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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

15. August 2021

Locro de papa: Kartoffelsuppe aus Ecuador

Suppen werden in Ecuador zu fast jeder Mahlzeit serviert. Die klassische ecuadorianische Kartoffel-Käse-Suppe locro de papa ist vor allem in der Andenregion und der Hauptstadt Quito sehr beliebt. Von manchen wird sie sogar locro quiteño genannt. Wie bei vielen ecuadorianischen Gerichten variieren die Zutaten und die Zubereitung von einer Stadt zur anderen. Bei einigen Varianten der locro de papa wird frischer Mais in die Suppe gegeben, bei anderen wird gehackter Kohl oder Blattgemüse hinzugefügt. Es gibt sogar eine Variante mit Blutwurst namens yaguarlocro.

Die typische Kartoffelsuppe schmeckt nicht nur den Ecuadoriner*innen. (© RitaE auf Pixabay)
Die typische Kartoffelsuppe schmeckt nicht nur den Ecuadoriner*innen. (© RitaE auf Pixabay)

(für 4 Personen)

Dafür brauchen wir:

1 kg Kartoffeln
1 reife Avocado
1 mittlegroße Stange Lauch
2 Knoblauchzehen
2 Zwiebeln
200 ml Milch
500 ml Gemüsebrühe
1 TL Paprikapulver edelsüß
Salz
Pfeffer
2 EL Olivenöl
100 g Sauerrahm
125 g Schafkäse oder Mozzarella
Zum Garnieren: 1/2 TL Kreuzkümmerl

Und so wird’s gemacht:

Kartoffeln schälen und würfeln.

Fett in einem Topf erhitzen und die Kartoffeln darin 10 Minuten dünsten.

Zwiebel klein schneiden und zu den Kartoffeln in den Topf geben. Unter mehrmaligem Umrühren 5 Minuten weiterdünsten, ohne dass die Kartoffeln und Zwiebeln braun werden.

Paprikapulver, Pfeffer und Salz hinzufügen und mit Gemüsebrühe und Milch aufgießen. Alles aufkochen und bei schwacher Hitze 25 Minuten köcheln lassen.

Käse und Avocado-Fruchtfleisch würfeln und in die Suppe geben.
Lauch in kleine Ringe schneiden, anbraten und ebenfalls zur Suppe geben.
Den Sauerrahm dazugießen und noch ein paar Minuten köcheln lassen.

Die Ecuadorianer*innen streuen gerne noch ein bisschen Kreuzkümmel darüber und reichen gerösteste Maiskörner dazu.

Suppen werden in Ecuador zu fast jeder Mahlzeit serviert. Die klassische ecuadorianische Kartoffel-Käse-Suppe locro de papa ist vor allem in der Andenregion und der Hauptstadt Quito sehr beliebt. Von manchen wird sie sogar locro quiteño genannt. Wie bei vielen ecuadorianischen Gerichten variieren [...]

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2. August 2021

Große Pläne trotz Pandemie in Pakistan

Und plötzlich ist alles anders. Lange Zeit kann Adeel mit seinem Lohn als Arbeiter in einer Ziegelbrennerei für sich, die beiden Söhne Chanda und Vinod und seine Frau sorgen. Gesundheitliche Probleme und die Corona-Pandemie haben für die Familie aus der pakistanischen Provinz Punjab vieles verändert – und Mutter Roopa eine berufliche Perspektive eröffnet.

Die Selbsthilfegruppe ist eine Chance in eine bessere Zukunft. (Foto: Kindernothilfepartner)
Die Selbsthilfegruppe ist eine Chance in eine bessere Zukunft. (Foto: Kindernothilfepartner)

