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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

25. September 2019

Wassermangel verschärft Katastrophenrisiko

Der WeltRisikoBericht wird seit 2o11 jährlich vom Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben. Der darin enthaltene WeltRisikoIndex wurde gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) entwickelt.

Wasser, ein kostbares Gut (Foto: Jakob Studnar)
Wasser, ein kostbares Gut (Foto: Jakob Studnar)

Hitzerekorde weltweit und zunehmende Dürren: Der Klimawandel verschärft die Probleme rund um die Wasserversorgung und erhöht damit die Verwundbarkeit von Gesellschaften. Das zeigt der WeltRisikoBericht 2019, erstellt vom Bündnis Entwicklung Hilft und dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum (IFHV). Der heurige Bericht legt einen starke Fokus auf das weltweite Problem der Wasserversorgung.

Tritt ein extremes Naturereignis wie eine Überschwemmung oder ein Wirbelsturm ein, entsteht in Ländern mit schlechter Wasserversorgung wahrscheinlicher eine Katastrophe. „Gerade in Entwicklungsländern muss die Politik dringend handeln und allen Haushalten sicheren Zugang zu sauberem Wasser verschaffen“, sagt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Nach extremen Naturereignissen muss die Wasserversorgung schnell wiederhergestellt werden, um Überleben zu sichern und die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern“. Besonders armen Menschen fehlt häufig ein eigener Wasseranschluss im Haushalt und sie müssen zum Beispiel an öffentlichen Wasserstellen Gebühren zahlen. „Oft zahlen ausgerechnet die Ärmsten am meisten für Wasser“, so Mucke.

Naturkatastrophen wie Hurrican Matthew in Haiti 2016 nehmen drastisch zu (Foto: Jürgen Schübelin)
Naturkatastrophen wie Hurrican Matthew in Haiti 2016 nehmen drastisch zu (Foto: Jürgen Schübelin)

Ein wesentlicher Bestandteil des Berichts ist der jährliche WeltRisikoIndex, der seit 2018 vom IFHV berechnet wird. Er gibt für 180 Länder das Risiko an, dass ein extremes Naturereignis zu einer Katastrophe führt. Damit erfasst er acht Länder mehr als im Vorjahr. Der WeltRisikoIndex berücksichtigt die Gefährdung eines Landes gegenüber extremen Naturereignissen sowie dessen gesellschaftliche Verwundbarkeit.

Die drei Länder mit dem höchsten Katastrophenrisiko sind die tropischen Inselstaaten Vanuatu, Antigua und Barbuda und Tonga. Deutschland liegt mit einem sehr geringen Katastrophenrisiko auf Rang 163. Insgesamt befinden sich die Hotspot-Regionen des Katastrophenrisikos in Ozeanien, Südostasien, Mittelamerika sowie in West- und Zentralafrika. „Erstmals seit 2012 konnten auch neue Daten für die

Gefährdung gegenüber extremen Naturereignissen verwendet werden“, sagt Katrin Radtke, Professorin am IFHV und wissenschaftliche Leiterin des WeltRisikoBerichts. Für Vanuatu und Tonga hat sich die Gefährdung weiter erhöht.

Der WeltRisikoBericht wird seit 2o11 jährlich vom Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben. Der darin enthaltene WeltRisikoIndex wurde gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) entwickelt.

Der WeltRisikoBericht wird seit 2o11 jährlich vom Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben. Der darin enthaltene WeltRisikoIndex wurde gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) entwickelt. Wasser, ein kostbares Gut (Foto: [...]

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Macht Schule in Pakistan Spaß?

Nicht einmal die Hälfte der Kinder in Pakistan geht in die Schule. Diejenigen, die in die Schule gehen, erleben oft eine triste, von Gewalt geprägte Umgebung. Der Kindernothilfe-Partner SPARC hält mit gewaltfreier Pädagogik in kindgerechter Umgebung dagegen – und hat dadurch schon viel erreicht.

