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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

11. April 2018

Cir’andando pelos direitos – Gemeinsam für Rechte

Wenn Kindern die Identifikation mit ihrem Umfeld genommen wird, haben sie es schwer, Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia liegen die beiden Kommunen Retirolândia und Santaluz, die zu den ärmsten der Region zählen. Anhaltende Dürreperioden und fehlende Einkommensmöglichkeiten (85% verfügen über kein bzw. kaum Einkommen) gestalten das Leben der ortsansässigen Landbevölkerung zermürbend und aussichtslos. Erschwerend kommt hinzu, dass dringend notwendige Investitionen von staatlicher Seite nicht oder nur unzureichend getätigt werden. Dies gilt insbesondere für die institutionellen Angebote im Bildungssektor, die nicht ausreichend an die Bedürfnisse und Lebensrealität der Landbevölkerung angepasst sind.

„Gemeinsam für Rechte“ (Foto: Kindernothilfepartner)

Um speziell der jungen Generation neue Zukunftsperspektiven zu ermöglichen, wurde das Projekt „Cir’andando pelos direitos – Gemeinsam für Rechte“ unseres Partners MOC (Movimento de Organização Comunitária) ins Leben gerufen, das sich eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände durch ländliche Gemeinwesenentwicklung, Grundbildung sowie Lobby- und Advocacyinitiativen zum Ziel gesetzt hat. Dafür werden nicht nur die benachteiligten, gefährdeten Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren und ihre klein bäuerlichen Familien in die Arbeit vor Ort mit einbezogen, sondern auch Schulen und lokalpolitische Entscheidungsträger. In zahlreichen Kursen, Aktivitäten und Workshops setzen sie sich insbesondere mit den Themen Kinderrechte und Gemeindeentwicklung auseinander.

Kinder machen Radio und treten lautstark für ihre Rechte ein

Einweihung der neuen Radiostation in Miranda (Foto: Kindernothilfepartner)

In selbst gestalteten Radiobeiträgen, die über Lautsprecher auf der Straße ausgestrahlt werden, machen die Kinder auf kreative Art und Weise auf Missstände aufmerksam und fordern lautstark Verbesserungen ein. Wöchentlich stellen sie eigenverantwortlich Radioprogramme über ihre Realität vor Ort, ihre Rechte und Pflichten sowie Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen zusammen. Denn diese zu verstehen, einzufordern und wahrzunehmen, hilft ihnen dabei, ihr Leben zu ändern und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Die Sendungen sind sehr beliebt und haben eine enorme Resonanz im Projektgebiet: Hunderte von Jungen und Mädchen gehören zu ihrer Hörerschaft. Sie werden informiert und für Aktionen – z.B. zur Gewaltprävention – mobilisiert. Um dieses Engagement der Kinder und Jugendlichen weiter zu fördern wurden 2017 zwei neue Radiostationen eingerichtet. Die Gemeinde Miranda hat dafür sogar extra einen zusätzlichen Raum in einer Schule gebaut.

Auf die Frage, was die Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde von diesem Projekt erwarten und welche Vorteile das Radio hat, klingen die Antworten voll Eifer und der Bereitschaft, neue Entdeckungen zu machen. „Es wird sehr gut sein!“ „Ich denke, wir werden es sehr mögen.“ „Es lässt uns mehr Beschäftigung haben.“ „Und du kannst viele verschiedene Dinge lernen.“

Kinder äußern ihre Meinung und werden aktiv

In gemeindeübergreifenden Workshops setzen sich Familien mit der Alltagsrealität in ihren Gemeinden auseinander und identifizieren Prozesse und Aktivitäten, die ihnen notwendig erscheinen, um die Rechte von Kindern zu garantieren. Anschließend werden sie den jungen Heranwachsenden vorgestellt, die nun ihrerseits aufgefordert sind, ihre Meinung dazu zu äußern und sich aktiv zu beteiligen.

