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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

So konnten wir mit Ihren Spenden helfen. DANKE!

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle)

Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicheres Land, das auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist. Regelmäßig auftretende Dürren führen zu Verknappung von Weideland und Wasser sowie zu drastisch erhöhten Preisen für Nahrungsmittel. In diesem Umfeld spielt Bildung eine sehr untergordnete Rolle und insbesondere die Schulbildung von Mädchen wird kaum bis überhaupt nicht unterstützt. Das Bildungsniveau ist per se niedrig, da es kaum weiterführende Schulen gibt und ohne Platz in einem Schülerwohnheim der Unterrichtsbesuch für die meisten Schüler nicht möglich ist, da die Wege zwischen ihrem Zuhause und der Schule zu weit sind. Somit ist der Besuch der Schule mit Kosten verbunden, wodurch viele von ihnen die Schule abbrechen und stattdessen versuchen, als Tagelöhner etwas Geld zu verdienen.

Bildung ist eine elementare Voraussetzung für den Weg aus der Armut (Foto: Karl Pfahler).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im Schülerwohnheim Dollo-Negelle konnten wir 128 Kinder (70 Buben, 59 Mädchen) während der Schulzeit ein zeitweises Zuhause ermöglichen, in dem sie jeder ein Bett mit Matratze, Decke und Polster haben. Neben einer ausgewogenen Ernährung (Eier, Fleisch, Gemüse, lokale Nahrungsmittel, etc.), die für die Entwicklung der Kinder unerlässlich ist, wurden alle mit ausreichenden Hygieneartikeln versorgt und erhielten regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, um Krankheiten vorzubeugen.

Alle 128 Kinder sind in die nächste Klasse aufgestiegen, 90% haben die nationalen Examen erfolgreich absolviert.

Chikuni, Sambia (Bildung durch Radioschulen)

Die meisten Menschen in den 180 Dörfern der Gemeinde Chikuni, südwestlich von Sambias Hauptstadt Lusaka, leben in extremer Armut von der Subsistenzwirtschaft. Aufgrund schlechter Bodenqualität und immer häufiger auftretenden Wetterextremen (Trockenzeit, sintflutartige Regenfälle) kann die Mehrheit der hier lebenden Bäuerinnen und Bauern kaum genug Nahrung für den Eigenbedarf produzieren. Viele Familienmitglieder sind unterernährt, wobei die Kinder am stärksten davon betroffen sind.

Die extreme Armut führt auch dazu, dass die Kinder vieler Familien von vornherein dazu gezwungen sind, auf den Schulbesuch zu verzichten und durch Arbeit zum Einkommen der Eltern beizutragen. Außerdem gibt es in der Region kaum öffentliche Schulen bzw. ist der Weg zu den wenig vorhandenen(?) bis zu 20 km lang. Daher besuchen fast 80% der dort lebenden Mädchen und Buben den Schulunterricht gar nicht oder sehr unregelmäßig.

So hat Ihre Spende geholfen:

Mit Hilfe von 23 Radioschulen nehmen Kinder und Jugendliche an einem Bildungsprogramm teil, die sonst keine Möglichkeit zu einem Schulbesuch hätten. Dafür wurde ein tägliches Sendeprogramm in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen entwickelt und Bildungsmaterialien erstellt.

2017 wurden 150 Unterrichtseinheiten ausgestrahlt, die 2.221 Kinder der Klassenstufen 2, 4, 6 und 7 sowie 527 Erwachsene erreichten. Die Kinder nahmen am Schuljahresende erfolgreich an den staatlichen Abschlussprüfungen teil.

Verbesserung der Ernährungssituation

Um der schwierigen Ernährungssituation und verbreiteten Armut besser begegnen zu können, wurde der Schulunterricht lebensnaher und praxisorientierter gestaltet. Das bedeutet, dass die Kinder und ihre Eltern über landwirtschaftliche Zusammenhänge unterrichtet werden. Somit leistet der Unterricht einen großen Beitrag zur Ernährungssicherung.