Pakistan: Ein neuer Zugang zu Bildung (Foto: Sparc)
Pakistan: Ein neuer Zugang zu Bildung (Foto: SPARC)

„Hey, Mariam, nimm mich mit, ich möchte auch schaukeln!“ Ayesha und Mariam stürmen aus dem Schulgebäude der Mädchenschule Gheba in Haripur, einer Stadt in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Sie ist eine von 60 pakistanischen Volksschulen, die am Programm „Learning is fun“ (Lernen macht Spaß) teilnehmen. Seit vier Jahren engagiert sich die pakistanische Organisation SPARC (Society for the Protection of the Rights of the Child) im Nordwesten Pakistans, um die Schulsituation an den Volksschulen zu verbessern und eine kinderfreundliche Lernumgebung zu schaffen. „Früher sind wir nicht gerne in die Schule gegangen“, berichten Mariam und Ayesha. „Die Lehrer haben uns angeschrien, der Unterricht war langweilig, und wir hatten kaum Bücher.“

Abwechslungsreicher, kinderfreundlicher Unterricht

Die Situation im Bildungsbereich in Pakistan ist prekär: Nur 41 Prozent der Kinder im Volksschulalter gehen auch tatsächlich in die Schule, Mangel an qualifizierten Lehrern, unzureichendes Lehrmaterial und die Benachteiligung von Mädchen kennzeichnen das Bildungssystem. Durch das Engagement von SPARC haben die Lehrer alternative Lehrmethoden kennengelernt und wissen, dass es auch ohne Gewaltanwendung möglich ist, die Schüler zur Ordnung zu rufen und den Lernstoff zu vermitteln. Schulungen und regelmäßige Beratungen durch die Mitarbeiter der Kindernothilfe-Partnerorganisation bilden die Grundlage für die Lehrer, ihren Unterricht abwechslungsreicher und kinderfreundlich zu gestalten. Als Hilfestellung wurde etwa ein Zusatzmodul für die Lehrerausbildung entwickelt – es leitet die Pädagogen an, wie sie die Mädchen und Buben verstärkt in die Unterrichtsgestaltung einbinden und das Unterrichtsklima verbessern können. Auch kreative Ideen und Anregungen zur Gestaltung einzelner Unterrichtsstunden werden vermittelt. „Anfangs war es sehr ungewohnt, dass wir Kinder das Material für den Unterricht selbst mitgestalten können“, erläutert Mariam. „Manchmal spielen wir auch Theater und machen Sketche, um Dinge zu lernen und besser zu verstehen.“

Pakistan: Verbesserung der schulischen Infrastruktur als Erfolgsfaktor
Pakistan: Verbesserung der schulischen Infrastruktur als Erfolgsfaktor

Zur Verbesserung der Schulsituation ist auch eine entsprechende Infrastruktur erforderlich. So hat SPARC alle 60 Projektschulen besucht und aufgelistet, was bei der Ausstattung noch fehlt. Nach drei Jahren verfügen nun alle Schulen über eine ausreichende Anzahl an Tischen und Bänken, die Klassenräume sind mit Material ausgestattet. Zeichenfiguren lachen die Schüler von den gestrichenen Wänden an. Es stehen Trinkwasser und Toiletten zur Verfügung. Das Größte für die Kinder aber ist der Schulhof: Wippe, Schaukel und andere Kleingeräte machen die Pausen zum Highlight der Schultage.

Herausforderung „Gewaltfreies Unterrichtsmodel“

Auch für die Lehrer war die Umstellung anfangs eine Herausforderung, wie die Programm-Koordinatorin Asiya Arif berichtet. „Insbesondere den älteren Lehrern ist es schwergefallen, sich auf diese Veränderungen einzulassen. Sie konnten sich nicht vorstellen, wie sie Kinder erziehen sollen, ohne ihnen zu drohen und sie auch gelegentlich zu schlagen.“ Inzwischen wird das gewaltfreie Unterrichtsmodell gut angenommen und kommt auch bei den Eltern gut an. In Eltern-Lehrer-Komitees unterstützen sie die Lehrer und engagieren sich in der Schule. Dazu gehört auch der Umgang mit Beschwerden. Gesammelt werden diese in jeder Schule in einer Beschwerde-Box, die zentral im Schulgebäude angebracht ist. Sie wird regelmäßig geleert, und die Fälle werden vom Komitee diskutiert. Lehrer, Eltern und Schüler sprechen anschließend über Maßnahmen, die zur Verbesserung der Situation führen sollen.
Kommt es zu Meldungen über die Verletzung von Kinderrechten, hilft SPARC bei der Aufklärung, unterstützt das Opfer und dessen Familie und leistet Rechtsbeihilfe. Durch die Schulungen der Lehrer ist die Zahl der Gewaltanwendungen in den Projektschulen erfreulicherweise rückläufig, wie die soeben durchgeführte Evaluierung des Projektes bestätigt. Lehrer jedoch, die noch nicht mit dem neuen Unterrichtsmodell vertraut sind, neigen weiterhin dazu, Gewalt anzuwenden.