Für den Projekterfolg ist es essentiell, dass die Mädchen und Buben zu jedem Zeitpunkt aktiv in die Durchführung, aber auch in die Auswertung der Projektaktivitäten eingebunden sind. Ihre Erfahrungen mit dem Projekt und dessen Einfluss auf ihre Gemeinde haben sie zunächst in Zeichnungen und Bildern festgehalten. Anschließend haben sie ihre Sicht auf das Projekt und die Projektarbeit erläutert und zur Diskussion gestellt. In einem weiteren Schritt haben die Mütter die Geschichten ihrer Kinder mit ihren eigenen Eindrücken und Erkenntnissen verbunden und ebenfalls illustriert und präsentiert. Der Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Manche Mütter fertigten Kissen an und bestickten sie mit Motiven aus ihrem Alltag. In einer Gemeinde wurde sogar eine Patchwork-Decke angefertigt. Diese Aktion war mehr als das Verstricken von Fäden oder Anfertigen einer Handarbeit; sie hat insbesondere zur Stärkung familiärer und zwischenmenschlicher Bindungen beigetragen.

Kinder intervenieren und nehmen Einfluss auf die Entwicklung in ihren Gemeinden

Erkenntnisse aus den Kursen und Workshops mit den Kindern und Jugendlichen werden in den neuen Entwicklungsplänen berücksichtigt. In Versammlungen mit Gemeindeorganisationen wird deutlich gemacht, wie wichtig die Intervention der jungen Menschen ist. Vor Vertretern der Gemeindeverwaltung können sie die wichtigsten Herausforderungen, die sie in ihren Gemeinschaften zur Gemeindeentwicklung und Umsetzung von Kinderrechten identifiziert haben, präsentieren und die aus ihrer Sicht erforderlichen Strategien und Aktionen zur Problembehebung zur Diskussion stellen.

Kommunikation ist nicht nur ein Menschenrecht, wie dieses Projekt in Brasilien deutlich zeigt. Es ist den jungen Menschen ein Werkzeug, mit dem sie einen Zugang zu ihrer eigenen Identität finden können, weil sie sich für ihre Radiosendungen mit ihrem Umfeld auseinandersetzen und beginnen, sich damit zu identifizieren. Und letztlich können sie ihre ganz eigenen Zukunftsperspektiven entwickeln und eigenverantwortlich in eine besser Zukunft starten.

 

Mehr Infos zu unserem Projekt „Lernen fürs Leben“ in Bahias Kommunen Retirolândia und Santaluz auf unserer Webseite: www.kindernothilfe.at/lernenfuersleben

Wenn Kindern die Identifikation mit ihrem Umfeld genommen wird, haben sie es schwer, Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia liegen die beiden Kommunen Retirolândia und Santaluz, die zu den ärmsten der Region zählen. Anhaltende Dürreperioden und fehlende E[...]

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Philippinen: Frauenpower gegen Armut und Katastrophen

Danke an unsere deutsche Kollegin Gunhild Aiyub für diesen interessanten Blogbeitrag zum Thema Selbsthilfegruppen! 

Versammlung einer Selbsthilfegruppe auf den Philippinen (Foto: Kindernothilfepartner)

Die Kindernothilfe-Partner auf den Philippinen setzen sich seit zehn Jahren dafür ein, dass Frauen ein neues, starkes Selbstbewusstsein bekommen. Denn das befähigt nicht nur die Familie, sondern ganze Dörfer und Kommunen, ihre Lebensumstände zu verbessern. Vor allem nach dem verheerenden Taifun Haiyan 2013 bemüht sich unsere Partnerorganisation SIKAT in der Region Guiuan darum, Selbsthilfegruppen für Frauen zu gründen. Sie sind eine Art Plattform, auf der Ideen entstehen, Träume verwirklicht und Strategien entwickelt werden. Unsere Korrespondentin Jenifer Girke war dort und hat sich umgesehen.

