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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

10. November 2021

Kinderarbeit in Indien: Ursachen und Lösungsansätze

Trotz boomender Wirtschaft leben in Indien Millionen Menschen in extremer Armut. Auch ausbeuterische Kinderarbeit ist weit verbreitet. Durch die Coronapandemie ist die Schere zwischen Arm und Reich noch größer geworden. Samira Rahim und Arulraj Daje von der Kindernothilfe in Indien berichten von der aktuellen Situation arbeitender Kinder vor Ort.

Kinderlachen auf der Müllhalde in Neu Delhi. (Foto: Kindernothilfepartner)
Kinderlachen auf der Müllhalde in Neu Delhi. (Foto: Kindernothilfepartner)

Mehr Kinderarbeit und Kinderhandel durch COVID-19

Die Coronapandemie hat Indien schwer getroffen. Hunderttausende Menschen sind an der Infektion gestorben, Millionen erkrankten schwer. Die Pandemie und der anschließende Lockdown hatten gravierende Folgen für die wirtschaftliche Situation im Land. Viele Familien sind in die Armut abgerutscht. Wie wirkt sich das auf Kinderarbeit aus?

Samira Rahim: Durch COVID-19 haben viele Menschen ihre Arbeit und viele Familien ihre Existenzgrundlage verloren. Ärmere Familien haben jetzt noch weniger Einkommen. Das Erste, was sie dagegen unternehmen, ist, ihre Kinder arbeiten zu schicken. Ärmeren Familien fällt es jetzt noch schwerer, ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Sie sind darauf angewiesen, dass die Kinder zum Haushaltseinkommen beitragen.

Durch die Corona-Pandemie waren viele Familien in Indien auf die Verteilung von Lebensmittel-Paketen angewiesen. (Foto: Kindernothilfepartner)
Durch die Corona-Pandemie waren viele Familien in Indien auf die Verteilung von Lebensmittel-Paketen angewiesen. (Foto: Kindernothilfepartner)

Arulraj Daje: Ausbeuterische Kinderarbeit ist aber auf viele verschiedene Ursachen zurückzuführen. Dazu gehören auch unethische Geschäftspraktiken, die weit verbreitete Korruption und das Handeln der politischen Verantwortungsträger:innen. Auch die Einstellung der Menschen, die in Armut leben, trägt dazu bei.

Samira Rahim: Nach dem Lockdown haben auch Fälle von Kinderhandel zugenommen. Viele Familien befanden sich in einer finanziellen Notlage und die Kinder konnten ein Jahr lang nicht zur Schule gehen. Deshalb waren viele Familien anfälliger für die verlockenden Angebote von Menschenhändler:innen. Um das Problem des Kinderhandels anzugehen, müssen wir auf zwei Ebenen ansetzen: Einerseits Prävention und andererseits Hilfe für die Kinder, die bereits Opfer von Kinderhandel geworden sind.

Arulraj Daje: Ein verstärkter Einsatz für Kinderrechte – vor allem über gute Bildung und Chancengleichheit – ist der beste Weg, um gegen Kinderhandel vorzugehen. Außerdem bedarf es Anti-Kinderhandel-Komitees auf lokaler Ebene. Sie behalten die Anzahl der Kinder aus ärmeren Familien genau im Auge und arbeiten mit den Regierungsbehörden zusammen. Auch der Einsatz von sozialen Medien kann hilfreich sein. Darüber können wir zum Beispiel die Notrufnummer für Fälle von Kinderhandel kommunizieren.

Die Urbanisierung in Indien nimmt weiter zu

Auch die zunehmende Landflucht hat Auswirkungen auf die Kinderarbeit im Land. Viele mittellose Familien zieht es von ländlichen Regionen in die Metropolen, wo sie oft in Slums landen. Viele Kinder arbeiten auf riesigen Müllhalden. Wie kann die Situation dieser Kinder und Familien verbessert werden?

Arulraj Daje: Die fortlaufende Abwanderung von landwirtschaftlich geprägten Familien ist eine sehr große Herausforderung. Wenn die Familien vom Land in die Stadt kommen, müssen sie sich Arbeit suchen. Auch viele Kinder müssen zum Familieneinkommen beitragen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, braucht es bessere Voraussetzungen in den ländlichen Räumen, sodass niemand zum Abwandern gezwungen wird. Neben der Arbeit mit den betroffenen Kindern in der Stadt ist es auch wichtig, die Ursachen von Kinderarbeit anzugehen.

