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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

19. März 2018

Afghanistan: Malen und Zeichnen bricht das Eis

„Inklusion ist nicht nur eine gute Idee, sondern ein Menschenrecht. Inklusion bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden darf.“

SHIP Projekt (Foto: Kindernothilfepartner)

Ava [Name geändert] ist gehörlos. Als sie vor zwei Jahren in das Inklusionsprojekt SHIP (SERVE’s Hearing Impaired Project) aufgenommen wurde, weigerte sich das Mädchen zunächst, die Zeichensprache zu lernen und sich am Unterricht zu beteiligen. Ihre Mutter gab aber nicht auf und ging eine Zeit lang täglich mit in die Schule. Eines Tages sollten die SchülerInnen aufzeichnen, was ihnen viel bedeutete und Ava malte ein schönes Bild von ihrem kleinen Haus. Seit diesem Tag bleibt sie ohne ihre Mutter in der Schule. Sie spielt jetzt mit ihren KlassenkameradInnen und ihre Zeichensprache wird von Tag zu Tag besser. Ava möchte ihre Schulbildung abschließen und vielleicht sogar selbst Lehrerin für hörgeschädigte Kinder werden.

Avas Eltern sind erleichtert. Sie haben nun ein fröhliches Kind zuhause, das sich am Familienleben beteiligt. Auch sie sind schon recht gut in der Zeichensprache und nehmen regelmäßig an Elterntreffen teil, um sich mit anderen Familien, die ein ähnliches Schicksal haben, auszutauschen.

Behinderung ist (k)eine Schande!

Im kriegsgebeutelten Afghanistan leben überdurchschnittlich viele Menschen mit Behinderungen, verursacht durch Landminen- und Granatenverletzungen, schlechte Gesundheitsversorgung, Mangel- und Fehlernährung sowie Verheiratung innerhalb der Großfamilie. Obwohl das afghanische Bildungsministerium bereits vor einigen Jahren Richtlinien für inklusive Bildung verabschiedete, gilt ein Kind mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung in weiten Teilen des Landes nach wie vor als Schande für die Familie.

Unser lokaler Partner SERVE Afghanistan begann sein umfassendes Engagement für Kindern und jungen Erwachsenen mit Behinderung im Jahre 1972. Das Projekt SHIP richtet sich schwerpunktmäßig an hörbehinderte Mädchen und Buben sowie deren Familien in den Provinzen Nangarhat und Laghman östlich von Kabul. Es werden aber auch körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder betreut und gefördert. Ziel ist es, die Lebensqualität durch Rehabilitation zu verbessern und Inklusion in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft zu erreichen.

SHIP Projekt (Foto: Kindernothilfepartner)

Die ProjektmitarbeiterInnen holen die Kinder und ihre Familien dort ab, wo sie stehen – um ihnen genau die Hilfe zuteil werden zu lassen, die sie benötigen. Sie zeigen auf, welche physischen und psychischen Möglichkeiten das Kind hat, und informieren über geeignete Fördermaßnahmen. Darüber hinaus ist es SERVE wichtig, dass die Kinder möglichst nicht zuhause versteckt werden, sondern ihre Eingliederung in eine Regelschule und die Gesellschaft gelingt. Denn neben Eltern und Schule ist die Beteiligung der Gemeinde einer der Grundpfeiler für Inklusion. SERVE hat Gemeinderehabilitationskomitees gegründet. Dort werden die Mitglieder regelmäßig geschult, um sie zu stärken und in die Lage zu versetzen, sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt in der Projektarbeit. Unser Ansatz ist, möglichst viele verschiedene Akteure an der Projektplanung und -Implementierung zu beteiligen und sie zunehmend zu befähigen, die Aktivitäten eigenständig durchzuführen. SERVE unterstützt solange beratend, bis die Verantwortung für das Projekt schließlich ganz in die Hände der Gemeinde übergeben werden kann.

Inklusion ist der Weg zu einer Gesellschaft, in der alle Menschen gleichermaßen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, und in der die Erfüllung von Grundrechten geachtet wird. Dies bedeutet, den Weg in eine menschengerechte, nicht diskriminierende Gesellschaft zu ebnen, damit alle Menschen und insbesondere die vielfältigen, marginalisierten Gruppen, die überall auf der Welt ausgeschlossen werden, ihre Grundrechte wahrnehmen können.

