Spendenshop Suche
Jetzt spenden Pate werden

KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

ONG-IDEAs: Kinder bewerten die Wirkung von Projekten

Wirkungsbeobachtung der Projektarbeit in neun lateinamerikanischen Ländern: Sieben deutsche Organisationen und 38 ihrer Partner haben sich, unterstützt vom Entwicklungsministerium, auf dieses Experiment eingelassen. Die Kindernothilfe und elf ihrer Partner sind mit dabei.

Die Kinder bringen ihre Beobachtungen als Zeichnungen zu Papier. (Quelle: Jürgen Schübelin)

Daniela, ihre Freunde nennen sie einfach Dani, ist acht Jahre alt und war in ihrem Leben schon alles Mögliche: Kindermädchen für ihre jüngeren Geschwister, Putzfrau, Köchin, Ziegeleifachkraft, Expertin für Lehm-Stroh-Wasser-Mischungen zur Backsteinherstellung, Spezialistin für das Beladen und Anheizen von Brennöfen – und Akkordarbeiterin in der Nachtschicht mit dem Fachgebiet „Lastwagen-in-kürzester-Zeit-mit-fertig-gebrannten-Ziegeln-und-Backsteinen-Bepacken“. Nur eines war sie noch nie: Ein achtjähriges Mädchen, das einfach nur zur Schule geht und mit seinen Freundinnen und Freunden spielt. Warum das so ist? Dani erklärt es ohne Umschweife: „Wenn die Kinder aus Santa Bárbara nicht in den Ziegeleien arbeiten würden, hätten die Familien nicht genug zu essen!“ Es sind mehrere hundert Kinder aus diesem kleinen Ort in den Bergen bei Cajamarca im Norden Perus, die mit ihrer Arbeit die Subsistenz-Ökonomie, die Überlebenswirtschaft, am Laufen erhalten. Um einen furchtbaren Preis: Den ihrer Gesundheit, ihrer Kindheit und ihrer Zukunft!

Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Quelle: Christian Herrmanny)

Daniela diskutiert darüber intensiv mit ihren Freunden, einmal in der Woche, immer donnerstagnachmittags. Denn seit über einem Jahr hat sie noch eine weitere Aufgabe: Dani beschäftigt sie sich mit Projekt-Monitoring. Um es ganz präzise zu sagen: mit Wirkungsbeobachtung, also mit der Frage, was verändert sich durch das von Kindernothilfe seit dem 1. Dezember 2003 in Partnerschaft mit der peruanischen Organisation IINCAP (Instituto de Investigación, Capacitación y Promoción „Jorge Basadre“) unterstützte Projekt gegen ausbeuterische Kinderarbeit in Cajamarca und Umgebung für die mitwirkenden Mädchen und Jungen und ihre Familien? Gelingt es tatsächlich, immer mehr Kindern aus den Ziegeleien, Steinbrüchen oder aus der Gruppe der Lastenträger vom Markt in Cajamarca dabei zu unterstützen, auch zur Schule gehen zu können? Verbessert sich die Einkommenssituation in den Familien durch die verschiedenen Projekte mit den Müttern, die jenseits der Arbeit in den Ziegeleien kleine Businesspläne entwickeln? Wie ergeht es den arbeitenden Kindern in der Schule? Und wie sieht es in den Familien aus, was die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, was den Respekt füreinander und die häusliche Gewalt anbelangt?

Richar Gutiérrez von IINCAP ist eigentlich von Haus aus Lehrer. Er arbeitet seit Jahren mit den Kindern aus Santa Bárbara. Ihn hat die Idee, dass hier nicht Experten von außen mit langen Fragenbögen das Projektgeschehen evaluieren und diejenigen, um die es geht, bestenfalls als Interviewte eine Rolle spielen, von Anfang an fasziniert: „Natürlich ist es pädagogisch eine Riesenherausforderung, gemeinsam mit den Kindern Methoden einzuüben, die helfen, Veränderungen im eigenen Leben erkennen zu lernen und beschreiben zu können. Aber“, fügt Richar hinzu, „Die Kinder haben auf ganz viele Probleme einen deutlich anderen Blick als Erwachsene – und auch andere Prioritäten.“

Kinder werden nach ihrer Meinung gefragt. (Quelle: Jürgen Schübelin)