Der Erfolg gibt ihnen Recht

Pakistan: Schule macht Spaß! (Foto: Sparc)
Pakistan: „Lernen macht Spaß“ (Foto: SPARC)

Es hat sich unter den Eltern herumgesprochen, dass die 60 Schulen in den Distrikten Haripur und Abbottabad kinderfreundlicher geworden sind. Dies wird vor allem auch deutlich an der Steigerung der Einschulungsquoten um durchschnittlich zehn bis 30 Prozent im Vergleich zum Projektbeginn vor vier Jahren. Davon profitieren insbesondere die Mädchen. 2017 wurden mit 1.248 Schülerinnen fünfmal so viele Mädchen eingeschult wie 2014 mit 256 Einschulungen. Das Projekt „Lernen macht Spaß“ leistet so einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Bildungssituation in der politisch instabilen Region, und die gute Kooperation des pakistanischen Partners der Kindernothilfe mit den regionalen Bildungsministerien stellt auch nach dem Ende des Projektes seine Nachhaltigkeit sicher.

Nicht einmal die Hälfte der Kinder in Pakistan geht in die Schule. Diejenigen, die in die Schule gehen, erleben oft eine triste, von Gewalt geprägte Umgebung. Der Kindernothilfe-Partner SPARC hält mit gewaltfreier Pädagogik in kindgerechter Umgebung dagegen – und hat dadurch schon viel erreich[...]

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Kinderzentren – Oasen im Chaos

Überleben und Schutz von Kindern: Das ist für die Kindernothilfe das oberste Ziel bei all ihren Humanitären Einsätzen. Das wichtigste Werkzeug für diese Arbeit sind Kinderzentren: Oasen im Chaos, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen – und einfach wieder Kind sein können.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – das gilt vor allem in Katastrophenfällen. Nach Erdbeben, Überschwemmungen oder Dürren brauchen Mädchen und Jungen besonderen Schutz, haben besondere Bedürfnisse. Etwa bei der Nahrung: Während Erwachsene längere Zeit unbeschadet mit Reis und Wasser über die Runden kommen, brauchen Kinder hochenergetische Nahrung, um solche Notsituationen ohne langfristige Gesundheitsschäden zu überstehen. Zudem sind spezielle Maßnahmen notwendig, um Kinder im Gewirr von Notunterkünften vor Gewalt und Krankheiten zu bewahren. Ebenfalls wichtig für die langfristige Entwicklung eines Kindes: das Aufrechterhalten von Unterricht und eines geregelten Alltags. Wenn Kinder längere Zeit aus dem Schulalltag herausgerissen sind, finden viele den Weg nicht mehr zurück. Langfristig leidet daran auch die gesamte Gesellschaft: Der Bildungsnotstand verschärft sich und somit auch die Armut.

Nach der Tsunamikatastrophe in Indonesien 2018 fanden die Kinder im Kinderzentrum einen Ort der Geborgenheit (Foto: Karl Anderson)
Nach der Tsunamikatastrophe in Indonesien 2018 fanden die Kinder im Kinderzentrum einen Ort der Geborgenheit (Foto: Karl Anderson)

Bei unserer Hilfe stehen Kinder im Zentrum

Um Kindern die bestmögliche Hilfe während und nach Katastrophen zu gewährleisten, arbeitet die Kindernothilfe mit sogenannten Kinderzentren: Das sind speziell geschaffene Räume – häufig innerhalb von Notunterkünften –, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht, Spielmöglichkeiten und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen.