In Delhi arbeiten viele Kinder im Viertel Bengali Basti auf einer riesigen Müllhalde. (Foto: Kindernothilfepartner)
In Delhi arbeiten viele Kinder im Viertel Bengali Basti auf einer riesigen Müllhalde. (Foto: Kindernothilfepartner)

Samira Rahim: In Delhi betreuen wir ein Projekt für Kinder, die den Großteil ihrer Zeit auf einer Müllhalde verbringen, wo sie die Abfälle durchsuchen. Dabei sind sie nicht nur gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, ihnen fehlt es auch an Bildung. Deshalb betreiben wir ein Kinderzentrum, wo diese Kinder Zugang zu guter Bildung erhalten. Gleichzeitig wird ihnen ein Bewusstsein für Kinderrechte vermittelt. Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Ausstellen von Personalausweisen. Die meisten Familien, die aus den ländlichen Gebieten in die Stadt kommen, besitzen keine offiziellen Papiere. Somit sind sie von staatlichen Sozialleistungen ausgeschlossen.

Viele Kinder arbeiten in Schuldknechtschaft

In Indien ist die Schuldknechtschaft schon längst gesetzlich verboten. Trotzdem arbeiten viele Kinder noch immer in Schuldknechtschaftsverhältnissen. Wie kommt es zu dieser Art der Kinderarbeit und was kann dagegen unternommen werden?

Samira Rahim: Viele Familien geraten in Schuldknechtschaft, weil sie sich Geld leihen. Das brauchen sie zum Beispiel wegen eines Krankheitsfalls oder für eine Hochzeit in der Familie, oder einfach nur um die Familie zu ernähren. Doch im ländlichen Raum ist es schwer, an einen Kredit zu kommen. Deshalb müssen sich die Familien an örtliche Geldverleiher:innen wenden. Diese lassen dann die Kinder der Familie für sich arbeiten, um so die Schulden zu begleichen. Die Geldverleiher:innen verlangen oft sehr hohe Zinsen und zahlen dem Kind zugleich nur einen geringen Lohn. Deshalb kommen die Familien nur sehr schwer aus dem Teufelskreis der Schuldknechtschaft und Kinderarbeit heraus.

In lokalen Kinderkomitees können die arbeitenden Mädchen und Jungen zusammenkommen und sich austauschen – ein wichtiger Schritt gegen ausbeuterische Kinderarbeit und Schuldknechtschaft. Foto: Jakob Studnar
In lokalen Kinderkomitees können die arbeitenden Mädchen und Jungen zusammenkommen und sich austauschen – ein wichtiger Schritt gegen ausbeuterische Kinderarbeit und Schuldknechtschaft. Foto: Jakob Studnar

Arulraj Daje: Es gibt verschiedene Maßnahmen, um gegen Schuldknechtschaft vorzugehen. Ich bin überzeugt, dass vor allem lokale gemeinschaftsbasierte Organisationen eine wichtige Rolle spielen, wie Selbsthilfegruppen, Jugendgruppen und Kinderkomitees.

Samira Rahim: Das Verbot von Schuldknechtschaft muss in Indien konsequenter umgesetzt werden, etwa durch lokale Aufsichtskomitees. Menschen in finanzieller Not müssen einfacher Zugang zu Krediten erhalten sowie zu Aus- und Weiterbildungen und Programmen der sozialen Sicherung.

Der Einfluss des indischen Kastenwesens

Das Kastenwesen ist in Indien traditionell noch sehr verankert. An unterster Stelle steht die Dalit-Kaste der „Unberührbaren“. Wie wirkt sich diese Gesellschaftsordnung auf die Kinderarbeit aus?

Arulraj Daje: Kinder aus der untersten Kaste müssen oft arbeiten und Geld verdienen – weil die Familie sonst nicht über die Runden kommt oder weil die Eltern es einfach nicht besser wissen. Oft verstehen sie den Wert von Bildung für ihre Kinder nicht.

Samira Rahim: Die Kinder aus der unteren Kaste arbeiten vor allem in niederen Tätigkeiten. Sie sammeln zum Beispiel Lumpen und Müll oder fertigen Schuhe an. Kinder aus einer höheren Kaste arbeiten eher in Lebensmittelgeschäften, auf Veranstaltungen oder im Haushalt. Sie werden außerdem besser bezahlt als Kinder der unteren Kaste. Hinzu kommt, dass die Kinder aus Dalit-Familien Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren. Sie müssen zum Beispiel abseits sitzen und von separatem Geschirr essen (praktizierte Unberührbarkeit). Eine solche Diskriminierung von Dalit-Kindern findet auch in der Schule statt. Deshalb verlassen viele die Schule vorzeitig und geraten in ausbeuterische Kinderarbeitsverhältnisse.

Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen

In Indien werden Frauen und Mädchen bis heute benachteiligt. Gewalt gegen Frauen, Zwangs- und Frühverheiratungen und ein schlechterer Zugang zu Bildung sind weiterhin verbreitet. Zeigt sich dieser Unterschied auch beim Thema Kinderarbeit?