 

Weitere Details zum Projekt „Schule fürs Leben“

„Inklusion ist nicht nur eine gute Idee, sondern ein Menschenrecht. Inklusion bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden darf." Ava [Name geändert] ist gehörlos. Als sie vor zwei Jahren in das Inklusionsprojekt SHIP (SERVE's Hearing Impaired [...]

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Philippinen: Frauenpower gegen Armut und Katastrophen

Danke an unsere deutsche Kollegin Gunhild Aiyub für diesen interessanten Blogbeitrag zum Thema Selbsthilfegruppen! 

Versammlung einer Selbsthilfegruppe auf den Philippinen (Foto: Kindernothilfepartner)

Die Kindernothilfe-Partner auf den Philippinen setzen sich seit zehn Jahren dafür ein, dass Frauen ein neues, starkes Selbstbewusstsein bekommen. Denn das befähigt nicht nur die Familie, sondern ganze Dörfer und Kommunen, ihre Lebensumstände zu verbessern. Vor allem nach dem verheerenden Taifun Haiyan 2013 bemüht sich unsere Partnerorganisation SIKAT in der Region Guiuan darum, Selbsthilfegruppen für Frauen zu gründen. Sie sind eine Art Plattform, auf der Ideen entstehen, Träume verwirklicht und Strategien entwickelt werden. Unsere Korrespondentin Jenifer Girke war dort und hat sich umgesehen.

 

Das wirkliche Überleben begann danach

Es war der 8. November 2013. Die meisten Bewohner in der philippinischen Provinz Guiuan waren zu Hause, auf See zum Fischen oder in der Schule. Viele hatten die Warnungen nicht ernst genug genommen, schließlich sind sie heftige Naturkatastrophen gewohnt. Doch “Haiyan”, oder “Yolanda”, wie ihn die Einheimischen nennen, war anders. Er war stärker, grausamer und brutaler. Der Taifun zerstörte mit einer Geschwindigkeit von 379 km/h alles, was seiner Wucht nicht standhalten konnte. Richelles Zuhause hielt auch nicht stand: “Evakuiert?”, fragt die 33-Jährige mit einem ironischen Lächeln, “Nein, wir wurden hier nicht weggebracht, wir wurden auch nicht gerettet. Wir blieben einfach zu Hause.” Richelle, ihr Mann und die vier Kinder überlebten den Taifun, aber das wirkliche Überleben begann danach: “Nach dem Taifun hatten wir nichts mehr – kein Essen, kein Zuhause, keine Kleidung. Ich wusste wochenlang nicht, was ich meinen Kindern zu essen geben sollte. Selbst wenn wir Geld gehabt hätten, gab es nichts zum Kaufen.”

Der Taifun Haiyan hat vielfach die getroffen, die ohnehin schon wenig hatten. Nicht nur der Fischfang lag danach brach. (Foto: Kindernothilfepartner)

Hilfe für entferntere Inseln

Viele lokale Hilfsorganisationen konzentrierten sich in den ersten Tagen nach Haiyan auf die Festland-Gebiete rund um die Stadt Tacloban. Sozialarbeiter berichten sogar davon, dass sich einige Nichtregierungsorganisationen weigerten, entsprechende Hilfe auf entferntere Inseln zu bringen – zu groß sei das Risiko eines nächsten Taifuns. Doch einen Plan zur Umsiedlung gab und gibt es nicht, bis heute, mit der Begründung, es fehle das Geld. Die Folge: Gebiete wie die Inseln Victory Island oder Camparang, auf der auch Richelle lebt, wurden sich selbst überlassen.

