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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

19. März 2018

Afghanistan: Malen und Zeichnen bricht das Eis

„Inklusion ist nicht nur eine gute Idee, sondern ein Menschenrecht. Inklusion bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden darf."

SHIP Projekt (Foto: Kindernothilfepartner)

Ava [Name geändert] ist gehörlos. Als sie vor zwei Jahren in das Inklusionsprojekt SHIP (SERVE's Hearing Impaired Project) aufgenommen wurde, weigerte sich das Mädchen zunächst, die Zeichensprache zu lernen und sich am Unterricht zu beteiligen. Ihre Mutter gab aber nicht auf und ging eine Zeit lang täglich mit in die Schule. Eines Tages sollten die SchülerInnen aufzeichnen, was ihnen viel bedeutete und Ava malte ein schönes Bild von ihrem kleinen Haus. Seit diesem Tag bleibt sie ohne ihre Mutter in der Schule. Sie spielt jetzt mit ihren KlassenkameradInnen und ihre Zeichensprache wird von Tag zu Tag besser. Ava möchte ihre Schulbildung abschließen und vielleicht sogar selbst Lehrerin für hörgeschädigte Kinder werden.

Avas Eltern sind erleichtert. Sie haben nun ein fröhliches Kind zuhause, das sich am Familienleben beteiligt. Auch sie sind schon recht gut in der Zeichensprache und nehmen regelmäßig an Elterntreffen teil, um sich mit anderen Familien, die ein ähnliches Schicksal haben, auszutauschen.

Behinderung ist (k)eine Schande!

Im kriegsgebeutelten Afghanistan leben überdurchschnittlich viele Menschen mit Behinderungen, verursacht durch Landminen- und Granatenverletzungen, schlechte Gesundheitsversorgung, Mangel- und Fehlernährung sowie Verheiratung innerhalb der Großfamilie. Obwohl das afghanische Bildungsministerium bereits vor einigen Jahren Richtlinien für inklusive Bildung verabschiedete, gilt ein Kind mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung in weiten Teilen des Landes nach wie vor als Schande für die Familie.

Unser lokaler Partner SERVE Afghanistan begann sein umfassendes Engagement für Kindern und jungen Erwachsenen mit Behinderung im Jahre 1972. Das Projekt SHIP richtet sich schwerpunktmäßig an hörbehinderte Mädchen und Buben sowie deren Familien in den Provinzen Nangarhat und Laghman östlich von Kabul. Es werden aber auch körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder betreut und gefördert. Ziel ist es, die Lebensqualität durch Rehabilitation zu verbessern und Inklusion in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft zu erreichen.

SHIP Projekt (Foto: Kindernothilfepartner)

Die ProjektmitarbeiterInnen holen die Kinder und ihre Familien dort ab, wo sie stehen - um ihnen genau die Hilfe zuteil werden zu lassen, die sie benötigen. Sie zeigen auf, welche physischen und psychischen Möglichkeiten das Kind hat, und informieren über geeignete Fördermaßnahmen. Darüber hinaus ist es SERVE wichtig, dass die Kinder möglichst nicht zuhause versteckt werden, sondern ihre Eingliederung in eine Regelschule und die Gesellschaft gelingt. Denn neben Eltern und Schule ist die Beteiligung der Gemeinde einer der Grundpfeiler für Inklusion. SERVE hat Gemeinderehabilitationskomitees gegründet. Dort werden die Mitglieder regelmäßig geschult, um sie zu stärken und in die Lage zu versetzen, sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt in der Projektarbeit. Unser Ansatz ist, möglichst viele verschiedene Akteure an der Projektplanung und -Implementierung zu beteiligen und sie zunehmend zu befähigen, die Aktivitäten eigenständig durchzuführen. SERVE unterstützt solange beratend, bis die Verantwortung für das Projekt schließlich ganz in die Hände der Gemeinde übergeben werden kann.

Inklusion ist der Weg zu einer Gesellschaft, in der alle Menschen gleichermaßen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, und in der die Erfüllung von Grundrechten geachtet wird. Dies bedeutet, den Weg in eine menschengerechte, nicht diskriminierende Gesellschaft zu ebnen, damit alle Menschen und insbesondere die vielfältigen, marginalisierten Gruppen, die überall auf der Welt ausgeschlossen werden, ihre Grundrechte wahrnehmen können.

 

Weitere Details zum Projekt "Schule fürs Leben"