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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

17. Juni 2020

Südafrika: Quarantäne für Wohnungslose

Südafrika versucht die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie unter anderem durch die geordnete Unterbringung von Obdachlosen einzudämmen. Drogentherapie, Gesundheitsuntersuchungen, sanitäre Anlagen: Nach außen hin bieten die Einrichtungen für die Schutzsuchenden viele Vorteile. Doch unsere Partnerorganisation Youth For Christ (YFC) berichtet von besorgniserregenden Entwicklungen.

Quarantäneheim für Wohnungslose in Südafrika (Foto: KNH Partner)
Quarantäneheim für Wohnungslose in Südafrika (Foto: KNH Partner)

Insbesondere Obdachlose leiden in Südafrika drastisch unter der COVID-19-Pandemie. Gründe dafür gibt es genug: Vorerkrankungen, beschränkter Zugang zu sanitären Einrichtungen, kein Geld für Hygiene-Produkte. In Südafrika leben Hunderttausende auf den Straßen. Ohne feste Unterkunft versuchen sie, durch Betteln über die Runden zu kommen. Der 18-jährige Lorean ist einer von ihnen. (Name geändert)

Warmes Heim, kalter Entzug

Aktuell verbringt Lorean seine Nächte nicht mehr auf den Straßen von Pietermaritzburg. Gemeinsam mit vielen weiteren Männern, Frauen und Jugendlichen bekam er ein Dach über dem Kopf „geschenkt“ – vorübergehend jedenfalls. Als Teil der Pandemie-Strategie lesen die Behörden in Südafrika Obdachlose auf und bringen sie in temporären Einrichtungen unter. Das Ziel: die Eindämmung einer massenhaften und unkontrollierten Verbreitung des Erregers.

Ein Dach über dem Kopf – aber mit festen Regeln des Zusammenlebens (Foto: KNH Partner)
Ein Dach über dem Kopf – aber mit festen Regeln des Zusammenlebens (Foto: KNH Partner)

Zugleich bedeutet diese meist unfreiwillige Unterbringung für viele Bewohnerinnen und Bewohner auch einen kalten Entzug. Drogen sind in Südafrika ein weit verbreitetes Problem – insbesondere Kinder, die auf der Straße leben, sind betroffen. Viele fürchten sich regelrecht vor den Einrichtungen, weil sie wissen, was dort auf sie zukommt. Mit den Worten „Mein Herz war sehr schwer“ beschreibt Lorean die Ankunft in der Einrichtung.

Corona in Südafrika: Quarantäne als Neuanfang

Und dennoch: Der Grundgedanke ist gut. Aktuell leben 317 Männer zwischen 16 und 37 Jahren in den Schutzräumen. In den weiblichen Unterkünften sind es mittlerweile 58. Ihre Versorgung ist gesichert: Drei Mahlzeiten erhalten die Bewohner jeden Tag. Auch die sanitären Einrichtungen funktionieren, für die Frauen steht sogar heißes Wasser zur Verfügung.

Die Obdachlosen im Quarantäneheim in Pietermaritzburg stehen Schlange bei der Essensausgabe (Foto: KNH Partner)
Die Obdachlosen im Quarantäneheim in Pietermaritzburg stehen Schlange bei der Essensausgabe (Foto: KNH Partner)

Täglich kommen Gesundheitsbeamte und Ärzte in die Einrichtungen und untersuchen die Bewohner auf mögliche Krankheiten. Mögliche Anzeichen einer Ansteckung sollen somit frühzeitig erkannt werden. Damit leisten die hier Festgesetzten ihren Beitrag zur Reduzierung der Fallzahlen in Südafrika. Auch Lorean sieht die Vorteile. Er spricht davon, dass es „keine Probleme mit Drogen mehr gibt“, und versteht den Aufenthalt in der Einrichtung als einen Neuanfang.

Berichte von Gewaltanwendung

Trotzdem gibt es Anlass zur Beunruhigung. Unsere Partnerorganisation Youth For Christ (YFC) ist eine der NGOs in Südafrika, die bis zu vier Mal in der Woche Zugang zu den Einrichtungen haben. In regelmäßigen Meetings tauschen sie sich mit den Jugendlichen über ihre Situation und die Zustände in den Unterkünften aus.

Die Berichte der letzten Wochen waren erschreckend: Die Frauen erzählten von sexueller Ausbeutung durch die örtlichen Sicherheitskräfte. Auch die Suchtpatienten leiden, sämtliche Medikamente wurden abgestellt. Die Entzugserscheinungen trieben viele zur Flucht, die die Sicherheitskräfte jedoch verhinderten – und dabei nicht zimperlich mit den Betroffenen umgingen.