Roopas Familie muss sich neu erfinden

Die Arbeit und fehlende Schutzmaßnahmen in der Ziegelbrennerei haben Spuren hinterlassen. In Adeels Lungen und Roopas Gedankenwelt. Ihr Mann kann nicht mehr jeden Tag arbeiten gehen, was das Auskommen der Familie gefährdet. Ein Zustand, den Roopa nicht ohne Weiteres akzeptieren kann und will. Also wird sie aktiv.
Seit kurzem ist Roopa Mitglied einer Selbsthilfegruppe für Frauen der Society for Community Development. Für sie und die anderen Frauen geht es seitdem nicht mehr darum, kurzfristig auftretende Notsituationen zu überstehen, sondern die Situation ihrer Familie langfristig in die eigenen Hände zu nehmen. Von Kleinkrediten hat sie bis zu ihrem ersten Treffen der Selbsthilfegruppe noch nichts gehört. In einem von traditionellen Rollenbildern wie Pakistan geprägtem Land ist der Gedanke der arbeitenden Frau in vielen Köpfen schließlich noch nicht angekommen. In Roopas schon.

Von Sitten und Traditionen bestimmt

Im “Human Development Index” des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen belegt Pakistan Platz 147 von insgesamt 187 Nationen. Die Meinung von Frauen wird oft nicht gehört oder unterdrückt, nicht selten mit Gewalt. Zwangsverheiratungen und Ehrenmorde gibt es hier öfter als in vielen anderen Ländern. Alte Sitten und Traditionen werden weiterhin hochgehalten. Und das, obwohl die pakistanische Verfassung andere Zustände verspricht: Seit 1973 ist dort festgeschrieben, dass keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht werden dürfen. Der Alltag ist trotzdem ein anderer.

Roopa nutzt ihre Chance

Roopa will sich damit nicht abfinden. Kann sie auch gar nicht. Die Krankheit ihres Mannes bringt sie in eine Lage, in der sie – im wahrsten Sinne – etwas unternehmen muss. Bei einem Treffen der Selbsthilfegruppe kommt sie mit zwei Frauen ins Gespräch. Die drei erfahren, dass in einem Haus im Dorf seit einiger Zeit ein Ladenlokal leer steht. Sie erkennen die große Chance, die der kleine Laden für sie bietet. Mithilfe der Mitarbeiter*innen unseres Projektpartners erarbeiten die Frauen einen Wirtschaftsplan und nehmen einen Kredit auf. Das Geld soll dabei helfen, ein eigenes Geschäft für Lebensmittel und Hygieneartikel aufzubauen. Eine Idee, die nicht nur ihnen selbst, sondern auch den Bewohnern im Dorf noch helfen wird.

Banger Blick nach Indien und Erliegen des öffentlichen Lebens

Denn die Corona-Pandemie hat die Lebenssituation im Distrikt Gujranwala der Provinz Punjab massiv verändert. COVID-19 hat auch Pakistan getroffen. Der von der Regierung angeordnete mehr als fünfmonatige Lockdown führte zu erhöhter Arbeitslosigkeit, Nahrungsmangel und einer erheblichen Beeinträchtigung im sozialen Miteinander. Zwar sind die offiziell gemeldeten Infektionszahlen vergleichsweise niedrig, die Dunkelziffer dürfte jedoch ungleich höher liegen. Speziell in den Metropolen Karachi, Lahore oder Islamabad hat sich das Virus flächendeckend ausgebreitet. Ein staatliches Sozial- und Gesundheitswesen gibt es in Pakistan nicht.
Die Provinz Punjab liegt im Osten des Landes, die Grenze zu Indien ist nur gut 50 Kilometer entfernt. Genau dorthin blickt die pakistanische Bevölkerung mit großer Sorge: In Indien wütet Corona seit Monaten in deutlich dramatischeren Ausmaßen. Die pakistanische Regierung will seine Bevölkerung davor schützen und verhängt immer wieder strenge Auflagen. Vor dem muslimischen Eid-al-Fitr-Fest wurden die Maßnahmen noch einmal verschärft. Viele Geschäfte und Märkte wurden geschlossen und auch öffentliche Verkehrsmittel vorübergehend stillgelegt.
Nicht nur Roopa kann sich wegen der Ausgangsbeschränkungen nicht mehr zum Einkaufen in die etwa fünf Kilometer entfernte Stadt aufmachen. Das Dorf ist gefordert: Der Bedarf mit Nahrungsmitteln muss in unmittelbarer Nähe gedeckt werden. Die drei Frauen wollen ihren Teil dazu beitragen.