Mädchen geraten auch durch Frühverheiratung in Kinderarbeitsverhältnisse. Sie müssen sich um den Haushalt kümmern und können nicht mehr zur Schule gehen. Foto: Jakob Studnar
Mädchen geraten auch durch Frühverheiratung in Kinderarbeitsverhältnisse. Sie müssen sich um den Haushalt kümmern und können nicht mehr zur Schule gehen. (Foto: Jakob Studnar)

Samira Rahim: Allgemein arbeiten Mädchen eher im Haushalt, auf der Müllhalde oder in der Schönheitsindustrie. Von Kinderarbeit betroffene Jungen sind eher in der Landwirtschaft, in Geschäften oder Ziegeleien tätig. Außerdem sind Mädchen größeren Gefahren am Arbeitsplatz ausgesetzt, vor allem in Form von sexuellem Missbrauch. Einige arbeitende Mädchen landen sogar in der Kinderprostitution. Dann befinden sie sich in einer besonders prekären Lage. Die Familien sind oft nicht mehr bereit, ihre Töchter zu versorgen, weil diese mit einem so großen gesellschaftlichen Stigma behaftet sind.

Arulraj Daje: In einer männerdominierten Welt werden Mädchen nach wie vor benachteiligt. In einigen Regionen ist das Risiko der Frühverheiratung besonders hoch. Diese Verheiratung im Kindesalter führt unvermeidlich zu einem Mangel an Bildung und zu Kinderarbeit. Die Regierung hat erst kürzlich einen Anstieg an Frühverheiratungen in fünf Bezirken des Bundesstaates Tamil Nadu festgestellt und setzt sich nun verstärkt dagegen ein.

Trotz boomender Wirtschaft leben in Indien Millionen Menschen in extremer Armut. Auch ausbeuterische Kinderarbeit ist weit verbreitet. Durch die Coronapandemie ist die Schere zwischen Arm und Reich noch größer geworden. Samira Rahim und Arulraj Daje von der Kindernothilfe in Indien berichten von d[...]

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1. November 2021

Fatima: Bleib stark und kämpfe für dein Leben

Wie geht es einer jungen Frau, die aus ihrer Heimat Afghanistan geflüchtet ist? Die als alleinerziehende Mutter auf der griechischen Insel Lesbos lange in dem Horrorcamp Moria gelebt hat? Die dann mit ihren beiden Töchtern in dem selbstorganisierten Camp PIKPA Aufnahme fand? Wie hat sie vor einem Jahr die Räumung des Camps durch die Polizei erlebt? Und danach die drei Monate im Camp Karatepe? Im Gespräch mit Ute Gniewoß spricht Fatima offen über ihre Ängste und Freuden.

Blick auf das niedergebrannte Camp Moria. (Foto: Lesvos Solidarity)
Blick auf das niedergebrannte Camp Moria. (Foto: Lesvos Solidarity)

Seit über vier Jahren lebt die junge Afghanin Fatima jetzt auf der griechischen Insel Lesbos. Unsicher und zurückhaltend sitzt sie mir in unserem Gespräch gegenüber. Sie ist alleinstehende Mutter; ihre beiden Töchter sind sieben und zweieinhalb Jahre alt. Über den Vater der Kinder spricht sie nicht, aber ich ahne, dass sie Schlimmes hinter sich hat. Fatima ist konzentriert und überlegt sich ihre Antworten auf meine Fragen genau. Sie wird von der Organisation Lesvos Solidarity betreut, die sie seit sieben Monaten in einer sicheren Wohnung in der Altstadt der Insel untergebracht hat und begleiten wird, bis sie eine Zukunftsperspektive hat.

Angst als ständiger Begleiter

„Moria war einfach furchtbar“ sagt sie. „Nicht nur gab es kein Wasser, keine Duschen, keine Toiletten, oft keine Elektrizität, schlechtes Essen, sondern vor allem gab es viel Gewalt. Meine ältere Tochter hat Kämpfe erlebt, Messer gesehen. Sie hatte Alpträume und viel Angst. Wirklich sicher haben wir uns eigentlich nur in Pikpa gefühlt. Dort hatten wir verlässliche Ansprechpartner, ganz tolle Leute. Und wir hatten gute Nachbarn. Jetzt wohnen wir auch sicher, aber wenn ich in der Stadt unterwegs bin, weiß ich nie was passiert. Es gab schon Männer, die sich mir gegenüber übergriffig und unangenehm verhalten haben. Das macht mir Angst.“ „Angst“ ist das Wort, das ich in unserem Gespräch sehr häufig höre. Und so antwortet sie auf die Frage, was sie für sich und die Kinder ersehnt: „Ich möchte mich einfach sicher fühlen und ohne Angst und Stress leben können.“ Und was könnte hier besser sein für euch? „Ich möchte entspannt durch die Straßen gehen können und ich möchte meinen Kindern etwas kaufen können. Sie sehen viel und wollen viel und ich kann ihnen eigentlich keinen Wunsch erfüllen, weil ich kein Geld habe.“ Hat sie einen Rat für Menschen in ihrer Situation? Sie überlegt einen Moment und sagt dann: „Bleib stark und geduldig, geh mit deinen Problemen um und kämpfe für dein Leben.“