Unser Partner setzt sich für bessere Wohnbedingungen ein

YFC bemüht sich vor Ort um eine Verbesserung der Zustände in den Unterkünften. Erste Fortschritte gibt es bereits: Die Anzahl der männlichen Sicherheitskräfte in den Unterkünfte für Frauen wurde reduziert, dadurch hat die Gewalt durch das Wachpersonal deutlich abgenommen. Im Gespräch mit unseren Partnern von YFC hat Lorean weitere Verbesserungsvorschläge gemacht: Er wünscht sich mehr Mitspracherecht in Bezug auf die Zustände in den Einrichtungen. Dabei denkt er an Foren, in denen sich die Jugendlichen austauschen und gemeinsam über mögliche Verbesserungen beratschlagen können. YFC unterstützt das nach Kräften.

Südafrika versucht die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie unter anderem durch die geordnete Unterbringung von Obdachlosen einzudämmen. Drogentherapie, Gesundheitsuntersuchungen, sanitäre Anlagen: Nach außen hin bieten die Einrichtungen für die Schutzsuchenden viele Vorteile. Doch unsere Partnero[...]

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10. Juni 2020

Corona in Indien: Hunger und Verzweiflung im Armenviertel

Die Corona-Pandemie trifft vor allem Indiens arme Bevölkerungsteile besonders stark. Sie leiden unter den massiven gesundheitlichen, aber auch wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Hunger, Arbeitslosigkeit, Angst und Perspektivlosigkeit bestimmen den Alltag. Im Armenviertel Bhalswa Dairy der Hauptstadt Neu-Delhi hilft unsere Partnerorganisation Deepti Foundation den Betroffenen. Wie erleben sie die Corona-Krise?

Corona im Armenviertel in Neu Delhi: Hunger und Verzweiflung (Foto: KNH Partner)
Corona im Armenviertel in Neu Delhi: Hunger und Verzweiflung (Foto: KNH Partner)

„Die Menschen hier leben in Angst. Sie wissen nicht, wie sie sich und ihre Kinder ernähren sollen“, berichtet Father Santhosh, Direktor der Deepti Foundation, „das ganze Gebiet ist von Armut betroffen“. Über 1000 Familien unterstützt die Organisation mittlerweile in Bhalswa Dairy. Zunächst hatten sie sich erst einmal auf die Familien konzentriert, die sie von ihrer bisherigen Arbeit kannten, aber es wurden immer mehr Bedürftige, die nach Hilfe gefragt haben. Fast täglich verteilen die Mitarbeitenden seit Mitte April große Pakete mit wichtigen Nahrungsmitteln: zehn Kilogramm Reis, fünf Kilogramm Weizenmehl, zwei Kilogramm Dal, ein Kilogramm Zucker und ein Kilogramm Salz gibt es für die Familien. „Eine Tüte reicht für ungefähr zehn Tage“, sagt Father Santhosh.

Lebensmittel für Bedürftige

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Mitarbeitenden von Deepti Foundation vor Ort helfen können. Denn auch in Indien hat die Regierung einen Lockdown veranlasst und sie mussten sich um eine Bescheinigung bemühen, die ihnen es erlaubt, „draußen“ helfen zu dürfen.

Masken sollen eine Ausbreitung des Virus im Armenviertel rund um die Mülldeponie vermeiden (Foto: KNH Partner)
Masken sollen eine Ausbreitung des Virus im Armenviertel rund um die Mülldeponie vermeiden (Foto: KNH Partner)

Zunächst haben die Helfer 5000 Gesichtsmasken gekauft und in Bhalswa Diary verteilt. „Als wir dort angekommen sind, haben wir die erbärmliche Situation der Menschen gesehen. Das gesamte Viertel ist stark von Covid-19 und der Pandemie betroffen“, erzählt der Direktor. „Viele Menschen kamen dann auf uns zu und haben um Hilfe und Essen für ihre Familien gebeten“, sagt er weiter. Denn obwohl die Regierung eine Art Gemeinschaftsküche für die Menschen dort eingerichtet hat, gehen viele Einwohner mit leeren Händen und Bäuchen wieder zurück. „Sie haben keinerlei Ersparnisse, um sich in der Corona-Krise ernähren zu können“, weiß Santhosh.

Aufklärung zu den Schutzmaßnahmen

Die Folgen der Pandemie: 80 Prozent der Menschen sind bereits arbeitslos. Nun stehen sie ohne Einkommen da und wissen oft nicht weiter. Dazu kommt das Gefühl des Bedrohtseins: „Eltern haben Angst um das Leben ihrer Kinder“, so Santosh. Nicht alle haben Gesichtsmasken, um das Virus einzudämmen. „Das Grundrecht eines Kindes auf Überleben steht auf dem Spiel“, betont unsere Partnerorganisation Deepti Foundation. Deswegen machen die Mitarbeitenden vor Ort Umfragen, um so besonders Bedürftige ausfindig zu machen und die Hilfe zu koordinieren.

