disaster Management and Mitigation Unit (DMMU) waren 2,3 Millionen Menschen von unzureichender Nahrungsmittelversorgung betroffen und brauchten humanitäre Hilfe. Zwischen September 2019 und Januar 2020 wurden mehr als 70.000 Tonnen Hilfsnahrung (Maisgetreide und Maismehl) an die Betroffenen verteilt.

Chiwaza, Ostsambia: Margarete Phia und ihre Enkelin Merxis tragen Mais (Foto: Christian O. Bruch)
Chiwaza, Ostsambia: Margarete Phia und ihre Enkelin Merxis tragen Mais (Foto: Christian O. Bruch)

Laut Jennifer Bitonde, der Länderdirektorin des Welternährungsprogramms (WFP) für Sambia, „benötigt die Ernährungsagentur der Vereinten Nationen 36 Millionen US-Dollar, um die sambische Regierung wirksam bei der Krisenintervention zu unterstützen.“ Die US-amerikanischen Agentur für internationale Entwicklung (USAID) hat 3,39 Millionen US-Dollar zur Deckung des unmittelbaren Nahrungsmittelbedarfs der von Dürre betroffenen Menschen in Sambia zur Verfügung gestellt. „Das entspricht ungefähr 10 Prozent des Gesamtbedarfs und ermöglicht dem WFP, sicherzustellen, dass von Dürre betroffene Menschen während der diesjährigen mageren Jahreszeit nicht hungrig ins Bett gehen.“, fügt Bitonde hinzu.

Im vergangenen Oktober forderten die drei UN-Lebensmittelagenturen – die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) und das WFP – dringend Finanzmittel, um eine große Hungerkrise abzuwenden. Zudem forderten sie die internationale Gemeinschaft auf, stärker in langfristige Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimaschockfolgen zu investieren und die Stabilität von Gemeinschaften und Ländern intensiver zu unterstützen.

Spätregen, Trockenperioden, Wirbelstürme und wirtschaftliche Herausforderungen: ein Katastrophenrezept

Der Süden Sambias leidet unter den Regenausfällen (Foto: KNH)
Der Süden Sambias leidet unter den Regenausfällen (Foto: KNH)

Sie gaben an, dass mehr als 11 Millionen Menschen in neun Ländern von einer „Krise“ oder einer „Notsituation“ der Ernährungsunsicherheit (Integrierte Phase der Ernährungssicherheit, Klassifizierungsphasen 3 und 4) betroffen waren: Angola, Simbabwe, Mosambik, Sambia, Madagaskar , Malawi, Namibia, Eswatini und Lesotho. „Spätregen, längere Trockenperioden, zwei große Wirbelstürme und wirtschaftliche Herausforderungen haben sich als Katastrophenrezept für die Ernährungssicherheit und den Lebensunterhalt im gesamten südlichen Afrika erwiesen“, sagte Alain Onibon, subregionaler FAO-Koordinator für das südliche Afrika. „Da viele Bauerngemeinschaften mindestens zwei bis drei Vegetationsperioden benötigen, um zur normalen Produktion zurückzukehren, ist eine sofortige Unterstützung von entscheidender Bedeutung. Jetzt ist es an der Zeit, die Reaktion auf landwirtschaftliche Notfälle zu verstärken. Wir müssen sicherstellen, dass Landwirte und Agro-Pastoralisten die prognostizierten guten Regenfälle nutzen, sofern sie eintreten. Dies für den Wiederaufbau ihres Lebensunterhalts von entscheidender Bedeutung ist.“

Sie warnten weiters, dass ein Rekord von 45 Millionen Menschen in der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft mit 16 Nationen ab Oktober 2019 in den nächsten sechs Monaten von einer schweren Ernährungsunsicherheit betroffen sein würden.

Norden und Süden erleben unterschiedliche Wetterextreme zur gleichen Zeit

Während sich die Landwirte im Südwesten des Landes Sorgen über das immer unberechenbarere Niederschlagsmuster machen, kämpfen die Menschen im Nordosten mit Sturzfluten. Berichten zufolge sind über 300 Familien von Überschwemmungen in den Distrikten Mambwe und Lumezi in der Ostprovinz Sambias betroffen. Das erhöht den Druck auf die ohnehin stark geschwächte Ressourcenbasis.

