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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

20. November 2019

Kindertraum? Kinderrecht!

Was braucht ein Kind, um ein gutes Leben führen zu können? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort. Nämlich gewaltfreie Erziehung, Bildung, Freizeit und alles, was es schützt, stärkt und beteiligt. Und noch eine weitere: jemanden, der darauf schaut, dass dieses Recht gewahrt wird, immer und überall.

Kinder haben ganz besondere Rechte (Foto: Malte Pfau)
Kinder haben ganz besondere Rechte (Foto: Malte Pfau)

Vor 30 Jahren bewertete man das „Wohl des Kindes“ und seine besonderen Bedürfnisse weltweit sehr unterschiedlich. Die große Armut in Südindien rechtfertigte Kinderarbeit und Kinderehen waren sozial akzeptiert. In den gewaltgeprägten Slums in Bolivien wurden Kinder als schwächstes Glied der Gesellschaft auf keine besondere Weise vom Staat geschützt. In Malawi galten körperlich und geistig beeinträchtigte Söhne und Töchter als Schande und mussten von ihrer Umwelt abgeschottet werden. Währenddessen verfolgte man in der westlichen Welt eine eher antiautoritäre und Kind fokussierte Haltung, die Chancengleichheit für Mädchen und Buben zu verwirklichen suchte.

Die UN-Kinderrechte sind kein Traum

Am 20. November 1989 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention – und legte damit fest, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, sondern Menschen, die besonderen Schutz, besondere Förderung und besondere Beteiligung brauchen. In diesem Sinne sind sie alle gleich – unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, etc. – und haben alle den gleichen Anspruch auf die Wahrung ihrer ganz besonderen Rechte.

Kinder haben ganz besondere Bedürfnisse. (Foto: Kindernothile)
Kinder haben ganz besondere Bedürfnisse. (Foto: Kindernothile)

Das von allen Ländern – mit Ausnahme der USA – unterzeichnete Menschrechtsabkommen trat am 4. September 1990 in Kraft und formuliert die Kinderrechte verbindlich in 54 Artikel. Österreich ratifizierte sie am 26. Jänner 1990 und verpflichtet sich dadurch, die Rechte der Mädchen und Buben national umzusetzen. Seitdem wurde dieser starke völkerrechtliche Rahmen zur weltweiten Verbesserung der Lebenssituation von Kindern durch Zusatzprotokolle ergänzt und gefestigt, wie im Bereich des Schutzes von Kindern in bewaffneten Konflikten, Prostitution und Pornographie. Zuletzt im November 2011 durch das dritte Fakultativprotokoll über das Individualbeschwerdeverfahren für Kinder, das eine einzigartige Möglichkeit zur Thematisierung und verbesserten Durchsetzung der Kinderrechte bietet. Österreich zählte 2012 zu den Erstunterzeichnenden, seither ist seine Ratifikation aber weiterhin ausständig.

Für viele ist ein Traum in Erfüllung gegangen

In den letzten 30 Jahren hat sich einiges getan. In unterschiedlichsten Teilen der Welt konnten kleinere und größere Veränderungen erzielt werden, um Kindern und Jugendlichen tatsächlich zu den ihnen zustehenden Rechten zu verhelfen. So haben die Mädchen und Buben heute bessere Lebens- und Entwicklungschancen als jede Generation zuvor.

Kinder brauchen besondere Fürsorge. (Foto: Manfred Fesl)
Kinder brauchen besondere Fürsorge. (Foto: Manfred Fesl)

Seit der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention wurden in vielen Ländern die nötigen staatlichen Rechtsgrundlagen geschaffen beziehungsweise verbessert, die ein gesundes und sicheres Aufwachsen sowie eine kindgerechte Entwicklung ermöglichen (sollen). So konnte das Risiko, vor dem fünften Lebensjahr zu sterben, weltweit halbiert, das Risiko, als Kind an einem gewaltsamen Tod zu sterben, um 20% gesenkt und das Risiko, statt lernen arbeiten zu müssen, um 70% verringert werden. 92% aller Kinder haben Zugang zu Grundbildung (2018) – damit kann trotz zunehmender Weltbevölkerung die historisch größte Anzahl von Kindern eingeschult werden. Die Bildungsausgaben pro Kopf haben sich in 30 Jahren um 20% erhöht. Erfolgreiche Armutsbekämpfung für Kinder wird durch den Rückgang der Anzahl arbeitender Kinder um 1/3 seit 1990 durch Schutzgesetze und bessere Lebensperspektiven der Familien deutlich.