Als besonders wichtig bei der Betreibung von Kinderzentren hat sich die Registrierung der Mädchen und Jungen sowie eine regelmäßige Anwesenheitskontrolle erwiesen. Im Verbund mit anderen Organisationen, die sich ebenfalls um Kindesschutz bemühen, lässt sich so die Gefahr von Kindesmissbrauch und Kinderhandel deutlich reduzieren.

Wie die Kinderzentren im Einzelnen aussehen, richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen, die sich aus der Nachkatastrophensituation ergeben. Sowohl die Bauart als auch Programmangebote können sehr unterschiedlich sein. Beides plant die Kindernothilfe in enger Abstimmung mit ihren lokalen Partnern vor Ort. Manchmal reichen schon einfachste Mittel, um ein wirksames Kinderzentrum einzurichten: In Haiti etwa, als unmittelbar nach dem Beben 2010 keine Baustoffe verfügbar waren, legte die Kindernothilfe an einem Standort Plastikplanen zwischen Bäumen aus. Inmitten des Chaos signalisierte der Ort feste Strukturen und gab Platz zum Spielen. Mit großem Erfolg: Die Kinder blühten auf, lachten, konnten endlich wieder Kind sein. Erst später, als Baumaterial zur Verfügung stand, konnten an der Stelle Pavillons gebaut werden.

Sulawesi Kinderzentrum (Foto: Karl Anderson)
Sulawesi Kinderzentrum (Foto: Karl Anderson)

Nach der Flut in Pakistan 2010 hingegen standen leere Gebäude am Rande der Überschwemmungsgebiete zur Verfügung, die nach einigen Renovierungsarbeiten als Kinderzentren genutzt werden konnten.

So wie die Gebäude können auch die Programmangebote je nach Bedarf variieren. Sie reichen von offenen Spiel- und Lernangeboten über kindgerechte Ernährung und Gesundheitsuntersuchungen bis zu Trauma-Arbeit wie etwa Verhaltensbeobachtung, Gesprächsgruppen und psychosoziale Betreuung.

Mit dem Aufbau von Kinderzentren muss früh begonnen werden; die Arbeit wird dann so lange weitergeführt, bis sich die Lage wieder normalisiert hat, etwa bis die Schulen wieder geöffnet sind. Dieser Zeitraum kann manchmal sechs Monate oder sogar ein Jahr betragen. Da die von der Kindernothilfe unterstützten Kinderzentren von lokalen Organisationen betrieben werden, ist es möglich, auch über längere Zeiträume das Programm aufrechtzuerhalten.

Überleben und Schutz von Kindern: Das ist für die Kindernothilfe das oberste Ziel bei all ihren Humanitären Einsätzen. Das wichtigste Werkzeug für diese Arbeit sind Kinderzentren: Oasen im Chaos, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen [...]

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26. August 2019

Jungunternehmer in Lima: erste Erfolge

Dr. Ilse Kreiner aus Perchtoldsdorf bei Wien ist seit Jahren ehrenamtlich für die Kindernothilfe unterwegs. Ende letzten Jahres hielten sie und ein Mitarbeiter unserer lokalen Partnerorganisation Aynimundo Workshops für motivierte junge Menschen mit sehr geringem Einkommen in Lima/Peru ab. Jetzt ist sie wieder vor Ort und hat sechs der Teilnehmerinnen getroffen, die ihr Unternehmen mittlerweile gut aufgestellt haben.

Ilse Kreiner bei Aynimundo: Mit C-Maria Ramos, von der T-shirt und Gilet in Handarbeit stammen (Foto: Ilse Kreiner)
Ilse Kreiner bei Aynimundo: Mit C-Maria Ramos, von der T-shirt und Gilet in Handarbeit stammen (Foto: Ilse Kreiner)

Maria Ramos produziert z.B. vor allem T-Shirts und verkauft sie über das Internet. Ich habe auch gleich eines mit einer großen Sonne darauf gekauft. Eines Tages haben wir für ihren Internetauftritt Werbefotos gemacht – Benetton hätte es nicht besser hinbekommen. Den Namen der Produktlinie hat Marias 18-jährige Tochter ausgesucht: „Love yourself“! Sehr passend, finde ich.