 

Das wirkliche Überleben begann danach

Es war der 8. November 2013. Die meisten Bewohner in der philippinischen Provinz Guiuan waren zu Hause, auf See zum Fischen oder in der Schule. Viele hatten die Warnungen nicht ernst genug genommen, schließlich sind sie heftige Naturkatastrophen gewohnt. Doch “Haiyan”, oder “Yolanda”, wie ihn die Einheimischen nennen, war anders. Er war stärker, grausamer und brutaler. Der Taifun zerstörte mit einer Geschwindigkeit von 379 km/h alles, was seiner Wucht nicht standhalten konnte. Richelles Zuhause hielt auch nicht stand: “Evakuiert?”, fragt die 33-Jährige mit einem ironischen Lächeln, “Nein, wir wurden hier nicht weggebracht, wir wurden auch nicht gerettet. Wir blieben einfach zu Hause.” Richelle, ihr Mann und die vier Kinder überlebten den Taifun, aber das wirkliche Überleben begann danach: “Nach dem Taifun hatten wir nichts mehr – kein Essen, kein Zuhause, keine Kleidung. Ich wusste wochenlang nicht, was ich meinen Kindern zu essen geben sollte. Selbst wenn wir Geld gehabt hätten, gab es nichts zum Kaufen.”

Der Taifun Haiyan hat vielfach die getroffen, die ohnehin schon wenig hatten. Nicht nur der Fischfang lag danach brach. (Foto: Kindernothilfepartner)

Hilfe für entferntere Inseln

Viele lokale Hilfsorganisationen konzentrierten sich in den ersten Tagen nach Haiyan auf die Festland-Gebiete rund um die Stadt Tacloban. Sozialarbeiter berichten sogar davon, dass sich einige Nichtregierungsorganisationen weigerten, entsprechende Hilfe auf entferntere Inseln zu bringen – zu groß sei das Risiko eines nächsten Taifuns. Doch einen Plan zur Umsiedlung gab und gibt es nicht, bis heute, mit der Begründung, es fehle das Geld. Die Folge: Gebiete wie die Inseln Victory Island oder Camparang, auf der auch Richelle lebt, wurden sich selbst überlassen.

Wir sind mit unserer Partnerorganisation SIKAT schon jahrelang in der Provinz Guiuan im Einsatz. Neben Soforthilfe und Sicherstellung einer grundsätzlichen Versorgung ist es ein großes Anliegen, Menschen wie Richelle eine langfristige Perspektive zu geben, damit sie sich selbst eine Zukunft aufbauen können. Auch wenn Geld eine entscheidende Notwendigkeit ist, brauchen diese Menschen zunächst etwas anderes: Glauben an sich selbst und neuen Mut. Ohne Selbstbewusstsein und einen guten Plan, von dem die Betroffenen selbst überzeugt sind, nützen Geldspenden nur bedingt etwas. “Wir wollen in die Zukunft dieser Menschen investieren. Sie sollen nicht abhängig von dem Geld anderer sein, sondern sich befähigen, eigenes Geld zu verdienen”, erklärt der philippinische Kindernothilfe-Mitarbeiter Ken Cacao, der für die Region Samar zuständig ist.

Eine Selbsthilfegruppe führt Buch über die Ersparnisse (Foto: Kindernothilfepartner)

„Pagkakaisa“ bei den Frauen schaffen

Die erste Selbsthilfegruppe (SHG) gründete die Kindernothilfe in der Kommune San Juan südwestlich von Manila. Sie trägt  den Namen “Pagkakaisa”, das bedeutet “Einigkeit”. Genau das ist das Ziel: Einigkeit schaffen, in der Familie, dem Dorf, der Kommune. Die Kindernothilfe-Koordinatorin auf den Philippinen, Daryl Leyesa, ist von dem Konzept überzeugt: “Es ist ein sehr effektiver Ansatz, der auf Stärkung der Menschenrechte basiert und sich stets nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Menschen vor Ort richtet.” Nach zehn Jahren ist sehr deutlich, dass dieses Konzept erfolgreich hilft, den Beteiligten eine neue, hoffnungsvolle Perspektive zu geben: “Die SHGs  richten sich an die Ärmsten unserer Gesellschaft und zeigen ihnen, wie sie sich selbst stärken und damit aus der Armut befreien können”, so Leyesa.