Außerdem wurde Mädchen und Buben vielerorts der Zugang zum Justizsystem ermöglicht sowie den Kinderrechten allgemein ein größeres Augenmerk auf politischer Ebene eingeräumt. Auch konnte eine weltweite Bewusstseinssteigerung erreicht werden, was sich unter anderem an zusätzlichen Ausgaben für die Entwicklungschancen von Kindern in staatlichen Haushalten messen lässt.

Damit Kinderrechte kein Traum bleiben

Bis zur konsequenten Verwirklichung und Wahrung der Kinderrechte ist es aber noch ein weiter Weg: Immer noch leben eine Milliarde Mädchen und Buben in Armut. Mehr als 171 Millionen werden ausgebeutet, über 200.000 in Kriegen und Konflikten eingesetzt.

Und obwohl die Meinung von Kindern und Jugendlichen bei gesellschaftspolitischen Entscheidungen etwas mehr berücksichtigt wird, ist gerade die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eine der größten Herausforderungen. Bis alle Kinder sich überhaupt über ihre Rechte informieren können und zu allem, was sie betrifft, miteinbezogen werden, ist noch ein weiter Weg.

Kinder beteiligen: Kinder malen ihre Wünsche auf das neue Gebäude. (Foto: Fabian Strauch)
Kinder beteiligen: Kinder malen ihre Wünsche auf das neue Gebäude. (Foto: Fabian Strauch)

Anlässlich des heurigen Jubiläums der Kinderrechte hat die Kindernothilfe eine weltweite Studie zu „30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention“ durchgeführt. Das Ergebnis: Kinder müssen stärker beteiligt werden – Kinderrechte und Schutz vor Gewalt sind die wichtigsten Themen.

Studie der Kindernothilfe zu 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention

Was braucht ein Kind, um ein gutes Leben führen zu können? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort. Nämlich gewaltfreie Erziehung, Bildung, Freizeit und alles, was es schützt, stärkt und beteiligt. Und noch eine weitere: jemanden, der darauf schaut, dass dieses Recht gewahrt wird, immer und [...]

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14. Oktober 2019

Aus dem Versteck hinein ins Leben

Kinder mit Behinderungen trifft in Sri Lanka ein hartes Schicksal: Sie werden oft ausgegrenzt, haben keinen Zugang zu Bildung oder Förderung, die ihr Leben erleichtern könnte. In fünf Dörfern im Norden des Landes werden Kinder mit Beeinträchtigungen speziell betreut.

Die beeiträchtigte Nilani und ihre Geschwister werden seit kurzem im Kindernothilfe-Projekt in Sri Lanka betreut. (Foto: Manfred Fesl)
Die beeiträchtigte Nilani und ihre Geschwister werden seit kurzem im Kindernothilfe-Projekt in Sri Lanka betreut. (Foto: Manfred Fesl)
Die Kuh ist der ganze Stolz der Familie: Sie liefert nicht nur Milch, sondern auch Dünger. (Foto: Manfred Fesl)
Die Kuh ist der ganze Stolz der Familie: Sie liefert nicht nur Milch, sondern auch Dünger. (Foto: Manfred Fesl)

Wenn Nilani neben ihrer Kuh im Gras sitzt, ist sie glücklich. Die Kuh ist mager, hat kaum Fett an den Rippen – wie die meisten Kühe im Norden von Sri Lanka. Aber sie gibt Milch. Und sie gibt der Familie Sicherheit. Die Kuh ist Nilanis ganzer Stolz und die Lebensgrundlage ihrer Familie. Ohne die Milch der Kuh, die auch auf dem Markt verkauft wird, ohne den Kuhdung, der die Böden düngt, ohne die Kälber, die zwar unregelmäßig, aber doch immer wieder zu einem Zusatzeinkommen führen, könnte Nilanis Familie nicht überleben. Trauriger Alltag hier im Norden Sri Lankas im ehemaligen Kriegsgebiet.