Mit einem Sicherheitsabstand bekommen die Menschen am Bhalswa Müllberg Grundnahrungsmittel von Helfern überreicht (Foto: KNH Partner)
Mit einem Sicherheitsabstand bekommen die Menschen am Bhalswa Müllberg Grundnahrungsmittel von Helfern überreicht (Foto: KNH Partner)

„Bei der Verteilung der Food-Kits achten wir darauf, dass die Abstandsregeln eingehalten werden und die Menschen Schutzmasken tragen“, betont Father Santhosh. Denn auch Aufklärung gehört zu ihren Aufgaben. Viele Menschen wissen nicht, welche Schutzmaßnahmen es gibt und wie sie mit dem Virus umgehen müssen. Sofern sich mehrere Menschen versammeln, ruft die Organisation die Polizei aus Delhi zur Hilfe. Der Direktor berichtet: „Sie helfen uns immer. Auch wenn sie einen Hilferuf von bedürftigen Menschen erreicht, informieren sie uns und wir wenden uns direkt an die Menschen und können ihnen helfen.“

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18. Mai 2020

Merima lernt lesen und schreiben

Merimas besucht die erste Klasse in Santa Barbara und ihre Augen strahlen, denn sie kann endlich lesen, schreiben und rechnen! Das war nicht immer so! Denn für viele Mädchen und Buben in Guatemala ist eine gute Schulbildung leider alles andere als selbstverständlich. Wie überall auf der Welt, wo der Alltag von bitterer Armut geprägt ist, hat die Bildung der Kinder für viele Eltern, die oft selbst nie eine Schule besucht haben, keinen großen Stellenwert. Statt zu lernen müssen schon die Kleinen ihren Beitrag im täglichen Kampf ums Überleben leisten.

Merima darf endlich lesen und schreiben lernen! (Foto: James Rodriguez)
„Wenn ich groß bin, will ich frei sein!“ (Foto: James Rodriguez)

Guatemala gehört mit mehr als der Häfte seiner Einwohner unter der Armutsgrenze zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Gerade im Hochland, wo ein Großteil der indigenen Bevölkerung lebt, ist die Armut erschreckend allgegenwärtig: In den ländlichen Regionen gibt es kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung und die hygienischen Bedingen sind teilweise äußerst prekär. Fast die Hälfte der Kinder leidet unter Mangelernährung und auch familiäre Gewalt und Missbrauch sind keine Seltenheit.

So auch in Merimas Heimatdorf Santa Barbara, wo viele Kinder am Feld mitarbeiten müssen, um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu verbessern. Für die Schule bleibt da wenig Zeit. Und wenn doch, dann fehlt es den Schülern an einfachen Grundlagen: „Es dauert drei bis vier Monate, bis die Kinder eine Weile stillsitzen oder sich auf eine Sache konzentrieren können“, weiß Debora Velasquez, Schulleiterin an Merimas Schule. Da für die meisten Kinder die Schulzeit nach wenigen Jahren schon wieder endet, kommt Bildung zu kurz. Aber Mädchen und Buben, die nie ordentlich Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt haben, können der Armutsspirale kaum entkommen. Sie enden oft – wenn sie überhaupt Arbeit finden – als schlecht bezahlte Tagelöhner oder wie Merimas Vater als illegale Arbeiter im Ausland, was ihnen auch als Erwachsenen wieder nur ein mehr schlechtes als rechtes Überleben erlaubt.

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und Zukunft

Kinder wollen das Leben entdecken, Lesen lernen, von Berufen träumen, eine Perspektive haben, in Frieden und Freiheit aufwachsen – und sie haben jedes Recht dazu! Kinder haben Rechte, die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in der UN-Kinderrechtskonvention bereits vor mehr als 30 Jahren festgeschrieben wurden. Dazu zählen unter anderm das Recht auf Bildung, auf Teilhabe, auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung sowie auf Schutz vor Gewalt.

Doch weltweit werden immer noch viel zu vielen Kindern und Jugendlichen ihre Kinderrechte verwehrt: Kindern, die nicht zur Schule gehen können. Kindern, die unter ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen arbeiten müssen. Kindern, die auf der Straße leben. Kindern, die keine Zukunftsperspektive haben. Ausbeuterische Kinderarbeit, Kinderhandel, Gewalt und Missbrauch bestimmen stattdessen das Leben vieler Mädchen und Buben. Schlimmste Kinderrechtsverletzungen, die nach wie vor in vielen Ländern tagtäglich passieren und gravierende Folgen für das weitere Leben dieser Kinder haben.