Überschwemmung sind in Nord-Sambia keine Seltenheit (Foto: KNH)
Überschwemmung sind in Nord-Sambia keine Seltenheit (Foto: KNH)

Nachhaltige Lösungen sind gefordert

Weltweit ist man sich einig, dass der Klimawandel auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist, die die Umwelt (direkt oder indirekt) schädigen. Solche Aktivitäten umfassen unter anderem die Übernutzung natürlicher Ressourcen, Verschmutzung und Entwaldung. Ein kritisches Energiedefizit bei über 2 Millionen Menschen, die aufgrund von klimabedingten Dürren und Sturzfluten nicht mehr mit Lebensmitteln versorgt werden können, ist eine wichtige Lehre.

Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP25) im Dezember hob Sambias Landwirtschaftsminister Ndashe Yumba die nachteiligen Auswirkungen des Klimawandels auf die rohstoffsensiblen Sektoren seines Landes wie Energie und Landwirtschaft hervor. „In der jüngeren Vergangenheit haben drastische Niederschlagsreduzierungen und steigende Temperaturen in Sambia zu einer Verringerung der landwirtschaftlichen Produktivität um rund 16 Prozent geführt und unser Wirtschaftswachstum gebremst.“ Während Sambia weiterhin seine sozioökonomischen Entwicklung voranzutreiben versucht, ist es sich der Tatsache bewusst, dass eine gesunde Umwelt für nachhaltige Entwicklung unabdingbar ist. „Das Rezept für ein gesundes Klima ist eine gesunde Umwelt“, fügte er hinzu.

Zurück im südsambischen Distrikt Pemba hofft Hatuleke, dass die klimafreundlichen und nachhaltigen landwirtschaftlichen Techniken, die sie kürzlich umgesetzt hat, ihr in diesem Jahr eine bessere Ernte bringen werden. „Ich habe mein Feld gerissen und früh gepflanzt. Kurz nach den ersten Regenfällen Mitte November, und jetzt ist mein Mais in der Raufbude“, sagt sie. „Vielleicht wird es ja eine gute Ernte, vorausgesetzt, es regnet in der verbleibenden Hälfte der Saison konstant.“

Der drastische Rückgang der Niederschläge und die steigenden Temperaturen in Sambia haben die landwirtschaftliche Produktivität um etwa 16 Prozent reduziert und in der Folge das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Während Sambia weiterhin seine sozioökonomischen Entwicklung voranzutreiben versucht[...]

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27. Januar 2020

Globale Ungleichheit wächst weiter

Stammesfrauen treffen sich auf dem Boipariguda-Wochenmarkt im Koraput District im indischen Bundesstaat Odisha, um landwirtschaftliche Produkte zu kaufen und zu verkaufen. Indigene Gemeinschaften bleiben im Zentrum der vom Klimawandel Betroffenen, da sie die Hauptlast der Krise überproportional tragen und höheren Risiken ausgesetzt sind. (Foto: Manipadma Jena)
Stammesfrauen treffen sich auf dem Boipariguda-Wochenmarkt im Koraput District im indischen Bundesstaat Odisha, um landwirtschaftliche Produkte zu kaufen und zu verkaufen. Indigene Gemeinschaften bleiben im Zentrum der vom Klimawandel Betroffenen, da sie die Hauptlast der Krise überproportional tragen und höheren Risiken ausgesetzt sind. (Foto: Manipadma Jena)

Mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung leben derzeit in Teilen der Welt, in denen die Einkommensungleichheit zugenommen hat. Dies geht aus dem World Social Report 2020 der Abteilung für Wirtschaft und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen (DESA) hervor. Er identifiziert zudem die vier „Megatrends“, die diese Ungleichheit beeinflussen: technologische Innovation, Klimawandel, Urbanisierung und internationale Migration.

„Der Bericht unterstreicht, dass diese Megatrends für eine gerechtere und nachhaltigere Welt genutzt werden können, oder – außer Acht gelassen – uns weiter trennen werden“, so Elliott Harris, Chefvolkswirt und stellvertretender Generalsekretär für wirtschaftliche Entwicklung bei DESA. Er betont, dass ein Gleichtgewicht zwischen den Ländern insbesondere durch die derzeitige Klimakrise verlangsamt wird, die generell „ein großes Hindernis für die Verringerung der Armut darstellt.“ Indigene Gemeinschaften sind nach wie vor die Hauptbetroffenen, da sie überdurchschnittlich unter den Folgen der klimatischen Veränderungen zu leiden haben und höheren Risiken ausgesetzt sind. Er betont außerdem, dass „sich diese auch auf die Ungleichheit zwischen den Generationen auswirkt.“