Das Experiment

IINCAP nutzt für diesen anderen Blickwinkel seit 2015 die Instrumente zur Wirkungsbeobachtung aus der ONG-IDEAs-Werkzeugkiste (Organización No Gubernamental – Impact on Development, Empowerment and Actions). Hinter diesem Namen verbirgt sich eines der umfangreichsten und komplexesten Qualitätsentwicklungsvorhaben in der bald sechzigjährigen Geschichte der Kindernothilfe: Anfang 2015 startete nach über anderthalb Jahren Vorlauf diese zunächst auf 36 angelegte und danach auf 40 Monate verlängerte Piloterfahrung zur Einführung und Erprobung von Methoden zur partizipativen Wirkungsbeobachtung in Lateinamerika. Dafür hatten sich sieben deutsche Entwicklungswerke – action medeor (Toenisvorst) AWO-International (Berlin), der Internationale Ländliche Entwicklungsdienst – ILD (Bad Honnef), Kolping-International (Köln), terre des hommes (Osnabrück), die Schmitz-Stiftungen (Düsseldorf) und Kindernothilfe (Duisburg) – zu einem Konsortium zusammengefunden und 38 ihrer Partnerorganisationen in neun Ländern des Subkontinents überzeugen können, sich mit ihrer Expertise einzubringen und auf diese gemeinsame Lernerfahrung einzulassen. Finanziell ermöglicht wurde dieses komplexe Vorhaben durch Mittel aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – sowie durch spendenfinanzierte Eigenbeiträge der sieben Konsortialpartner.

Die elf mitwirkenden Kindernothilfe-Partnerorganisationen kamen aus Bolivien, Ecuador, Guatemala und Peru und stehen für ganz unterschiedliche Themen und Arbeitsfelder: Im Fall von IINCAP aus Cajamarca geht es um das Engagement gegen ausbeuterische Kinderarbeit und die Unterstützung für arbeitende Kinder, um zur Schule gehen zu können – sowie um die Arbeit mit den Müttern dieser Kinder, um alternative Einkommensquellen zu erschließen. Andere Partner engagieren sich in der ländlichen Gemeinwesen-Entwicklung mit indigenen Communities, andere sind Spezialisten für Inklusionsthemen und den Kampf um die Rechte von Kindern mit Behinderungen und ihren Familien. Weitere Themen bilden die ökologischen Kinderrechte, frühkindliche Bildung und Strategien gegen Mangel- und Unterernährung – sowie das Engagement gegen Gewalt und für Menschenrechte. Fast alle Arbeitsfelder der Kindernothilfe in Lateinamerika – das war das Auswahlkriterium – sind an der ONG-IDEAs-Piloterfahrung beteiligt.

Die Umsetzung in Lateinamerika

Die Kinder bekommen die Ranking-Tools erklärt. (Quelle: Jürgen Schübelin)

Lateinamerika ist bereits der dritte Kontinent, in dem mit diesen Werkzeugen zur gemeinsamen Beobachtung bei der Zielerreichung gearbeitet wird. Das ONG-IDEAs-Projekt in seiner spanischsprachigen Variante baute auf zwei Vorgängerprojekten auf, die von 2004 bis 2012 zunächst in Asien und danach in Afrika umgesetzt wurden – und dabei ebenfalls auf Unterstützung aus dem BMZ zählen konnten. Im ersten Projekt (2004 bis 2007) entwickelten 14 deutsche Nichtregierungsorganisationen zusammen mit 32 indischen Partnern die – so der englische Name – NGO (Non-Governmental Organization)-IDEAs–Werkzeuge zur partizipativen Wirkungsbeobachtung. Komplettiert und verfeinert wurden diese tools dann im zweiten Projekt (2009 – 2012), an dem sich erneut 14 Werke aus Deutschland und 40 Südpartner aus den drei Regionen Ostafrika, Südasien und den Philippinen beteiligten. Konzeptionelle Unterstützung gab es für alle drei Vorhaben vom Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) und von bengo, der Fachorganisation für die „Beratung und Projektförderung für private Träger in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Geleitet wurden alle drei Projekte von dem Stuttgarter Soziologen und Volkswirt Eberhard Gohl, der sich seit vielen Jahren mit Instrumenten zum partizipativen Wirkungsmonitoring beschäftigt und den dabei vor allem eine sich auf der ganzen Welt in unzähligen Projekten wiederholende Beobachtung antreibt: „Ganz häufig ist es so, dass Nichtregierungsorganisationen mit den Geldgebern konsistente Planungen mit Details zu Aktivitäten und Indikatoren abstimmen, an denen die Zielgruppen aber überhaupt nicht beteiligt sind.“ Und, wenn es darum geht, Kinder und Jugendlichen einzubeziehen, so Gohl weiter, „fehlt bei ganz vielen Organisationen entweder der politische Wille oder das methodische Know-how – oder beides!“ Das Ergebnis: In vielen Projektdokumenten werden erwartete Wirkungen oft nur ganz abstrakt beschrieben und sind nicht operational zu messen – geschweige denn, für diejenigen, um die es geht, zu durchschauen, nachzuvollziehen oder mitzugestalten.