26 Jahre lang wurde das kleine Land im Indischen Ozean von einem Bürgerkrieg zerrüttet. Am stärksten betroffen war der tamilische Norden, Zehntausende Zivilisten starben bei Kämpfen oder wurden verletzt, darunter auch zahllose Kinder. Jahrelang lebten viele Tamilen in Flüchtlingscamps – katastrophale hygienische Bedingungen, fehlende medizinische Versorgung, kein Zugang zu sauberem Trinkwasser beherrschten dort das Leben. Nun sind die meisten nach Hause zurückgekehrt. Geblieben sind viele Narben: An den Körpern kriegsversehrter Kinder, die von ihren Eltern aus Scham versteckt werden, aber auch an ihren Seelen. Die weit verbreitete Mangelernährung führt zusätzlich zu schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit von Neugeborenen und Kleinkindern.

Auch bei Nilani und ihre Schwester sind Narben geblieben. Ob durch Krankheit oder Unterernährung, Komplikationen während der Geburt oder die Kriegshandlungen, die ihre Mutter während der Schwangerschaften miterleben musste – so genau kann uns das niemand mehr sagen. Die Zahl von Menschen mit Behinderungen ist im Norden Sri Lankas überdurchschnittlich hoch, deren Förderung besonders schlecht. Es gibt zu wenige Schulen und Krankenhäuser, staatliche Dienstleistungen sind für viele unerreichbar, die wenigsten öffentlichen Bereiche sind behindertengerecht ausgestattet, die wenigsten Lehrer wissen Kinder mit Beeinträchtigung entsprechend zu fördern. Und viel zu oft noch werden Kinder mit Behinderung aus Scham zu Hause versteckt und gesellschaftlich ausgegrenzt, können schon auf Grund fehlender Transportmöglichkeiten nicht in die Schule gehen und sind Zeit ihres Lebens auf Almosen angewiesen.

Nilani streichelt gedankenverloren ihre Kuh. Im Hintergrund steht das kleine Haus ihrer Familie. Die Fenster sind notdürftig mit Fetzen verhängt, im kargen Wohn- und Schlafraum der winzigen Hütte stehen ein paar Plastikstühle – sie sind die einzige Sitzmöglichkeit der Familie. Gekocht wird mit offenem Feuer, die wenigen Küchenutensilien haben auf einem schmalen Holzbrett Platz. Aber Nilanis Eltern sind glücklich. Ihre beiden Töchter werden seit kurzem durch den Kindernothilfe-Projektpartner SEED (Social Economical and Environmental Developers) betreut, bekommen im Kindernothilfe-Förderzentrum die Unterstützung, die sie brauchen. Und ihr Sohn kann nun ebenfalls in die Schule gehen – er hat durch das Projekt die für seine Familie unleistbaren Schulmaterialien zur Verfügung gestellt bekommen.

Förderung im Alltag

Nilani und ihre Schwester freuen sich auf den Schultag (Foto: Manfred Fesl)
Nilani und ihre Schwester freuen sich auf den Schultag (Foto: Manfred Fesl)

Nilanis Familie ist nur eine von vielen, die durch das Kindernothilfe-Projekt betreut werden. Mehr als 1.000 Kinder erhalten hier, in der Nähe der Stadt Vavuniya im ehemaligen Kriegsgebiet, die notwendige Förderung, medizinische Versorgung, die Möglichkeit, endlich in die Schule zu gehen. Und Hilfsmittel, um den Alltag mit Behinderungen einfacher zu gestalten.