Technologische Innovation, digitale Zweiteilung

Im Bereich technologischer Innovationen betont Harris, dass dieser Fortschritt „die Lohnungleichheit nach oben treibt. Denn trotz seiner immensen Aussichten schafft er Gewinner und Verlierer, und sein rasantes Tempo bringt zusätzliche neue Herausforderungen mit sich“, so der Ökonom. Diese „digitale Kluft“ entsteht vor allem durch den Zugang zu Technologie und technologischen Geräten (oder deren Fehlen). Dem Bericht zufolge haben fast 90 Prozent der Bevölkerung in den Industriestaaten Zugang zum Internet, während es in den Entwicklungsländern nur 19 Prozent sind. Laut den Daten des U.N.-Komitees für Entwicklungspolitik (CDP) aus dem Jahr 2018 sind vor allem afrikanische Staaten betroffen. Und das obwohl der Kontinent für sein massives technologisches Wachstum gelobt wird. In einem PwC-Bericht über Afrika heißt es: „Disruptive Innovation verändert das wirtschaftliche Potenzial Afrikas, schafft neue Zielmärkte und beispiellose Wahlmöglichkeiten für Verbraucher.“ Das wirft dann aber die Frage auf, wie die technologische Kluft die Ungleichheit in diesen Ländern aufrechterhält. Harris bestätigt dieses Wachstum, betont jedoch, dass jene Länder, die hinterherhinken, viel „Nachholbedarf“ haben. „Aufgrund des raschen Fortschritts ist die Zeit, die für den Aufbau einer digitalen Infrastruktur benötigt wird, jene Zeit, in der die Industrieländer ihrerseits immer schneller vorankommen“, so der Chefvolkswirt. „Die Entwicklungszyklen werden immer kürzer“, sagt er und fügt die hypothetische Rechnung hinzu, dass in einem Industrieland bereits 8G zur Verfügung stehen, wenn in einem Entwicklungsland gerade mal 5G genutzt werden. „Es ist gemeinsames, auf einander abgestimmtes Engagement nötig, um wirklich schnell aufzuholen“, sagt er, „wir brauchen einen großen Sprung; wir können nicht in dem bisherigen Tempo voranschreiten.“

Ein Teufelskreis?

Der Bericht hebt eine weitere Beobachtung hervor: „Disparitäten in Gesundheit und Bildung machen es für die Menschen schwierig, aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen, was zur Übertragung von Benachteiligungen von einer Generation zur nächsten führt“. Dies gilt insbesondere in einer Zeit, in der die Welt eine wachsende massive Flüchtlingsbevölkerung hat. Die U.N. Refugee Agency (UNHCR) gibt an, dass die derzeitige Flüchtlingskrise mit insgesamt 70,8 Millionen Menschen, die gewaltsam vertrieben wurden, „beispiellos“ ist. Für jene, die auf der Flucht bleiben, ist der Zugang zu Gesundheitsystem und Bildung eine große Herausforderung. Dies wiederum erschwert das Ausbrechen aus des Armutszyklus und hält somit die Kluft zwischen Arm und Reich aufrecht. Laut Harris ist dieser Teufelskreis „ein sehr ernstes Problem, das wir haben. Erschwerdend kommt hinzu, dass sich das Flüchtlingsaufkommen häufig auf Orte konzentriert, die nicht über ausreichende Ressourcen für die Versorgung von Flüchtlingen verfügen, und daher sehr auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen sind.“ Er fügt hinzu, dass „es relativ weniger schwierig ist, Hilfe zu Beginn der Krise zu mobilisieren.“ Die große Herausforderung liegt in der Fortsetzung der Unterstützung, die notwendig ist, da sich viele Flüchtlinge jahrelang in Lagern befinden. Gleichzeitig lobt er die Bemühungen der Aufnahmeländer, ihr Bestes bei der Versorgung der Flüchtlinge zu geben, und fügt hinzu, dass die internationale Gemeinschaft die Verantwortung habe, „diese Aufnahmeländer zu stärken und ihnen zu helfen“.

Stammesfrauen treffen sich auf dem Boipariguda-Wochenmarkt im Koraput District im indischen Bundesstaat Odisha, um landwirtschaftliche Produkte zu kaufen und zu verkaufen. Indigene Gemeinschaften bleiben im Zentrum der vom Klimawandel Betroffenen, da sie die Hauptlast der Krise überproportional tra[...]