Besonders freue ich mich über die Damen Yolanda, Luz und Corina, die teilweise nach selbst entwickelten Rezepten Kuchen und andere Süßigkeiten, aber auch kleine Snacks herstellen und verkaufen. Luz hat für mich und meine Aynimundo-Kollegen einen Schokokuchen nach österreichischem Rezept gebacken. Vielleicht lässt sich daraus ja auch ein Geschäftsmodell entwickeln.

Frauenpower in Südamerika

Als ein besonderes Highlight meiner Arbeit hier im Projekt sehe ich den Beginn einer Arbeitsgemeinschaft von Luz, Corina und Yolanda. Frauenpower in Südamerika – ich finde das toll! Zuerst muss aber Vertrauen auf und die Angst vor dem Verlust der Unabhängigkeit abgebaut werden. Als  identitätsstiftende Aktion haben wir gerade den Import von Manjar Blanco aus Cajamarca initiiert. Die ersten 10 kg sind kürzlich eingetroffen. Da man hier dieses süße Milchprodukt liebt, wird es sicher leicht zu verkaufen sein, zumal wir Jhonatan, unser Verkaufsgenie, als Mitarbeiter gewinnen konnten – viel Glück dabei!

Da mein Aufenthalt im Projekt Aynimundo nun bald zu Ende geht, möchte ich auch noch den emotionalen Aspekt meiner Freiwilligentätigkeit ansprechen. Im Laufe von mehr als fünf Monaten hatte ich die Freude, sehr viele sehr nette und sehr engagierte Menschen kennenzulernen. Da Aynimundo primär mit Menschen mit Behinderung und auch sonst benachteiligten Familien arbeitet, habe ich viele traurige Schicksale kennengelernt. Eines Tages hat mir die 32-jährige Corina ihre Lebensgeschichte erzählt.

Corinas Geschichte

Ilse Kreiner bei Aynimundo: Corina und ihr Sohn (Foto: Ilse Kreiner)
Ilse Kreiner bei Aynimundo: Corina und ihr Sohn (Foto: Ilse Kreiner)

Die junge Frau stammt aus einer “bildungs-fernen” Familie, wollte trotzdem aber immer nur lernen, sei es in der Schule, in Gratiskursen oder in unbezahlten Praktika – für eine richtige Ausbildung fehlte das Geld, und eine Anstellung war nicht zu bekommen. Weil sie etwas Kreatives machen wollte und gerne Süßes isst, fing sie früh an, eigene Rezepte zu kreieren. Der spätere Weg war also ziemlich klar.

Im Jahr 2012 kam ihr Sohn mit einem extrem seltenen Gendefekt zur Welt, der seine sprachlichen und motorischen Fähigkeiten sowie das Sozialverhalten stark negativ beeinflusst. Es gibt keine Erfahrungen mit der Krankheit, und für Genanalysen fehlt das Geld. Vom Vater des Kindes und der eigenen Familie  wurde die Behinderung zuerst geleugnet und später die Therapien als Geldverschwendung abgelehnt. Mit der ihr eigenen Beharrlichkeit fand Corina Möglichkeiten, ihrem Sohn die Therapien zu ermöglichen, auch indem sie selbst zur Therapeutin wurde.

Vor etwa zwei Jahren kam Corina mit Aynimundo in Kontakt, wo ihr Sohn kostenlose Therapien und sie selbst psychologische Betreuung erhielt. Der Junge macht langsam Fortschritte, was das Sozialverhalten und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit betrifft. Das und die mittlerweile fixe Anstellung in einer Großbäckerei gab Corina die Ruhe, ihre alte Idee wieder aufzugreifen, später ein eigenes Geschäft zu gründen, das sie dann an ihren Sohn übergeben können wird.

