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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

So konnten wir mit Ihren Spenden helfen. DANKE!

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle)

Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicheres Land, das auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist. Regelmäßig auftretende Dürren führen zu Verknappung von Weideland und Wasser sowie zu drastisch erhöhten Preisen für Nahrungsmittel. In diesem Umfeld spielt Bildung eine sehr untergordnete Rolle und insbesondere die Schulbildung von Mädchen wird kaum bis überhaupt nicht unterstützt. Das Bildungsniveau ist per se niedrig, da es kaum weiterführende Schulen gibt und ohne Platz in einem Schülerwohnheim der Unterrichtsbesuch für die meisten Schüler nicht möglich ist, da die Wege zwischen ihrem Zuhause und der Schule zu weit sind. Somit ist der Besuch der Schule mit Kosten verbunden, wodurch viele von ihnen die Schule abbrechen und stattdessen versuchen, als Tagelöhner etwas Geld zu verdienen.

Bildung ist eine elementare Voraussetzung für den Weg aus der Armut (Foto: Karl Pfahler).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im Schülerwohnheim Dollo-Negelle konnten wir 128 Kinder (70 Buben, 59 Mädchen) während der Schulzeit ein zeitweises Zuhause ermöglichen, in dem sie jeder ein Bett mit Matratze, Decke und Polster haben. Neben einer ausgewogenen Ernährung (Eier, Fleisch, Gemüse, lokale Nahrungsmittel, etc.), die für die Entwicklung der Kinder unerlässlich ist, wurden alle mit ausreichenden Hygieneartikeln versorgt und erhielten regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, um Krankheiten vorzubeugen.

Alle 128 Kinder sind in die nächste Klasse aufgestiegen, 90% haben die nationalen Examen erfolgreich absolviert.

Chikuni, Sambia (Bildung durch Radioschulen)

Die meisten Menschen in den 180 Dörfern der Gemeinde Chikuni, südwestlich von Sambias Hauptstadt Lusaka, leben in extremer Armut von der Subsistenzwirtschaft. Aufgrund schlechter Bodenqualität und immer häufiger auftretenden Wetterextremen (Trockenzeit, sintflutartige Regenfälle) kann die Mehrheit der hier lebenden Bäuerinnen und Bauern kaum genug Nahrung für den Eigenbedarf produzieren. Viele Familienmitglieder sind unterernährt, wobei die Kinder am stärksten davon betroffen sind.

Die extreme Armut führt auch dazu, dass die Kinder vieler Familien von vornherein dazu gezwungen sind, auf den Schulbesuch zu verzichten und durch Arbeit zum Einkommen der Eltern beizutragen. Außerdem gibt es in der Region kaum öffentliche Schulen bzw. ist der Weg zu den wenig vorhandenen(?) bis zu 20 km lang. Daher besuchen fast 80% der dort lebenden Mädchen und Buben den Schulunterricht gar nicht oder sehr unregelmäßig.

So hat Ihre Spende geholfen:

Mit Hilfe von 23 Radioschulen nehmen Kinder und Jugendliche an einem Bildungsprogramm teil, die sonst keine Möglichkeit zu einem Schulbesuch hätten. Dafür wurde ein tägliches Sendeprogramm in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen entwickelt und Bildungsmaterialien erstellt.

2017 wurden 150 Unterrichtseinheiten ausgestrahlt, die 2.221 Kinder der Klassenstufen 2, 4, 6 und 7 sowie 527 Erwachsene erreichten. Die Kinder nahmen am Schuljahresende erfolgreich an den staatlichen Abschlussprüfungen teil.

Verbesserung der Ernährungssituation

Um der schwierigen Ernährungssituation und verbreiteten Armut besser begegnen zu können, wurde der Schulunterricht lebensnaher und praxisorientierter gestaltet. Das bedeutet, dass die Kinder und ihre Eltern über landwirtschaftliche Zusammenhänge unterrichtet werden. Somit leistet der Unterricht einen großen Beitrag zur Ernährungssicherung.

Dafür werden in jedem Dorf eine Baumschule und ein Gemüsegarten angelegt. Hinzu kommen Brunnen und Bewässerungsanlagen. Zusätzlich wurden Gartenwerkzeug, Saatgut und Lehrmaterial zur Verfügung gestellt. In jedem Dorf vermitteln zwei LehrerInnen und zwei ExpertInnen den Lehrstoff und setzen ihn mit den Kindern praktisch um.

An die ärmsten Familien wurden in Chikuni 2 Ziegen und 11 Hühner verteilt. Zudem wurden 11.700kg Erdnüsse und 160 Bells of Sugar für das Ernährungsprogramm bereitgestellt.

Mirmali, Indien (Gegen Kinderarbeit in Ziegeleien)

In Bihar, dem ärmsten Bundesstaat Indiens, unterstützen wir fünf fünf Dalit-Dörfer („die Unberührbaren“)Diese liegen am Fluss Koshi und werden in der Monsunzeit immer wieder überschwemmt. Um zu überleben arbeiten die Mitglieder dieser benachteiligten Minderheit unter ausbeuterischen Bedingungen in einer der umliegenden Ziegelbrennereien und beziehen auch ihre Töchter und Söhne in den Arbeitsalltag mit ein. Somit bleibt zahlreichen Dalit-Kindern der Schulbesuch verwehrt.