Kinder aus Pikpa am Weg zur Schule. (Foto: Knut Bry)
Kinder aus Pikpa am Weg zur Schule. (Foto: Knut Bry)

Fatimas Kinder können wieder lachen

Gibt es hier auch glückliche Momente für euch? frage ich sie. Da strahlt sie plötzlich und antwortet: „Meine Töchter gehen jetzt regelmäßig in die Schule und in den Kindergarten. Sie sind fröhlich, haben erste Freundschaften und können gut schlafen. Und wenn ich sehe, wie glücklich und lachend sie spielen können, dann bin ich auch glücklich.“

Wie geht es einer jungen Frau, die aus ihrer Heimat Afghanistan geflüchtet ist? Die als alleinerziehende Mutter auf der griechischen Insel Lesbos lange in dem Horrorcamp Moria gelebt hat? Die dann mit ihren beiden Töchtern in dem selbstorganisierten Camp PIKPA Aufnahme fand? Wie hat sie vor einem [...]

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26. Oktober 2021

Kinderarbeit im Fokus: Effektive Maßnahmen gefordert

Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)
Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)

Nie Zeit, Kind zu sein. Keine Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Kaum Aussicht, der Armut zu entkommen. Ausbeuterische Kinderarbeit ist ein ernstes Problem. Weltweit. Täglich. Die Coronapandemie hat die Situation für Kinderarbeiter*innen weiter verschärft. Diese Entwicklung verfolgen die Kindernothilfe-CEOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Sorge. Im Interview sprechen Katrin Weidemann (D), Gottfried Mernyi (Ö) und Deborah Berra (CH) offen über ihre Bedenken und fordern effektive Maßnahmen.

Einsatz gegen Kinderarbeit

Die Politik muss handeln: Kinder haben ein Recht auf Bildung und müssen in die Schule gehen dürfen – auch nach der Pandemie. (Lars Heidrich)
Die Politik muss handeln: Kinder haben ein Recht auf Bildung und müssen in die Schule gehen dürfen – auch nach der Pandemie. (Lars Heidrich)

Seit mehr als 60 Jahren setzt sich die Kindernothilfe weltweit für benachteiligte Kinder und ihre Rechte ein.

Zentral dabei sind u.a. Zugang zu Bildung, Schutz vor Gewalt und Unterstützung von arbeitenden Kindern. Wird das Problem „ausbeuterische Kinderarbeit“ – Ihrer Meinung nach – ausreichend von Politik und der Gesellschaft beachtet?

Katrin Weidemann: Das Internationale Jahr gegen Kinderarbeit 2021 hat zu etwas mehr Beachtung des Themas beigetragen. Wie auch die Debatten um das Lieferkettengesetz. Aber es wird noch immer zu wenig darüber gesprochen. Und vor allem zu wenig dagegen unternommen. Es braucht wirklich relevante und effektive Maßnahmen, um arbeitenden Kindern und Jugendlichen die Chance auf gute Bildungsmöglichkeiten und eine gesunde Entwicklung zu geben.

Gottfried Mernyi: Das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hat in den letzten Monaten tatsächlich etwas mehr an Aufmerksamkeit bekommen. Die Betroffenen selbst jedoch werden nach wie vor zu wenig in die Bemühungen um Lösungsansätze einbezogen. Mit einem bloßen Verbot von Kinderarbeit in Zuliefererverträgen wird sich für die Kinder und Jugendlichen nur wenig ändern.

Deborah Berra: In meinen Augen ist das einfache Verbot sogar kontraproduktiv. Denn es berücksichtigt nicht die Lebensrealität, in der sich die Kinder befinden. Die Komplexität des Themas verlangt nach einer breit abgestützten Vorgehensweise. Nur dann ist den Kindern tatsächlich geholfen.

Bei der Befragung der Kinder und Jugendlichen kamen verschiedene Methoden zum Einsatz, zum Beispiel das Body Mapping.
„Nicht über sie reden, sondern mit ihnen diskutieren“: Die Kampagne Time2Talk gab arbeitenden Kindern und Jugendlichen eine Stimme.