Im November 2018 kam dann der Aynimundo-Kurs für Jungunternehmer. Das war die Geburtsstunde der “Repostería Macori”, einer Kombination von ihrer beider Namen. Sie sagte: ”Man muss die Gelegenheit ergreifen, wenn sie sich bietet.” Herzlichen Glückwunsch zu der Entscheidung und alles Gute für die Zukunft, Corina!

Dr. Ilse Kreiner aus Perchtoldsdorf bei Wien ist seit Jahren ehrenamtlich für die Kindernothilfe unterwegs. Ende letzten Jahres hielten sie und ein Mitarbeiter unserer lokalen Partnerorganisation Aynimundo Workshops für motivierte junge Menschen mit sehr geringem Einkommen in Lima/Peru ab. Jetzt i[...]

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14. August 2019

Im Sinne der Kinderrechte: Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Staatsbürgerschaft!

Art. 7 und 8 der UN-Kinderrechtskonvention schreiben fest, dass jedes Kind das Recht auf Staatsangehörigkeit und Identität hat. Trotzdem ist das Problem der Staatenlosigkeit im südostasiatischen Länderdreieck Thailand –Laos –Myanmar nach wie vor besonders stark verbreitet. Speziell die Situation von Kindern ohne Dokumente und Nachweise ist eine oft Tragische.

Gai erzählt von seinem Weg zu einer thailändischen Staatsbürgerschaft (Foto: Baan Doi)
Gai erzählt von seinem Weg zu einer thailändischen Staatsbürgerschaft (Foto: Baan Doi)

Gai (Name geändert) wurde in Mae Sai in Thailand geboren. Seine Mutter stammte aus China und war während der politischen Unruhen im Süden von China illegal nach Thailand eingewandert. Den Vater hatte die Mutter später als unbekannt angegeben. Da sie ihren Sohn zuhause zur Welt brachte, wurde seine Geburt bei den thailändischen Behörden nicht registriert. Obwohl in Thailand geborgen, war er staatenlos. Er besaß keine Geburtsurkunde, keinen Reisepass, keinerlei Dokumente, die seine Identität hätten nachweisen können. Somit hatte Gai zunächst keine Möglichkeit, die thailändische Staatbürgerschaft zu erlangen. Im Alter von neun Jahren bekam er eine Aufenthaltsbewilligung. Damit durfte er sich im Bezirk Mae Sai aufhalten und mit anderen Thai Kindern die staatliche Schule besuchen. Wenn er sich außerhalb von Mae Sai bewegen wollte, musste er dafür eine Bewilligung beantragen. Außerdem hatte er als Staatenloser keinen Anspruch auf medizinische Versorgung und Sozialleistungen. Als Kind dachte Gai nicht viel darüber nach. Er wusste, dass er keine thailändische Staatbürgerschaft hatte, aber nicht, was dies genau bedeutete. Gai war immer ein sehr guter und fleißiger Schüler. Die Lehrer unterstützten ihn daher, eine Staatsbürgerschaft zu beantragen, denn nur so hatte er die Chance auf eine gute höhere Ausbildung. Mit viel Unterstützung seitens der Lehrer und der Beharrlichkeit von Gai schafft er es als einziger Schüler ohne thailändische Staatsbürgerschaft, das Gymnasium der Stadtgemeinde in Chiang Rai zu besuchen. Sein großer Traum war es Lehrer zu werden. Zu dem Zeitpunkt, zu dem er das Gymnasium abgeschlossen hatte, war es aber nur für Thailänder möglich, ein Lehramtsstudium zu absolvieren. Gai studierte deshalb zunächst Mathematik. Im Jahr 2008 kam es dann zu einer Gesetzesnovellierungen, die es in Thailand geborenen Kindern erlaubte, die Staatsbürgerschaft zu beantragen —allerdings nur mit einem Bachelor-Abschluss in der Hand. Das war Gais Chance! Er machte daraufhin das Lehramtsstudium an der Universität Phayao, wo es die Möglichkeit auch für Nicht-Thailänder gab. Ob er ohne Staatsbürgerschaft eine Stelle als Lehrer nach dem Studium bekommen würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt nicht. Das hinderte den zielstrebigen jungen Mann allerdings nicht daran, seine Ausbildung gewissenhaft und erfolgreich zu absolvieren. Danach kam es wie befürchtet. Gai fand keine fixe Arbeit, dafür aber eine Praktikumsstelle an einer Schule in Mae Sai. Jetzt nahm Gai seine Zukunft nochmals selber in die Hand: Als erstes galt es zu beweisen, dass er in Thailand geboren wurde. Dazu mussten Zeugen beigebracht und ein DNA Test gemacht werden. Allein dieser kostete umgerechnet über 500 Euro. Für viele staatenlose Familien ein Vermögen, das sie nicht aufbringen können, und daher an dieser Stelle aufgeben. Auch wenn sie das Recht hätten, eine Staatsbürgerschaft zu beantragen, können sie es einfach nicht finanzieren. Gai hatte zum Glück die finanziellen Mittel, musste aber fünf Monate auf seine DNA Testergebnisse warten. Dann erst konnte der offizielle Antrag gestellt werden. Nochmals war viel Geduld gefragt. Ganze zwei Jahre musste Gai warten bis alles von offizieller Seite bearbeitet und genehmigt war und er endlich seine thailändische Identitätskarte in den Händen halten konnte. Und danach bekam er auch seinen lang ersehnten Job als Lehrer. Obwohl Gai in Thailand geboren wurde, erhielt er erst mit 26 Jahren dank der Unterstützung von verschiedenen Seiten, viel Beharrlichkeit und Geduld die thailändische Staatsbürgerschaft. Nach vielen Jahren Diskriminierung und Entbehrungen konnte er letztendlich seinen Traum, Lehrer zu werden, verwirklichen.