Vorherrschende Armut und mangelnde Hygiene bringen Krankheiten mit sich: das dreckige Wasser verursacht Durchfall. Infektionen, Malaria und ähnliches treten ebenso oft auf, sodass die Krankheiten den Kindern sehr zusetzen.

Indien: Schulbesuch statt Arbeit in der Ziegelei (Foto: Jakob Studnar)

So hat Ihre Spende geholfen:

In den Projektförderschulen erhielten 413 Kinder einen informellen Unterricht für die Jahrgangsstufen 1-5. Dadurch lernten sie einen routinierten Schulalltag kennen (4 Studen / Tag rechnen, schreiben lesen) und wurden auf den Übertritt in eine staatliche Schule vorbereitet. 35 Kinder schafften es erfolgreich, auf eine staatliche Schule zu wechseln. Unter den 413 Kindern nahmen 181 Mädchen am Unterricht teil – eine sehr erfreuliche Entwicklung, da den meisten Mädchen noch vor ein paar Jahren im sehr traditionellen Bundesstaat Bildung verweigert blieb.

Zusätzlich wurden 98 junge Frauen auf dem Weg in ein eigenständiges Berufsleben unterstützt, 33 von ihnen eröffneten nach den Berufsbildungsstunden erfolgreich ihre eignene Scheiderei und verdienen nun das 15-16fache im Vergleich zum Lohn in der Ziegelbrennerei.

In den Förderzentren befindet sich auch ein Arzt, der die Kinder im Krankheitsfall mit Medikamenten versorgt. Zudem konnten jedes Monat kostenlose, medizinische Untersuchungen angeboten werden, zu denen insgesamt 587 Mädchen und Buben kamen.

Carrefour, Haiti (Schulessen in Ecole St. Francois de Salle nach der Naturkatastrophe)

Haiti ist ein Land mit nur schwachen staatlichen Strukturen, das unter einer großen politischen und wirtschaftlichen Instablilität leidet. Zudem wird das Land immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen (2010 Erdbeben, 2016 Hurrikan “Matthew”) heimgesucht. Hohe Arbeitslosigkeit, eine unsichere Ernährungslage und große Armut kennzeichnen die schwierigen Lebenssituation der meisten Menschen, in der Bildung keinerlei Priorität hat. Es gibt viel zu wenige kostenlose, öffentliche Schulen, und auch die Qualität des Unterrichts ist mehr als dürftig. Außerdem sind viele Familien darauf angewiesen, dass ihre Töchter und Söhne zum Familieneinkommen beitragen.

In Carrefour, der zweitgrößten Stadt Haitis, sind die Folgen der Naturkatastrophen nach wie vor spürbar und die Armut besonders hoch, da Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten und qualitativ hochwertige Bildungsangebote fehlen. Große Teile der Bevölkerung leiden unter chronischer Unterernährung und die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend (ein Arzt ist für 7000 Menschen zuständig). Jedes zweite Kind kommt schon mit Merkmalen der Unterernährung auf die Welt. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch: 69 je 1000 Kinder sterben vor ihrem fünften Lebensjahr. Allein 42,3% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Haiti: In der wieder aufgebauten Ecole Saint Francois de Salle ist Lernen wieder möglich. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

In der Ecole Saint Francois de Salle, die bei dem Erbeben 2010 völlig zerstört, danach mit Unterstützung der Kindernothilfe erdbebensicher wieder errichtet wurde, können Kinder die komplette Schullaufbahn vom Kindergarten bis zur Matura absolvieren. Durch die staatliche Anerkennung der Schule qualifiziert der Schulabschluss für eine mögliche universitäre oder berufliche Ausbildung.

Letztes Jahr wurden 1.247 Schüler unterrichtet, die vier Leistungskontrollen wurden von allen zufriedenstellend absolviert und alle Schüler des 9. Jahrganges bestanden die offiziellen Prüfungen und damit den Übergang in die weiterführende Schule. Zudem erhielten alle Kindern3 warme Mahlzeiten und 2 Snacks pro Woche. Auch die entsprechende medizinische Versorgung inkl. regelmäßiger Impfkampagnen für alle Kinder konnte gewährleistet warden.

Chaqui, Bolivien (Inklusion, Förderung von Kindern mit Behinderung)

Chaqui ist eine der ärmsten Kommunen Boliviens. Die Menschen leben in kleinen Unterkünften aus Lehmziegeln und mit Bretterdächern, die mit Lehm und Stroh abgedichtet werden. Es gibt keine Elektrizität und nur wenige Menschen haben Zugang zu Trinkwasser. In den Gemeinden ist die Gesundheitsversorgung sehr unzureichend. Neben der weit verbreiteten Mangelernährung und ihren Auswirkungen stellen fehlende bzw. mangelhafte Schul- und Ausbildungsangebote ein großes Problem dar. Die Schulen verfügen meist weder über Sanitäranlagen noch über angemessene Wohnungen für die Lehrer, die wegen der Abgelegenheit der Dörfer die Arbeitswoche über in der Schule leben. Sie reichen nur bis zur 4. oder 5. Klasse; dennoch schließt ein Großteil der Kinder noch nicht einmal diese ab.

Die Lernbedingungen und –angebote sind somit für alle Schüler schlecht; für Kinder mit Behinderungen sind sie jedoch katastrophal bzw. meist von vornherein überhaupt nicht zugänglich.