Die 38 Partnerorganisationen aus Lateinamerika, die sich in diesen zurückliegenden 40 Monaten – engagiert unterstützt durch die beiden Regionalberaterinnen Dagny Skarwan (Mittelamerika und Kolumbien) und Rosa Mendoza (Andenländer) – an dem ONG-IDEAs-Projekt beteiligten, wendeten mit ihren jeweiligen Teams und ihren Zielgruppen ein Bündel von vier Methoden an, das es ihnen ermöglichte, Wirkungen selbst beobachten, zu messen, zu diskutieren und Konsequenzen für die weitere Projektarbeit ziehen. Folgende vier Instrumente sind in der Caja de Herramientas – der ONG-IDEAs-Werkzeugkiste – enthalten: Ein Ranking-Tool, das es Gruppen von Erwachsenen, aber auch Kindern und Jugendlichen ermöglicht, Haushalte nach Wohlstand- und Armutsmerkmalen einzugruppieren; zweitens – ein Werkzeug, das Einzelpersonen und Familien hilft, zu beschreiben, was sich für sie ganz persönlich durch die Mitwirkung an dem Projekt verändert hat und wie gesetzte Ziele erreicht werden konnten; drittens – ein Instrument, das Gruppen dabei unterstützt, erlebte Veränderungen zu erkennen und zu messen – sowie schließlich – viertens – ein Tool, mit dem Projektteams und die Verantwortlichen einer Partnerorganisationen Wirkungen vertieft analysieren und ihre Projektarbeit entsprechend nachjustieren können.

Ein Kind verarbeitet seine Erlebnisse in Zeichnungen. (Quelle: Eberhard Gohl)

Was das Experiment gebracht hat

Den beiden Sozialwissenschaftlerinnen Emma Rotondo aus Lima und Claudia Solís aus San Salvador, die das ONG-IDEAs-Projekt 2017 evaluierten, fiel vor allem ein Aspekt dieser kontinentalen Lernerfahrung auf, den sie den sieben beteiligten deutschen Trägerorganisationen ins Stammbuch schrieben: „Selbstevaluierung, Selbstreflektion und das Nachvollziehen-Können von Veränderungen, tragen entscheidend dazu bei, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern, sich stark genug zu fühlen, um für die eigenen Rechte einzutreten und notwendige Konflikte zu bestehen.“

Für Richar Gutiérrez und die Kinder aus den Ziegeleien von Santa Bárbara war dieser Prozess eine außerordentlich intensive Erfahrung: „Die Arbeit mit den ONG-IDEAs-tools mit Kindern“, erklärt Richar, der Lehrer, „ist pädagogisch sehr aufwändig und anspruchsvoll – sie bedarf einer intensiver Schulung und Vorbereitung. Die Kinder erwarten, ernst genommen zu werden und ihre Inputs aufgegriffen zu sehen. Diese Werkzeuge sind definitiv nichts für Pseudo-Partizipations-Spielchen.“ IINCAP arbeitete dabei ganz viel mit Zeichnungen, die die Kinder erstellten, um zu illustrieren, was sie erlebten und beobachten. Dani, das achtjährige Mädchen, hat durch ihre Beschäftigung mit Methoden der Wirkungsbeobachtung für sich vor allem Eines gelernt: Viel öfter nachzufragen! Auch in der Schule. „Wir können jetzt sagen, wenn es uns besser oder schlechter geht. Und wir wissen, was passiert ist. Nur so kann man etwas verändern.“ Herausgefunden haben sie und ihre Freundinnen und Freunde aber auch, „dass unsere Eltern einfach für ihre Arbeit viel besser bezahlt werden müssen, das ist gut für die ganze Familie“.

 

Zum Vertiefen:

http://www.impact-plus.de/index.php/konzepte/methoden-und-instrumente/ngo-ideas

http://venro.org/venro/themen-wirkungsbeobachtung03/

https://www.kindernothilfe.de/wirkungsbeobachtung.html

Sowie – auf Spanisch – zwei Video-Reportagen über die Anwendung der ONG-IDEAs-Werkzeuge in Lateinamerika auf der spanischsprachigen Kindernothilfe-Website:

https://www.kindernothilfe.org/es/Nuestro+trabajo/V%C3%ADdeos_Publicaciones-p-366.html

Wirkungsbeobachtung der Projektarbeit in neun lateinamerikanischen Ländern: Sieben deutsche Organisationen und 38 ihrer Partner haben sich, unterstützt vom Entwicklungsministerium, auf dieses Experiment eingelassen. Die Kindernothilfe und elf ihrer Partner sind mit dabei. Daniela, ihre Freu[...]

weiterlesen

Kindernachrichten: Die mutigen Kinder Boliviens

Kindernothilfe Mitarbeiterin Sarah Hadodo (Graf) reiste Anfang des Jahres nach Bolivien, um drei unserer Projekte im Armenhaus Südamerikas zu besuchen: Potosi, Tapacari und Chaqui. „Wie schrecklich die Armut in Bolivien ist, habe ich erst durch meine Projektreise richtig begriffen. Aber auch wie unglaublich stark und zielstrebig viele der jungen Menschen sind – wahre Kämpfer und Kämpferinnen!“