Wir sind mit unserer Partnerorganisation SIKAT schon jahrelang in der Provinz Guiuan im Einsatz. Neben Soforthilfe und Sicherstellung einer grundsätzlichen Versorgung ist es ein großes Anliegen, Menschen wie Richelle eine langfristige Perspektive zu geben, damit sie sich selbst eine Zukunft aufbauen können. Auch wenn Geld eine entscheidende Notwendigkeit ist, brauchen diese Menschen zunächst etwas anderes: Glauben an sich selbst und neuen Mut. Ohne Selbstbewusstsein und einen guten Plan, von dem die Betroffenen selbst überzeugt sind, nützen Geldspenden nur bedingt etwas. “Wir wollen in die Zukunft dieser Menschen investieren. Sie sollen nicht abhängig von dem Geld anderer sein, sondern sich befähigen, eigenes Geld zu verdienen”, erklärt der philippinische Kindernothilfe-Mitarbeiter Ken Cacao, der für die Region Samar zuständig ist.

Eine Selbsthilfegruppe führt Buch über die Ersparnisse (Foto: Kindernothilfepartner)

„Pagkakaisa“ bei den Frauen schaffen

Die erste Selbsthilfegruppe (SHG) gründete die Kindernothilfe in der Kommune San Juan südwestlich von Manila. Sie trägt  den Namen “Pagkakaisa”, das bedeutet “Einigkeit”. Genau das ist das Ziel: Einigkeit schaffen, in der Familie, dem Dorf, der Kommune. Die Kindernothilfe-Koordinatorin auf den Philippinen, Daryl Leyesa, ist von dem Konzept überzeugt: “Es ist ein sehr effektiver Ansatz, der auf Stärkung der Menschenrechte basiert und sich stets nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Menschen vor Ort richtet.” Nach zehn Jahren ist sehr deutlich, dass dieses Konzept erfolgreich hilft, den Beteiligten eine neue, hoffnungsvolle Perspektive zu geben: “Die SHGs  richten sich an die Ärmsten unserer Gesellschaft und zeigen ihnen, wie sie sich selbst stärken und damit aus der Armut befreien können”, so Leyesa.

Ausdruck für das neue Bewusstsein für Katastrophenschutz: eine Hochwasser-Gefahrenkarte (Foto: Kindernothilfepartner)

Nach Haiyan richtete SIKAT sein Augenmerk verstärkt auf die Regionen, in denen viele Bürger durch die Katastrophe ihre Existenz verloren hatten. Hier brauchte es dringend ein neues Bewusstsein für Katastrophenschutz, eine bewusste Wahrnehmung der eigenen Verantwortung, aber auch der eigenen Fähigkeiten, mit der Gefahr von Taifunen und ähnlichen Geschehnissen umzugehen. Das ist es, was vor allem Ken Cacao in seiner täglichen Arbeit in diesen Gebieten antreibt. Er kümmert sich seit dem Taifun um die am stärksten betroffenen Gemeinden und besucht regelmäßig die Treffen der SHGs: “In allererster Linie geht es uns hier um die Stärkung der Gemeinschaft. Wenn diese Frauen lernen und verstehen, wie viel sie in ihrer eigenen Hand haben, dann entwickelt sich ein ganz neues Selbstbewusstsein und das stärkt das ganze Dorf. Ein gestärktes Dorf kann nicht nur Probleme wie Armut besser bekämpfen, sondern auch effektiver mit Naturkatastrophen umgehen. Das ist überlebenswichtig.”

Dass man sich bei diesem Appell zunächst an Frauen richtet, ist eine logische Schlussfolgerung der gesellschaftlichen Situation, denn Frauen werden auf den Philippinen nach wie vor als minderwertige Bürger angesehen, deren Fähigkeiten stets auf innerfamiliäre Aufgaben reduziert werden. Deswegen sind es die Frauen, die oft unentdecktes Potenzial haben, aber nicht den Glauben daran, es auch nutzen zu können.

Richelle konnte sich dank ihrer Selbsthilfegruppe ein kleines Geschäft zu Hause aufbauen (Foto: Kindernothilfepartner)

Richelles Schritt in eine positive Zukunft

So auch Richelle. Mit diesem neu geschöpften Antrieb hat sie sich  ein kleines Geschäft zu Hause aufgebaut: “Ich habe vier Kinder zu Hause, also kann ich nicht weit wegfahren, um zu arbeiten. Aber dann dachte ich mir, wenn ich nicht zur Arbeit kann, hole ich mir die Arbeit eben nach Hause.” Einmal im Monat kauft die Familienmutter Benzin auf dem Festland ein, füllt es zu Hause in kleine Plastikflaschen und verkauft es an die Fischer auf ihrer Insel. Das Startkapital dafür konnte sich Richelle aus dem Fond der Selbsthilfegruppe leihen. Man merkt, dass dieses Gefühl von ‘Ich kann auch etwas!’ noch ganz neu ist. Aber eines ist sicher: Es steht den Frauen richtig gut!