Vom Bankkonto zum Businessplan

Wie das funktionieren kann, lernen Roopa und ihre beiden Mitstreiterinnen in den Trainings der Selbsthilfegruppe. 44 Frauen in der Region haben so die Möglichkeit bekommen, kleine Unternehmen zu gründen. Die Trainings beginnen dort, wo die Frauen stehen: ganz am Anfang. Wer ein Unternehmen führen will, braucht vor einem detaillierten Businessplan erst einmal ein Bankkonto. Wer ein Bankkonto nutzen will, braucht Grundwissen rund um das Thema Finanzen. Das zu vermitteln, hat die Corona-Pandemie allerdings deutlich erschwert. Die Lebenssituation vieler Menschen hat sich seit COVID-19 spürbar verschlechtert, ihr Zugang zu Hilfsangeboten ist komplizierter geworden. Unzählige Familien sind in Armut geraten.
Zahl und Größe der Trainings unserer Partnerorganisation Society for Community Development (SCD) mussten deutlich verringert werden. Das Projektteam vor Ort war dennoch gefordert, schnell Mittel und Wege finden, um den betroffenen Frauen zu helfen. Unsere Partner und Projekte versuchen alles menschenmögliche, Kindern und ihren Familien schnellstmöglich und langfristig zu helfen.

Asmas Weg in die Selbstständigkeit

Zu ihnen gehört auch Asma aus dem Distrikt Jatoi Muzaffar Garh, 550 Kilometer entfernt von Gujranwala. Von Roopas Weg in die Selbstständigkeit hat Asma natürlich noch nie gehört. Und trotzdem ist sie ein gutes Vorbild für Asmas eigenen Weg. Denn auch sie will ihren Teil zu einem besseren Leben für sich und ihre Tochter Sany beitragen. Ihren Kleinkredit will Asma nutzen, um künftig eigenständig Stickarbeiten zu verkaufen. Die Arbeit vor Ort hilft der Familie nicht nur lang-, sondern auch kurzfristig. Asma hat in der Selbsthilfegruppe gelernt, wie eine ausgewogene Ernährung ihr Immunsystem und das ihrer Kinder stärken kann. Hatte ihnen die Pandemie zu Beginn sehr viel Angst gemacht, sind sie heute froh und blicken zuversichtlich in die Zukunft. „Wir haben viele Pläne für die Zukunft“, sagt Sany. Asma ergänzt: „Und wir lassen sie uns nicht nehmen.“

Ein Kleinkredit ist der Anfang, nicht das Ende

Große Pläne sind auch aus dem Kleinkredit der drei Frauen aus Gujranwala entstanden. Ihr Lebensmittel-Geschäft ist nach der Eröffnung innerhalb kurzer Zeit gut angelaufen. Mit ihrem Angebot helfen sich die Frauen nicht nur selbst, sondern vor allem ihren Mitmenschen im Dorf. Roopa und ihre Mitstreiterinnen planen bereits, ihr Angebot zu erweitern. Ihr Mann und die Kinder müssen sich jetzt keine Sorgen mehr um ihre finanzielle Zukunft machen.

Und plötzlich ist alles anders. Lange Zeit kann Adeel mit seinem Lohn als Arbeiter in einer Ziegelbrennerei für sich, die beiden Söhne Chanda und Vinod und seine Frau sorgen. Gesundheitliche Probleme und die Corona-Pandemie haben für die Familie aus der pakistanischen Provinz Punjab vieles verä[...]

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14. Mai 2021

Trommeln wie in Südafrika

Trommelwirbel hört man in Südafrika immer und überall. Denn ohne geht es nicht. Ob Djembé, Talking Drum, Sanduhrtrommel oder Conga: Das traditionelle Rhythmusinstrument ist bei Festen, spirituellen Ritalen, der Nachrichtenübermittlung oder schlicht im Alltag stets dabei.