Ausdruck für das neue Bewusstsein für Katastrophenschutz: eine Hochwasser-Gefahrenkarte (Foto: Kindernothilfepartner)

Nach Haiyan richtete SIKAT sein Augenmerk verstärkt auf die Regionen, in denen viele Bürger durch die Katastrophe ihre Existenz verloren hatten. Hier brauchte es dringend ein neues Bewusstsein für Katastrophenschutz, eine bewusste Wahrnehmung der eigenen Verantwortung, aber auch der eigenen Fähigkeiten, mit der Gefahr von Taifunen und ähnlichen Geschehnissen umzugehen. Das ist es, was vor allem Ken Cacao in seiner täglichen Arbeit in diesen Gebieten antreibt. Er kümmert sich seit dem Taifun um die am stärksten betroffenen Gemeinden und besucht regelmäßig die Treffen der SHGs: “In allererster Linie geht es uns hier um die Stärkung der Gemeinschaft. Wenn diese Frauen lernen und verstehen, wie viel sie in ihrer eigenen Hand haben, dann entwickelt sich ein ganz neues Selbstbewusstsein und das stärkt das ganze Dorf. Ein gestärktes Dorf kann nicht nur Probleme wie Armut besser bekämpfen, sondern auch effektiver mit Naturkatastrophen umgehen. Das ist überlebenswichtig.”

Dass man sich bei diesem Appell zunächst an Frauen richtet, ist eine logische Schlussfolgerung der gesellschaftlichen Situation, denn Frauen werden auf den Philippinen nach wie vor als minderwertige Bürger angesehen, deren Fähigkeiten stets auf innerfamiliäre Aufgaben reduziert werden. Deswegen sind es die Frauen, die oft unentdecktes Potenzial haben, aber nicht den Glauben daran, es auch nutzen zu können.

Richelle konnte sich dank ihrer Selbsthilfegruppe ein kleines Geschäft zu Hause aufbauen (Foto: Kindernothilfepartner)

Richelles Schritt in eine positive Zukunft

So auch Richelle. Mit diesem neu geschöpften Antrieb hat sie sich  ein kleines Geschäft zu Hause aufgebaut: “Ich habe vier Kinder zu Hause, also kann ich nicht weit wegfahren, um zu arbeiten. Aber dann dachte ich mir, wenn ich nicht zur Arbeit kann, hole ich mir die Arbeit eben nach Hause.” Einmal im Monat kauft die Familienmutter Benzin auf dem Festland ein, füllt es zu Hause in kleine Plastikflaschen und verkauft es an die Fischer auf ihrer Insel. Das Startkapital dafür konnte sich Richelle aus dem Fond der Selbsthilfegruppe leihen. Man merkt, dass dieses Gefühl von ‘Ich kann auch etwas!’ noch ganz neu ist. Aber eines ist sicher: Es steht den Frauen richtig gut!

Mehr zu unserem Selbsthilfegruppen-Projekt auf den Philippinen

Danke an unsere deutsche Kollegin Gunhild Aiyub für diesen interessanten Blogbeitrag zum Thema Selbsthilfegruppen!  Versammlung einer Selbsthilfegruppe auf den Philippinen (Foto: Kindernothilfepartner) Die Kindernothilfe-Partner auf den Philippinen setzen sich seit zehn Jahren dafür ein, [...]

