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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

6. Januar 2021

Bildung: Handeln bevor es zu spät ist

Die Wiedereröffnung der Schule bedeutet nicht, dass die Ausbildung wieder auf Kurs ist. Zunächst bleiben die Schulen in über 50 Ländern geschlossen, von denen mehr als 800 Millionen Schüler betroffen sind. Die Ärmsten schaffen es möglicherweise nie wieder zur Schule, getrieben von Armut in Kinderarbeit oder frühe Ehe. Fernunterricht war für ein Drittel der 1,6 Milliarden Schüler, die weltweit von Schulschließungen betroffen sind, unerreichbar. Sie laufen Gefahr, gänzlich aus dem Bildunsgsystem zu fallen, wenn die Schulschließungen fortgesetzt werden.

Coronabedingte Schulschließungen treffen Kinder aus ärmsten Verhältnissen besonders hat
Coronabedingte Schulschließungen treffen Kinder aus ärmsten Verhältnissen besonders hat

Die Coronakrise droht jahrzehntelangen Fortschritt zu untergraben. Zum ersten Mal seit seiner Konzeption wird der Human Development Index voraussichtlich sinken, wobei ein Drittel seiner Maßnahmen auf Bildung entfällt. Mindestens 24 Millionen Schüler von der frühen Kindheit bis zur Sekundarschule und Universität sind allein aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID vom Schulabbruch bedroht. Kleine Kinder mussten in essentiellen Vorschuljahren wichtige Gesundheits-, Ernährungs- und frühkindliche Förderungseinbußen hinnehmen. Jugendliche haben gesehen, wie Kompetenzzentren ohne Alternative geschlossen wurden. Lernende mit Behinderungen blieben ohne Unterstützung. Mädchen sind vermehrt Gewalt und vorzeitiger Heirat ausgesetzt. Die Alphabetisierungsprogramme für Erwachsene wurden unterbrochen. Studenten konnten es sich nicht leisten, ihr Studium fortzusetzen.

Bildung muss Priorität eingeräumt werden

Die Welt war bereits vor der Pandemie mit einer Lernkrise konfrontiert. Jetzt könnte es zu einer Generationskatastrophe werden, wenn nationale Regierungen und die internationale Gemeinschaft Bildung nicht als Sprungbrett für den Aufschwung priorisieren. Denn so wie es jetzt ist, wird Bildung nicht genug Bedeutung beigemessen. Die allgemeine und berufliche Bildung erhält einen nahezu unsichtbaren Anteil an Konjunkturpaketen, die von Ländern zur Unterstützung der Erholung von der COVID-19-Krise eingerichtet wurden – 0,78 Prozent oder 91,2 Milliarden USD nach vorläufigen Untersuchungen der UNESCO. Europa und Nordamerika haben den größten Betrag für Bildung bereitgestellt (56,9 Mrd. USD), gefolgt von Asien und dem Pazifik (30,5 Mrd. USD), während andere Regionen vorraussichtlich nur rund 3,8 Mrd. USD vorgesehen haben. Der IWF-Policy-Tracker stellt fest, dass nur 37 von 196 Ländern und Gebieten die allgemeine oder berufliche Bildung in ihren steuerlichen Maßnahmen, insbesondere Konjunkturpaketen, abdecken. Die Staats- und Regierungschefs haben sich kaum auf Bildung bezogen, als sie sich im November 2020 virtuell bei den Vereinten Nationen trafen, um Prioritäten für die Finanzierung der Entwicklung nach COVID-19 zu setzen.

Dies hält der wirtschaftlichen Logik nicht stand. Die Erholung kann kein Wettbewerb um Mittel sein, sondern ein Wettbewerb, der auf den Zusammenhängen zwischen Bildung, Gesundheit, Arbeitsplätzen und der Bekämpfung von Armut und Ungleichheit aufbaut. Der Zugang zu Bildung hat lebenslange Auswirkungen auf Wohlbefinden, Einkommen und Gleichstellung der Geschlechter. Der Finanzraum schrumpft überall, aber zumindest müssen die Bildungsbudgets geschützt, wenn nicht sogar erhöht werden, um das gleiche Ausgabenniveau aufrechtzuerhalten. Es ist moralisch inakzeptabel, die Regierungen zwischen der Finanzierung wesentlicher öffentlicher Güter und der Bedienung von Schulden wählen zu lassen.