Kindernothilfe Mitarbeiterin Sarah Hadodo mit der 8-jährigen Tereza im Kindernothilfe-Projekt „Yachay Mosoj“. (Foto: Katharina Wurian)

Ein Kind zählt weniger als eine Ziege

Die Armut in Bolivien ist unvorstellbar. Von den knapp 11 Millionen Einwohnern leben ca. 20% von weniger als 2 Dollar pro Tag, wobei die Bedingungen vor allem für die indigene, ländliche Bevölkerung sehr prekär sind. Sie haben kaum Zugang zu staatlichen Grunddiensten wie Gesundheitsversorgung oder Bildung hat. Speziell in den ländlichen Regionen hausen Familien in kleinen, schlecht isolierten Hütten, oft alle gemeinsam in einem einzigen Raum. Auf dem Boden liegen Decken, Möbel gibt es keine.

Das Los der Kinder, die in diesen Verhältnissen aufwachsen müssen, ist ein besonders schweres. Als schlecht bezahlte Tagelöhner und Gelegenheitsarbeiter können Eltern ihre Familien selten ausreichend ernähren geschweige denn ihren Kindern eine Schulbildung ermöglichen. Folglich sind die Mädchen und Buben hier außer als Arbeitskraft nicht viel wert. Umarmungen und liebe Worte sind selten, ihre Zukunftschancen mehr als dürftig.

Gewalt – ein Tabuthema

Zusätzlich ist Gewalt im traditionell männerdominierten Bolivien nach wie vor ein großes, aber tabuisiertes Thema. Schläge statt miteinander reden ist in vielen Familien trauriger Alltag. Denn in einem Leben gezeichnet von extremer Armut und Aussichtslosigkeit sehen viele Männer und Väter oft keine anderen Handlungsmöglichkeiten, insbesondere dann wenn auch noch Alkohol ins Spiel kommt. Zudem hat die patriachale Tradition dazu geführt, dass Frauen kaum über Bildung verfügen und nicht wissen, wie sie sich wehren können. Erst seit wenigen Jahren gibt es Bestrebungen, das allgemeine Problembewusstsein zu schärfen und Frauen und Müttern die Möglichkeit zu geben, sich zu wehren und sogar bei der Polizei Anzeige zu erstatten.

Kinder leiden besonders unter der Gewalt. Während es früher üblich war, darüber zu schweigen: „Sonst kommt Papa ins Gefängnis!“, wird  nun versucht, Gewaltprävention in der Schule zu unterstützen. „Die größte Hoffnung sehe ich in der Jugend“, ist Psychologin Daniela S., die in einem unserer Förderzentren in Potosi arbeitet, überzeugt. „In der Schule führen wir viele Gespräche über Gewalt. Das Verhalten der Buben hat sich schon sehr verändert. Denn die Mädchen zeigen ihnen‚ wo es langgeht!“  Im Förderzentrum finden die Kinder und Jugendlichen zudem einen Zufluchtsort, an dem die geschulten, sehr engagierten MitarbeiterInnen immer ein offenes Ohr haben und auf sie eingehen.

Kindernothilfe-Projekt „Yachay Mosoj“ in Bolivien (Foto: Katharina Wurian)

„Man kann nicht die ganze Welt ändern. Aber im eigenen Umfeld beginnen“, so die 18-jährige Cindy, die das Projekt „Yachay Mosoj“ besucht, und  die dieses Jahr trotz ihrer Herzkrankheit den Schulabschluss machen wird. Danach möchte die zielstrebige junde Frau einen technischen Beruf ausüben.

Die Geschichte von Izabela

Die achtzehnjährige Izabela ist die älteste von sieben Geschwistern. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe des Cerro Rico und ist wie die meisten Kinder hier in bitterer Armut aufgewachsen.

Izabela, du hast schon mit sechs Jahren gearbeitet?
Ja, denn mein Papa wurde durch die anstrengende Arbeit in den Minen sehr krank, und wir hatten kein Geld mehr. Er hatte auch einen schweren Unfall, wurde von einer Last beinahe erdrückt – ich musste mit meinen Verwandten in die Mine hinein und ihn suchen. Die Luft dort ist furchtbar! Aber ich kannte die Mine schon vor seinem Unfall, weil ich Papa öfters Essen in den Stollen gebracht habe. Ich selbst half als kleines Mädchen meiner Mutter Chicharron, ein Schweinefleischgericht, zu verkaufen.

Warum arbeiten trotz Lebensgefahr so viele Männer in der Mine?
Weil es, bis auf den Maurerberuf, kaum Alternativen gibt. Auch mein 15-jähriger Bruder musste bereits in der Mine arbeiten.

Trotz Arbeit hast du auch immer die Schule besucht?
Ja, ich arbeite und lerne! Meine Mutter hat großen Wert darauf gelegt, dass ich das Kindernothilfezentrum und die Schule in Potosi besuchen kann. Ich arbeite heute Teilzeit in einer Konditorei.