Denn viele der Beeinträchtigungen – Hörbehinderungen oder kleine Fehlstellungen der Füße etwa – wären leicht zu behandeln. Mit dem passenden Hörgerät, einem kleinen operativen Eingriff, Gehbehelfen und entsprechender physiotherapeutischer Förderung wären viele Betroffene nahezu ohne Beeinträchtigung. Dafür fehlt es aber vor allem im Norden Sri Lankas an finanziellen Mitteln. Investiert wird eher in die touristisch attraktiven Regionen im Süden. Der Norden wird von Regierung und Behörden vernachlässigt, zu instabil ist die politische Lage seit Jahrzehnten, berichten uns die Projektverantwortlichen.

Mit umso mehr Herzblut sind die Projektmitarbeiter engagiert. Bei regelmäßigen Hausbesuchen üben sie mit den Kindern und ihren Familien in den eigenen vier Wänden einfache Alltagstätigkeiten, geduldig und liebevoll, wieder und wieder. Und zeigen den Familien physiotherapeutische und hygienische Maßnahmen, um die Gesundheit der Kinder zu verbessern. Allein im Vorjahr wurden 238 solcher Hausbesuche durchgeführt.

Oft sind die Lebensumstände schon schwierig genug. So wie bei Abisan. Zu Hause bei seiner Familie sehen wir große Armut. Und wie beschwerlich es sein muss, in solch einfachen Verhältnissen das Leben mit Behinderung zu meistern – wenn nicht einmal Küche oder sanitäre Einrichtungen wie Toilette oder Waschbecken zur Verfügung stehen und Wege und Böden uneben sind. Dafür hat Abisan vom Projekt einen eigenen Rollstuhl erhalten, wird regelmäßig medizinisch versorgt, ein Physiotherapeut kommt zu ihm ins Haus. Stolz zeigen seine Schwester und Oma die Fortschritte, die er mittels der Übungen schon gemacht hat. Er kann den Kopf alleine halten und hat Wege gefunden, seine Bedürfnisse auszudrücken.

Das ganze Dorf feiert mit

Selbstständig zu essen, sich anzuziehen, sich zu waschen oder ein paar Schritte zu gehen, sich mit Zeichensprache zu verständigen oder mit dem eigenen Hörgerät wieder am Alltag teilhaben zu können – all diese Fertigkeiten werden mit den Kindern mit Therapeuten geübt. Die neu gewonnene Eigenständigkeit entlastet auch die meist hart arbeitenden Familien. Und die Kinder sind stolz auf ihre Fortschritte. Bei öffentlichen Feiern zeigen alle, was sie gelernt haben – einstudierte Lieder und kleine Theaterstücke. Gut besucht seien diese Feste, erzählen uns die Projektmitarbeiter. Und daher ein wichtiges Instrument zur Aufklärung der Gemeinden über die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen. Vorurteile können bei den gemeinsamen Feierlichkeiten oder jährlich stattfindenden Sportwettbewerben, an denen die ganze Dorfgemeinschaft teilnimmt, abgebaut werden. Bei Geschicklichkeitsspielen zeigen auch Kinder mit Gehbehinderung der zuschauenden Gemeinde, wie mobil sie schon geworden sind.

Inklusives Lernen wird sowohl in den Schulen als auch am Wochenende im Gemeindezentrum in praktiziert. (Foto: Manfred Fesl)
Inklusives Lernen wird sowohl in den Schulen als auch am Wochenende im Gemeindezentrum in praktiziert. (Foto: Manfred Fesl)

Apropos Mobilität: Für die Kinder im Rollstuhl oder mit Gehbehelfen scheitert der Schulbesuch oft bereits am unüberwindbaren Weg zur Schule. Für sie wird daher ein Transport organisiert. In den Schulen selbst werden Spezialkassen eingerichtet. Die Klassenräume müssen auch mit Rollstuhl zugänglich sein. Wir sehen dafür eigens installierte Rampen, behindertengerechte Möbel, Spezialtische und Stühle. Jedes Jahr werden an verschiedenen Schulen weitere Spezialklassen eingerichtet, die inklusives Lernen ermöglichen.