Dafür werden in jedem Dorf eine Baumschule und ein Gemüsegarten angelegt. Hinzu kommen Brunnen und Bewässerungsanlagen. Zusätzlich wurden Gartenwerkzeug, Saatgut und Lehrmaterial zur Verfügung gestellt. In jedem Dorf vermitteln zwei LehrerInnen und zwei ExpertInnen den Lehrstoff und setzen ihn mit den Kindern praktisch um.

An die ärmsten Familien wurden in Chikuni 2 Ziegen und 11 Hühner verteilt. Zudem wurden 11.700kg Erdnüsse und 160 Bells of Sugar für das Ernährungsprogramm bereitgestellt.

Mirmali, Indien (Gegen Kinderarbeit in Ziegeleien)

In Bihar, dem ärmsten Bundesstaat Indiens, unterstützen wir fünf fünf Dalit-Dörfer („die Unberührbaren“)Diese liegen am Fluss Koshi und werden in der Monsunzeit immer wieder überschwemmt. Um zu überleben arbeiten die Mitglieder dieser benachteiligten Minderheit unter ausbeuterischen Bedingungen in einer der umliegenden Ziegelbrennereien und beziehen auch ihre Töchter und Söhne in den Arbeitsalltag mit ein. Somit bleibt zahlreichen Dalit-Kindern der Schulbesuch verwehrt.

Vorherrschende Armut und mangelnde Hygiene bringen Krankheiten mit sich: das dreckige Wasser verursacht Durchfall. Infektionen, Malaria und ähnliches treten ebenso oft auf, sodass die Krankheiten den Kindern sehr zusetzen.

Indien: Schulbesuch statt Arbeit in der Ziegelei (Foto: Jakob Studnar)

So hat Ihre Spende geholfen:

In den Projektförderschulen erhielten 413 Kinder einen informellen Unterricht für die Jahrgangsstufen 1-5. Dadurch lernten sie einen routinierten Schulalltag kennen (4 Studen / Tag rechnen, schreiben lesen) und wurden auf den Übertritt in eine staatliche Schule vorbereitet. 35 Kinder schafften es erfolgreich, auf eine staatliche Schule zu wechseln. Unter den 413 Kindern nahmen 181 Mädchen am Unterricht teil – eine sehr erfreuliche Entwicklung, da den meisten Mädchen noch vor ein paar Jahren im sehr traditionellen Bundesstaat Bildung verweigert blieb.

Zusätzlich wurden 98 junge Frauen auf dem Weg in ein eigenständiges Berufsleben unterstützt, 33 von ihnen eröffneten nach den Berufsbildungsstunden erfolgreich ihre eignene Scheiderei und verdienen nun das 15-16fache im Vergleich zum Lohn in der Ziegelbrennerei.

In den Förderzentren befindet sich auch ein Arzt, der die Kinder im Krankheitsfall mit Medikamenten versorgt. Zudem konnten jedes Monat kostenlose, medizinische Untersuchungen angeboten werden, zu denen insgesamt 587 Mädchen und Buben kamen.

Carrefour, Haiti (Schulessen in Ecole St. Francois de Salle nach der Naturkatastrophe)

Haiti ist ein Land mit nur schwachen staatlichen Strukturen, das unter einer großen politischen und wirtschaftlichen Instablilität leidet. Zudem wird das Land immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen (2010 Erdbeben, 2016 Hurrikan “Matthew”) heimgesucht. Hohe Arbeitslosigkeit, eine unsichere Ernährungslage und große Armut kennzeichnen die schwierigen Lebenssituation der meisten Menschen, in der Bildung keinerlei Priorität hat. Es gibt viel zu wenige kostenlose, öffentliche Schulen, und auch die Qualität des Unterrichts ist mehr als dürftig. Außerdem sind viele Familien darauf angewiesen, dass ihre Töchter und Söhne zum Familieneinkommen beitragen.