Bolivien: Kinder mit Beeinträchtigung haben es nach wie vor sehr schwer. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

Es konnten 250 Familien unterstützt und 39 Kinder mit Behinderung ein Schulbesuch ermöglicht werden. Zudem wurden im Rahmen einer breiten Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen über Kinderrechte und Behinderung 246 Lehrkräfte und verschiedenen Bildungseinrichtungen befähigt, Kinderrechte zu vermitteln. In der Schule wurden Lehrmaterialien mit bunten Illustrationen und Geschichten erstellt, um Kindesschutz und Kinderrechte verständlich und kindgerecht aufzubereiten. Nicht zuletzt wurden architektonische Barrieren an Schulen beseitigt, um für alle Kinder ungehinderten Zugang zu gewährleisten.

Moro, Peru (Wiederaufbau nach den Überschwemmungen)

Peru wurde im März 2017 wochenlang von Unwettern mit nie dagewesenen Regenmassen heimgesucht. Im ganzen Land wurden Häuser von 72.000 Menschen zerstört, insgesamt leideten etwa 600.000 Peruaner unter den Folgen des Unwetters: Hunger, Durst, zerstörte Infrastruktur und mangelnde Hygiene. Zehntausende Menschen wurden infolge dessen obdachlos und standen vor dem Nichts.

Peru: Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen (Foto: Jürgen Schübelin).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im ländlichen Distrikt Moro im Norden Perus konnten durch Soforthilfemaßnhamen 600 Familien mit dem Notwendigsten wie Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneartikel und Medikamente versorgt warden.

In der Folge konnten 43 der zerstörten Häuser, die aufgrund ihrer traditionellen regionstypischen Lehmziegelbauweise den Überschwemmungen und Schlammlawinen nicht Stand halten konnten, wiederaufgebaut werden.

Sulawesi, Indonesien (Child Friendly Spaces nach dem Tsunami)

Die indonesische Insel Sulawesi wurde heuer von einem verheerenden Tsunami und Folgeerdbeben heimgesucht und hinterließ gravierende Spuren: 300.000 Überlebende ohne Obdach, 67.000 unbewohnbare Häuser, 2.700 beschädigte Schulen und 20 wichtige Gesundheitseinrichtungen. Auch die Wasserversorgung war tagelang außer Funktion.

Zurück blieben Tausende von Menschen schwer traumatisiert, darunter rund 50.000 Kinder, die dringend Hilfe und besondere Unterstrützung benötigten.

Indonesien: In Child Friendly Spaces können Kinder nach der Katastrophe einfach nur Kind sein (Foto: Karl Andersson).

So hat Ihre Spende geholfen:

Durch Soforthilfemaßnahmen konnte ein provisorisches Kinderzentrum, ein sogenannter Child Friendly Space, errichtet werden, in dem 40 Kindern unmittelbare Unterstützung durch fachkundiges Personal ermöglicht wurde. So konnte den Mädchen und Buben ein geschützter Raum geboten werden, den sie brauchen, um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie erhielten psychosoziale Unterstützung, regelmäßige Mahlzeiten und die Möglichkeit eines halbwegs geregelten Tagesablaufes, der dabei hilft, ihre Ängste durch gemeinsames Spielen zu überwinden.

Zudem wurde im krisengebeutelten Palu-Distrikt ein 2-Tages-Traumaworkshop zu Kinderrechten, Einführungen zum Thema Trauma, Selbstversorgung und behutsamen traumalösenden Übungen für 565 Pädagogen abgehalten.

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle) Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicher[...]

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Kinder und Jugendliche ohne Schutz auf dem Weg in die USA: Tausende auf der Flucht aus Mittelamerika

Seit Tagen berichten die Medien über Tausende von Flüchtlingen aus Honduras, El Salvador und Guatemala, die Richtung US-Grenze durch Mexiko ziehen. Nach UN-Angaben sollen es mittlerweile 7.000 Menschen sein. Sie fliehen vor Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit aus ihren Heimatländern. 

Honduras schickt Busse, um die Flüchtlinge zurückzuholen (Bastian Strauch)

Am Freitag überquerten sie die Grenze zu Mexiko. Dort wurden sie zunächst gestoppt, nachdem sie erfolglos versucht hatten, die Grenzposten zu überwinden. Über den Grenzfluss Suchiate gelangten dennoch die meisten nach Mexiko. Dieses Vorgehen ist seit Jahren Alltag in Mexiko: Oben am Grenzposten wird abgewiesen, aber unten am Fluss, unter den Augen der Beamten, läuft das Fährgeschäft zur illegalen Einreise.

Die Dramen an der mexikanischen Grenze bewegen nur wenige Migranten zur Umkehr. Der honduranische Präsident Juan Orlando versprach den Flüchtlingen Geschenke, wenn sie zurückkämen, und schickte Busse. Doch viele wollen weiter versuchen, in die USA zu kommen. In Mexiko haben sie bisher 40 Kilometer der Strecke geschafft, doch bis zur US-Grenze sind es je nach Route 2.000 bis 4.000 Kilometer. Zwar solidarisieren sich manche Mexikaner mit den Flüchtenden, versorgen sie mit Wasser und Essen, doch ihre Situation wird immer prekärer.