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20. Januar 2020

Klimawandel verschärft das Risiko der Kinderehe

Jährlich werden nach wie vor rund 12 Mio Mädchen verheiratet. (Foto: Christian Herrmanny)
Jährlich werden nach wie vor rund 12 Mio Mädchen verheiratet. (Foto: Christian Herrmanny)

Filomena (15), eine Fischerstochter aus einem Dorf in der Provinz Nampula in Mosambik wurde mit einem 21-jährigen Mann aus demselben Dorf verheiratet. Denn obwohl ihr Vater Antonio (50) der Meinung war, dass sie noch zu jung für eine Ehe war, konnte er das Angebot für seine Tochter nicht auszuschlagen: 2000 Mozambican Metical (kanpp 29 Euro) und das Versprechen, dass Filomena auch nach der Eheschließung ihr Ausbildung fortsetzen dürfte. Der 6fache Familienvater, der seit Mitte der 90er Jahre in der Fischerei tätig ist, hat dramatische Geschäftseinbußen als Folge veränderter klimatischer Bedingungen zu beklagen: „Wir sehen, dass es zu heiß ist. Wir reden darüber und sind uns alle einig, dass es aufgrund der hohen Temperaturen schwierig ist, genügend Fisch zu fangen. In den Gegenden, in denen wir früher unterwegs waren, steigt der Meeresspiegel und die Wellen sind viel stärker.“ Filomena ist fest davon überzeugt, dass ihr Vater der frühen Verheiratung nicht zugestimmt hätte, wenn sein Fischereigeschäfte gut laufen würden.

Ein unausweichlicher Zusammenhang

Die Kinderehe ist ein globales Problem, das viele verschiedene sozioökonomische Gründe hat. Es zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass sich der bereits bestehende weltweite Trend der Kinderehe aufgrund des Klimawandels weiter verschärft.

Wüstenboden in Äthiopien (Foto: Angelika Böhling)
Wüstenboden in Äthiopien (Foto: Angelika Böhling)

Der Klimawandel führt zu steigenden Temperaturen, sich verändernden Niederschlagsmustern und zunehmenden Extremereignissen. Menschen, die von natürlichen Ressourcen, Viehbestand, Fischerei und Landwirtschaft leben, sind folglich am stärksten betroffen.

In Simbabwe ist extreme Dürre eines der am häufigsten durch den Klimawandel verursachten Phänomene. „Nach der Dürre kämpfte Emmanuel darum, seine Familie zu ernähren. Daraufhin stimmte er einer Mitgift von ein paar Ziegen für seine 15-jährige Tochter zu. Es bedeutete, einen Mund weniger zu füttern und Nahrung und Vieh für den Rest der Familie zu haben“, heißt es in einem UNICEF-Bericht, der sich der Frage widmet, wie der Klimawandel das Leben und die Zukunft unserer Kinder gefährdet und wie wir Klimarisiken in Politik und Dienstleistung integrieren müssen.

Die Flutkatastrophe in Kerala, Indien, forderte zig Nutztieropfer. (Foto: KNH Partner)
Die Flutkatastrophe in Kerala, Indien, forderte zig Nutztieropfer. (Foto: KNH Partner)

Ebenso ist in Kenia ein dramatischer Anstieg der Kinderheirat aufgrund schwerer Dürreperioden zu verzeichnen. Denn aufgrund der alarmierenden Schrumpfung des Viehbestands wird der Kinderheirat im Austausch mit Ziegen immer häufiger durchgesetzt wird.

Die AMREF Health Africa (Stiftung für Medizin und Forschung in Afrika), die größte gemeinnützige Organisation für das Gesundheitswesen in Afrika, möchte Eltern dazu bewegen, sich gegen die Verheiratung ihrer Töchter zu entscheiden und sie weiter in die Schule zu schicken. „Denn wenn sie mit der Schule fertig sind, werden sie einen Job bekommen und können dir mehr als vier Ziegen kaufen.“Stattdessen verheiratet die Mehrheit der Eltern im von Armut betroffenen Südsudan ihre Töchter im Gegenzug für Vieh im Rahmen des Bieterverfahrens. „Wer mit der höchsten Anzahl Kühe bietet, nimmt das Mädchen“, so Dorcas Acen von CARE.