In Carrefour, der zweitgrößten Stadt Haitis, sind die Folgen der Naturkatastrophen nach wie vor spürbar und die Armut besonders hoch, da Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten und qualitativ hochwertige Bildungsangebote fehlen. Große Teile der Bevölkerung leiden unter chronischer Unterernährung und die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend (ein Arzt ist für 7000 Menschen zuständig). Jedes zweite Kind kommt schon mit Merkmalen der Unterernährung auf die Welt. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch: 69 je 1000 Kinder sterben vor ihrem fünften Lebensjahr. Allein 42,3% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Haiti: In der wieder aufgebauten Ecole Saint Francois de Salle ist Lernen wieder möglich. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

In der Ecole Saint Francois de Salle, die bei dem Erbeben 2010 völlig zerstört, danach mit Unterstützung der Kindernothilfe erdbebensicher wieder errichtet wurde, können Kinder die komplette Schullaufbahn vom Kindergarten bis zur Matura absolvieren. Durch die staatliche Anerkennung der Schule qualifiziert der Schulabschluss für eine mögliche universitäre oder berufliche Ausbildung.

Letztes Jahr wurden 1.247 Schüler unterrichtet, die vier Leistungskontrollen wurden von allen zufriedenstellend absolviert und alle Schüler des 9. Jahrganges bestanden die offiziellen Prüfungen und damit den Übergang in die weiterführende Schule. Zudem erhielten alle Kindern3 warme Mahlzeiten und 2 Snacks pro Woche. Auch die entsprechende medizinische Versorgung inkl. regelmäßiger Impfkampagnen für alle Kinder konnte gewährleistet warden.

Chaqui, Bolivien (Inklusion, Förderung von Kindern mit Behinderung)

Chaqui ist eine der ärmsten Kommunen Boliviens. Die Menschen leben in kleinen Unterkünften aus Lehmziegeln und mit Bretterdächern, die mit Lehm und Stroh abgedichtet werden. Es gibt keine Elektrizität und nur wenige Menschen haben Zugang zu Trinkwasser. In den Gemeinden ist die Gesundheitsversorgung sehr unzureichend. Neben der weit verbreiteten Mangelernährung und ihren Auswirkungen stellen fehlende bzw. mangelhafte Schul- und Ausbildungsangebote ein großes Problem dar. Die Schulen verfügen meist weder über Sanitäranlagen noch über angemessene Wohnungen für die Lehrer, die wegen der Abgelegenheit der Dörfer die Arbeitswoche über in der Schule leben. Sie reichen nur bis zur 4. oder 5. Klasse; dennoch schließt ein Großteil der Kinder noch nicht einmal diese ab.

Die Lernbedingungen und –angebote sind somit für alle Schüler schlecht; für Kinder mit Behinderungen sind sie jedoch katastrophal bzw. meist von vornherein überhaupt nicht zugänglich.

Bolivien: Kinder mit Beeinträchtigung haben es nach wie vor sehr schwer. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

Es konnten 250 Familien unterstützt und 39 Kinder mit Behinderung ein Schulbesuch ermöglicht werden. Zudem wurden im Rahmen einer breiten Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen über Kinderrechte und Behinderung 246 Lehrkräfte und verschiedenen Bildungseinrichtungen befähigt, Kinderrechte zu vermitteln. In der Schule wurden Lehrmaterialien mit bunten Illustrationen und Geschichten erstellt, um Kindesschutz und Kinderrechte verständlich und kindgerecht aufzubereiten. Nicht zuletzt wurden architektonische Barrieren an Schulen beseitigt, um für alle Kinder ungehinderten Zugang zu gewährleisten.

Moro, Peru (Wiederaufbau nach den Überschwemmungen)

Peru wurde im März 2017 wochenlang von Unwettern mit nie dagewesenen Regenmassen heimgesucht. Im ganzen Land wurden Häuser von 72.000 Menschen zerstört, insgesamt leideten etwa 600.000 Peruaner unter den Folgen des Unwetters: Hunger, Durst, zerstörte Infrastruktur und mangelnde Hygiene. Zehntausende Menschen wurden infolge dessen obdachlos und standen vor dem Nichts.

Peru: Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen (Foto: Jürgen Schübelin).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im ländlichen Distrikt Moro im Norden Perus konnten durch Soforthilfemaßnhamen 600 Familien mit dem Notwendigsten wie Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneartikel und Medikamente versorgt warden.

In der Folge konnten 43 der zerstörten Häuser, die aufgrund ihrer traditionellen regionstypischen Lehmziegelbauweise den Überschwemmungen und Schlammlawinen nicht Stand halten konnten, wiederaufgebaut werden.