Mehr zu unserem Selbsthilfegruppen-Projekt auf den Philippinen

Danke an unsere deutsche Kollegin Gunhild Aiyub für diesen interessanten Blogbeitrag zum Thema Selbsthilfegruppen!  Die Kindernothilfe-Partner auf den Philippinen setzen sich seit zehn Jahren dafür ein, dass Frauen ein neues, starkes Selbstbewusstsein bekommen. Denn das befähigt nicht nur[...]

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23. Dezember 2017

Post aus dem Kindernothilfe-Projekt iThemba Lethu im südafrikanischen Township Cato Manor

Luyanda, 15, hat ihre Eltern an Aids verloren. Seit zwei Jahren nimmt sie am Projekt der Kindernothilfe iThemba Lethu nahe der südafrikanischen Großstadt Durban teil und ist für ihre Chance, hier sein zu dürfen, sehr dankbar:

 

Ich bin seit zwei Jahren bei iThemba Lethu. Ich habe das Projekt letztes Jahr in der achten Schulstufe kennengelernt, als ich noch nicht wusste, wie sich die Welt um mich herum verändert und welchen Gefahren ich in der Schule begegnen könnte.
Die MitarbeiterInnen von iThemba Lethu haben mir eine andere Sicht auf das Leben gezeigt. Sie zeigten mir, dass man außer Karrierezielen auch andere Ziele im Leben haben kann. Und wie man sein Leben gestaltet – trotz beruflicher oder finanzieller Schwierigkeiten.
Man kann hier mit den MitarbeiterInnen über alles reden. Sie verstehen die Lebenswelt und die Gedanken von Heranwachsenden. iThemba Lethu hat mir viele Dinge bewusst gemacht, und dadurch hat sich mein Leben verändert. Ich verstehe, weshalb ich mich von negativen Einflüssen fernhalten muss und wie meine täglichen Entscheidungen meine Zukunft beeinflussen.
Ich hatte aufgrund des Umfeldes, aus dem ich komme, ein geringes Selbstwertgefühl. Ich sage nicht, dass ich bereits ein gutes Mädchen bin. Aber ich bin langsam auf dem Weg, eines zu werden.
Ich bin dankbar für all das, was mir iThemba Lethu gelernt hat. Unsere LehrerInnen unterrichten uns aus tiefstem Herzen und mit voller Hingabe. iThemba Lethu macht eine wundervolle Arbeit und ich hoffe, dass viele Kinder hier fürs Leben lernen können. Diese Organisation hat mir in den letzten zwei Jahren sehr geholfen. Sie unterstützt mich sehr dabei, erwachsen zu werden und jeden Tag mich persönlich zu verbessern.

Luyanda

 

Zum Projekt:

„I have a destiny – Ich habe eine Bestimmung“, lautet das Motto des Kindernothilfe-Projekts iThemba Lethu im südafrikanischen Township Cato Manor in der Nähe der Großstadt Durban. Das Leben hier ist geprägt von Hoffnungslosigkeit: 6,3 Millionen Menschen in Südafrika leben mit HIV, 60 Prozent davon sind Frauen. 2,3 Millionen Kinder sind als Folge von HIV/Aids bereits zu Waisen geworden.

„Wir müssen schon den Kindern vermitteln, dass sie – entgegen allem, was sie täglich hören und erleben – eine Hoffnung, eine Zukunft haben“, betont daher iThemba-Lethu-Projektdirektorin Karen Brokensha. Das von der Kindernothilfe unterstützte Projekt kümmert sich um Aidswaisen, hilft bei der Suche nach Adoptionseltern und legt einen großen Schwerpunkt auf Bildung und Prävention.