Trainings für die Lehrkräfte

Dazu braucht es natürlich auch eine intensive Schulung der Lehrkräfte. Oftmals überfordert sie die Arbeit mit Kindern mit Behinderungen, da diese komplett neu für sie ist. Bei Workshops zu alternativen Unterrichtsmethoden lernen und verstehen die Lehrer, wie erfolgreiche Inklusion aussieht, wie Kinder mit Beeinträchtigung in den Unterricht miteinbezogen werden können. In 10-Tages-Training konnte mittlerweile ein Großteil des Lehrpersonals die Zeichensprache erlernen. Wovon die Wände der Klassenzimmer zeugen: Viele davon sind liebevoll mit Symbolen der Gebärdensprache bemalt.

Gemalt wird auch im Gemeindezentrum in Vavuniya, und das sogar an Wochenenden und Feiertagen – um die Kinder von der Straße zu holen und vor Missbrauch und Kriminalität zu schützen, erzählen uns die Projektpartner. Bei einem dieser Treffen dürfen wir dabei sein. Es sind viele Kinder gekommen. Sie sitzen im Kreis, zeichnen, lachen und klatschen. „Ranwan patai samanalaya“ singen die Mädchen und Buben – „ein bunter goldener Schmetterling“. Es ist das Lieblingslied von Nilani. „Rosamale pani beela giya“, er trinkt den Nektar der Rose und fliegt davon, summt das kleine Mädchen fröhlich mit. Die Melodie bleibt uns noch lange später im Ohr.

Kinder mit Behinderungen trifft in Sri Lanka ein hartes Schicksal: Sie werden oft ausgegrenzt, haben keinen Zugang zu Bildung oder Förderung, die ihr Leben erleichtern könnte. In fünf Dörfern im Norden des Landes werden Kinder mit Beeinträchtigungen speziell betreut. Die beeiträchtigte Ni[...]

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25. September 2019

Wassermangel verschärft Katastrophenrisiko

Der WeltRisikoBericht wird seit 2o11 jährlich vom Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben. Der darin enthaltene WeltRisikoIndex wurde gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) entwickelt.

Wasser, ein kostbares Gut (Foto: Jakob Studnar)
Wasser, ein kostbares Gut (Foto: Jakob Studnar)

Hitzerekorde weltweit und zunehmende Dürren: Der Klimawandel verschärft die Probleme rund um die Wasserversorgung und erhöht damit die Verwundbarkeit von Gesellschaften. Das zeigt der WeltRisikoBericht 2019, erstellt vom Bündnis Entwicklung Hilft und dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum (IFHV). Der heurige Bericht legt einen starke Fokus auf das weltweite Problem der Wasserversorgung.

Tritt ein extremes Naturereignis wie eine Überschwemmung oder ein Wirbelsturm ein, entsteht in Ländern mit schlechter Wasserversorgung wahrscheinlicher eine Katastrophe. „Gerade in Entwicklungsländern muss die Politik dringend handeln und allen Haushalten sicheren Zugang zu sauberem Wasser verschaffen“, sagt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Nach extremen Naturereignissen muss die Wasserversorgung schnell wiederhergestellt werden, um Überleben zu sichern und die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern“. Besonders armen Menschen fehlt häufig ein eigener Wasseranschluss im Haushalt und sie müssen zum Beispiel an öffentlichen Wasserstellen Gebühren zahlen. „Oft zahlen ausgerechnet die Ärmsten am meisten für Wasser“, so Mucke.

Naturkatastrophen wie Hurrican Matthew in Haiti 2016 nehmen drastisch zu (Foto: Jürgen Schübelin)
Naturkatastrophen wie Hurrican Matthew in Haiti 2016 nehmen drastisch zu (Foto: Jürgen Schübelin)

Ein wesentlicher Bestandteil des Berichts ist der jährliche WeltRisikoIndex, der seit 2018 vom IFHV berechnet wird. Er gibt für 180 Länder das Risiko an, dass ein extremes Naturereignis zu einer Katastrophe führt. Damit erfasst er acht Länder mehr als im Vorjahr. Der WeltRisikoIndex berücksichtigt die Gefährdung eines Landes gegenüber extremen Naturereignissen sowie dessen gesellschaftliche Verwundbarkeit.