Sulawesi, Indonesien (Child Friendly Spaces nach dem Tsunami)

Die indonesische Insel Sulawesi wurde heuer von einem verheerenden Tsunami und Folgeerdbeben heimgesucht und hinterließ gravierende Spuren: 300.000 Überlebende ohne Obdach, 67.000 unbewohnbare Häuser, 2.700 beschädigte Schulen und 20 wichtige Gesundheitseinrichtungen. Auch die Wasserversorgung war tagelang außer Funktion.

Zurück blieben Tausende von Menschen schwer traumatisiert, darunter rund 50.000 Kinder, die dringend Hilfe und besondere Unterstrützung benötigten.

Indonesien: In Child Friendly Spaces können Kinder nach der Katastrophe einfach nur Kind sein (Foto: Karl Andersson).

So hat Ihre Spende geholfen:

Durch Soforthilfemaßnahmen konnte ein provisorisches Kinderzentrum, ein sogenannter Child Friendly Space, errichtet werden, in dem 40 Kindern unmittelbare Unterstützung durch fachkundiges Personal ermöglicht wurde. So konnte den Mädchen und Buben ein geschützter Raum geboten werden, den sie brauchen, um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie erhielten psychosoziale Unterstützung, regelmäßige Mahlzeiten und die Möglichkeit eines halbwegs geregelten Tagesablaufes, der dabei hilft, ihre Ängste durch gemeinsames Spielen zu überwinden.

Zudem wurde im krisengebeutelten Palu-Distrikt ein 2-Tages-Traumaworkshop zu Kinderrechten, Einführungen zum Thema Trauma, Selbstversorgung und behutsamen traumalösenden Übungen für 565 Pädagogen abgehalten.

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle) Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicher[...]

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Jungunternehmer in Lima

Was möchte ich verkaufen, wie präsentiere ich es am besten, und wie funktioniert eigentlich eine Kostenkalkulation? Klingt trocken, so ein Workshop für Jungunternehmer. Den Teilnehmern unseres peruanischen Partners Aynimundo hat’s trotzdem Spaß gemacht, wie Kursleiterin Ilse Kreiner berichtet.

Lima: Ilse Kreiner bei der Arbeit mit den Workshop-Teilnehmern (Foto: Ilse Kreiner)

Mein Name ist Ilse Kreiner, ich melde mich aus Lima, aus dem Projekt, das von der Kindernothilfe seit langem unterstützt wird. Der Fokus von Aynimundo liegt auf Familien mit behinderten Kindern.

Die Kurse für all jene, die ein eigenes Unternehmen starten wollen, stehen aber allen Menschen mit geringem Einkommen offen. Ein solcher Kurs startete Anfang November. Glücklicherweise gibt es eine Vereinbarung mit einem Ausbildungsinstitut, sodass wir deren Räumlichkeiten nützen können.

Ab Anfang November pilgerten also Christian, ein Mitarbeiter von Aynimundo, und ich zwei Mal pro Woche in dieses Institut. Dort weihten wir insgesamt 17 Teilnehmer in zwei Kursen in die Geheimnisse des Unternehmertums ein.

Lima: Jhonatan mit seinen Arepas (Foto: Ilse Kreiner)

Da macht selbst die Kostenkalkulation Spaß

Geschäftsideen waren genügend vorhanden. Die reichten vom Eventmanagement über den Verkauf von Torten bis zu Produktion und Verkauf von Damenunterwäsche. Insbesondere die letztgenannte Idee sorgte für Heiterkeit. Jhonatan, unser einziger männlicher Teilnehmer und seines Zeichens Verkaufsgenie hatte uns nämlich gerade erklärt und vor allem demonstriert, auf welche Art er Hemden und Parfum verkaufen würde. Da liegt die Frage in der Luft, ob er denn auch Damenunterwäsche präsentieren würde.

Lima: Projektpläne und Budgets werden erarbeitet (Foto: Ilse Kreiner)

Christian ist mit unglaublichem Enthusiasmus bei der Sache. Seine Energie und seine Begeisterung übertrugen sich auf die Teilnehmer und so machte selbst die ungeliebte Kostenkalkulation Spaß.