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23. Dezember 2017

Post aus dem Kindernothilfe-Projekt iThemba Lethu im südafrikanischen Township Cato Manor

Luyanda, 15, hat ihre Eltern an Aids verloren. Seit zwei Jahren nimmt sie am Projekt der Kindernothilfe iThemba Lethu nahe der südafrikanischen Großstadt Durban teil und ist für ihre Chance, hier sein zu dürfen, sehr dankbar:

 

Ich bin seit zwei Jahren bei iThemba Lethu. Ich habe das Projekt letztes Jahr in der achten Schulstufe kennengelernt, als ich noch nicht wusste, wie sich die Welt um mich herum verändert und welchen Gefahren ich in der Schule begegnen könnte.
Die MitarbeiterInnen von iThemba Lethu haben mir eine andere Sicht auf das Leben gezeigt. Sie zeigten mir, dass man außer Karrierezielen auch andere Ziele im Leben haben kann. Und wie man sein Leben gestaltet – trotz beruflicher oder finanzieller Schwierigkeiten.
Man kann hier mit den MitarbeiterInnen über alles reden. Sie verstehen die Lebenswelt und die Gedanken von Heranwachsenden. iThemba Lethu hat mir viele Dinge bewusst gemacht, und dadurch hat sich mein Leben verändert. Ich verstehe, weshalb ich mich von negativen Einflüssen fernhalten muss und wie meine täglichen Entscheidungen meine Zukunft beeinflussen.
Ich hatte aufgrund des Umfeldes, aus dem ich komme, ein geringes Selbstwertgefühl. Ich sage nicht, dass ich bereits ein gutes Mädchen bin. Aber ich bin langsam auf dem Weg, eines zu werden.
Ich bin dankbar für all das, was mir iThemba Lethu gelernt hat. Unsere LehrerInnen unterrichten uns aus tiefstem Herzen und mit voller Hingabe. iThemba Lethu macht eine wundervolle Arbeit und ich hoffe, dass viele Kinder hier fürs Leben lernen können. Diese Organisation hat mir in den letzten zwei Jahren sehr geholfen. Sie unterstützt mich sehr dabei, erwachsen zu werden und jeden Tag mich persönlich zu verbessern.

Luyanda

 

Zum Projekt:

„I have a destiny – Ich habe eine Bestimmung“, lautet das Motto des Kindernothilfe-Projekts iThemba Lethu im südafrikanischen Township Cato Manor in der Nähe der Großstadt Durban. Das Leben hier ist geprägt von Hoffnungslosigkeit: 6,3 Millionen Menschen in Südafrika leben mit HIV, 60 Prozent davon sind Frauen. 2,3 Millionen Kinder sind als Folge von HIV/Aids bereits zu Waisen geworden.

„Wir müssen schon den Kindern vermitteln, dass sie – entgegen allem, was sie täglich hören und erleben – eine Hoffnung, eine Zukunft haben“, betont daher iThemba-Lethu-Projektdirektorin Karen Brokensha. Das von der Kindernothilfe unterstützte Projekt kümmert sich um Aidswaisen, hilft bei der Suche nach Adoptionseltern und legt einen großen Schwerpunkt auf Bildung und Prävention.

Mehr dazu auf unserer Webseite

Luyanda, 15, hat ihre Eltern an Aids verloren. Seit zwei Jahren nimmt sie am Projekt der Kindernothilfe iThemba Lethu nahe der südafrikanischen Großstadt Durban teil und ist für ihre Chance, hier sein zu dürfen, sehr dankbar:   Ich bin seit zwei Jahren bei iThemba Lethu. Ich habe [...]

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11. Dezember 2017

Hoffnung für Thalente

Fast 40 Prozent der Bewohner der südafrikanischen Region KwaZulu Natal sind HIV-positiv. Die Kindernothilfe setzt sich hier für den Kampf gegen Aids ein und hilft Kindern wie der 13-jährigen Thalente.