Möchtest du auch einmal eine Familie haben?
Ja. Aber zuerst brauche ich eine gute Ausbildung. Das ist sehr wichtig.

Was möchtest du die Menschen in Österreich wissen lassen?
Unsere Lebensumstände könnt ihr euch in Europa sicher gar nicht vorstellen … Die Situation der Kinder bessert sich, wenn auch nur sehr, sehr langsam. Wir brauchen viel Kraft und Selbstvertrauen und noch viel mehr Unterstützung.Das ist die Realität in Bolivien.

Kindernothilfe-Förderzentrum in Potosi, Bolivien (Foto: Katharina Wurian)

Sarah Hadodo hat auf ihrer Reise  interessante, optimistische Mädchen getroffen: „Wenn man mit diesen zielstrebigen jungen Menschen spricht, weiß man, welche großartige Arbeit hier in den Projekten geleistet wird!“  „Wir sind auf einem guten Weg. Wenn junge Frauen wie Izabela oder Cindy später einmal Kinder haben werden, so werden sie vieles anders machen als ihre Eltern!“, so die Psychologin Daniela S.

Mehr zum Projekt „Yachay Mosoj“ und der Situation der Minenarbeiterkinder in Bolivien

 

Kindernothilfe Mitarbeiterin Sarah Hadodo (Graf) reiste Anfang des Jahres nach Bolivien, um drei unserer Projekte im Armenhaus Südamerikas zu besuchen: Potosi, Tapacari und Chaqui. "Wie schrecklich die Armut in Bolivien ist, habe ich erst durch meine Projektreise richtig begriffen. Aber auch wie un[...]

weiterlesen

Ein Netz für Kinder

„Wenn Spinnen zusammenarbeiten, können sie einen Löwen bändigen“.

Dieses Sprichwort aus Ghana begleitet mich seit meiner ersten Projektreise nach Afrika vor mittlerweile 24 Jahren. Und es hat für mich, seit ich für die Kindernothilfe arbeiten darf, einen erweiterten Sinn bekommen: Das Kindernothilfe-Netzwerk als verlässliches Netz für bedürftige Kinder und ihr soziales Umfeld. Ein Netz, das durch motivierte Spender, engagierte Ehrenamtliche, wertvolle und kompetente Kollegen sowie gute Kooperationspartner in den Projekten auch tragfähig ist. Lokale Partnerorganisationen sind in den weltweit 31 Projektländern der Kindernothilfe die Hauptakteure. Ohne sie ist die Umsetzung der mehr als 700 Projekte nicht möglich. Sie kennen die lokalen Gegebenheiten, sprechen die Sprache der Menschen, sehen, wo die Hilfe am Nötigsten ist – und sorgen für deren Umsetzung.

„Löwen“ gibt es im Arbeitsumfeld der Kindernothilfe wahrlich genug: Armut, Ausbeutung, Gewalt, fehlende Bildungschancen, mangelnde Gesundheitsversorgung – das sind nur einige der Bedrohungen, denen „unsere“ Kinder täglich ausgesetzt sind. Um diesen Herausforderungen als Netz für Kinder wirksam auch begegnen zu können, sind engagierte Mitarbeiter vor Ort unverzichtbar. Nur sie sind mit dem sozialen Umfeld, der Kultur und Sprache sowie den oft schwierigen politischen Rahmenbedingungen in Krisenregionen vertraut. Ich persönlich habe vor vielen dieser vor Ort im Einsatz stehenden Menschen großen Respekt, wenn ich sehe, mit welch wenigen Ressourcen und unter was für schwierigen Rahmenbedingen dort großartige und wirksame Arbeit für die betreuten Kinder und ihre Familien geleistet wird. Auch meine beiden Teamkolleginnen Sarah Graf und Katharina Wurian, die gerade sehr begeistert von einer Projektreise aus Bolivien zurückgekehrt sind, haben einmal mehr bestätigt, wie wichtig und wertvoll das Engagement und die Anstrengungen der lokalen Mitarbeiter für das Gelingen unserer gemeinsamen Projektvorhaben sind.

Wer also sind die „Spinnen“ des Kindernothilfe-Netzes, durch die die Arbeit der Hilfsorganisation überhaupt erst möglich wird?

„Unsere Kollegen arbeiten nicht für die Projekte, sondern sie leben quasi dafür. Sie kennen alle Namen und das Schicksal jedes einzelnen Kindes sowie die Lebensgeschichten der Geschwister und Eltern im Projekt“, erzählt etwa Projektkoordinatorin Margarita von PASOCAP aus dem Projektalltag im Hochland Boliviens. „Es geht hier nicht darum, seine Stunden abzusitzen, sondern es geht hier um echtes Engagement.“

Von Engagement weiß auch María Eugenia Galindo Soza von unserem Projektpartner CETM aus Bolivien zu berichten: „Die CETM-Mitarbeiter leben von Montag bis Freitag auf 3.800 Metern Höhe in Tapacari bei und mit den Menschen. Lediglich an den beiden Wochenendtagen sind sie zuhause bei ihren eigenen Familien.“

Und Barbara Meisl, Projektleiterin des Waisenhauses Baan Doi im Norden Thailands, hat sich ihren Einsatz gleich zum Lebensinhalt gemacht: Gemeinsam mit einer Schweizer Freundin hat die Salzburgerin ihrer Heimat vorerst den Rücken zugekehrt und gibt Aidswaisen ein neues Zuhause – ihr „Arbeitstag“ dauert 24 Stunden täglich, das von der Kindernothilfe unterstützte Projekt beherbergt mittlerweile mehr als 30 Kinder.