Ein Schulbesuch, der Kinderaugen leuchten lässt

Mit der lokalen Partnerorganisation Sadegua setzen wir uns in der Region rund um Santa Barbara für die Verwirklichung der Kinderrechte ein – Schutz vor Gewalt und Missbrauch, medizinische Versorgung und genug zu Essen, Schulbildung – ein. Merima wird in ihrem Recht, zur Schule zu gehen, durch umfassend geschulte Lehrer (inkl. zu Kinderrechten und Fördermöglichkeiten von Kindern mit Behinderungen) und mit qualitativ hochwertigem Unterrichtsmaterial in kinderfreundlicher Lernumgebung unterstützt. Außerdem haben ihre Eltern in Workshops erfahren, wie wichtig Schulbildung für die Zukunft ihrer Tochter ist, was Kinderrechte bedeuten, wie sie Merimas Gesundheit fördern sowie Anzeichen von Gewalt und Missbrauch erkennen können. Das kleine Mädchen selbst kann im Schulparlament das Schulleben aktiv mitgestalten.

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung. (Foto: James Rodriguez)
Laut Velasquez verlieren die Kinder wichtige Zeit, „wenn sie nicht schon früh ihre motorischen und geistigen Fähigkeiten entwickeln können.“ (Foto: James Rodriguez)

Merima wurde im Kindernothilfe-Projekt durch das Sadegua-Team in den letzten zwei Jahren gut auf die Schule vorbereitet. „Kaum ein Kind kann einen Stift halten, wenn es zu uns in die Schule kommt“, sagt Schulleiterin Debora Velasquez. Mit Malen, Kneten und Basteln werden sie nun kindgerecht gefördert. Inzwischen kann sie sich auf den Unterricht konzentrieren und übt fleißig für die Schule. Sie freut sich wie eine Schneekönigin endlich lernen zu dürfen und so später einmal die Möglichkeit zu haben, ihre großen Pläne für die Zukunft verwirklichen zu können. Aber das ist für viele andere Kinder aus ärmsten Verhältnissen nicht selbstverständlich.

Merimas besucht die erste Klasse in Santa Barbara und ihre Augen strahlen, denn sie kann endlich lesen, schreiben und rechnen! Das war nicht immer so! Denn für viele Mädchen und Buben in Guatemala ist eine gute Schulbildung leider alles andere als selbstverständlich. Wie überall auf der Welt, wo[...]

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8. Mai 2020

Najwas Alltag

Die 14jährige Najwa* aus Aleppo in Syrien, lebt seit fünf Jahren mit ihrer Familie in einem Flüchtlingscamp im grenznahen libanesischen Ghazzé. Heute sieht sie besorgt aus. Normalerweise kocht die Mutter mittags etwas auf dem kleinen Gaskocher vor dem Zelt für sie und ihre sieben Geschwister. Aber heute hat es dafür nicht gereicht. Seit Wochen lebt die Familie auf Sparflamme. Durch die Corona-Krise hat ihr Vater keine Arbeit mehr. Bisher hatte er als Fahrer in einer Möbelfirma gearbeitet, die einem syrischen Flüchtling gehört, und Najwa konnte zur nahegelegenen Damme-Schule gehen.

Najwa fehlt die Schule. (Foto: ALPHA Libanon)
Najwa fehlt die Schule. (Foto: ALPHA Libanon)

Seit der Corona-Krise ist alles anders

Nachdem im Februar der erste Corona-Infizierte entdeckt wurde, hat die libanesische Regierung schrittweise das öffentliche Leben lahmgelegt und auch die Schulen geschlossen. Die aufgrund der Corona-Krankheit verhängten neuen restriktiven Bedingungen der sozialen Distanzierung, der Quarantäne und der Ausgangssperre führten in den Flüchtlingslagern zu einem totalen Einkommensverlust, da die meisten syrischen Flüchtlinge bisher als Tagelöhner in der Landwirtschaft, auf dem Bau oder als Taxifahrer gearbeitet hatten. Auch viele Kinder mussten arbeiten, um das Überleben der Familien zu sichern. Seit dem 15. März ist die Arbeit auf den Feldern und in vielen anderen Bereichen verlangsamt. Nur eines von drei Familienmitgliedern, die auf den Feldern arbeiten, kann einen Tageslohn erhalten, 10 Dollar für 8 Stunden Arbeit. Doch wie soll sich eine zehnköpfige Familie mit 10 Dollar pro Tag über Wasser halten?

Hinzu kommt eine dramatische Finanzkrise, die den Libanon seit Monaten beutelt. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage hatten sich die Lebensmittelpreise schon vor Corona innerhalb weniger Wochen mehr als verdoppelt. Es gibt einen Mangel an Grundnahrungsmitteln. Aufgrund der gestiegenen Preise und fehlenden Einkommensmöglichkeiten können immer weniger Familien ihre Kinder ausreichend ernähren.