Die Kosten der Bildungskrise

Jeder verlorene Schultag kostet etwas. Bildung wird einige Zeit brauchen, um sich von der aktuellen Situation zu erholen. Durch die Pandemie wird die Finanzierungslücke für Bildung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen um ein Drittel auf bis zu 200 Mrd. USD pro Jahr vergrößert. Die Erholung erfordert jetzt Investitionen in Kampagnen zur Wiederbelebung der am stärksten ausgegrenzten Schüler, in Nachhol- und Zweitchance-Programme sowie in Gesundheits- und Hygieneeinrichtungen, um sicherzustellen, dass Kinder und Lehrer in der Schule sicher sind. Da sich die Pandemiekurve bei weitem nicht abflacht, sind Investitionen in Remote- und Online-Lernoptionen erforderlich, da diese zu einem unvermeidlichen Bestandteil der „neuen Normalität“ werden. Allerdings haben Subventionen in die Bildungssysteme vieler Länder bei vielen Unterstützern bereits an Priorität verloren und machen weniger als 11% der gesamten offiziellen Entwicklungshilfe. Infolge von COVID-19 drohen sie um weitere 12% zurückgehen.

Bildungssysteme müssen gestärkt werden

Kinder und Jugendliche zahlen bereits einen hohen Preis für die Gesundheitskrise, die Pandemie darf nicht den Todesstoß für ihre Ausbildung – und ihre Zukunft – auslösen und unsere Bildungssysteme zusammenbrechen lassen.

Indem jetzt die richtigen Investitionsentscheidungen getroffen werden, anstatt zu warten, könnte die zusätzliche Finanzierungslücke, die durch die Pandemie entsteht, um drei Viertel verringert werden. Die Staats- und Regierungschefs der Welt sind aufgefortdert, sich zum Schutz ihrer Bildungsbudgets zu verpflichten und solidarisch zu handeln, um die am weitesten hinten stehenden Personen zu unterstützen und so einen Bildungsausfall zu verhindern, der die Ungleichheiten vertiefen, die menschliche Entwicklung überall beeinträchtigen und das ohnehin fragile soziale Gefüge unserer Gesellschaften bedrohen würde.

Die COVID-19-Generation verdient ein besseres Angebot für die Zukunft, und dies beginnt mit dem Versprechen einer angemessenen und qualitativ hochwertigen Ausbildung.

Die Wiedereröffnung der Schule bedeutet nicht, dass die Ausbildung wieder auf Kurs ist. Zunächst bleiben die Schulen in über 50 Ländern geschlossen, von denen mehr als 800 Millionen Schüler betroffen sind. Die Ärmsten schaffen es möglicherweise nie wieder zur Schule, getrieben von Armut in Ki[...]

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1. Januar 2021

2020: So haben wir gemeinsam geholfen

2020 war ein Jahr der anderen Art und überall auf der Welt hatten wir uns dafür wohl etwas anders vorgestellt als Quarantäne, Lock-Downs, MNS, Homeoffice und Distance Learning. Nähe war plötzlich gefährlich, jeder Kontakt musste gut überlegt sein, nichts war mehr „normal“.

Was hat uns 2020 alles abverlangt! Und erst dem Mädchen, dessen Schule geschlossen wurde und das vielleicht nie wieder ins Klassenzimmer zurückkehrt, weil die Eltern es lieber früh verheiraten und dadurch Kosten sparen. Und dem Buben, der arbeiten muss, um zu Hause satt zu werden, und der nun hungert, weil es keine Arbeit gibt. Und den Kindern, die auf der Straße leben, weil niemand sich um sie kümmert.Covid-19 traf die am härtesten, die ohnehin ums Überleben kämpfen mussten. Sie brauchten mehr denn je Unterstützung, um ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben verwirklichen zu können.

Corona-Einsatz in Guatemala

In einigen Gemeinden haben unsere Partner vor Ort Schutzmasken
und Desinfektionsmittel an Risikogruppen verteilt. Besonders bedürftige Familien erhielten Lebensmittel. Zusätzlich wurden Hygiene- und Präventionssets an Straßenkinder verteilt. Sie waren besonders gefährdet, da die hygienischen Bedingungen auf der Straße katastrophal waren.