US-Präsident Trump droht bereits mit der Schließung der Grenze zu Mexiko und kündigt an, Hilfsgelder für Guatemala, El Salvador und Honduras zu kürzen, da sie die Menschen nicht daran hindern, ihre Heimat zu verlassen und illegal in die USA zu kommen. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Lokalen Medien zufolge machen sich bereits weitere 1.500 Menschen aus Honduras auf den Weg in die USA.

Dringender Appell der Kindernothilfe Honduras
Die Kindernothilfe ist besonders besorgt über die Situation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter den Flüchtlingen. „Ich bitte die internationale Gemeinschaft, den Blick nicht von Mittelamerika abzuwenden“, appelliert Dr. Elmer Villeda, Direktor der Kindernothilfe Honduras: „Die Rechte von Menschen auf der Flucht, besonders von Kindern und Jugendlichen, müssen gewahrt werden. Die Drohungen des amerikanischen Präsidenten haben gefruchtet: Die Regierungen von Honduras und Guatemala haben verkündet, dass sie eine sichere Rückführung der Migranten veranlassen und die Grenzkontrollen verschärfen werden. Die Partner der Kindernothilfe in Honduras und Guatemala sind alarmiert und beobachten die Situation mit großer Sorge.“

„Migration ist kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht!“
Aus Guatemala melden sich Myrella Saadeh und Jorge Medrano vom Kindernothilfe-Partner PAMI zu Wort: „Die Tausenden Menschen aus Honduras, die in ihrer Verzweiflung Richtung Norden ziehen, sind ein weiterer Indikator für die schweren Bedingungen, für die Gewalt und die Menschenrechtsverletzungen, unter denen vor allem die Kinder und Jugendlichen des Landes leiden. Die Behörden der Länder entlang der Fluchtroute bieten denjenigen, die sich auf diesen Verzweiflungsmarsch gemacht haben, kein Asyl, keine Zuflucht und keine Rückkehr in Würde. Mehr noch, sie beschuldigen die Migranten, für diesen Exodus selbst verantwortlich zu sein, ohne zu ihrer eigener Verantwortung zu stehen und einzuräumen, dass sie Gesetze und Abkommen umgehen, die den Schutz der Bevölkerung  sichern würden.“

Laut PAMI haben die Zivilgesellschaft in den betroffenen Ländern und die katholische Kirche in den vergangenen Tagen eine wichtige Rolle gespielt: Sie haben Flüchtenden Unterkunft, Schutz, Nahrung, Wasser und Transportmöglichkeiten gegeben. Sie identifizieren sich aufrichtig mit den Migranten, denn sie wissen von dem harten Leben, unter dem viele Honduraner leiden. Damit setzen sie das wichtige Zeichen, dass hier ein Mensch unterwegs ist, dessen Rechte respektiert werden sollten. Denn „Migration ist kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht. Die Durchreise der Flüchtlinge durch Guatemala auf dem Weg nach Mexiko darf nicht eingeschränkt werden. Der Staat Guatemala muss den Menschen auf der Flucht Unterstützung und Sicherheit bieten und vor allem den Schutz von Kindern und Jugendlichen gewährleisten.“

 

Seit den 70er Jahren unterstützt die Kindernothilfe gemeinsam mit lokalen Partner aus beiden Ländern Projekte für junge Menschen in Guatemala und Honduras, die aus Not ihr Heimatland verlassen sowie für diejenigen, die bereits migriert sind und aus Ländern entlang der Fluchtroute in ihre Heimatländer Honduras und Guatemala zurückgeführt werden.

Seit Tagen berichten die Medien über Tausende von Flüchtlingen aus Honduras, El Salvador und Guatemala, die Richtung US-Grenze durch Mexiko ziehen. Nach UN-Angaben sollen es mittlerweile 7.000 Menschen sein. Sie fliehen vor Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit aus ihren Heimatländern.  A[...]

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Tsunamikatastrophe in Sulawesi: Trauma- und Bildungs-Workshops für Pädagoginnen

Unsere Partnerorganisation AMURT Indonesien bietet ab sofort im krisengebeutelten Palu-Distrikt Workshops und psychosoziale Unterstützung für 600 Grundschullehrerinnen und Kindergärtnerinnen an. Der Pilotworkshop stieß auf so großes Interesse, dass Offizielle des Bildungsministeriums im Palu-Distrikt spontan eine Ausweitung der Schulungen arrangierten.

Nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami in Indonesien fehlt es den Menschen an allem. 300.000 Überlebende sind ohne Obdach, 67.310 Häuser sind unbewohnbar. 2.700 Schulen sind beschädigt, dazu kommen 20 wichtige Gesundheitseinrichtungen. Auch die Wasserversorgung ist außer Funktion.

Pilottraining von Betreuungspersonal für provisorische Kinderzentren in Sulawesi (Karl Andersson)

Schnell wird da vergessen, dass die Katastrophe bei den Menschen auch Spuren hinterlassen hat, die nicht sofort sichtbar sind. Psychische Belastungen und Stress haben auf lange Sicht gesehen negative Auswirkungen auf die betroffenen Menschen. Es ist unerlässlich, die Menschen dabei zu unterstützen, das Erlebte zu verarbeiten. Nur so kann möglichst bald wieder Alltag einkehren, können Menschen ihren Berufen nachgehen – Berufen wie z. B. Lehrerin oder Kindergärtnerin.