Ebenfalls tagein, tagaus für die Kindernothilfe unterwegs ist Jethro Bamutungire, Selbsthilfegruppenkoordinator für Ostafrika – er betreut mit großem Einsatz die Arbeit der Selbsthilfegruppen in Uganda, Ruanda und Kenia. Er weiß genau, was die Frauen der einzelnen Gruppen bewegt, weiß, wie hoffnungslos sie oft sind, wie sie zu bewegen, zu unterstützen, zu überzeugen sind. Damit sie selbst daran glauben, dass sich ihr Leben nachhaltig verbessern kann. Dass sie gemeinsam gegen den „Löwen“, gegen die Armut antreten können.

Schön, so engagierte, unermüdliche Menschen als Teil des Kindernothilfe-Netzes zu wissen.

„Wenn Spinnen zusammenarbeiten, können sie einen Löwen bändigen“. Dieses Sprichwort aus Ghana begleitet mich seit meiner ersten Projektreise nach Afrika vor mittlerweile 24 Jahren. Und es hat für mich, seit ich für die Kindernothilfe arbeiten darf, einen erweiterten Sinn bekommen: Das Kind[...]

weiterlesen
2. Mai 2018

Nicht nur auf die Saat, auf den fruchtbaren Boden kommt es an!*

Hilfe zur Selbsthilfe: Seit vielen Jahren arbeitet die Kindernothilfe mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz (SHG), der darauf abzielt, vor allem die ärmsten Frauen in den benachteiligten Projektregionen sozial, wirtschaftlich und politisch zu stärken, damit sie sich aus eigener Kraft aus der Armut befreien können. Das Wissen, das die Gruppen von uns bekommen, hilft ihnen, sich und ihren Kindern eigenständig ein besseres Leben zu ermöglichen. Außerdem treiben sie dadurch auch die Entwicklung ihrer ganzen Region voran.

Sibanga in Ostuganda (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Die persönliche Geschichte von Stella aus Sibanga

Die Geschichte von Stella aus Sibanga, Ostuganda, zeigt das Potenzial, das im SHG-Ansatz steckt, um die schlechten sozioökonomischen Verhältnisse und damit die individuellen Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verändern.

Stella lebte – wie die meisten ihrer Gemeindegenossinnen – mit ihrer Familie sehr lange unter schwierigsten Bedingungen. Bittere Armut, schlechte hygienische Zustände und die damit verbundene ständige Bedrohung, an Malaria und/oder HIV/Aids zu erkranken, harte landwirtschaftliche Arbeit mit nur geringer Ausbeute und fehlende Unterstützung gehörten zu ihrem Alltag. Die Hausfrau aus dem Bezirk Manafa hatte kaum Mitspracherecht bei hausinternen Entscheidungen, und es war ihr nur sehr schwer möglich, ihre Familie zu versorgen, geschweige denn ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen.

Kein seltenes Bild in Ostuganda: Bei der Arbeit anstatt in der Schule (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Mit der Hoffnung auf Veränderung und dem Wunsch nach besseren Lebensumständen für sich und ihre Familie trat sie im Juli 2015 einer SHG in ihrer Region bei. Da ihr Mann der Arbeit der SHGs zunächst sehr skeptisch gegenüberstand, erzählte sie ihm nichts von der Teilnahme an den Gruppentreffen. Nach einiger Zeit konnte jedoch auch er von dem SHG-Ansatz und den sich daraus ergebenen positiven Entwicklungen für seine Familie überzeugt werden.

Stella in ihrem eigenen kleinen Geschäft (Foto: Kindernothilfepartner)

Obwohl Stella zunächst die jüngste und unerfahrenste Frau in ihrer Gruppe war, wurde ihr von den anderen Frauen sehr bald die Rolle der Sekretärin der Gruppe anvertraut.

Nachdem die Gruppe genug Geld angespart hatte, erhielt Stella einen Kleinkredit, um mit dem Verkauf von zunächst Holzkohle ein Geschäft zu starten. Nachdem sie dadurch ein erstes Einkommen generieren konnte, lieh sie sich noch einige weitere Male Geld von ihrer SHG. Mit dem geliehenen Kapital baute sie ihr Geschäft weiter aus und bietet inzwischen diverse Konsumgüter zum Verkauf an. Dadurch erwirtschaftet sie ihr eigenes Einkommen, mit dem sie sich und ihre Familie gut versorgen kann.