Katrin Weidemann: Deshalb ist es wichtig, dass arbeitende Kinder und Jugendliche in sinnvoller Weise mit einbezogen werden („meaningful participation“). Sie müssen ihre Erfahrungen, Sichtweisen und Forderungen in Debatten einbringen. Sonst können keine effektiven Maßnahmen entwickelt werden, die ihre Situation verbessern.

Abschaffung von Kinderarbeit

Als Mitglied der Alliance 8.7 unterstützt die Kindernothilfe das gemeinsame Ziel der Abschaffung von Kinderarbeit. Wie wichtig ist der Einsatz der Kindernothilfe gegen Kinderarbeit auf politischer Ebene? Was fordern Sie von politscher Seite, damit Mädchen und Jungen nicht weiter unter ausbeuterischer Kinderarbeit leiden müssen?

Gottfried Mernyi: Das entschiedene Eintreten der Kindernothilfe gegen ausbeuterische Kinderarbeit braucht verstärkte Unterstützung. Sowohl der lokalen Partner in den Projekten und Regionen vor Ort als auch in Bündnissen und Netzwerken (in Europa).

Katrin Weidemann: Auch politische Akteur*innen müssen neben Familien, Schulen, Zivilgesellschaft und Arbeitgeber*innen mit einbezogen werden. Die Zusammenarbeit mit Politiker*innen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene ermöglicht es Kinderarbeiter:innen, in Diskursen und Debatten, die ihr Leben betreffen, ihre Sichtweise zu schildern. Wir fordern, dass die Politik diese Mädchen und Jungen und ihre Bedürfnisse ernst nimmt. Und so dazu beiträgt, wirklich effektive Maßnahmen zu entwickeln, die die Lebenssituation der Betroffenen verbessern und gemeinsam Veränderungen für ihr Leben bewirken. Außerdem müssen Schutz vor ausbeuterischer Kinderarbeit, Schutz vor Gewalt und Diskriminierung arbeitender Kinder und Jugendlicher und verbesserte Bildungschancen für alle gewährleistet werden.

Keine Zeit zum Spielen: arbeitende Kinder in einem Steinbruch in Guatemala (Foto: Kindernothilfe)
Kinderarbeit – wie hier in einem Steinbruch in Guatemala – ist die bekannteste, aber nicht einzige Verletzung der Kinderrechte, die globale Lieferketten verursachen. (Foto: Kindernothilfe)

Deborah Berra: Denn nachhaltige Änderung ist nur möglich, wenn die Politik auch ihre Verantwortung wahrnimmt. Als Kindernothilfe „erinnern“ wir sie daran.

Gottfried Mernyi: Gerade in der Debatte um europaweit gültige, und Unternehmen verpflichtende Lieferkettengesetze müssen wir das Thema bei allen Akteuren unter Hinweis auf die Kinderrechtskonvention nachdrücklich einfordern.

Kinderarbeit in Zeiten von Corona

Die weltweite COVID-19-Pandemie hat gravierende Auswirkungen auf die Lebensrealitäten von arbeitenden Kindern. Die aktuellen Zahlen der ILO zum Thema Kinderarbeit zeigen, dass die Anzahl arbeitender Kinder seit 2016 wieder zugenommen hat. Inwiefern ist das ein Rückschlag für die bisherigen Erfolge von Nichtregierungs-Organisationen? Was wünschen Sie sich persönlich für die betroffenen Kinder und ihre Familien?

Deborah Berra: Ich sehe es nicht als Rückschlag für die NGOs sondern als einen Rückschlag für unsere Welt. Ich persönlich bedaure diese Entwicklung sehr, ich sehe dadurch jedoch unsere Arbeit nicht in Frage gestellt. Jedes Kind, das wir in der Vergangenheit unterstützt haben, und in der Zukunft unterstützen können, zählt.

Globale Lieferketten: Plastikverwertung (Foto: Lennart Zech)
Ein Mädchen sortiert Plastikabfälle – ein kleines Zahnrad im Getriebe globaler Lieferketten. Effektive Maßnahmen gegen ausbeuterische Kinderarbeit sind gefordert. (Foto: Lennart Zech)

Katrin Weidemann: Die wachsende Anzahl arbeitender Kinder zeigt uns, dass die politischen Maßnahmen nicht effektiv waren und nicht einfach so weitergemacht werden kann wie bisher. Alle beteiligten Akteur:innen müssen in die Diskussion mit eingebunden werden. Für die Kinder und Jugendlichen wünsche ich mir, dass sie alle Zugang zu kostenlosen und guten Bildungsmöglichkeiten haben.