Trommel basteln:

  • Trommelbauch: Ton-Blumentöpfe, Waschpulvertonnen, Posterröhren
  • Bespannung: Butterbrotpapier, Kleister
  • Trommelstöcke: Rundhölzer oder Schaschlikspieße oder Äste; Holzperlen oder alte Tennisbälle
  • Papier ganz stramm über den Trommelbauch ziehen – nacheinander 8-10 Blätter über die Öffnung spannen und mit Kleister am Topfrand festkleben. Überstehendes Papier am Topf festkleben oder unter dem Rand abschneiden. Jetzt könnt ihr den Trommelbauch bunt bemalen oder mit Papier bekleben.
  • Für die Stöcke Holzperlen oder alte Tennisbälle auf Stöcke spießen – in das Loch etwas Klebstoff geben, damit die Perlen/Bälle auch halten.

Trommelwirbel hört man in Südafrika immer und überall. Denn ohne geht es nicht. Ob Djembé, Talking Drum, Sanduhrtrommel oder Conga: Das traditionelle Rhythmusinstrument ist bei Festen, spirituellen Ritalen, der Nachrichtenübermittlung oder schlicht im Alltag stets dabei. Trommel basteln: [...]

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5. April 2021

Corona und die Kinder der Armut

Die Corona-Pandemie trifft weltweit die Kinder am härtesten, die ohnehin schon in großer Armut leben. Die Zahl der Hungernden wächst und die Situation von Kinderarbeitern verschlechtert sich.

Maria träumt von einem kleinen Laden, sie möchte Wassereis verkaufen, philippinische Süßigkeiten und Pommes Frites – „um meiner Familie zu helfen, besonders in der Pandemie“. Die 15-Jährige von den Philippinen hat ihren Traum aufgezeichnet, so ist er greifbarer – in einer Zeit, in der gar nichts mehr greifbar, nichts mehr planbar ist. „Ich wünschte, ich könnte mit dem Verkauf dieser Dinge Geld verdienen, um meiner Familie zu helfen.“

Maria von den Philippinen hat ihren Traum gezeichnet: einen kleinen Laden, um Geld zu verdienen und „meiner Familie zu helfen, besonders in der Pandemie“.
Maria von den Philippinen hat ihren Traum gezeichnet: einen kleinen Laden, um Geld zu verdienen und „meiner Familie zu helfen, besonders in der Pandemie“.

Corona hat Kinder auf der ganzen Welt in große Not gestürzt – vor allem die, die schon vorher in extremer Armut gelebt haben. „Die Covid-19-Pandemie hat starken Einfluss auf das Leben von Kindern und Jugendlichen weltweit und wirkt sich negativ auf Grundrechte wie das Recht auf Bildung, Gesundheit und Nahrung aus.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kindernothilfe, die 2020 in Zusammenarbeit mit sechs lokalen Kinderrechtsorganisationen aus Bolivien (PASOCAP), Guatemala (CEIPA), Indonesien (PKPA), Kenia (WCY), den Philippinen (Kaugmaon) und Sambia (JCM) umgesetzt wurde. Mittels Befragungen, Zeichnungen – wie eben der von Maria – und Texten wurden über mehrere Monate hinweg Ansichten, Erfahrungsberichte und Botschaften von arbeitenden Kindern und Jugendlichen und ihren Familien zusammengetragen.

In vielen Ländern gelten Lockdowns und Ausgangssperren – und das schon seit vielen Monaten. Die dramatische Folge: In den ohnehin schon von großer Armut betroffenen Familien ist das Einkommen weiter gesunken. Einige Eltern hatten zuvor mehr als eine Einkommensquelle, doch die Pandemie hat dazu geführt, dass sie entweder arbeitslos geworden sind oder ihr Einkommen um bis zu 50 Prozent geschrumpft ist. Für die Familien bedeutet das vor allem eines: Sie haben nicht mehr genug zu essen.