"Eine Tochter für ein paar Ziegen." (Foto: Christian Nusch)
„Eine Tochter für ein paar Ziegen.“ (Foto: Christian Nusch)

In südasiatischen Ländern verheiraten Familien, die aufgrund der Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürren, Flusserosion und Stürmen mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert sind, ihre Töchter. Laut Heather Barr von Human Rights Watch (HRW) ist der Klimawandel einer der Hauptgründe, die Mädchen in südasiatischen Ländern dazu zwingen, vor dem 18. Lebensjahr zu heiraten. Besonders dramatisch gestaltet sich die Situation in den ohnehin sehr armen Gebieten, die zudem überproportional stark von Naturkatastrophen betroffen sind. „Viele der Familien hatten bereits vor der Katastrophe nicht genug zu essen. Überschwemmung oder Wirbelsturm drängten sie in einen fast unüberwindbaren Überlebenskampf, der ihnen keinen anderen Ausweg ließ, als ihre Familiengröße zu reduzieren, indem sie Ehen für junge Töchter arrangierten.“

Kinderehe weltweit

Aktuelle UNICEF-Daten zeigen, dass 59% der Mädchen in Bangladesch mit 18 und 22% mit 15 verheiratet sind, während nur 4% der Buben vor dem 18. Lebensjahr heiraten. Dies ist die höchste Rate in Asien und auch eine der höchsten auf der ganzen Welt. Auch wenn Kinderehen in den letzten zehn Jahren weltweit zurückgegangen sind*, sind sie nach wie vor weit verbreitet. Weltweit wird alle 2 Sekunden ein Mädchen verheiratet, und die Gesamtzahl der in ihrer Kindheit verheirateten Mädchen beläuft sich auf 12 Millionen pro Jahr.

Eines der in den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDG 5.3) festgelegten Ziele ist die Beendigung der Kinderheirat bis 2030, ohne jedoch die Fortschrittsrate zu erhöhen werden allerdings bis 2030 „mehr als 150 Millionen zusätzliche Mädchen vor ihrem 18. Geburtstags heiraten.“

Der Plan adressiert den Zusammenhang zwischen Klimawandel bzw. Naturkatastrophen (und andere Katastrophen wie Konflikte, Vertreibungen, etc.) und Eheschließung von Kindern, und umfasst Maßnahmen zur Minderung dieses Risikos.

Es gibt Hoffnung

Barr appelliert an die betroffenen Regierungen, die für die Bekämpfung des Klimawandels und Naturkatastrophenschutz zuständigen Stellen an der Entwicklung und Umsetzung des nationalen Aktionsplans zur Beendigung der Eheschließung von Kindern bis 2030 zu beteiligt. Sie fordert die Regierungen außerdem auf, den Schutz vor Kinderehe in alle Regierungspläne zur Reduzierung des Katastrophenrisikos und Klimaschutzmaßnahmen mit einzubeziehen.

Umweltschutz-Fortschritte sollen das Risikio der Kinderehen reduzieren. (Foto: Jürgen Schübelin)
Umweltschutz-Fortschritte sollen das Risikio der Kinderehen reduzieren. (Foto: Jürgen Schübelin)

Aber auch auf individueller Ebene ist Initiative gefragt: „Wenn wir kleine Schritte unternehmen, wie zum Beispiel das Bewusstsein der Einzelpersonen und der Gemeinschaft zu stärken, um die gängigen Best Practices zum Schutz der Umwelt anzuwenden, könnte dies den Fortschritt der größeren Veränderungen, die wir auf globaler Ebene sehen wollen, dramatisch beschleunigen.“

So wie Smriti (19) aus dem Bezirk Barisal in Bangladesch, die mit YouthNet for Climate Justice zusammenarbeitet. Die junge Frau ist in ihrer Gemeinde unterwegs, um ein Bewusstsein für die globale Erwärmung und den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Kinderehe-Risiko. „Es ist schwer, Leute zu finden, um darüber zu sprechen, aber oft gehe ich in einen Teeladen oder halte eine Gruppe von Leuten auf und engagiere sie auf diese Weise.“

* Die größten Fortschritte wurden in Südasien beobachtet, wo das Risiko, dass ein Mädchen im Kindesalter heiratet, von etwa 50% auf 30% gesunken ist.

Jährlich werden nach wie vor rund 12 Mio Mädchen verheiratet. (Foto: Christian Herrmanny) Filomena (15), eine Fischerstochter aus einem Dorf in der Provinz Nampula in Mosambik wurde mit einem 21-jährigen Mann aus demselben Dorf verheiratet. Denn obwohl ihr Vater Antonio (50) der Meinung war, [...]

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