Gottfried Mernyi: Ich würde mich außerdem freuen, wenn die betroffenen Kinder und Familien in Zukunft verstärkt auf ihre Beteiligung an Lösungen der Missstände zählen können. Und auf konkrete Unterstützung durch die Kindernothilfe.

Kinderarbeit der Zukunft

Ein Blick in die Zukunft: Was möchten Sie im Hinblick auf Kinderarbeit heute in zehn Jahren erreicht haben? Welche Hoffnungen und Wünsche haben Sie?

Katrin Weidemann: Kinderarbeit ist ein komplexes und multidimensionales Phänomen. Da gibt es keine einfachen Antworten. Wir müssen Kinderarbeit immer im jeweiligen Kontext betrachten, und dann dazu passende, kontextspezifische Maßnahmen entwickeln. Nicht über sie reden, sondern mit ihnen diskutieren – das ist mir auch bei arbeitenden Kindern und Jugendlichen wichtig. Ihre Partizipation muss fester Bestandteil jeder Lösungssuche sein.

Es braucht effektive Maßnahmen gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Dann ist Schule kein Kindertraum mehr.

Gottfried Mernyi: Wenn viele engagierte Menschen sich an vielen Orten weltweit aktiv in viele Aktionen einbringen, können sie gemeinsam die ausbeuterische Kinderarbeit erfolgreich Geschichte werden lassen.

Deborah Berra: Und ich wünschte mir, dass kein Kind arbeiten müsste und alle Kinder dieser Welt die Möglichkeit hätten, als Kind aufwachsen zu dürfen.

Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny) Nie Zeit, Kind zu sein. Keine Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Kaum Aussicht, der Armut zu entkommen. Ausbeuterische Kinderarbeit ist ein ernstes Problem. Weltweit. Täglich. Die Coronapandemi[...]

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Ein Jahr mit Corona: So geht es arbeitenden Kindern weltweit

Bereits 2020 hat die Kindernothilfe in Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen eine explorative Studie über die Auswirkungen der Coronapandemie auf das Leben arbeitender Kinder und ihrer Familien durchgeführt. Wie es den arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Bolivien, Guatemala, Indonesien, Kenia, den Philippinen und Sambia seitdem ergangen ist, darüber haben wir mit ihnen in einer Folgebefragung gesprochen.

Stop abuse of children's work now (CESIP, Peru)
Stop abuse of children’s work now (CESIP, Peru)

Arbeitende Kinder berichten von ihren Erfahrungen nach einem Jahr COVID-19

Am schwierigsten war es, wenn meine Familie und ich nicht genug zu essen hatten. Meine Mama hatte keine Einnahmen mehr aus dem Verkauf von Quinoasaft, und mein Vater auch nicht, und ich habe sehr wenig verdient. Wir sind eine sehr große Familie.

Online-Unterricht war ein Problem, denn viele von uns hatten kein Telefon. So sind nur 30 Prozent aus meiner Klasse versetzt worden.

Alejandra, 17, aus Bolivien

Erste Ergebnisse

Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_1
Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_1
Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_2
Kindernothilfe Kinderarbeiter*innen Studie: Ein Jahr COVID-19_Kurzfassung Seite_2

Kurzfassung gratis herunterladen:

https://www.kindernothilfe.at/blog/wp-content/uploads/2021/06/Kindernothilfe-KinderarbeiterInnen-Studie-Ein-Jahr-COVID-19_Kurzfassung.pdf

Bereits 2020 hat die Kindernothilfe in Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen eine explorative Studie über die Auswirkungen der Coronapandemie auf das Leben arbeitender Kinder und ihrer Familien durchgeführt. Wie es den arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Bolivien, Guate[...]

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Das Netz ist voller Gefahren für Kinder

Im vergangenen Jahr ist die Digitalisierung stark vorangeschritten – auch mit negativen Konsequenzen. Gerade Mädchen und Buben sind im Internet zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Missbrauchsdarstellungen und sexualisierte Ausbeutung sind dabei die furchtbarsten Gewaltformen, die Kinder widerfahren. Besonders abscheulich sind Live-Übertragungen von sexualisierter Gewalt, die weltweit empfangen werden können und dadurch die Strafverfolgung erschweren. Aber gerade diese haben ein alarmierendes Ausmaß angenommen.

In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren online ausgesetzt. (Quelle: Jakob Studnar)
In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren online ausgesetzt. (Quelle: Jakob Studnar)

Das alltägliche Leben hat sich durch die Pandemie und ihre Folgen – Lockdowns, Schulschließungen und Reisebeschränkungen – weltweit stark verändert. Viele Lebensbereiche verlagern sich ins Internet. Nicht nur Erwachsene verbringen viel Zeit im Homeoffice, auch Kinder werden oft von Zuhause aus unterrichtet und sitzen deshalb vor den Bildschirmen. In ihrer Freizeit nutzen sie zusätzlich immer öfter soziale Medien und Online-Videospiele. Dabei sind die Kinder oftmals unbeaufsichtigt. Zudem sinkt das Alter von Kindern, die in die Online-Welt einsteigen.