Vorbereitung für den Schritt in die Selbstständigkeit

Als Kursabschluss hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Geschäftsstrategie sowie ihre Produkte vorzustellen. Es war sehr erfreulich zu beobachten, wie sehr nicht nur ihr Wissen sondern auch ihre Selbstsicherheit gestiegen ist.

Ich selbst bin voller Bewunderung für den Mut, den die Damen aufbringen. Schließlich haben etliche von ihnen kaum die Pflichtschule absolviert, und auch das ist schon einige Zeit her.

Lime: Yolanda verkauft Torten (Foto: Ilse Kreiner)

Drei der Teilnehmer haben bereits die ersten Schritte in die Selbständigkeit getan indem sie einen zugkräftigen Namen für ihr Unternehmen gewählt und den Auftritt im Internet eingerichtet haben. Eine der Damen bietet hochqualitative Kuchen und Torten auf Bestellung an. Sie interessiert sich für meine österreichischen Rezepte. Aber das ist eine andere Geschichte….

Damit verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße aus Lima

Ilse

Was möchte ich verkaufen, wie präsentiere ich es am besten, und wie funktioniert eigentlich eine Kostenkalkulation? Klingt trocken, so ein Workshop für Jungunternehmer. Den Teilnehmern unseres peruanischen Partners Aynimundo hat’s trotzdem Spaß gemacht, wie Kursleiterin Ilse Kreiner berichtet.[...]

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Chile: Martina – eine starke Frau

La Victoria, ein Armenviertel in Santiago, ist in ganz Chile und darüber hinaus bekannt – als Schauplatz der ersten organisierten Landnahme in Lateinamerika. Martina ist eine der starken Frauen von La Victoria. Sie stemmt ihr Leben.

Martina, eine starke Frau (Quelle: Katrin Weidemann)

Für sie ist La Victoria Chile – ihr ganzes Leben hat sie in der Siedlung verbracht. Auch ihre Großmutter und Mutter waren 1957 unter den ersten Landbesetzern. Sie selbst ist im Kindergarten, später im Hort von La Victoria großgeworden. Jetzt sitzt sie in ihrem winzigen Wohnraum, der ausgefüllt ist mit einer zerschlissenen Couch, einem fadenscheinigen Sessel und zwei Stühlen. Auf einem sitzt Martina und erzählt ihre Geschichte.

Eine Kindheit in Chile: Trotz Armut bin ich „gewachsen als Mensch“

„Alles was ich weiß und was wichtig ist, habe ich im Centro gelernt“, beginnt sie. Mit Centro meint sie die Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“. Sie schildert die Armut, in der sie aufgewachsen ist, den täglichen Kampf um Essen, um Sicherheit. Und immer wieder, welch große Rolle die Gemeinschaft im Zentrum La Victoria für sie spielte.

Es sind kostbare Erinnerungen an das Chile ihrer Kindheit, die sie mit mir teilt. „Nach der Schule haben wir im Centro Aufführungen gemacht. Ich habe getanzt und einmal auch Flöte gespielt. Und meine Mutter kam extra hin und sah mir zu.“ Ihre Augen leuchten.

Jetzt ist sie selbst Mutter. „Ich konnte nicht studieren,“ meint sie und zupft an ihrem Pullover. „Aber ich bin gewachsen als Mensch.“ Was wichtig ist für ein gutes Leben, die Werte, wie man als Menschen miteinander umgehen soll und zusammenlebt, all das habe sie von Valentina, Alicia und den anderen im Zentrum gelernt. „Sie haben auf mich aufgepasst und mir Liebe gegeben.“

Medizinstudium statt Drogenkarriere – eine Zukunft für die Kinder

Die Liebe, die sie als Kind empfangen hat, gibt sie nun genauso ihren eigenen Kindern mit. Zwei Töchter und einen Sohn hat sie, sie sind 8, 11 und 17 Jahre alt. „Von Valentina habe ich gelernt, wie man seine Kinder erziehen soll“. Darum hat sie sie alle auch ins Centro geschickt. „Hier“, sie zeigt auf den 17jährigen Tomas und die 8jährige Daniela. „Das sind gute Kinder.“

Martina zieht sie alleine auf. Der Vater der Kinder sei drogensüchtig erzählt sie. Genau wie all seine Freunde. Die Drogen hätten, wie anderswo in Chile auch, in den letzten Jahren vieles im Viertel verändert. Da brauche man einen starken Willen, um nicht mitzumachen.