Der Hunger ist allgegenwärtig

„Ich habe Angst, Corona zu bekommen und zu verhungern, weil es kein Essen gibt“, schreibt eine 15-jährige Haushaltshilfe aus Kenia im Rahmen der Studie. „Wenn wir Arbeit haben, haben wir gutes Essen. Aber wenn nicht, dann essen wir einfach alles, was wir kriegen können oder lassen Mahlzeiten aus“, berichtet ein 16-jähriger Müllsammler von den Philippinen. Und eine elfjährige Haarflechterin aus Sambia lässt ihre Verzweiflung durchklingen: „Das wenige Geld, das wir hatten, haben wir schon immer für Essen ausgegeben. Jetzt aber sind wir komplett von meinem Onkel abhängig, der nicht einmal seine eigenen Grundbedürfnisse abdecken kann.“

Laut Welternährungsprogramm besteht für mindestens 346 Millionen Kinder weltweit, für die zuvor Mahlzeiten in der Schule eine verlässliche tägliche Nahrungsquelle waren, aufgrund der Coronakrise jetzt große Gefahr für Mangelernährung und andere Erkrankungen. Zentrale Erkenntnis der Kindernothilfe-Studie: Die Ernährung arbeitender Kinder und ihrer Familien hat sich durch die Pandemie wesentlich verschlechtert. Kindernothilfe-Partnerorganisationen berichten von Kindern, die wochenlang nur Reis zu sich nehmen oder Gemüse von Plantagen stehlen, um etwas zu essen zu haben.

Die Seele leidet

Dazu mischt sich bei vielen Jugendlichen das schlechte Gewissen: „Seit Corona arbeite ich nicht mehr. Ich kann nicht helfen, meine Familie zu versorgen und kann nicht kaufen, was wir daheim brauchen“, bringt ein 15-jähriger Grabsteinreiniger von den Philippinen seine Sorgen auf den Punkt.

Die Pandemie hat zu einem drastischen Anstieg der häuslichen Gewalt geführt. (© Lars Heidrich)
Die Pandemie hat zu einem drastischen Anstieg der häuslichen Gewalt geführt. (© Lars Heidrich)

Durch die Pandemie leiden auch die Seelen der Kinder. In Kenia wird ein Anstieg der Suizidrate bei arbeitenden Kindern und Jugendlichen wahrgenommen. Viele der Befragten müssen noch schwerere Arbeit leisten und sind von ausbeuterischer Kinderarbeit bedroht. Von den Philippinen häufen sich Berichte über Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung werden. Und aus Bolivien meldet der Kindernothilfe-Projektpartner PASOCAP einen Anstieg häuslicher Gewalt. „Ich höre meine betrunkene Mutter und wie meine Großeltern mit ihr streiten, weil sie nicht aufhört zu trinken“, erzählt ein elfjähriger Feldarbeiter aus Guatemala. Vor der Pandemie waren alle Familienmitglieder durch Arbeit, Schule oder andere auswärtige Verantwortungen eingespannt. Durch die viele Zeit zu Hause steigt auch die Gefahr der Konflikte.

Keine Schule mehr

„Ich habe aufgehört, zur Schule zu gehen. Man ist einfach die ganze Zeit daheim“, schreibt eine elfjährige Straßenverkäuferin aus Sambia die Situation auf den Punkt. Nach offiziellen Angaben sind etwa 1,6 Milliarden schulpflichtige Kinder in mehr als 190 Ländern von den Schulschließungen durch die Corona-Pandemie betroffen. Unter ihnen ein hoher Anteil von Mädchen, die vielleicht nie mehr in ihre Klassen zurückkehren werden.

Diese Entwicklung bestätigt auch die Kindernothilfe-Studie. Durch fehlende technische Möglichkeit haben viele Kinder kaum Zugang mehr zu Bildung. Distanzunterricht ist gerade in den ärmsten Regionen der Welt schlicht unmöglich. „Beim Homeschooling geben uns die Lehrer unsere Hausaufgaben übers Internet. Leider haben meine Eltern und ich kein Geld für mobile Daten. Deshalb gehe ich zu einer Bäckerei in der Nachbarschaft, um vom Parkplatz aus das kostenlose WLAN zu nutzen“, berichtet ein 16-jähriges Mädchen aus Indonesien. Computer, Smartphones oder Internetanschluss können sich viele Familien nicht leisten – wenn es sie denn überhaupt gibt. „Wir bekommen keinen Unterricht, weil die Gemeinde keinen Computer hat“, klagt ein 12-jähriger Textilarbeiter aus Guatemala. Und ein Bäckergehilfe aus seinem Nachbarort ergänzt: „Meine Arbeit hat wenigstens geholfen, die Schulgebühren zu zahlen.“ Viele Eltern können dieses Geld nun nicht mehr aufbringen.