Thalente aus Cato Manor (Foto: Manfred Fesl)

Thalente lebt mit ihrem Vater, ihrer Großmutter und den vier Geschwistern in einer Baracke im südafrikanischen Township Cato Manor. Hier, zehn Kilometer entfernt vom Zentrum Durbans, wohnen rund 93.000 Menschen dicht an dicht in einfachen Hütten – die Hygienebedingungen sind unzureichend, Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt gehören zum Alltag. Thalentes Mutter ist an Aids gestorben, ihr Vater ist todkrank. Die Kinder und die gebrechliche Großmutter sind auf sich alleine gestellt.

Kein Einzelschicksal für die Region KwaZulu Natal im Osten Südafrikas: Fast 40 Prozent der Menschen sind hier HIV-positiv, viele davon Kinder und Jugendliche. Täglich kommen neue HIV-positive Babys zur Welt, täglich bleiben Kinder durch den Tod beider Elternteile als Aidswaisen zurück. Das Thema müsste also allgegenwärtig sein. Doch das ist es nicht. Vielmehr ist die schwere Krankheit immer noch ein Tabu.

iThemba Lethu – „ich habe eine Bestimmung“

Hier setzt die Kindernothilfe gemeinsam mit der lokalen Hilfsorganisation iThemba Lethu, übersetzt „Ich habe eine Bestimmung“, an: In sechs Schulen des Townships Cato Manor wird intensive Aids-Aufklärung betrieben – mehr als 500 Schüler zwischen 10 und 15 Jahren erhalten zwei Stunden wöchentlich speziellen Unterricht. Die Themen: HIV/Aids, Beziehungen, Sexualität.

In einer dieser Schulen sitzt auch Thalente. Dicht gedrängt lauschen die 13-Jährigen den Worten der Sozialarbeiterin. Ihr geht es nicht darum, den Jugendlichen zu vermitteln, wie HIV/Aids übertragen wird und wie man sich davor schützt – denn das wissen die meisten ohnehin. Vielmehr geht es darum aufzuzeigen, wie man selbstverantwortlich lebt. Wie man sich selbst wertschätzt, seine Meinung vertritt, auch wenn andere Gleichaltrige vielleicht anderer Meinung sind, wie man seine Grenzen definiert und auch klar aufzeigt. Es geht um die Weitergabe von Werten. „Wir müssen den Kindern zeigen, dass sie – entgegen allem, was sie täglich erleben – eine Hoffnung und eine Zukunft haben“, betont Projektdirektorin Karen Brokensha. „Und wir vermitteln den Kindern, dass sie Einfluss auf ihr Leben haben. HIV wird nicht von Moskitos übertragen, man ist dem Virus nicht ausgeliefert.“

Nachmittags haben die Kinder in offenen Treffen die Möglichkeit, sich mit ihren Problemen und Fragen zur Sexualität persönlich an die Projektmitarbeiter zu wenden. „Seit vier Jahren bin ich Teil von iThemba Lethu“, erzählt Thalente. „Die Projektmitarbeiter sind immer für uns da, wenn wir etwas brauchen, sie sind wie unsere Eltern“, betont die 13-Jährige. Ihr Leben hat sich durch das Kindernothilfe-Projekt deutlich verändert. „Ich habe wieder Hoffnung. Ich bin, wer ich bin – durch iThemba Lethu.“

Mehr dazu auf unserer Webseite

Fast 40 Prozent der Bewohner der südafrikanischen Region KwaZulu Natal sind HIV-positiv. Die Kindernothilfe setzt sich hier für den Kampf gegen Aids ein und hilft Kindern wie der 13-jährigen Thalente. Thalente aus Cato Manor (Foto: Manfred Fesl) Thalente lebt mit ihrem Vater, ihrer Großmutte[...]

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60 Jahre „La Victoria“ – ein emblematischer Ort feiert Jubiläum

Dieses Jubiläum hat auch mit Kindernothilfe und der Geschichte der KNH-Chile-Arbeit zu tun! Die emblematische Armenviertel-Siedlung „La Victoria“ an der Südperipherie des Stadtzentrums von Santiago de Chile in der heutigen Kommune Pedro Aguirre Cerda feierte am 30. Oktober ihren 60. Gründungstag.