Vor der Corona-Krise ging ich morgens in die Damme-Schule, um dort Förderunterricht zu erhalten sowie Computer- und Zeichenunterricht. Ich bin in der siebten Klasse. Viele Mädchen in meinem Alter müssen auf den Feldern arbeiten, ich war sehr froh, dass ich einen Platz bekommen hatte. Um 13 Uhr kam ich ins Lager zurück, aß zu Mittag und ging dann um 14 Uhr in die öffentliche libanesische Schule, da der Unterricht für syrische Kinder dort nachmittags stattfindet.

Najwa, 14

Im Camp eingesperrt

„Jetzt mit Corona bin ich im Lager eingesperrt. Die Schule ist geschlossen. Wir erhalten unsere Hausaufgaben auf dem Handy unseres Vaters, wir lernen ein wenig, spielen im Zelt […]. Die Aufgaben zu machen ist nicht leicht, denn Ruhe zum Lernen gibt es nicht.“, erklärt Najwa.

Najwa vor dem Zelt, in dem sie mit ihrer zehnköpfigen Familie im Flüchtlingscamp lebt. (Foto: ALPHA Libanon)
Najwa vor dem Zelt, in dem sie mit ihrer zehnköpfigen Familie im Flüchtlingscamp lebt. (Foto: ALPHA Libanon)

Im Lager haben die Bewohner Angst: vor Ratten und anderen Tieren und vor dem neuen Virus. Die Familien leben auf engstem Raum, die hygienischen Bedingungen sind schlecht. Soziale Distanz ist hier schwer durchsetzbar. Gemeinsam mit neun anderen Familienmitgliedern teilt sich Najwa ein Zelt. Privatsphäre gibt es da nicht. Latrinen und Duschen nutzt die Familie gemeinsam mit vier anderen Familien. Den Menschen fehlt es an allem. Sie haben keine Masken oder Handschuhe und es gibt keine Seife oder Desinfektionsmittel. Außerdem sind auch diese Preise stark gestiegen. Früher kosteten drei Liter Chlor zwei Dollar, jetzt sind es vier Dollar.

Angesichts der mangelhaften Hygienebedingungen und fehlender medizinischer Hilfe ist die Gefahr groß, dass sich das Virus unter den Bewohnern im Lager verbreitet. Prinzipiell ist das UNHCR für die syrischen Lager und Bewohner zuständig. Bisher gab es aber keine Zelte zur Isolation von Infizierten und auch keine Corona-Tests im Lager. Es wurde eine Hotline eingerichtet, die die syrischen Flüchtlinge anrufen können, wenn sie krank oder in Gefahr sind und für kranke Menschen ist der Zugang zu Krankenhäusern prinzipiell möglich.

Aber was ist mit der Enge und der sozialen Distanz? Die meisten der Lager im Libanon wurden zwischenzeitlich vom UNHCR mit Wasserstoffperoxid besprüht. Das Camp, in dem Najwa mit ihrer Familie lebt, wurde von der Gemeinde mit Hilfe von lokalen Freiwilligen der Damme-Schule besprüht.

Flüchtlingslager im Libanon werden mit Wasserstoffperoxid besprüht. Das soll gegen das Virus helfen. (Foto: ALPHA Libanon)
Flüchtlingslager im Libanon werden mit Wasserstoffperoxid besprüht. Das soll gegen das Virus helfen. (Foto: ALPHA Libanon)

Auch Najwas Mutter ist besorgt. Peinlich genau achtet sie darauf, dass alles sauber bleibt. So wie die anderen Lagerbewohner bezieht die Familie das Wasser aus einem Brunnen. Jedes Zelt hat einen Tank, das Wasser kommt aus einer Leitung zu den Tanks. Dieses Wasser ist allerdings verunreinigt, weil der Brunnen in der Nähe der Abwasserkanalisation gebohrt wurde. Um das Brunnenwasser für den Haushalt zu benutzen, kocht Najwas Mutter das Wasser bei 90 Grad ab. Trinkwasser muss sie zusätzlich kaufen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist die Krätze eine häufige Krankheit. Da das Lager auf einem Feld errichtet wurde, werden die Bewohner immer wieder von Ratten und anderen Nagetieren befallen.