Das Capoeira-Training ist eines der Angebote für Kinder und Jugendliche in der Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“ (Quelle: Katrin Weidemann)

Ihr Sohn hat diesen Willen. Tomas will Medizin studieren. Heute geht er deshalb nicht zum Capoeira-Training in Zentrum. Er will sich ganz auf die Schule konzentriert. Denn auch in Chile gilt: Um ein Stipendium für das Studium zu bekommen, braucht es gute Noten.

Das Capoeira-Training ist eines der Angebote für Kinder und Jugendliche in der Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“.
Hobby: Gewichtheben
Martinas Tage sind ausgefüllt. Tagsüber hat sie eine Putzstelle bei einer Familie, dann kümmert sie sich um ihre Kinder, hat ein Unterstützungsnetz mit ihren Nachbarn geknüpft. „Wir helfen uns gegenseitig.“ Für sich selbst bleibt da nicht mehr viel Zeit. Nur eines macht sie, ganz für sich allein: Gewichtheben.

Martina ist eine der starken Frauen von La Victoria. Sie stemmt ihr Leben.

La Victoria, ein Armenviertel in Santiago, ist in ganz Chile und darüber hinaus bekannt – als Schauplatz der ersten organisierten Landnahme in Lateinamerika. Martina ist eine der starken Frauen von La Victoria. Sie stemmt ihr Leben. Für sie ist La Victoria Chile – ihr ganzes Leben hat[...]

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Chile: La Victoria – ein Ort zum Leben

Die Menschen in La Victoria gehören zu den Ärmsten der Armen in Chiles Hauptstadt Santiago. Doch sie sind stolz darauf, dass sie sich diesen Ort zum Leben selbst erkämpft haben – gemeinsam, friedlich und sehr solidarisch. Die Erinnerung daran macht sie stolz, auch nach mehr als 60 Jahren…

Wandbild zum 60-jährigen Bestehen der Siedlung (Quelle: Katrin Weidemann)

Sie suchten Arbeit und ein menschenwürdiges Wohnen. Mit Mut, Stärke und Organisationstalent folgten sie ihrem Traum von einem Ort zum Leben: Bergarbeiter und Taglöhner, Familienväter und -mütter, Menschen, die sich in Gewerkschaften engagiert hatten und wussten, wie man eine Gemeinschaft organisiert. Im Morgengrauen des 30. Oktober 1957 machten sich 1.400 wohnungslose Familien aus den Armensiedlungen im Norden von Santiago de Chile auf den Weg. Angetrieben von dem Bewusstsein, dass es ein Recht auf menschenwürdiges Leben gibt, besetzten sie das Brachland im Sektor Chacra de Feria.

La Victoria wird geboren

Den Ort hatten sie sorgfältig ausgewählt: Er liegt in der Nähe der zentralen Großmarkthalle, wo es immer Arbeit für Lastenträger gibt, und nicht weit von einer Textilfabrik, wo Näherinnen gesucht wurden. Hier nahmen sie sich Land, gemeinsam und mit großem Gerechtigkeitsempfinden. Jede Familie sollte an diesem neuen Ort zum Leben den gleichen Anteil an Grund bekommen.

Anfangs schliefen sie im Schlamm unter Planen, errichteten nach und nach improvisierte Häuschen aus Holzbrettern und Wellblech – jede Familie auf 8 mal 16 Metern. Da war bereits klar, dass sich hier ein historisches Ereignis abgespielt hatte. Die Landnahme wurde von der Regierung akzeptiert. Alle Familien zahlten für ihr Stückchen Land. Und verbuchten es als einen Sieg der Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Ihre Siedlung nannten sie La Victoria.

Ein Ort für Kinder

Der Stolz auf das Erreichte ist unverkennbar – und berechtigt. (Quelle: Katrin Weidemann)

Diese erste organisierte Landnahme in Lateinamerika ist auch 61 Jahre nach der toma, der Besetzung, fest im kollektiven Gedächtnis der Bewohner verankert. Valentina, die die Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“ leitet, erzählt davon. Die Geschichte von La Victoria ist auch ihre Familiengeschichte.