Mehr dazu auf unserer Webseite

Luyanda, 15, hat ihre Eltern an Aids verloren. Seit zwei Jahren nimmt sie am Projekt der Kindernothilfe iThemba Lethu nahe der südafrikanischen Großstadt Durban teil und ist für ihre Chance, hier sein zu dürfen, sehr dankbar:   Ich bin seit zwei Jahren bei iThemba Lethu. Ich habe [...]

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11. Dezember 2017

Hoffnung für Thalente

Fast 40 Prozent der Bewohner der südafrikanischen Region KwaZulu Natal sind HIV-positiv. Die Kindernothilfe setzt sich hier für den Kampf gegen Aids ein und hilft Kindern wie der 13-jährigen Thalente.

Thalente aus Cato Manor (Foto: Manfred Fesl)

Thalente lebt mit ihrem Vater, ihrer Großmutter und den vier Geschwistern in einer Baracke im südafrikanischen Township Cato Manor. Hier, zehn Kilometer entfernt vom Zentrum Durbans, wohnen rund 93.000 Menschen dicht an dicht in einfachen Hütten – die Hygienebedingungen sind unzureichend, Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt gehören zum Alltag. Thalentes Mutter ist an Aids gestorben, ihr Vater ist todkrank. Die Kinder und die gebrechliche Großmutter sind auf sich alleine gestellt.

Kein Einzelschicksal für die Region KwaZulu Natal im Osten Südafrikas: Fast 40 Prozent der Menschen sind hier HIV-positiv, viele davon Kinder und Jugendliche. Täglich kommen neue HIV-positive Babys zur Welt, täglich bleiben Kinder durch den Tod beider Elternteile als Aidswaisen zurück. Das Thema müsste also allgegenwärtig sein. Doch das ist es nicht. Vielmehr ist die schwere Krankheit immer noch ein Tabu.

iThemba Lethu – „ich habe eine Bestimmung“

Hier setzt die Kindernothilfe gemeinsam mit der lokalen Hilfsorganisation iThemba Lethu, übersetzt „Ich habe eine Bestimmung“, an: In sechs Schulen des Townships Cato Manor wird intensive Aids-Aufklärung betrieben – mehr als 500 Schüler zwischen 10 und 15 Jahren erhalten zwei Stunden wöchentlich speziellen Unterricht. Die Themen: HIV/Aids, Beziehungen, Sexualität.

In einer dieser Schulen sitzt auch Thalente. Dicht gedrängt lauschen die 13-Jährigen den Worten der Sozialarbeiterin. Ihr geht es nicht darum, den Jugendlichen zu vermitteln, wie HIV/Aids übertragen wird und wie man sich davor schützt – denn das wissen die meisten ohnehin. Vielmehr geht es darum aufzuzeigen, wie man selbstverantwortlich lebt. Wie man sich selbst wertschätzt, seine Meinung vertritt, auch wenn andere Gleichaltrige vielleicht anderer Meinung sind, wie man seine Grenzen definiert und auch klar aufzeigt. Es geht um die Weitergabe von Werten. „Wir müssen den Kindern zeigen, dass sie – entgegen allem, was sie täglich erleben – eine Hoffnung und eine Zukunft haben“, betont Projektdirektorin Karen Brokensha. „Und wir vermitteln den Kindern, dass sie Einfluss auf ihr Leben haben. HIV wird nicht von Moskitos übertragen, man ist dem Virus nicht ausgeliefert.“

Nachmittags haben die Kinder in offenen Treffen die Möglichkeit, sich mit ihren Problemen und Fragen zur Sexualität persönlich an die Projektmitarbeiter zu wenden. „Seit vier Jahren bin ich Teil von iThemba Lethu“, erzählt Thalente. „Die Projektmitarbeiter sind immer für uns da, wenn wir etwas brauchen, sie sind wie unsere Eltern“, betont die 13-Jährige. Ihr Leben hat sich durch das Kindernothilfe-Projekt deutlich verändert. „Ich habe wieder Hoffnung. Ich bin, wer ich bin – durch iThemba Lethu.“

Mehr dazu auf unserer Webseite

Fast 40 Prozent der Bewohner der südafrikanischen Region KwaZulu Natal sind HIV-positiv. Die Kindernothilfe setzt sich hier für den Kampf gegen Aids ein und hilft Kindern wie der 13-jährigen Thalente. Thalente lebt mit ihrem Vater, ihrer Großmutter und den vier Geschwistern in einer Barac[...]