Meine Mutter hat Angst vor dem Virus. Sie ist hysterisch bezüglich des Händewaschens und der Wäsche. Sie putzt den ganzen Tag. Die Nachbarn sind untereinander misstrauisch, jeder vermutet, dass der andere Corona hat…

Najwa, 14

Die Bewohner versuchen, so gut es geht mit der neuen Situation und den Gefahren umzugehen. Auch Najwa fällt es nicht leicht. „Es ist langweilig, meine Brüder und Schwestern ärgern mich. Ich wünschte, ich könnte ein bisschen Privatsphäre haben und hätte ein eigenes Zimmer…“ Die Schule fehlt ihr und sie ist besorgt über die Situation ihrer Familie aufgrund der Corona-Krise und die Zukunft. Aber sie ist dankbar über die Hilfe von außen. Lokale und internationale Organisationen (wie ALPHA Libanon und die Kindernothilfe) verteilen Hygiene- und Lebensmittelkörbe. Jetzt werden Reis, Linsen, Kichererbsen, Spaghetti, Zucker, Milch, Tee und Kaffee wieder auf dem Speiseplan stehen. Und Seife, Chlor zur Desinfektion, Handschuhe, waschbare Atemschutzmasken aus Stoff und Waschmittel werden Najwas Mutter helfen, sich und ihre Familie vor Verunreinigungen zu schützen.

* Name von der Redaktion geändert

Die 14jährige Najwa* aus Aleppo in Syrien, lebt seit fünf Jahren mit ihrer Familie in einem Flüchtlingscamp im grenznahen libanesischen Ghazzé. Heute sieht sie besorgt aus. Normalerweise kocht die Mutter mittags etwas auf dem kleinen Gaskocher vor dem Zelt für sie und ihre sieben Geschwister. A[...]

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2. April 2020

Salima muss nicht mehr Müll sammeln

Müllberge, so weit das Auge reicht. Tausende Kinder verdienen in Neu-Delhi ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln und Sortieren von Abfall. Dafür bezahlen die meisten von ihnen früh mit ihrem Leben. Ein Kindernothilfe-Projekt gibt ihnen Schutz und Bildung – und Hoffnung auf ein Leben abseits der Müllhalde.

Der Gestank ist bestialisch – am Fuße des 60 Meter hohen Müllberges. Ein kleiner brauner See blubbert inmitten der Abfallmassen vor sich hin. Es ist Methangas vom gärenden organischen Müll. Vor allem im Sommer, wenn das Thermometer mehr als 40 Grad misst, kommt es immer wieder zu kleinen Explosionen und Bränden. Die schlechte Luft hier lässt die Augen brennen, den Atem stocken. Unbeeindruckt davon scharen sich Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer in den Müllmengen, durchwühlen sie, warten auf die Ankunft des nächsten Lastwagens, der wiederum Berge von Abfall bringt, 6.500 Tonnen täglich. Und das, obwohl die Bhalswa Deponie – eine der größten Müllhalden der Welt – schon vor Jahren offiziell geschlossen wurde, weil ihre Kapazität völlig ausgeschöpft war.

Hier auf dem „Black Mountain“ – dem schwarzen Berg – landet, was in der indischen Millionenmetropole Neu-Delhi achtlos weggeworfen wird. Haarbänder, der Arm einer Schaufensterpuppe, die Gedärme eines verwesenden Tieres. Und Plastikflaschen. Unmengen an Plastikflaschen. Alles hier hat seinen Wert. Für einen Kilo gebündeltes Altpapier gibt es sechs Rupien (acht Cent), für ein Kilo altes Eisen fünf Rupien (sechs Cent), ein entsorgter Ziegelstein ist eine Rupie wert, am wertvollsten sind Haare. Dafür bekommen die Müllsammler 800 Rupien (rund zehn Euro) pro Kilo. Perücken und Extension werden daraus gemacht.

Auf der Bhalswa Mülldeponie in Neu-Delhi kommen täglich 6.500 Tonnen neuer Abfall an. (Foto: Kindernothilfe)
Auf der Bhalswa Mülldeponie in Neu-Delhi kommen täglich 6.500 Tonnen neuer Abfall an. (Foto: Kindernothilfe)

Der durchschnittliche Tageslohn der Müllsammler liegt bei maximal 150 Rupien, etwa zwei Euro – für eine Hauptstadt wie Neu-Delhi ist das zu wenig. Die Menschen, die in einer der Siedlungen rund um die Bhalswa Deponie wohnen, leben unter prekären hygienischen Bedingungen, weit unter der Armutsgrenze. Zwischen und neben Müll wird gekocht, geschlafen und gespielt.

Doch kann man sich jemals an den Gestank, an die Ratten und kreisenden Greifvögel, an den dauernden Brechreiz gewöhnen? Für Salima stellt sich diese Frage nicht. Sie ist eines von mehr als tausend Kindern, die hier im und vom Müll leben. Dafür bezahlen die meisten von ihnen früh mit ihrem Leben. Müllsammler werden nicht alt. Sie atmen giftige Dämpfe und schädlichen Rauch ein, schneiden sich an scharfen Gegenständen und leiden an entzündeten Wunden. Viele sind unterernährt und anfällig für Krankheiten oder HIV-positiv. Viele schnüffeln Klebstoffe, um der brutalen Realität zumindest für kurze Zeit zu entfliehen. Viele werden Opfer von Gewaltverbrechen, die niemals jemand melden, geschweige denn aufklären wird. An einen Schulbesuch ist meist nicht zu denken, zu hart ist der tägliche Kampf ums Überleben.