Die weltweiten Schulschließungen betreffen 1,6 Milliarden Kinder. (© Kindernothilfe-Partner)
Die weltweiten Schulschließungen betreffen 1,6 Milliarden Kinder. (© Kindernothilfe-Partner)

Tatsächlich schätzt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, dass mittlerweile mehr als 463 Millionen Kinder weltweit für schulische Bildung nicht mehr erreichbar sind. Ein Teufelskreis: Denn ohne einen Schulabschluss bleibt nur die Arbeit in ausbeuterischen Verhältnissen. „Wir gehen jetzt täglich mit meiner Mutter zur Arbeit. Sie ist Maurergehilfin und ich arbeite mit ihr. Wir nehmen auch meinen achtjährigen Bruder mit, weil er nicht alleine zu Hause bleiben kann“, erzählt eine Zehnjährige aus Guatemala. So sind alle Tage gleich. Und abends sei sie dann immer „sehr müde“.

Hier versucht die Kindernothilfe, die größte Not zu lindern. Mit Lebensmittelpaketen, medizinischer Versorgung, Hygieneschulungen und Hausbesuchen, die unter strengen Corona-Vorschriften möglich sind, werden die Familien in den Projektgebieten betreut. Um den Weg durch diese Pandemie zumindest ein wenig zu erleichtern.

Die Corona-Pandemie trifft weltweit die Kinder am härtesten, die ohnehin schon in großer Armut leben. Die Zahl der Hungernden wächst und die Situation von Kinderarbeitern verschlechtert sich. Maria träumt von einem kleinen Laden, sie möchte Wassereis verkaufen, philippinische Süßigkeiten [...]

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13. März 2021

Unterwegs mit Asekek

Wenn man Asekek aus Markuma (Distrikt Womberma/Äthiopien) fragt, wie sich ihr Leben durch die Selbsthilfegruppe der Kindernothilfe verändert hat, bricht es aus ihr heraus: „Vorher war das Leben schrecklich.“ Die 28-Jährige musste immer schon sehr kämpfen. Ihre Eltern verstarben früh und haben ihr ein bisschen Land und ein einfaches Haus hinterlassen, in dem die Familie mit ihren Tieren – Schafen, Hühnern und ein Ochse – in einem einzigen Raum lebte. Asekek musste nach dem Tod der Eltern nicht nur für ihre eigene vierköpfige Familie, sondern auch für ihren jüngeren Bruder sorgen. Der Ertrag aus der Landwirtschaft reichte häufig nicht, um sie und ihre kleine Familie mit zwei Kindern ausreichend zu ernähren. Besonders schlimm war es während der großen Dürre im Jahr 2016, als sie fast ihre ganze Ernte verloren und hungern mussten.

Als die junge Mutter vor acht Jahren von den anderen Frauen aus dem Dorf von der Selbsthilfegruppe erfuhr, schloss sie sich ihnen gleich an. „Ich wollte etwas ändern, denn so konnte es nicht weitergehen.“ In der Gruppe lernen die Frauen, wie sie mit einer guten Idee und etwas Geld, das sie sich gegenseitig leihen, mehr verdienen und sich aus ihrer Armut befreien können. Das Startkapital kommt von ihnen selbst, besteht aus dem wenigen, was sie sich aus ihren kleinen Einkünften ersparen können.