„Mir geht es viel besser. Ich habe einen Platz, an dem ich meine Probleme mit anderen teilen kann. Und ich bin endlich in der Lage, für meine Kinder zu sorgen.“

Selbsthilfegruppe im Sibanga-Butto-Projekt (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Das Sibanga – Butta Gemeinwesenentwicklungsprojekt

Seit 2013 arbeiten wir mit unserem lokalen Partner, der in den 60er Jahren gegründeten Mbale Diözese, zusammen, um benachteiligte Frauen und Kinder der Region zu einem selbstbestimmten Weg aus der Armut zu befähigen und sie in ihren Rechten nachhaltig zu stärken. Gerade Witwen mit vielen Kindern sowie Waisen, die mit ihren Geschwistern einen eigenen Haushalt führen müssen, sollen von den Selbsthilfegruppen in Sibanga profitieren.

Die 97 bisher gegründeten Gruppen bestehen aus je ca. 15 Mitgliedern und treffen sich einmal wöchentlich, um sich untereinander auszutauschen, Ideen zu sammeln und sich gegenseitig Mut zu machen. So entsteht ein Vertrauensverbund, in dem man gemeinsam Probleme bespricht und löst. Die Teilnehmerinnen erfahren Solidarität und werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Neben dem sozialen Aspekt des wöchentlichen Austausches geht es im SHG-Ansatz darum, den Frauen ein umfassendes Wissen zu den Themen Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Bildung, Kinderrechte uvm. zu vermitteln und sie darin entsprechend zu schulen, damit sie langfristig eigenständig für ihre Kinder und Familien sorgen können. Auch an der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitglieder wird aktiv gearbeitet. Abgesehen von der Vermittlung wirtschaftlicher Grundlagen und Grundkenntnissen im Bereich der Unternehmensgründung sparen die SHGs gemeinschaftlich Kleinstbeträge an, aus denen langsam aber sicher ein Kapitalstock entsteht. Dieser erlaubt dann die Vergabe von Minikrediten an die Gruppenmitglieder, um ihnen zum Beispiel die Gründung eines eigenen Geschäfts, einer Tierzucht oder den Kauf von Geräten und Werkzeugen für die tägliche Arbeit zu ermöglichen.

Heute gibt es durch unsere Arbeit bereits 30.000 Selbsthilfegruppen in 20 Ländern.

Mehr zu unserem Projekt in Sibanga „Uganda: Hilfe zur Selbsthilfe“
* Thomas Paul, Initiator der Kindernothilfe-Selbsthilfegruppen, Kindernothilfe Deutschland

Hilfe zur Selbsthilfe: Seit vielen Jahren arbeitet die Kindernothilfe mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz (SHG), der darauf abzielt, vor allem die ärmsten Frauen in den benachteiligten Projektregionen sozial, wirtschaftlich und politisch zu stärken, damit sie sich aus eigener Kraft aus der Armut be[...]

weiterlesen
11. April 2018

Cir’andando pelos direitos – Gemeinsam für Rechte

Wenn Kindern die Identifikation mit ihrem Umfeld genommen wird, haben sie es schwer, Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia liegen die beiden Kommunen Retirolândia und Santaluz, die zu den ärmsten der Region zählen. Anhaltende Dürreperioden und fehlende Einkommensmöglichkeiten (85% verfügen über kein bzw. kaum Einkommen) gestalten das Leben der ortsansässigen Landbevölkerung zermürbend und aussichtslos. Erschwerend kommt hinzu, dass dringend notwendige Investitionen von staatlicher Seite nicht oder nur unzureichend getätigt werden. Dies gilt insbesondere für die institutionellen Angebote im Bildungssektor, die nicht ausreichend an die Bedürfnisse und Lebensrealität der Landbevölkerung angepasst sind.

„Gemeinsam für Rechte“ (Foto: Kindernothilfepartner)

Um speziell der jungen Generation neue Zukunftsperspektiven zu ermöglichen, wurde das Projekt „Cir’andando pelos direitos – Gemeinsam für Rechte“ unseres Partners MOC (Movimento de Organização Comunitária) ins Leben gerufen, das sich eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände durch ländliche Gemeinwesenentwicklung, Grundbildung sowie Lobby- und Advocacyinitiativen zum Ziel gesetzt hat. Dafür werden nicht nur die benachteiligten, gefährdeten Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren und ihre klein bäuerlichen Familien in die Arbeit vor Ort mit einbezogen, sondern auch Schulen und lokalpolitische Entscheidungsträger. In zahlreichen Kursen, Aktivitäten und Workshops setzen sie sich insbesondere mit den Themen Kinderrechte und Gemeindeentwicklung auseinander.