„Die Müllhalde ist genau vor unserem Haus und es ist das erste, was ich sehe, wenn ich in der Früh aufwache“, sagt Salima, während sie auf die notdürftige Unterkunft ihrer Familie am Fuße des schwarzen Bergs zeigt. Diebstähle, Vergewaltigungen und Alkohol stünden in den Slums hier an der Tagesordnung. „Wir Mädchen werden schlecht behandelt. Ich mag diesen Ort überhaupt nicht.“, betont das kleine Mädchen.

Wenn ich nur die geringste Chance bekäme wegzugehen, würde ich rennen!

Salima, 10
Bildung ist für die indischen Müllkinder die einzige Chance auf ein Leben abseits der Deponie. (Foto: Kindernothilfe)
Bildung ist für die indischen Müllkinder die einzige Chance auf ein Leben abseits der Deponie. (Foto: Kindernothilfe)

Diese Chance hat Salima nun endlich. Seit der Kindernothilfe-Projektpartner Deepti Foundation ein Nachbarschaftszentrum nahe der Bhalswa Deponie errichtet hat, finden Kinder wie Salima dort Zuflucht, medizinische wie psychologische Betreuung und schulische Förderung. Dafür nimmt sie viel Mühe auf sich. Salima steht morgens um fünf Uhr auf und erledigt all ihre Aufgaben im Haushalt. Erst danach geht sie ins Kinderzentrum, lernt uns spielt, musiziert und nimmt an sportlichen Aktivitäten teil. Holt all das nach, was ihr bisher an kindgerechter Förderung verwehrt geblieben ist. Was ihre Träume sind? „Ich möchte Lehrerin werden. Möchte mein Geld anders verdienen als meine Eltern, die täglich nur im Müll wühlen.“

Förderung und Schutz für Müllsammler

Bis 2013 wurde das Förderzentrum Deepti Ashram noch von der Regierung unterstützt. Seit 2017 führt die Deepti Foundation das Schutzzentrum nun mit Unterstützung der Kindernothilfe. Im gesamten Einzugsgebiet rund um die Müllhalde gibt es mehr als 1.000 betroffene Kinder, von denen 250 derzeit im Projekt aufgefangen sind. Manche von ihnen konnten auf Intervention der Deepti Foundation hin in Schulen außerhalb des Deponiegeländes aufgenommen werden, die anderen werden im Schutzzentrum oder einer der Kindertagesstätten gefördert, 58 besonders schutzwürdige Mädchen und 16 Aidswaisenbuben wohnen in einem eigens geschaffenen Deepti-Wohnhaus, dem Hostel, listet Vater Santhoshmon Garvadis die aktuellen Zahlen des Projekts. Der Deepti-Direktor erzählt weiter, dass die nächste staatliche Schule etwa zwei Kilometer entfernt ist. Da die Straßen, falls überhaupt vorhanden, in einem desaströsen Zustand sind, weigern sich aber viele Eltern aus Angst vor Gewalt und Vergewaltigung, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Auch der Transport zu und von der Schule wird daher im Rahmen des Projekts organisiert.

Im Schutzzentrum lernen die Kinder einen sicheren, fürsorglichen und geregelten Alltag abseits des Müllberges kennen. (Foto: Kindernothilfe)
Im Schutzzentrum lernen die Kinder einen sicheren, fürsorglichen und geregelten Alltag abseits des Müllberges kennen. (Foto: Kindernothilfe)

So steigt auch Santosh täglich in eine Autorikscha, um in seine entlegene Schule gebracht zu werden. Während er lernt, arbeiten seine jüngeren Brüder als Müllsammler. „Als ich noch ein Kind war, konnte ich die frische Luft fühlen, es gab sogar einen Park hier. Die Menschen hatten andere Dinge zu tun“, erinnert sich der 15-Jährige an vergangene, bessere Zeiten. Von diesen kann auch Saakix erzählen: Ganz anders hätte die Gegend hier früher ausgesehen. Es gab keine Straßen, dafür viel Grün und gute Luft. Dann kamen die Züge und Menschen luden ihren Müll ab. Das war der Zeitpunkt, als die Einwohner in der Umgebung mit dem Müllsammeln begannen. So wie der Black Mountain rasant anwuchs, nahm auch die Kriminalität zu, weiß der 13-Jährige. Heute gibt es nur noch Gangs, Drogen und Gewalt. Bereits Kinder ab vier Jahren trinken, rauchen, fluchen derb, brechen Autos auf, stehlen Zigaretten und schnüffeln Klebstoff.