Sofort-Maßnahmen nach der Explosion in Beirut

Die Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut Anfang August war für die Bevölkerung ein weiterer Albtraum, die bereits unter der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte und dem durch COVID-19 überlasteten Gesundheits-system litt. Viele Kinder und ihre Familien verloren ihre Lebens-grundlage. Unsere Katastrophen-Hilfe stellte Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Hilfe und Schutzausrüstungen bereit. Außerdem wurden die Aufräumarbeiten unterstützt und traumatisierte Kinder psychosozial betreut.

COVID-19 Prävention in Ähiopien

Neben der Corona-Pandemie hatten die Menschen in Äthiopien mit den Folgen der Heuschreckenplage zu kämpfen. Die verlorenen Ernten gefährdeten die Ernährungssicherheit. Unser Partner fuhr mit Lautsprechern auf Autos durch die Dörfer und informierte über Hygienemaßnahmen. Zusätzlich wurden 2.508 Seifen an die ärmsten Familien verteilt.

Zukunftssicherung für Kinder in Ruanda

In Huye haben rund 80% der Bevölkerung keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser, medizinischer Versorgung und Bildung. Dem Großteil der Jugendlichen fehlt jede Zukunftsperspektive, lebt von der Hand in den Mund, treibt sich auf der Straße herum und rutscht in die Drogenszene und Kleinkriminalität ab. Die Mandazi-Aktion mit dem Ybbser Bäckermeister Alexander Weinberger ermöglichte die Mandazi-Bäckersausbildung arbeitsloser Jugendlicher und ihr eigenes Einkommen.

Katastropheneinsatz nach Zyklon Amphan

Im Mai stellte einer der schlimmsten Zyklone der letzten Jahrzehnte Millionen Menschen an der indischen Küste vor das Nichts. Hunger, Durst, katastrophale Hygienebedingungen und überfüllten Schutzräume wurden durch das Corona-Virus dramatisch verschärft. Durch schnelle Humanitäre Hilfe vor Ort konnten wir die Hygienesituation in den Notunterkünften verbessern und Familien mit nötigen Medikamenten, Wasser-aufbereitungstabletten und lebensnotwendigen Mahlzeiten versorgen.

Existenzsicherung in Chile

Die Corona-Pandemie traf auch in Chile vor allem
die Ärmsten. Hunger und Delogierungen aufgrund
von Mietschulden waren die Ergebnisse der Monate langen Ausgangssperre. 211 besonders betroffene Familien mit insgesamt 421 Kindern in den Armenvierteln von Santiago erhielten Lebensmittelpakete, Medikamente, sowie Bargeld zur Deckung der monatlichen Kosten von Miete, Strom und Wasser.

2020 war ein Jahr der anderen Art und überall auf der Welt hatten wir uns dafür wohl etwas anders vorgestellt als Quarantäne, Lock-Downs, MNS, Homeoffice und Distance Learning. Nähe war plötzlich gefährlich, jeder Kontakt musste gut überlegt sein, nichts war mehr "normal". Was hat uns [...]

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29. Dezember 2020

Der Einfluss von COVID-19 auf die Kinderehe in Bangladesch

Saeda Bilkis Bani hat kürzlich ländliche Gebiete in Bangladesch besucht, um die Auswirkungen von COVID-19 auf die Kinderehe zu verstehen, eine schädliche Praxis, die eine globale Herausforderung darstellt. Die grundlegende Veränderung, die sie beobachten konnte, war, dass die Frühverheiratung von Mädchen, die normalerweise von Eltern in finanziellen Schwierigkeiten ausgegangen ist, jetzt von den Mädchen selbst angestrebt wird. Dieser besorgniserregende Trend unterstreicht eine neue Belastung der Armen durch die Pandemie.

Eine Eheschließung vor dem 18. Lebensjahr ist eine grundlegende Verletzung der Menschenrechte. (IPS)
Eine Eheschließung vor dem 18. Lebensjahr ist eine grundlegende Verletzung der Menschenrechte. (IPS)

Eine Eheschließung vor dem 18. Lebensjahr ist eine grundlegende Verletzung der Menschenrechte. Dennoch berichtete UNICEF im April, dass die Zahl der in der Kindheit verheirateten Mädchen weltweit 12 Millionen pro Jahr beträgt. Laut dem Bericht über den Stand der Weltbevölkerung 2020 des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen droht COVID-19, diese erschreckende Zahl noch zu verschlimmern. Die Agentur schätzt, dass COVID-19 die Anstrengungen zur Beendigung der Kinderehe vereiteln könnte, was möglicherweise dazu führen wird, dass zwischen 2020 und 2030 weitere 13 Millionen Kinderehen geschlossen werden, die sonst hätten abgewendet werden können. 