„Wenn ich jemals vergessen habe, warum wir tun, was wir tun – heute wurde es mir neu bestätigt“

Und genau an diesem Punkt hat AMURT Indonesien im Palu-Distrikt eine Lücke entdeckt: Keine Organisation kümmerte sich um Pädagoginnen, die kleine Kinder betreuen. Lehrerinnen und Erzieherinnen hatten bisher weder selbst Trauma-Behandlung erhalten, noch gab es Organisationen, die ihnen zeigten, wie sie mit traumatisierten Kindern umgehen sollten.

Ein zweitägiges Pilottraining unseres Partners zu Kinderrechten, Einführungen zum Thema Trauma, Selbstversorgung und behutsamen traumalösenden Übungen, kam bei allen Teilnehmerinnen sehr gut an. Schon jetzt sind erste Erfolge zu erkennen. „Was für eine Verwandlung! Wenn ich jemals vergessen habe, warum wir tun, was wir tun, wurde es mir heute neu bestätigt“, schwärmt Karl Andersson, Koordinator der weltweiten humanitären Hilfe von AMURT. „Bei ihrer Ankunft waren die Lehrerinnen niedergeschlagen und voller Sorge über ihr Leben, ihre Familien und ihre Kindergärten und Schulen. Am Ende des Tages konnten die Frauen schon wieder singen, lachen und tanzen.“

Frauengruppe beim gemeinsamen Yoga (Foto: Karl Adersson)

Der Erfolg machte das Bildungsministerium aufmerksam

Mitarbeiter aus dem Bildungsministerium des Palu Distrikts arrangierten umgehend AMURT-Workshops an verschiedenen Standorten für die nächsten zehn Tage. So können bereits jetzt insgesamt 600 Pädagoginnen geschult werden.

AMURT Indonesien plant daran anschließend einen einmonatigen Zurück-in-die-Schule/in die Kita- Workshop für ebenfalls rund 600 Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen – 80 Prozent von ihnen haben an dem Trauma-Workshop teilgenommen. Dort lernen sie – übergangsweise, bis Schulen und Kindergärten wieder eröffnen -, Aktivitäten wie in unseren Kinderzentren abzuhalten: mit Lernangeboten, Spielen, Singen, Tanzen, Sport, Malen.

 

Unsere Partnerorganisation AMURT Indonesien bietet ab sofort im krisengebeutelten Palu-Distrikt Workshops und psychosoziale Unterstützung für 600 Grundschullehrerinnen und Kindergärtnerinnen an. Der Pilotworkshop stieß auf so großes Interesse, dass Offizielle des Bildungsministeriums im Palu-Di[...]

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Kinderhandel in Peru: Gemeinsam gegen „trata“!

Weltweit zwölf Millionen Menschen wurden 2016 Opfer einer sogenannten „trata“ – einer Entführung mit dem Ziel, sie kommerziell sexuell auszubeuten. Die meisten waren minderjährig. In Peru kämpft der Kindernothilfe-Partner Paz y Esperanza gegen das organisierte Verbrechen.

Die Einladung war einfach unwiderstehlich: Direkt ins Studio, zu Cuéntamelo todo („Erzähl’ mir alles“) mit tollen Fernsehstars. Einmal Show- Ambiente schnuppern und dazu eine Reise nach Lima, in die Hauptstadt! Wochenlang hatte ihr Freund ihr vorgeschwärmt, wie toll das wäre, wenn sie mitkommen würde. Nur erzählen dürfe sie niemandem von dem Plan, vor allem nicht zu Hause, weil dann alle nur neidisch sein würden. Am Ende war es dann ganz einfach: Er wartete vor der Schule in Moyobamba auf sie. Am Omnibusbahnhof, stiegen sie in den Überlandbus. Aber in Lima kamen sie nie an. Das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt, ihr angeblicher Freund, der Mann, der sie entführte, 24.

Zaida Márquez redet sich regelrecht in Rage, als sie diese Geschichte erzählt. Die 14-jährige Schülerin aus Lamas ist Klassensprecherin und Trata-Präventions-Aktivistin. Immer wieder hat sie miterlebt, wie Kinder aus ihrer Umgebung verschwunden sind und welche Katastrophe das für die Familien bedeutete: „Die Polizei nimmt“, sagt Zaida, „ganz oft die Hinweise und Warnungen von Kindern und Jugendlichen nicht ernst – oder reagiert erst, wenn es zu spät ist. Trata wird verharmlost und runtergespielt!“ Der Begriff trata  steht im Spanischen für Menschenhandel, für die Entführung von Personen – ganz oft mit dem Ziel, sie kommerziell und unter Anwendung von Gewalt sexuell zu missbrauchen. Im Durchschnitt sind die meisten Opfer gerade einmal zwischen zwölf und 17 Jahren alt.