Baan Doi - Kinderhaus am Schönen Berg: Hier finden staatenlose Waisenkinder ein neues Zuhause (Foto: Jakob Studnar)
Baan Doi – Kinderhaus am Schönen Berg: Hier finden staatenlose Waisenkinder ein neues Zuhause (Foto: Jakob Studnar)

Baan Doi – das Kinderhaus am Schönen Berg: Ein Ort der Hoffnung für staatenlose Kinder

BAAN DOI ist eine von wenigen Organisationen in der Provinz Chiang Rai, die sich auch um Kinder kümmert, die keine thailändische Staatsbürgerschaft haben. Vor allem in den Bergen der nord-thailändischen Provinz Mae Hong Son leben ethnische Minderheiten, die aufgrund ihrer Herkunft staatenlos sind. Rund 500.000 von ihnen besitzen keine Dokumente, die beweisen, dass sie oder ihre Eltern in Thailand geboren wurden. Zudem kommen Einwanderer aus Laos und Myanmar, die aufgrund der politischen oder wirtschaftlichen Situation ihre Heimatländer verlassen haben. Menschen, die keine thailändischen Bürger sind und weder auf die normalen Dienstleistungen noch die Unterstützungen des Staates hoffen können, sind meist von extremer Armut und Hoffnungslosigkeit betroffen. Zudem sind ihre Rechte auf Bildung, medizinische Versorgung und Sozialleistungen eingeschränkt. Auch hier setzt BAAN DOI an und unterstützt aktuell 46 Familien im Familienförderprogramm. Damit ist garantiert, dass die Kinder eine Schulausbildung bekommen und medizinisch versorgt sind. Die BAAN DOI MitarbeiterInnen kümmern sich außerdem darum, dass die Kinder zu den notwendigen Dokumenten kommen, um eine thailändische Staatsbürgerschaft beantragen zu können. Dies ist mit viel Aufwand und Hürden verbunden, aber es ist das Recht jedes Kindes und eine wichtige Voraussetzung für seine positive Zukunft. Was es bedeutet staatenlos zu sein, und mit welchem Aufwand die Beantragung einer Staatsbürgerschaft verbunden ist, zeigt das Beispiel von Gai.

Art. 7 und 8 der UN-Kinderrechtskonvention schreiben fest, dass jedes Kind das Recht auf Staatsangehörigkeit und Identität hat. Trotzdem ist das Problem der Staatenlosigkeit im südostasiatischen Länderdreieck Thailand –Laos –Myanmar nach wie vor besonders stark verbreitet. Speziell die Situa[...]

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