Die Herausforderung ist nicht nur die das Corona-Virus selbst, sondern auch die Folgen deswegen – insbesondere die Auswirkungen von Schulschließungen, die seit März auf nationaler Ebene wirksam sind. Der Übergang vom Präsenzunterricht zum Online-Lernen kann leicht machbar erscheinen, stellt jedoch entlegene und ärmliche Gemeinden vor neue Herausforderungen. Was Saeda Bilkis Bani beim Besuch ländlicher Gemeinden miterlebte, waren Mädchen, die von Schulschließungen betroffen und total gelangweilt waren. In der Regel fehlen ihnen Internetzugang, Fernsehen und Smartphones. Analoge Telefone sind das einzige leicht verfügbare Kommunikationsmittel, und zu oft können die Eltern zu Hause keine Schulbildung aufrechterhalten.

Die Mädchen sind zu Hause, weil es ihnen im Gegensatz zu ihren männlichen Altergenossen von ihren Eltern generell verboten ist, das Haus unnötig zu verlassen. Schulschließungen werden dadurch doppelt einschränkend. Allzu oft hatten die Mädchen, die Saeda Bilkis Bani sah, einen glasigen Ausdruck in den Augen. Sie sahen keine Zukunft für sich. Ohne Schule waren ihnen die Möglichkeiten genommen. Der tägliche Effekt war zermalmend. Die einzige Flucht war die Kinderehe. 

Dass sie nun selbst anstelle ihrer Eltern eine Kinderehe anstreben, ist verheerend. Dies könnte die Aussichten und das Potenzial von Mädchen weltweit einschränken.

Verheiratete Frauen und Mädchen sind häufig Missbrauchsopfer durch intime Partner. (Foto: Jakob Studnar/WAZ)
Verheiratete Frauen und Mädchen sind häufig Missbrauchsopfer durch intime Partner. (Foto: Jakob Studnar/WAZ)

COVID-19 setzt Frauen und Mädchen aber noch anderen Risiken aus. Die Lockdowns haben viele Männer arbeitslos gemacht. Sie sind daher tagsüber zuhause und stellen häufig Anforderungen der einen oder anderen Art. Die Belastung für Frauen – mehr Essen zuzubereiten, mehr zu putzen, das häusliche Leben zu erhalten – steigt. Die mit der Arbeitslosigkeit einhergehenden finanziellen Probleme führen nicht selten zu innerfamiliärem Stress und das Potenzial für Gewalt wächst, insbesondere wenn Ehemänner mehr Geld von den Familien der Ehefrauen verlangen – eine Hauptursache für häusliche Gewalt.

Das Ausmaß des Problems ist jedoch noch größer. Laut einer Umfrage des Statistikamtes von Bangladesch und des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015 waren mehr als 70 Prozent der verheirateten Frauen oder Mädchen in Bangladesch irgendeiner Form von Missbrauch durch intime Partner ausgesetzt. Etwa die Hälfte von ihnen gibt an, dass ihre Partner sie körperlich angegriffen haben. Und das Problem ist global. COVID-19 hat gezeigt, dass Mädchen und Frauen in der Lage sein müssen, eine Zukunft voller Chancen für sich selbst zu sehen. Bei der Bekämpfung von COVID-19 muss die Welt zu dieser Offenbarung erwachen. COVID-19 sollte nun zum Katalysator für die Welt werden, um eine Zukunft der Chancen für Mädchen und Frauen zu ermöglichen – eine Zukunft ohne geschlechtsspezifische Gewalt.

In der bengalische Verfassung sind Männer und Frauen gleich, nicht aber in seiner Kultur. (Foto Jakob Studnar)
In der bengalische Verfassung sind Männer und Frauen gleich, nicht aber in seiner Kultur. (Foto Jakob Studnar)

Grundsätzlich sind Männer und Frauen in Bangladeschs Verfassung und Gesetz gleich, aber nicht in seiner Kultur. Um diesen kulturellen Wandel herbeizuführen, ist neben der sozialen Stärkung von Mädchen und Frauen auch eine wirtschaftliche Stärkung erforderlich. Es bedarf unter anderem einem allgemeinen Sinneswandel, der Gleichstellung im Alltag und Mentoring, damit Frauen und Mädchen eine Zukunft sehen können, die sie beeinflussen können. Ebenso sind berufliche Ausbildungsangebote nötig, die ihnen die Perspektive geben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten und ihr eigenes Einkommen zu verdienen. Darüber hinaus würden Mikrofinanzierungsmöglichkeiten helfen, damit auch Frauen Kredite erhalten und sich eine eigene Existenz aufbauen können.