„Trata“ ist wie ein wucherndes Krebsgeschwür

Schluss mit sexueller Ausbeutung und Menschenhandel. (Jürgen Schübelin)

„Trata“, pflichtet Karol Vela, Projektverantwortlicher im Regionalbüro des Kindernothilfe-Partners Paz y Esperanza in Moyobamba im Nordosten von Peru, Zaida bei, „das ist wie ein wucherndes Krebsgeschwür, das die Provinz Alto Amazonas und die Region San Martin und Loreto befallen hat.“ Selbst die offiziellen Zahlen der peruanischen Generalstaatsanwaltschaft und des Innenministeriums in Lima untermauern diesen Befund: Waren es zwischen 2009 und 2015 insgesamt 3.130 Fälle von Entführungen und Menschenhandel, die den Behörden angezeigt wurden, so stieg diese Zahl 2016 bereits auf über 1.000 und im vergangenen Jahr sogar auf 1.433 dokumentierte Fälle an. Aber alle Fachleute weisen darauf hin, dass diese offiziellen Zahlen höchstens die Spitze des Eisbergs erahnen lassen. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNDOC) mit Sitz in Wien hat für 2016 errechnet, dass weltweit mehr als zwölf Millionen Menschen Opfer von trata geworden sind – und beziffert die jährlichen Gewinne der Menschenhändler auf atemberaubende 28 Milliarden Euro.

Warum gerade die eindrucksvolle, dichtbewaldete Berglandschaft am Osthang der Anden, dort, wo die drei Quellflüsse Marañón, Huallaga und Ucayali den Amazonas-Strom entstehen lassen, zu einer Art Epizentrum des trata-Problems in Peru geworden ist, hat für Karol Vela mit Geographie und Politik zu tun: „Das hier ist eine Transit-Region. Hier führen alle wichtigen Straßenrouten in das Amazonas-Tiefland und nach Brasilien durch. Und von hier aus geht es nach Westen in die großen urbanen Zentren Perus, nach Lima oder nach Chiclayo. Und hier war die Präsenz von Polizei und Justiz historisch immer sehr ausgedünnt, weil die Region wirtschaftlich einfach keine große Rolle spielte.“

Kontaktaufnahme per Smartphone und die Social Media

Durch intensive Präventionsarbeit werden Kinder und Jugendlichen auf die Gefahren und Risiken der trata aufgeklärt. (Jürgen Schübelin)

Ideale Bedingungen für kriminelle Strukturen, Menschenhändler und ihr Unterstützerumfeld. Aber es kommen noch vier weitere, in dieser Kombination verhängnisvolle Faktoren hinzu: Die chronische Armut im Alto Amazonas, der hohe Anteil an indigener Bevölkerung, ein auch im Vergleich zu anderen Landesteilen niedriger Bildungsstand und das Fehlen von Zukunftsperspektiven für junge Menschen. Zaida, die 14-jährige Anti-trata-Aktivistin, erklärt sehr präzise, was dann passiert: „Die Typen, die sich an die Mädchen heranmachen, haben sich genau umgeschaut. Sie suchen sich Mädchen heraus, die das Bedürfnis haben, mal im Rampenlicht zu stehen, die davon träumen, an Kindershows im Fernsehen mitzumachen oder die Produkte im Internet vorstellen wollen, also berühmte Influencerinnen werden möchten. Neulich hat jemand sogar einer Freundin versprochen, dass er ihr helfen würde, als Stewardess in einem Flugzeug zu arbeiten.“

Diese Versprechen sind wie ein schleichendes Gift. Ganz viel spielt sich dabei mittlerweile über das Smartphone und die Social Media ab: YouTube, Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter, WhatsApp und andere Messenger-Dienste werden auch im Alto Amazonas intensiv genutzt. Sie erleichtern das Geschäft von Kriminellen, Kontakte zu Kindern und Jugendlichen zu knüpfen, sie psychologisch zu manipulieren, unter Druck zu setzen. Durch Techniken wie sexting (die Aufforderung, per Selfie erotische Aufnahmen von sich zu machen und zu versenden) oder grooming (Erwachsene erschleichen sich über Social-Media-Seiten und gefälschte Profile das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen) machen sie sie gefügig– und bewegen sie so zum Mitkommen. „Wenn ein Kind erst einmal mit einem fremden Erwachsenen in einen Bus oder einen Pickup eingestiegen ist“, räumt Karol Vela , „haben wir so gut wie keine Chance mehr, um die Katastrophe abzuwenden.“ Überlandbusse werden nur ganz selten kontrolliert, Privatfahrzeuge gar nicht.

Im Fall des Mädchens, das vor seiner Schule in Moyobamba verschwunden ist, angeblich, um zu einer Fernsehshow zu reisen, waren es Verwandte, die das Kind zufällig nach Monaten im 350 Kilometer entfernten Jaén entdeckten. Ihr Entführer hatte sie in ein vor allem von Lastwagenfahrern frequentiertes Bordell verschleppt. Weil die  traumatisierte Familie keine Strafanzeige stellte, blieb das Verbrechen ohne rechtliche Konsequenzen.

Theaterstücke zur Aufklärung über „trata“

Peru: Theaterstücke zur Aufklärung über „trata“ (Jürgen Schübelin)

Das Regionalteam von Paz y Esperanza hat sich angesichts der Dramatik des Problems für eine konsequente Doppelstrategie entschieden. Deren erste Komponente ist eine flächendeckende, 30 Schulen in der Region zwischen Tarapoto und Moyobamba umfassende Präventionsarbeit, an der sich Kinder und Jugendliche, mehr als 200 Lehrer und zahlreiche Eltern beteiligen. „Am Anfang gab es sehr viel Nichtwissen, aber auch Hemmschwellen, um über Probleme in den Familien zu sprechen“, räumt Eugenio Silva, der Schulleiter der Grund- und Sekundarschule von Barranquita, ein: „Aber genau diese Probleme zwischen Erwachsenen und Kindern, das fehlende Vertrauen oder auch die Erfahrung von Gewalt in der Familie sind die Sollbruchstellen, die Kriminelle nutzen, um sich an die Kinder ranzumachen.“ Aber auch  Lehrer mussten lernen, sorgfältiger hinzuschauen und zu reagieren, etwa dann, wenn sie bemerken, dass Kinder plötzlich über mehr Geld als üblich verfügen – oder über ein neues, teures Smartphone, obwohl es der Familie insgesamt wirtschaftlich nicht besser geht.