Besonders Mädchen sind in Gefahr

„Ich fühle mich hier gar nicht sicher. Vor allem Mädchen sind nicht sicher“, fürchtet sich Khusboo Kumari. Sie und ihre sechs Schwester leben und arbeiten seit vier Jahren in Bhalswa. Eine ihrer Nachbarinnen hätte vor kurzem beobachtet, wie der Kopf eines Mädchens auf dem schwarzen Berg zugedeckt und weggebracht wurde., berichtet die 12-Jährige aus ihrem tristen Alltag. Dass sie nun endlich wieder lernen darf – im Deepti Ashram – und so vielleicht Hoffnung auf ein Leben jenseits der Müllhalde hat, stimmt Khusboo freudig und optimistisch.

Mädchen wie Kushboo, die besonders schutzbedürftig sind, werden in einem eigenen Mädchenwohnheim der Deepti Foundation untergebracht und betreut. Durch regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten, gute hygienische Bedingungen und medizinische Betreuung verbessert sich der Gesundheitszustand der Kinder erheblich. Bei Bedarf können die Mädchen jederzeit auf psychologische Beratungen und ein Therapieangebot zurückgreifen – was ihnen hilft, erlittene Traumata zu überwinden. Die Kinder besuchen eine Schule ganz in der Nähe des Zentrums und können am Förderunterricht und non-formalen Bildungsangeboten teilnehmen.

Geborgenheit abseits der Müllhalde

Im Innenhof tollen die jüngeren Mädchen herum, spielen Fangen oder Klatschspiele, springen Seil oder tanzen singend herum. Die älteren stehen in kleineren Gruppen zusammen und unterhalten sich. Die Atmosphäre ist gelöst und unbeschwert, die Kinder genießen ihre Pause zwischen den Lerneinheiten. Eines davon ist Kajal, die nun seit zwei Jahren im Mädchenwohnheim der Deepti Foundation wohnt. Das 12-jährige Mädchen, eine von sechs Schwestern, wuchs in ärmlichsten Verhältnissen auf der Bhalswa Deponie auf, wo ihr Vater als Anstreicher und ihre Mutter als Müllsammlerin arbeiten. Da das Einkommen nicht ausreichte, mussten auch sie und zwei ihrer Schwestern mit auf die Müllhalde, um ein bisschen Geld für Lebensmittel zu verdienen. Was sie auf dem schwarzen Berg erlebt haben? Kajal erzählt nicht viel. Erwähnt nur nebenbei die Themen Menschenhandel, Vergewaltigung und Prostitution und den Handel mit menschlichen Organen. Aus großer Sorge um die Sicherheit ihrer Töchter wandte sich Kajals Mutter an die Deepti Foundation, bat um die Aufnahme ihrer vier älteren Mädchen.

Im Kindernothilfeprojekt hat Kajal ein sicheres Zuhasue gefunden. (Foto: Kindernothilfe)
Im Kindernothilfeprojekt hat Kajal ein sicheres Zuhasue gefunden. (Foto: Kindernothilfe)

Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es einen anderen Ort als die Deponie, ein Leben außerhalb der Bhalswa Müllhalde geben konnte, seufzt Kajal. Aber hier im Wohnheim liebt sie vor allem die Sauberkeit, die Dusche, das Essen und die Sicherheit und Geborgenheit, die sie verspürt. „Die Schwestern sind wie Mütter zu uns und Nana Didi“, wie Kajal eine der Betreuerinnen liebevoll nennt, „ist wie eine große Schwester für mich. Ich kann immer zu ihr gehen und ganz offen mit ihr reden.“ Auf der Deponie war sie ständig mit Alkohol, Drogen und Missbrauch konfrontiert. Niemals mehr wieder möchte sie dorthin zurück, wird die 12-Jährige plötzlich laut und energisch. „Warum auch? Es gibt ja so viele andere Orte auf der Welt.“

Ähnlich klingen die Träume von Saakix. Der 13-Jährige besucht seit ein paar Monaten die Förderstunden im Deepti-Zentrum und kann endlich wieder träumen. Von einer besseren Zukunft.

Ich möchte Ingenieur werden, ein großes Haus bauen und mit meinen Eltern dort leben. Weit weg von Bhalswa.

Saakix, 13

Müllberge, so weit das Auge reicht. Tausende Kinder verdienen in Neu-Delhi ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln und Sortieren von Abfall. Dafür bezahlen die meisten von ihnen früh mit ihrem Leben. Ein Kindernothilfe-Projekt gibt ihnen Schutz und Bildung – und Hoffnung auf ein Leben abseits de[...]

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