Saeda Bilkis Bani hat kürzlich ländliche Gebiete in Bangladesch besucht, um die Auswirkungen von COVID-19 auf die Kinderehe zu verstehen, eine schädliche Praxis, die eine globale Herausforderung darstellt. Die grundlegende Veränderung, die sie beobachten konnte, war, dass die Frühverheiratung v[...]

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26. Dezember 2020

Ein liebevolles Zuhause im Norden Thailands

In der nordthailändischen Provinz Chiang Ra steht das Kinderhaus am Schönen Berg – für oft staatenlose Waisenkindern bedeutet BAAN DOI nicht nur umfassende physische und psychische Versorgung sowie Schulbildung, sondern vor allem eine neue Familie, auf die sie sich verlassen können und die alles tut, damit es ihnen gut geht.

Tom übt Lesen mit den Kindern. (Foto: Baan Doi)
Tom übt Lesen mit den Kindern. (Foto: Baan Doi)

Die Österreicherin Barbara Meisl und ihr Team haben in den vergangenen Jahren verschiedene Arbeitsstruktur-Konzepte ausprobiert, um den Mädchen und Buben die bestmögliche Betreuung gewährleiten zu können. Jetzt, als ein positiver Nebeneffekt der hausinternen Covid-19 Präventionsmaßnahmen, hat sich ein Rhythmus gefunden, der bestens funktioniert und der in Zukunft auch so beibehalten werden soll. Die vier Kinderbetreuer arbeiten jeweils zu zweit in Wochenschichten. Jeden Sonntagmorgen, vor dem Schichtwechsel findet eine gemeinsame Besprechung statt, um die vergangene Woche Revue passieren zu lassen und für die kommende Woche zu planen. Die Besprechungen sind für die Leiterin persönlich sehr wichtig, damit sie über die Veränderungen und Entwicklung der Kinder erfährt, und auch um für die KinderbetreuerInnen da sein zu können, falls sie ihre Unterstützung brauchen.

Es motiviert mich sehr zu sehen, mit wieviel Herzblut sich unsere KinderbetreuerInnen der Planung und Realisierung ihrer Arbeit widmen.

Barbara Meisl, Gründerin und Leiterin von BAAN DOI
Barbara Meisl und ihr Team bei einer der wöchentlichen Besprechungen. (Foto: Baan Doi)
Barbara Meisl und ihr Team bei einer der wöchentlichen Besprechungen. (Foto: Baan Doi)

Generell sind die KinderbetreuerInnen für alles zuständig, was von morgens bis abends zu organisieren ist. Neben den täglichen Aktivitäten haben sind die Verantwortungsbereiche in folgende vier Hauptkategorien eingeteilt: Medizinische Versorgung, Bildung, entwicklungsfördernde Aktivitäten und praktische Fähigkeiten/Dokumentation. Der/die jeweils zuständige KinderbetreuerIn schreibt auch den Bericht in der jeweiligen Kategorie, der im jährlichen Entwicklungsbericht für jedes Kind zusammengefasst wird.

Die KinderbetreuerInnen verbringen aber nicht nur Zeit mit den Kindern im BAAN DOI Zuhause, sondern auch auf der Farm der Organisation. Dort lernen die Kinder die verschiedenen essbaren Pflanzen kennen, wie man sie aufzieht und wann man sie ernten kann.

Herausforderungen und Kraftquellen: 4 BetreuerInnen teilen ihre Arbeitserfahrungen

Yasong Chaphue, auch Vee genannt, ist vom Bergstamm der Akha und in verschiedenen Internaten aufgewachsen. Seit dem Abschluss der Schule hat er immer mit Kindern gearbeitet. Im BAAN DOI-Team bringt er sich seit zwei Jahren ein. Sein besonderer Verantwortungsbereich ist das Organisieren von Aktivitäten wie Musik, Kunst, Sport und vieles mehr.