Den wohl wichtigsten Beitrag zur Prävention im Alto Amazonas leisten jedoch die Kinder und Jugendlichen selbst: Aktivistinnen wie  Zaida, die mittlerweile jede Menge anderer Schulen besucht hat, um über ihre Erfahrungen und Beobachtungen in Sachen trata zu sprechen, oder aber die mehr als 20 Schultheatergruppen, die während eines ganzen Schuljahres Stücke geschrieben und eingeübt hatten, in denen es um trata geht. In Barranquita spielen sie auf dem Schulsportplatz vor allen Mitschülern die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die einwilligt, ihre beiden Töchter einem überaus chic angezogen und eloquent auftretenden Cousin aus Lima anzuvertrauen, der vorgibt, ganz dringend zwei Mitarbeiterinnen für ein vornehmes Restaurant zu benötigen. Die Geschichte im Stück geht nicht gut aus: Der Cousin verkauft die beiden Mädchen in ein Bordell, wo sie brutal misshandelt werden. Und am Ende töten die Peiniger nach einem Fluchtversuch eines der beiden Kinder. Die  Mädchen und Jungen spielen das alles so eindrucksvoll, dass zum Schluss allen Zuschauenden, Kindern und Erwachsenen, die Tränen in den Augen stehen.

Ein Netzwerk gegen die “trata“

Kinder und Jugendliche entwickeln ein Bewusstsein für ihre Rechte. (Jürgen Schübelin)

Die zweite Komponente dieser erbittert geführten Auseinandersetzung und dem mühsamen Engagement gegen trata hat mit den handelnden staatlichen Akteuren zu tun. Seit sechs Jahren kämpft das Paz y Esperanza-Team darum, die Verantwortlichen der verschiedenen Behörden und Institutionen an einen Tisch zu bekommen. 2013 erlies die Regionalregierung immerhin ein Dekret, um im Alto Amazonas ein regionales Netzwerk gegen trata zu konstituieren. Kompetenzstreitigkeiten und wohl auch fehlendes Vertrauen zwischen den handelnden Personen verhinderten, dass die Initiative Erfolg hatte. Erst mit dem zweiten Anlauf kam 2015 la Red Regional contra la Trata schließlich zustande: Jetzt finden regelmäßige Treffen zwischen den verschiedenen Polizeibehörden, der Staatsanwaltschaft, den Schulämtern, der Regionalverwaltung, den Krankenhäusern und Organisationen aus der Zivilgesellschaft wie Paz y Esperanza statt. Das Netzwerk hat drei Unterkommissionen konstituiert: für Vorbeugung, Strafverfolgung der Täter und für die medizinische und psychologische Hilfe für die Opfer und ihre Familien.

Karol Vela räumt ein: „Das Thema ist endlich in der Region angekommen. Die Verantwortlichen sind aufgewacht.“ Zu spüren bekommen das auch die Täter: Anders als in früheren Jahren gibt es in der Region San Martin inzwischen 37 laufende Strafverfahren gegen Personen, die Kinder und Jugendliche entführt und sexuell ausgebeutet haben. In immerhin 42 Fällen wurden Ermittlungen eingeleitet. Einige der Kinder mussten mit ihren Familien in ein Zeugenschutzprogramm, um die Verfahren gegen Schlüsselpersonen aus Strukturen des organisierten Verbrechens überhaupt einleiten zu können – aber noch immer gibt es die Fälle, in denen die Entführer völlig straffrei davonkommen. Das Paz y Esperanza-Team ist deshalb davon überzeugt, dass es dringend noch mehr internationalen Druck auf die peruanische Zentralregierung in Lima braucht, um wirklich den Durchbruch zu schaffen.  Das nächste Etappenziel besteht darin, das Leiden der trata-Opfer in der Amazonas-Region beim nächsten Universal Periodic Review-Verfahren zu Peru vor dem UNO-Menschenrechtsrat in Genf zu thematisieren. „Was wir brauchen“, sagt Karol Vela, „sind keine weiteren Versprechen – sondern die konsequente Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen und verabschiedeten Aktionspläne“. Zaida wünscht sich nur eines: „Alle Kinder und Jugendlichen müssen sich der Gefahren und Risiken, die trata für sie bedeutet, bewusst sein – und gegenseitig viel sorgfältiger aufeinander aufpassen!“

Weltweit zwölf Millionen Menschen wurden 2016 Opfer einer sogenannten „trata“ – einer Entführung mit dem Ziel, sie kommerziell sexuell auszubeuten. Die meisten waren minderjährig. In Peru kämpft der Kindernothilfe-Partner Paz y Esperanza gegen das organisierte Verbrechen. Die Einladung [...]