Asekek ist froh, Teilnehmerin der Selbsthilfegruppe zu sein und ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können (Foto: Christian O Bruch)
Asekek ist froh, Teilnehmerin der Selbsthilfegruppe zu sein und ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können (Foto: Christian O Bruch)

Asekek hat sich damals schnell auf die Herstellung von energiesparende Kochstellen spezialisiert. Die meisten Menschen in ihrer Gegend bereiten ihr Essen immer noch über einer einfachen Feuerstelle mit Steinen als Halterung zu. Dafür wird aber viel Brennmaterial benötigt und Holz ist knapp in der Region. Asekek gießt mithilfe einer speziellen Form nun Öfen aus Beton, die die Hitze besser speichern können und so Ressourcen sparen helfen. Das wird mittlerweile auch von den lokalen Behörden unterstützt, die Werbung für die Kochstellen machen, Bestellungen sammeln und die Abholung der fertigen Betonteile organisieren. Zuvor musste Asekek die schweren Öfen auf ihrem Rücken zwei Stunden bis zum nächsten Markt schleppen. Heute kommt sie mit der Produktion kaum hinterher und beschäftigt zweitweise nicht nur ihren Mann, sondern auch weitere Dorfbewohner, um die Bestellungen termingerecht abzuarbeiten.

Asekek stellt Ofen aus Beton her und verkauft diese erfolgreich in der ganzen Region. (Foto: Christian O Bruch)
Asekek stellt Ofen aus Beton her und verkauft diese erfolgreich in der ganzen Region. (Foto: Christian O Bruch)

Asekek hat es geschafft, sich mit eigener Kraft und dem starken Rückhalt durch die Selbsthilfegruppe aus ihrer hoffnungslos scheinenden Lage zu befreien. Mit Kleinstkrediten unterstützen die Frauen sich gegenseitig bei ihren Geschäftsideen, nutzen die Schulungen durch die örtlichen Partner der Kindernothilfe und bewegen gemeinsam auch größere Projekte zur Verbesserung ihrer Lebensumstände. So gibt es in Markuma es nun endlich auch elektrisches Licht, dank der neuen Biogasanlage, die zu 50 % durch ein staatliches Förderprogramm unterstützt wurde.

Asekek ist glücklich, dass ihre Familie jetzt in einem eigenen Haus lebt. Jeder hat sein eigenes Bett: „Vorher hatten wir nicht mal eine eigene Matratze.“ Und auch die Tiere sind nun in Ställen untergebracht. Durch ihre Arbeit konnte sie ihrem jüngeren Bruder eine Ausbildung finanzieren, der heute Health Officer in einem Krankenhaus in Bahir Dar ist. Auch für ihre beiden Kinder, 11 und 6 Jahre alt, wünscht Asekek sich, dass sie eine gute Ausbildung bekommen und später einen richtigen Beruf erlernen. Sie weiß, wie wichtig das ist. Sie selbst hat die Schule nur bis zur 5 Klasse besucht. Da sie aber lesen und schreiben kann, hat sie die Möglichkeit, sich nebenher auch noch etwas als Sekretärin bei einer CLA dazuzuverdienen.

Asekek mit ihren Kindern in ihrer Werkstatt. (Foto: Christian O Bruch)
Asekek mit ihren Kindern in ihrer Werkstatt. (Foto: Christian O Bruch)

Durch diese Arbeit und die Gewinnen aus dem Ofenverkauf kann Asekek ihre Familie versorgen und das Schulgeld für ihre Kinder bezahlen – und darüber hinaus auch noch etwas zurücklegen. Denn das ist wichtig, weil die weiterführende Schule 12 Kilometer entfernt liegt. Heute läuft ihr älterer Sohn täglich die vier Kilometer zu seiner Grundschule. Für den anschließenden High-School-Besuch muss die Familie ihm dann künftig aber ein Zimmer in der Stadt finanzieren können. Dafür arbeitet Asekek sehr hart, teilweise sieben Tage die Woche, manchmal auch nachts. Sie hat einen schweren Weg hinter sich, aber schon so viel erreicht. Und sie ist zuversichtlich, dass ihre Kinder durch ihren Einsatz ein besseres Leben haben werden.

Wenn man Asekek aus Markuma (Distrikt Womberma/Äthiopien) fragt, wie sich ihr Leben durch die Selbsthilfegruppe der Kindernothilfe verändert hat, bricht es aus ihr heraus: „Vorher war das Leben schrecklich.“ Die 28-Jährige musste immer schon sehr kämpfen. Ihre Eltern verstarben früh und hab[...]

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