Vee im Kunstkurs mit den Kindern (Foto: Baan Doi)
Vee im Kunstkurs mit den Kindern (Foto: Baan Doi)

Meine größte Motivation ist die Arbeit mit den Kindern selbst. Es macht mich richtig glücklich für sie da zu sein und ihnen meine Zeit zu schenken und Fertigkeiten mit ihnen zu teilen.

Baan Doi ist ein ganz spezieller Ort für mich. Die Art und Weise wie wir zusammenleben. Wir verbringen unsere Zeit gemeinsam und genießen das. Es ist auch ganz besonders füreinander da zu sein und gemeinsam zu lernen, sich bei Unstimmigkeiten immer wieder zu versöhnen. Das ist etwas, das ich den Kindern vorleben möchte, einander zu vergeben.

Die größten Herausforderungen? Die Arbeit in unserem großen 15-köpfigen Team mit so verschiedenen kulturellen Hintergründen. Das fordert mich ganz schön, weil so vieles neu ist und ich so eine Struktur vorher noch nie erlebt habe. Doch ich arbeite an mir selbst und übe mich darin Ungleichheiten und neue Konzepte zu akzeptieren und konzentriere mich auf das, was ich daraus gewinnen kann.

Vee, Kinderbetreuer in BAAN DOI

Pailin Luangthanan, kurz Pop, verspürte nach ihrem Studium in der Verwaltung den Drang etwas Positives zur Gemeinschaft beizutragen, um so auch etwas zurückgeben zu können. Nach fast drei Jahren bei BAAN DOI ist sie die Kinderbetreuerin mit der längsten Erfahrung im Waisenhaus. Pop ist zuständig für den Bereich praktische Fähigkeiten (Handarbeitsprojekt/Landwirtschaft) und für die Dokumente der Kinder.

Pop beim Lesen mit den Kindern (Foto: Baan Doi)
Pop beim Lesen mit den Kindern (Foto: Baan Doi)

Die Kraftquelle in meiner Arbeit im Waisenhaus ist das Leben mit den Kindern selbst. BAAN DOI ist wie eine Familie für mich, wir leben gemeinsam und sind aktiv. Durch die viele gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen, formen sich enge Bindungen untereinander.

Ich denke, die allumfassende und gute Pflege, die wir den Kindern bieten, ist sehr viel wert. BAAN DOI ist sehr gut aufgestellt und stellt viele Ressourcen und Möglichkeiten für alle zur Verfügung.

Die Emotionen unserer Jugendlichen sind oft eine Herausforderung für mich, weil sie sich so schnell ändern. Doch ich versuche, sie auf gleicher Ebene zu treffen, sie zu verstehen und ihnen Raum und Freiheit zu geben, wenn sie es brauchen. Ich habe mittlerweile gelernt, die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder zu erkennen und mich darauf einzustellen.

Pop, Kinderbetreuerin in BAAN DOI

Doungdee Boontha’s Spitzname ist Tom und wie so viele Menschen in Nordthailand stammt auch sie vom Bergstamm der Akha. Nach der Absolvierung ihres Bachelors arbeitete Tom als Pflegekraft für Alzheimer-, Krebs-und bettlägerige Patienten. Nun ist sie schon seit einem Jahr Teil der BAAN DOI-Familie und mit ihrem außerordentlichen Organisationstalent nicht mehr wegzudenken. Ihr besonderer Verantwortungsbereich ist die medizinische Versorgung.

Tom mit einem der Waisenkinder. (Foto: Baan Doi)
Tom mit einem der Waisenkinder. (Foto: Baan Doi)

Die Kinder sind es, die mich motivieren. Sie sind einfach alle so liebenswert. Gleichzeitig gibt es so viele Dinge, die organisiert werden müssen, also gebe ich mein Bestes. Es macht mich stolz, Verantwortung für die Kinder zu tragen und für sie da zu sein wann immer sie mich brauchen!

Wenn die Kinder mit Problemen zu mir kommen, wird es manchmal ganz schön herausfordernd. Auch wenn sie streiten und einander gar nicht verstehen. Um gute Lösungen zu finden, ist es wichtig, der Wurzel des Problems nachzugehen, ehrlich zu sein und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.