Valentinas Großmutter und Mutter gehörten zu den Pionieren, die 1957 das Land besetzten. Schon bald nach der Ankunft begannen die Frauen, einen Ort zum Spielen und Lernen für Kinder einzurichten. Aus der winzigen Holzhütte von damals wurde im Lauf der Jahre ein mehrfach erweiterter Komplex – ein Ort zum Leben für Kinder und Jugendliche. Auch der platzt mittlerweile aus allen Nähten, ein brand- und erdbebensicherer Neubau soll ihn bald ersetzen.

Ein geschützter Raum

Familienersatz, geschützter Raum, liebevolle Betreuung – die Kindertagesstätte macht einen Teil der Identität der ganzen Siedlung aus (Quelle: Katrin Weidemann)

Momentan finden 200 Kinder in der Kindertagesstätte Platz, die Hälfte von ihnen im Vorschulalter. Für die meisten ist das Centro Teil der Familie, die sie daheim nicht haben. Viele Kinder stammen aus zerrütteten Familien, in denen die Eltern wenig Zeit für sie haben. Im Centro finden sie einen geschützten Raum und Fürsorge.

Mehr als die drei Mahlzeiten am Tag, Körperpflege und medizinische Betreuung sind es die achtsame, liebevolle Betreuung und Förderung der Kinder, der respektvolle Umgang mit den kleinen und großen Bewohner der Siedlung, die vielfältigen Beratungs- und Vermittlungsangebote für die ganze Familie – kurz: der ganzheitliche Blick auf die Menschen von La Victoria, die die Einrichtung auszeichnen. Und die diesen Ort zum Leben zu einem Teil der Identität der ganzen Siedlung gemacht haben.

Ein Ort zum Leben – die zweite Landnahme

Auch für die neu Zugezogenen. Ein Viertel der Kinder in La Victoria hat Migrationshintergrund. Ihre Eltern stammen aus Peru oder Venezuela, aus Haiti, Kolumbien oder der Dominikanische Republik. Für den Staat und weite Teile der Gesellschaft sind sie unsichtbar. Für ihre Fragen, die besonderen Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben, gibt es kein Gegenüber. Bei Valentina und ihren Kolleginnen in La Victoria finden sie es. Die Siedlung bleibt auch dank des Zentrums 61 Jahre nach der ersten toma ein wichtiger Ankerpunkt für Menschen, die dem Traum von einem besseren Leben folgen.

Die Menschen in La Victoria gehören zu den Ärmsten der Armen in Chiles Hauptstadt Santiago. Doch sie sind stolz darauf, dass sie sich diesen Ort zum Leben selbst erkämpft haben – gemeinsam, friedlich und sehr solidarisch. Die Erinnerung daran macht sie stolz, auch nach mehr als 60 Jahren… [...]

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Philippinen: Eine Heimat für die Mananwa

Willkommen sein, das Gefühl kannten die Mananwa lange Zeit nicht. Als Angehörige einer kleinen Volksgruppe gehören sie auf den Philippinen zu den Außenseitern. Für einige Mananwa-Familien, die seit drei Generationen versuchen, auf der Insel Samar Fuß zu fassen, ändert sich das gerade: Sie haben endlich eine Heimat gefunden. Erreicht haben das die Frauen: In einer Selbsthilfegruppe nehmen sie die Zukunft ihrer Familien beherzt in die Hand.

Ende einer Odyssee: In Lohero haben die Mananwa-Familien endlich eine Heimat gefunden. (Foto: Lorenz Töpperwien)

Erst vor wenigen Wochen sind die Mananwa-Familien in Lohero vor Anker gegangen. Vier Pfahlhütten stehen schon, eine fünfte ist im Bau. Es gibt ein paar sorgfältig angelegte Beete, ein niedriger Zaun umschließt das Gelände, an der Leine hängt Wäsche. Ganz normaler Alltag in einem ganz normalen philippinischen Dorf, so sieht es jedenfalls aus. Aber als die Frauen anfangen zu erzählen, wie sie hierhergekommen sind, wird schnell klar, dass diese Familien einen langen Weg hinter sich haben.