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Philippinen: Eine Heimat für die Mananwa

Willkommen sein, das Gefühl kannten die Mananwa lange Zeit nicht. Als Angehörige einer kleinen Volksgruppe gehören sie auf den Philippinen zu den Außenseitern. Für einige Mananwa-Familien, die seit drei Generationen versuchen, auf der Insel Samar Fuß zu fassen, ändert sich das gerade: Sie haben endlich eine Heimat gefunden. Erreicht haben das die Frauen: In einer Selbsthilfegruppe nehmen sie die Zukunft ihrer Familien beherzt in die Hand.

Ende einer Odyssee: In Lohero haben die Mananwa-Familien endlich eine Heimat gefunden. (Foto: Lorenz Töpperwien)

Erst vor wenigen Wochen sind die Mananwa-Familien in Lohero vor Anker gegangen. Vier Pfahlhütten stehen schon, eine fünfte ist im Bau. Es gibt ein paar sorgfältig angelegte Beete, ein niedriger Zaun umschließt das Gelände, an der Leine hängt Wäsche. Ganz normaler Alltag in einem ganz normalen philippinischen Dorf, so sieht es jedenfalls aus. Aber als die Frauen anfangen zu erzählen, wie sie hierhergekommen sind, wird schnell klar, dass diese Familien einen langen Weg hinter sich haben.

Seit rund 50 Jahren sind sie auf der Wanderschaft. Damals flohen ihre Eltern und Großeltern aus Mindanao, der großen Insel ganz im Süden der Philippinen. Dort lebte die Volksgruppe der Mananwa schon, lange bevor der erste spanische Eroberer seinen Fuß in das Land setzte. Doch seit einem halben Jahrhundert ist Mindanao Schauplatz eines bewaffneten Konflikts zwischen muslimischen Rebellen und der Armee. Die Mananwa hatten Angst, in den Strudel der Gewalt hineingezogen zu werden. Manche suchten deshalb ihr Heil in der Flucht – eine Odyssee mit ungewissem Ausgang.

Raketenstart in die Zukunft

„Als wir sie das erste Mal trafen, haben sie kein Wort geredet“. (Foto: Lorenz Töpperwien)

„Als wir sie das erste Mal trafen, haben sie kein Wort geredet“, sagt Ken Cacao. Für die Kindernothilfe koordiniert er die Hilfsmaßnahmen nach den verheerenden Zerstörungen durch den Taifun Haiyan 2013. Auch die Mananwa-Familien waren betroffen. Vor fünf Jahren lebten sie noch in einer abgelegenen Siedlung im hügeligen Hinterland von Marabut. Ein Streit mit einem Dorfbewohner zwang sie, wieder hinunter in die Ebene zu ziehen.

Seither geht es bergauf mit ihnen. Das hat vor allem mit der Selbsthilfegruppe zu tun, die die Frauen der Gemeinschaft gründeten. Die wirkte wie ein Raketenstart in die Zukunft. Unter der Anleitung des Kindernothilfe-Partners PKKK (die philippinische Abkürzung steht für „Nationale Koalition der Landfrauen“) entdeckten sie etwas, wovon sie vorher keinerlei Vorstellung hatten: ihre Rechte. Sie erkannten den Wert von Bildung. Und sie hörten auf, sich minderwertig zu fühlen und unsichtbar zu machen, wenn andere in ihre Nähe kamen.

Und siehe da, man hört ihnen zu. Der Bürgermeister von Marabut stellte ihnen Land zur Verfügung, zum Wohnen und für die Feldarbeit. Und nicht nur das – sie hatten bei der Auswahl des Grundstücks sogar ein Mitspracherecht. Es liegt nicht weit von der Stadt entfernt. Früher wäre das ein Grund zur Vorsicht gewesen, heute erleichtert die stadtnahe Lage die Organisation des neuen Lebens. So kommen die Mananwa erstmals in den Genuss der öffentlichen Gesundheitsversorgung und müssen nicht wie bisher auf ihre Kräutermedizin vertrauen. Auch Ehen mit Partnern außerhalb der Familiengemeinschaft sind jetzt denkbar.

Padayon – „Weiter so“!

Sie haben allen Grund zum Lachen: die Frauen der Selbsthilfegruppe aus dem Mananwa-Dorf in Lohero. (Foto: Lorenz Töpperwien)

Aber wer verhandelt mit dem Bürgermeister? Mit dem lokalen Amt für Landwirtschaftsfragen? Mit den Gesundheitsdiensten? „Wir!“, sagen die Frauen wie aus einem Mund. Sie sind nicht mehr sprach- und rechtlos. Die Selbsthilfegruppe ermutigt sie, selbstbewusst ihre Interessen zu vertreten. In nur vier Jahren haben sie das Kunststück fertiggebracht, sich und ihre Familien erfolgreich zu integrieren – nachdem sie ein halbes Jahrhundert lang versucht hatten, bloß nicht aufzufallen. Sie sind zu Recht stolz auf das Erreichte. Und sie können wieder lachen. Padayon – „Weiter so“!

Willkommen sein, das Gefühl kannten die Mananwa lange Zeit nicht. Als Angehörige einer kleinen Volksgruppe gehören sie auf den Philippinen zu den Außenseitern. Für einige Mananwa-Familien, die seit drei Generationen versuchen, auf der Insel Samar Fuß zu fassen, ändert sich das gerade: Sie hab[...]

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