Was ich den Kindern mitgeben möchte? Ich bin eine sehr offene Person und habe ein sehr gutes Herz. Ich kann den Kindern in jeglicher Situation beiseite stehen und ihnen das Gefühl geben, bedingungslos geliebt und umsorgt zu sein. Ich möchte ihnen zeigen, wie wichtig es ist, sich selbst zu achten und ein gutes Selbstwertgefühl und Ziele im Leben zu haben.

Tom, Kinderbetreuerin in BAAN DOI

Uraiwan Pradupphet hört auf Rai und ist das jüngste Mitglied im BetreuerInnen-Team. Sie arbeitet seit einem halben Jahr fix in BAAN DOI. Rai hat Englisch studiert und sich im Bereich HIV/AIDS-Prävention engagiert. Ihr besonderer Aufgabenbereich bei BAAN DOI ist Bildung.

Rai pflückt mit den Kindern Senfblätter und verschiedene Kräuter zum Kochen (Foto: Baan Doi)
Rai pflückt mit den Kindern Senfblätter und verschiedene Kräuter zum Kochen (Foto: Baan Doi)

Was BAAN DOI besonders macht, ist die familiäre Atmosphäre und die Freiheiten, die wir alle haben. Die Strukturen sind flexibel und können auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder und auch der MitarbeiterInnen abgestimmt werden.

Sehr herausforderns ist für mich die Arbeit mit den jüngsten Kindern, denn sie fordert vor allem viel Geduld. Es ist so wichtig, in jedem Moment ein gutes Bewusstsein zu haben und Verständnis zu zeigen.

Meine Stärke liegt in den guten Fähigkeiten, die ich bezüglich Lernen entwickelt habe. Also Methoden, sich Wissen anzueignen, aber auch Methoden zur Persönlichkeitsentwicklung, die ich den Kindern mitgeben kann.

Rai, Kinderbetreuerin in BAAN DOI
Geburtstage werden gebührend gefeiert. (Foto: Baan Doi)
Geburtstage werden gebührend gefeiert. (Foto: Baan Doi)

Mit ihren unterschiedlichen Stärken ist jeder Einzelne ein nicht mehr wegzudenkendes Mitglied der BAAN DOI Familie. Gemeinsam ziehen sie an einem Strang, um die Kinder zu schützen und ihnen die Chance auf eine neue Zukunft zu ermöglichen. Sie geben den Kindern, denen viele Steine in den Weg gelegt wurden, eine Perspektive, durch Konstanz, Zuverlässigkeit, Struktur, viel Liebe und Zuversicht. So gelingt es ihnen, Fuß im Leben zu fassen und an sich selbst zu glauben. Mit dem bedingungslosen Vertrauen, dass BAAN DOI hinter ihnen steht, ihnen den Rücken freihält und sie motiviert und unterstützt.

In der nordthailändischen Provinz Chiang Ra steht das Kinderhaus am Schönen Berg - für oft staatenlose Waisenkindern bedeutet BAAN DOI nicht nur umfassende physische und psychische Versorgung sowie Schulbildung, sondern vor allem eine neue Familie, auf die sie sich verlassen können und die alles[...]

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18. Dezember 2020

Kürbisblätter in Erdnussbuttersauce

Ein Rezept aus Simbabwe, das hervorrragend zu Kartoffelpüree oder Pap passen.

Kürbisblätter in Erdnussbuttersauce
Kürbisblätter in Erdnussbuttersauce

Zutaten für 3 Portionen:
1 Bund Kürbisblätter
1 Teelöffel Speisenatron
1 Teelöffel Salz
500 ml kochendes Wasser
3 Esslöffel Erdnussbutter

Zubereitung:
Die Kürbisblätter unter fließendem Wasser waschen und kleinschneiden. Danach 500 ml Wasser in einem Topf zum Kochen bringen und die Kürbisblätter gemeinsam mit Speisenatron ins kochende Wasser geben.
5 Minuten kochen lassen. Das Wasser abseien, 3 Esslöffel Erdnussbutter hinzufügen und alles gut vermischen. Danach zugedeckt bei niedriger Hitze 5 bis 10 Minuten köcheln lassen.

Ein Rezept aus Simbabwe, das hervorrragend zu Kartoffelpüree oder Pap passen. Kürbisblätter in Erdnussbuttersauce Zutaten für 3 Portionen:1 Bund Kürbisblätter1 Teelöffel Speisenatron1 Teelöffel Salz500 ml kochendes Wasser3 Esslöffel Erdnussbutter Zubereitung:Die Kürbisblätter unt[...]

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