Verlagerung vieler Lebensbereiche ins Internet

Die Digitalisierung bringt jedoch nicht nur Vorteile mit sich, sondern birgt auch Gefahren, vor allem für Kinder. Denn auch kriminelle Aktivitäten verlagern sich ins Netz und das weltweite Phänomen der sogenannte Cyber-Kriminalität hat im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen. Das Internet entwickelt sich immer mehr zum Schauplatz von Gewalt und immer öfter wird es für missbräuchliche Zwecke genutzt.

Online-Gewalt: Reale Gefahr für Kinder im digitalen Raum

Die Online-Gewalt, die Kinder erfahren, hat viele Formen: Zum einen die Gewalt unter den Kindern und Jugendlichen selbst (Cyber-Mobbing), zum anderen die Anbahnung sexueller Ausbeutung durch Erwachsene, die in sozialen Medien Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen (das sogenannte Grooming). Hinzu kommt die alarmierend steigende Zahl von Missbrauchsdarstellungen im Internet sowie die sexualisierte Gewalt an Kindern, die per Live-Stream übermittelt wird.

Die Digitalisierung birgt auch Gefahren – vor allem für Kinder. (Quelle: Jakob Studnar)
Die Digitalisierung birgt auch Gefahren – vor allem für Kinder. (Quelle: Jakob Studnar)

Sexualisierte Gewalt im Internet beginnt oft scheinbar harmlos. Erwachsene geben sich zum Beispiel als Kinder aus, um mit ihnen in Kontakt zu treten. Sie bauen allmählich Vertrauen zu diesen Kindern auf mit dem alleinigen Ziel, ihnen sexualisierte Gewalt anzutun. Den Kontakt stellen sie über Chat-Funktionen von Online-Spielen oder soziale Medien her. Dieses Vorgehen wird als Grooming bezeichnet. Ein sehr ernstzunehmendes Problem ist auch die Darstellung sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Internet, oft unzutreffend als Kinderpornografie bezeichnet. Diese Darstellungen waren schon vor der Pandemie sehr zahlreich und haben sich seitdem nochmals vervielfacht.

Behörden und Netzwerke melden steigende Zahlen

Verdächtiges Material aus der ganzen Welt sammelt unter anderem das halb-staatliche Nationale Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (National Center for Missing and Exploited Children – NCMEC) in den USA. Nach einer Prüfung leitet es die Medien für eine Strafverfolgung an die zuständigen Stellen weiter. Für die Jahre 2020/21 registrierte NCMEC eine Steigerung der eingehenden Verdachtsmeldungen um 31 Prozent.

Sexualisierte Gewalt im Internet beginnt oft scheinbar harmlos. (Quelle: Lorenz Töpperwien)
Sexualisierte Gewalt im Internet beginnt oft scheinbar harmlos. (Quelle: Lorenz Töpperwien)

Konkret erhöhte sich die Anzahl der Reporte von 16 Mio. Meldungen im Jahr 2020 auf 21 Mio. 2021. Ein Großteil der Meldungen stammt von Facebook. Das verdeutlicht, dass sexualisierter Online-Gewalt gegen Kinder nicht nur im sogenannten Dark Web stattfindet, sondern auch und vor allem im größten sozialen Netzwerk der Welt. Das FBI schätzt, dass weltweit täglich rund 750.000 potenzielle Sexualstraftäter auf der Suche nach Kindern im Internet sind.

Gefahren für Kinder im Internet weltweit

In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren im Internet ausgesetzt. Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. Von den rund 4,13 Milliarden Internetnutzer*innen weltweit lebt der größte Anteil in Asien (49%). Südostasien ist eine der internetaffinsten Regionen der Welt, wobei die Philippinen mit durchschnittlich 10 Stunden Bildschirmzeit pro Tag die globale Liste anführen. Afrika hingegen verzeichnet mit jährlich 20 % Wachstum an Internetnutzer*innen die stärksten Wachstumsraten. Allerdings ist das gesellschaftliche Bewusstsein für die Gefahren im Internet oftmals nicht gegeben und es fehlt dabei an geeigneten Rahmenbedingungen für den Kinderschutz. Regulierende Gesetze sind entweder nicht verabschiedet oder werden nur unzureichend implementiert.