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60 Jahre „La Victoria“ – ein emblematischer Ort feiert Jubiläum

Dieses Jubiläum hat auch mit Kindernothilfe und der Geschichte der KNH-Chile-Arbeit zu tun! Die emblematische Armenviertel-Siedlung „La Victoria“ an der Südperipherie des Stadtzentrums von Santiago de Chile in der heutigen Kommune Pedro Aguirre Cerda feierte am 30. Oktober ihren 60. Gründungstag.

Lateinmerika 2005 (Foto: Jürgen Schübelin)

La Victoria ist zusammen mit Agüita de la Perdíz in Concepción (wo Kindernothilfe  ebenfalls engagiert ist), die älteste Armenviertelsiedlung Lateinamerikas, die aus einer toma, einer organisierten Landbesetzung durch wohnungslose Familien, hervorgegangen ist. Im Morgengrauen des 30. Oktober 1957 hatten die ersten pobladores (wie man in Chile Armenviertelbewohner nennt), Brachland im Sektor Chacra de Fería mit ihren Zelten und mitgebrachten Habseligkeiten in Beschlag genommen und dort als Zeichen dafür, dass sie durch ihre Aktion vom Staat ihr Recht auf menschenwürdiges Wohnen einfordern, die chilenische Flagge gehisst.

Die pobladores von La Victoria gingen mit ihrem Engagement und ihrer von langer Hand vorbereiteten Landbesetzung in die sozialwissenschaftliche Literatur Lateinamerikas ein. Victor Jara, der unvergessene chilenische Liedermacher und vom Pinochet-Regime ermordete Kulturaktivist hat die Geschichte von La Victoria und den Überlebenskampf seiner Bewohner in seinen Liedern besungen. Während der Zeit der Diktatur (1973 – 1990) war dieser Ort immer auch ein geographisches und politisches Zentrum des Widerstands und der Versuche, zumindest auf lokaler Ebene demokratische Freiräume am Leben zu erhalten. Einer der Armenviertelpriester aus La Victoria, André Jarlán, bezahlte dieses Engagement mit seinem Leben. Er starb am 4. September 1984 bei einer Polizeiaktion in La Victoria durch eine – angeblich verirrte – Kugel aus der Dienstwaffe eines Carabiñero.

Kindertagestätte „La Victoria“ (Foto: Jürgen Schübelin)

Insel der Zuversicht – Kindertagesstätte „La Victoria“

Seit Anfang der achtziger Jahre engagieren sich die Kindernothilfe und ihre chilenische Partnerorganisation, die Fundación ANIDE, in Kooperation mit der örtlichen katholischen Kirchengemeinde, um die Arbeit des gleichnamigen Kinder-, Jugend- und Stadtteilprojekt Nuestra Señora de la Victoria zu ermöglichen. Heute ist dieses Zentrum mit seiner engagierten Arbeit einer der wichtigsten Orte in La Victoria, um der wachsenden Gewalt im Stadtteil entgegen zutreten.

In den zurückliegenden Jahren kamen zudem erhebliche neue Herausforderungen auf das traditionsreiche Armenviertel und seine Bewohner zu: An kaum einem anderen Ort in Santiago war der Zuzug von Familien aus Haiti, die nach dem Erdbeben vom Januar 2010 und im Gefolge der anhaltenden Hunger- und Politik-Krisen in den Karibikstaat Zuflucht in Chile gesucht haben, so groß wie in La Victoria. Die Aufnahme dieser Neu-Hinzugekommenen organisierten die Nachbarschaftsorganisationen und das Nuestra Señora de la Victoria-Projektteam in bewährter Manier: Unaufgeregt und mit viel Erfahrung beim Bohren dicker Bretter.

Mehr zu unserem Projekt in La Victoria

Dieses Jubiläum hat auch mit Kindernothilfe und der Geschichte der KNH-Chile-Arbeit zu tun! Die emblematische Armenviertel-Siedlung "La Victoria" an der Südperipherie des Stadtzentrums von Santiago de Chile in der heutigen Kommune Pedro Aguirre Cerda feierte am 30. Oktober ihren 60. Gründungstag.[...]

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