Lateinmerika 2005 (Foto: Jürgen Schübelin)

La Victoria ist zusammen mit Agüita de la Perdíz in Concepción (wo Kindernothilfe  ebenfalls engagiert ist), die älteste Armenviertelsiedlung Lateinamerikas, die aus einer toma, einer organisierten Landbesetzung durch wohnungslose Familien, hervorgegangen ist. Im Morgengrauen des 30. Oktober 1957 hatten die ersten pobladores (wie man in Chile Armenviertelbewohner nennt), Brachland im Sektor Chacra de Fería mit ihren Zelten und mitgebrachten Habseligkeiten in Beschlag genommen und dort als Zeichen dafür, dass sie durch ihre Aktion vom Staat ihr Recht auf menschenwürdiges Wohnen einfordern, die chilenische Flagge gehisst.

Die pobladores von La Victoria gingen mit ihrem Engagement und ihrer von langer Hand vorbereiteten Landbesetzung in die sozialwissenschaftliche Literatur Lateinamerikas ein. Victor Jara, der unvergessene chilenische Liedermacher und vom Pinochet-Regime ermordete Kulturaktivist hat die Geschichte von La Victoria und den Überlebenskampf seiner Bewohner in seinen Liedern besungen. Während der Zeit der Diktatur (1973 – 1990) war dieser Ort immer auch ein geographisches und politisches Zentrum des Widerstands und der Versuche, zumindest auf lokaler Ebene demokratische Freiräume am Leben zu erhalten. Einer der Armenviertelpriester aus La Victoria, André Jarlán, bezahlte dieses Engagement mit seinem Leben. Er starb am 4. September 1984 bei einer Polizeiaktion in La Victoria durch eine – angeblich verirrte – Kugel aus der Dienstwaffe eines Carabiñero.

Kindertagestätte „La Victoria“ (Foto: Jürgen Schübelin)

Insel der Zuversicht – Kindertagesstätte „La Victoria“

Seit Anfang der achtziger Jahre engagieren sich die Kindernothilfe und ihre chilenische Partnerorganisation, die Fundación ANIDE, in Kooperation mit der örtlichen katholischen Kirchengemeinde, um die Arbeit des gleichnamigen Kinder-, Jugend- und Stadtteilprojekt Nuestra Señora de la Victoria zu ermöglichen. Heute ist dieses Zentrum mit seiner engagierten Arbeit einer der wichtigsten Orte in La Victoria, um der wachsenden Gewalt im Stadtteil entgegen zutreten.

In den zurückliegenden Jahren kamen zudem erhebliche neue Herausforderungen auf das traditionsreiche Armenviertel und seine Bewohner zu: An kaum einem anderen Ort in Santiago war der Zuzug von Familien aus Haiti, die nach dem Erdbeben vom Januar 2010 und im Gefolge der anhaltenden Hunger- und Politik-Krisen in den Karibikstaat Zuflucht in Chile gesucht haben, so groß wie in La Victoria. Die Aufnahme dieser Neu-Hinzugekommenen organisierten die Nachbarschaftsorganisationen und das Nuestra Señora de la Victoria-Projektteam in bewährter Manier: Unaufgeregt und mit viel Erfahrung beim Bohren dicker Bretter.

Mehr zu unserem Projekt in La Victoria

Dieses Jubiläum hat auch mit Kindernothilfe und der Geschichte der KNH-Chile-Arbeit zu tun! Die emblematische Armenviertel-Siedlung "La Victoria" an der Südperipherie des Stadtzentrums von Santiago de Chile in der heutigen Kommune Pedro Aguirre Cerda feierte am 30. Oktober ihren 60. Gründungstag.[...]

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