Die Kindernothilfe ermöglicht Kinderschutz-Schulungen. (Quelle: Lars Heidrich)
Die Kindernothilfe ermöglicht Kinderschutz-Schulungen. (Quelle: Lars Heidrich)

Sensibilisierung für die Gefahren im Internet als Teil von Schulunterricht – ein Projekt der Stairway Foundation auf den Phillipinen

Zahlreiche unserer Partnerorganisationen setzen sich für den Schutz von Kindern im Internet ein. Eine herausragende Partnerorganisation ist dabei die Stairways Foundation. Ein gemeinsames Projekt mit der Stairway Foundation zielt darauf, Kinder und Jugendliche präventiv für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren. Dabei werden Schulen und andere Bildungseinrichtungen eingeschlossen. Hierzu hat Stairway Foundation ein entsprechendes Modul für den Schulunterreicht entwickelt –in Abstimmung mit dem Bildungsministerium. Ziel ist es, dieses Modul, dass Schüler:innen für die Gefahren im Internet sensibilisiert, fest im Unterricht zu verankern. Den coronabedingten Schulschließungen zur Folge hat Stairways das entsprechende Modul adaptiert, sodass es nun auch für den Fernunterricht genutzt werden kann.

Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)
Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)

Darüber hinaus werden im Rahmen des Projektes Pflichtenträger*innen in die Lage versetzt, Verdachtsfälle von Missbrauch schneller zu erkennen und kompetent darauf zu reagieren. Es bestärkt Lokalpolitiker*innen darin, den Schutz von Kindern durch gesetzliche Bestimmungen auf lokaler Ebene sicherzustellen.

Stairways hat vor einigen Jahren auch das regionale Netzwerk „Break the Silence“ gegründet, das mittlerweile 45 Organisationen zählt. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder beendet wird. Einige Partner von uns auf den Philippinen sind ebenfalls Teil dieses Netzwerks.

Eine effektivere Strafverfolgung fördern – die Arbeit von ECPAT Thailand

Unser Partner, ECPAT Foundation in Thailand, setzt sich ebenfalls dafür ein, sexuelle Gewalt an Kindern zu verhindern. Er arbeitet eng mit Behörden zusammen, um die gesetzlichen Grundlagen und die Strafverfolgung zu verbessern.  ECPAT schulte beispielsweise Strafverfolgungsbeamte, darunter Polizist*innen, Anwält*innen und Forensiker*innen, wie sie ordnungsgemäß bei Straftaten im Bereich der sexuellen Ausbeutung und der Missbrauchsdarstellungen von Kindern im Internet ermitteln. Sie übten mithilfe digitaler oder Computerforensik die Täter*innen und die Internetseiten, auf die Täter*innen zugreifen, zu identifizieren. Auf dem Programm stand ebenfalls, gelöschte und versteckte Dateien aufzuspüren und den Täter*innen somit besser auf die Spur zu kommen.

Auch mit dem Justizministerium arbeitete unser Projektpartner eng zusammen. So wurden mit weiteren Partnern gemeinsame Strategien für die Verwaltung und Behandlung spezifischer Missbrauchsfälle zwischen den verschiedenen thailändischen Strafverfolgungsbehörden entwickelt. Mithilfe von ECPAT entwickelte das Ministerium für Kinder und Jugendliche einen nationalen Strategieplan für den Online-Kinderschutz. Dadurch soll Missbrauch und die Ausbeutung von Kindern im Internet besser überwacht und bekämpft werden können.

Schulungen unserer Partnerorganisationen für einen besseren Schutz von Kindern im Internet

Als Kindernothilfe wollen wir unseren Partnern in ihrer Arbeit stärken. Unter anderem bieten wir ihnen und anderen interessierten Organisationen deshalb Weiterbildungen an. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Thema Kinderschutz. In unser Portfolio haben wir auch den Schutz von Kindern im Internet aufgenommen. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben wir im Rahmen unserer Schulungen ein Modul zu Online-Sicherheit entwickelt und führen es derzeit mit vielen unserer Partnerorganisationen durch. Zudem unterstützen wir sie dabei, sich auf politischer Ebene – lokal, national oder international – für bessere Rahmenbedingungen stark zu machen.

* ECPAT steht für End Child Prostitution, Child Pornography & Trafficking of Children for Sexual Purposes. In Zusammenarbeit mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen engagiert sich die Arbeitsgemeinschaft in verschiedenen Kampagnen und Projekten zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit, der Entwicklung von Präventivmaßnahmen und der Schaffung von rechtlichen Grundlagen zum Schutz der Kinder.

Im vergangenen Jahr ist die Digitalisierung stark vorangeschritten – auch mit negativen Konsequenzen. Gerade Mädchen und Buben sind im Internet zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Missbrauchsdarstellungen und sexualisierte Ausbeutung sind dabei die furchtbarsten Gewaltformen, die Kinder widerfahren.[...]

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