Kinder machen Radio und treten lautstark für ihre Rechte ein

Einweihung der neuen Radiostation in Miranda (Foto: Kindernothilfepartner)

In selbst gestalteten Radiobeiträgen, die über Lautsprecher auf der Straße ausgestrahlt werden, machen die Kinder auf kreative Art und Weise auf Missstände aufmerksam und fordern lautstark Verbesserungen ein. Wöchentlich stellen sie eigenverantwortlich Radioprogramme über ihre Realität vor Ort, ihre Rechte und Pflichten sowie Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen zusammen. Denn diese zu verstehen, einzufordern und wahrzunehmen, hilft ihnen dabei, ihr Leben zu ändern und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Die Sendungen sind sehr beliebt und haben eine enorme Resonanz im Projektgebiet: Hunderte von Jungen und Mädchen gehören zu ihrer Hörerschaft. Sie werden informiert und für Aktionen – z.B. zur Gewaltprävention – mobilisiert. Um dieses Engagement der Kinder und Jugendlichen weiter zu fördern wurden 2017 zwei neue Radiostationen eingerichtet. Die Gemeinde Miranda hat dafür sogar extra einen zusätzlichen Raum in einer Schule gebaut.

Auf die Frage, was die Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde von diesem Projekt erwarten und welche Vorteile das Radio hat, klingen die Antworten voll Eifer und der Bereitschaft, neue Entdeckungen zu machen. „Es wird sehr gut sein!“ „Ich denke, wir werden es sehr mögen.“ „Es lässt uns mehr Beschäftigung haben.“ „Und du kannst viele verschiedene Dinge lernen.“

Kinder äußern ihre Meinung und werden aktiv

In gemeindeübergreifenden Workshops setzen sich Familien mit der Alltagsrealität in ihren Gemeinden auseinander und identifizieren Prozesse und Aktivitäten, die ihnen notwendig erscheinen, um die Rechte von Kindern zu garantieren. Anschließend werden sie den jungen Heranwachsenden vorgestellt, die nun ihrerseits aufgefordert sind, ihre Meinung dazu zu äußern und sich aktiv zu beteiligen.

Für den Projekterfolg ist es essentiell, dass die Mädchen und Buben zu jedem Zeitpunkt aktiv in die Durchführung, aber auch in die Auswertung der Projektaktivitäten eingebunden sind. Ihre Erfahrungen mit dem Projekt und dessen Einfluss auf ihre Gemeinde haben sie zunächst in Zeichnungen und Bildern festgehalten. Anschließend haben sie ihre Sicht auf das Projekt und die Projektarbeit erläutert und zur Diskussion gestellt. In einem weiteren Schritt haben die Mütter die Geschichten ihrer Kinder mit ihren eigenen Eindrücken und Erkenntnissen verbunden und ebenfalls illustriert und präsentiert. Der Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Manche Mütter fertigten Kissen an und bestickten sie mit Motiven aus ihrem Alltag. In einer Gemeinde wurde sogar eine Patchwork-Decke angefertigt. Diese Aktion war mehr als das Verstricken von Fäden oder Anfertigen einer Handarbeit; sie hat insbesondere zur Stärkung familiärer und zwischenmenschlicher Bindungen beigetragen.

Kinder intervenieren und nehmen Einfluss auf die Entwicklung in ihren Gemeinden

Erkenntnisse aus den Kursen und Workshops mit den Kindern und Jugendlichen werden in den neuen Entwicklungsplänen berücksichtigt. In Versammlungen mit Gemeindeorganisationen wird deutlich gemacht, wie wichtig die Intervention der jungen Menschen ist. Vor Vertretern der Gemeindeverwaltung können sie die wichtigsten Herausforderungen, die sie in ihren Gemeinschaften zur Gemeindeentwicklung und Umsetzung von Kinderrechten identifiziert haben, präsentieren und die aus ihrer Sicht erforderlichen Strategien und Aktionen zur Problembehebung zur Diskussion stellen.

Kommunikation ist nicht nur ein Menschenrecht, wie dieses Projekt in Brasilien deutlich zeigt. Es ist den jungen Menschen ein Werkzeug, mit dem sie einen Zugang zu ihrer eigenen Identität finden können, weil sie sich für ihre Radiosendungen mit ihrem Umfeld auseinandersetzen und beginnen, sich damit zu identifizieren. Und letztlich können sie ihre ganz eigenen Zukunftsperspektiven entwickeln und eigenverantwortlich in eine besser Zukunft starten.

 

Mehr Infos zu unserem Projekt „Lernen fürs Leben“ in Bahias Kommunen Retirolândia und Santaluz auf unserer Webseite: www.kindernothilfe.at/lernenfuersleben

Wenn Kindern die Identifikation mit ihrem Umfeld genommen wird, haben sie es schwer, Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia liegen die beiden Kommunen Retirolândia und Santaluz, die zu den ärmsten der Region zählen. Anhaltende Dürreperioden und fehlende [...]

weiterlesen