Seit rund 50 Jahren sind sie auf der Wanderschaft. Damals flohen ihre Eltern und Großeltern aus Mindanao, der großen Insel ganz im Süden der Philippinen. Dort lebte die Volksgruppe der Mananwa schon, lange bevor der erste spanische Eroberer seinen Fuß in das Land setzte. Doch seit einem halben Jahrhundert ist Mindanao Schauplatz eines bewaffneten Konflikts zwischen muslimischen Rebellen und der Armee. Die Mananwa hatten Angst, in den Strudel der Gewalt hineingezogen zu werden. Manche suchten deshalb ihr Heil in der Flucht – eine Odyssee mit ungewissem Ausgang.

Raketenstart in die Zukunft

„Als wir sie das erste Mal trafen, haben sie kein Wort geredet“. (Foto: Lorenz Töpperwien)

„Als wir sie das erste Mal trafen, haben sie kein Wort geredet“, sagt Ken Cacao. Für die Kindernothilfe koordiniert er die Hilfsmaßnahmen nach den verheerenden Zerstörungen durch den Taifun Haiyan 2013. Auch die Mananwa-Familien waren betroffen. Vor fünf Jahren lebten sie noch in einer abgelegenen Siedlung im hügeligen Hinterland von Marabut. Ein Streit mit einem Dorfbewohner zwang sie, wieder hinunter in die Ebene zu ziehen.

Seither geht es bergauf mit ihnen. Das hat vor allem mit der Selbsthilfegruppe zu tun, die die Frauen der Gemeinschaft gründeten. Die wirkte wie ein Raketenstart in die Zukunft. Unter der Anleitung des Kindernothilfe-Partners PKKK (die philippinische Abkürzung steht für „Nationale Koalition der Landfrauen“) entdeckten sie etwas, wovon sie vorher keinerlei Vorstellung hatten: ihre Rechte. Sie erkannten den Wert von Bildung. Und sie hörten auf, sich minderwertig zu fühlen und unsichtbar zu machen, wenn andere in ihre Nähe kamen.

Und siehe da, man hört ihnen zu. Der Bürgermeister von Marabut stellte ihnen Land zur Verfügung, zum Wohnen und für die Feldarbeit. Und nicht nur das – sie hatten bei der Auswahl des Grundstücks sogar ein Mitspracherecht. Es liegt nicht weit von der Stadt entfernt. Früher wäre das ein Grund zur Vorsicht gewesen, heute erleichtert die stadtnahe Lage die Organisation des neuen Lebens. So kommen die Mananwa erstmals in den Genuss der öffentlichen Gesundheitsversorgung und müssen nicht wie bisher auf ihre Kräutermedizin vertrauen. Auch Ehen mit Partnern außerhalb der Familiengemeinschaft sind jetzt denkbar.

Padayon – „Weiter so“!

Sie haben allen Grund zum Lachen: die Frauen der Selbsthilfegruppe aus dem Mananwa-Dorf in Lohero. (Foto: Lorenz Töpperwien)

Aber wer verhandelt mit dem Bürgermeister? Mit dem lokalen Amt für Landwirtschaftsfragen? Mit den Gesundheitsdiensten? „Wir!“, sagen die Frauen wie aus einem Mund. Sie sind nicht mehr sprach- und rechtlos. Die Selbsthilfegruppe ermutigt sie, selbstbewusst ihre Interessen zu vertreten. In nur vier Jahren haben sie das Kunststück fertiggebracht, sich und ihre Familien erfolgreich zu integrieren – nachdem sie ein halbes Jahrhundert lang versucht hatten, bloß nicht aufzufallen. Sie sind zu Recht stolz auf das Erreichte. Und sie können wieder lachen. Padayon – „Weiter so“!

Willkommen sein, das Gefühl kannten die Mananwa lange Zeit nicht. Als Angehörige einer kleinen Volksgruppe gehören sie auf den Philippinen zu den Außenseitern. Für einige Mananwa-Familien, die seit drei Generationen versuchen, auf der Insel Samar Fuß zu fassen, ändert sich das gerade: Sie hab[...]

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