Die drei Länder mit dem höchsten Katastrophenrisiko sind die tropischen Inselstaaten Vanuatu, Antigua und Barbuda und Tonga. Deutschland liegt mit einem sehr geringen Katastrophenrisiko auf Rang 163. Insgesamt befinden sich die Hotspot-Regionen des Katastrophenrisikos in Ozeanien, Südostasien, Mittelamerika sowie in West- und Zentralafrika. „Erstmals seit 2012 konnten auch neue Daten für die

Gefährdung gegenüber extremen Naturereignissen verwendet werden“, sagt Katrin Radtke, Professorin am IFHV und wissenschaftliche Leiterin des WeltRisikoBerichts. Für Vanuatu und Tonga hat sich die Gefährdung weiter erhöht.

Der WeltRisikoBericht wird seit 2o11 jährlich vom Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben. Der darin enthaltene WeltRisikoIndex wurde gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) entwickelt.

Der WeltRisikoBericht wird seit 2o11 jährlich vom Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben. Der darin enthaltene WeltRisikoIndex wurde gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) entwickelt. Wasser, ein kostbares Gut (Foto: [...]

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Kinderzentren – Oasen im Chaos

Überleben und Schutz von Kindern: Das ist für die Kindernothilfe das oberste Ziel bei all ihren Humanitären Einsätzen. Das wichtigste Werkzeug für diese Arbeit sind Kinderzentren: Oasen im Chaos, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen – und einfach wieder Kind sein können.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – das gilt vor allem in Katastrophenfällen. Nach Erdbeben, Überschwemmungen oder Dürren brauchen Mädchen und Jungen besonderen Schutz, haben besondere Bedürfnisse. Etwa bei der Nahrung: Während Erwachsene längere Zeit unbeschadet mit Reis und Wasser über die Runden kommen, brauchen Kinder hochenergetische Nahrung, um solche Notsituationen ohne langfristige Gesundheitsschäden zu überstehen. Zudem sind spezielle Maßnahmen notwendig, um Kinder im Gewirr von Notunterkünften vor Gewalt und Krankheiten zu bewahren. Ebenfalls wichtig für die langfristige Entwicklung eines Kindes: das Aufrechterhalten von Unterricht und eines geregelten Alltags. Wenn Kinder längere Zeit aus dem Schulalltag herausgerissen sind, finden viele den Weg nicht mehr zurück. Langfristig leidet daran auch die gesamte Gesellschaft: Der Bildungsnotstand verschärft sich und somit auch die Armut.

Nach der Tsunamikatastrophe in Indonesien 2018 fanden die Kinder im Kinderzentrum einen Ort der Geborgenheit (Foto: Karl Anderson)
Nach der Tsunamikatastrophe in Indonesien 2018 fanden die Kinder im Kinderzentrum einen Ort der Geborgenheit (Foto: Karl Anderson)

Bei unserer Hilfe stehen Kinder im Zentrum

Um Kindern die bestmögliche Hilfe während und nach Katastrophen zu gewährleisten, arbeitet die Kindernothilfe mit sogenannten Kinderzentren: Das sind speziell geschaffene Räume – häufig innerhalb von Notunterkünften –, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht, Spielmöglichkeiten und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen.

Als besonders wichtig bei der Betreibung von Kinderzentren hat sich die Registrierung der Mädchen und Jungen sowie eine regelmäßige Anwesenheitskontrolle erwiesen. Im Verbund mit anderen Organisationen, die sich ebenfalls um Kindesschutz bemühen, lässt sich so die Gefahr von Kindesmissbrauch und Kinderhandel deutlich reduzieren.

Wie die Kinderzentren im Einzelnen aussehen, richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen, die sich aus der Nachkatastrophensituation ergeben. Sowohl die Bauart als auch Programmangebote können sehr unterschiedlich sein. Beides plant die Kindernothilfe in enger Abstimmung mit ihren lokalen Partnern vor Ort. Manchmal reichen schon einfachste Mittel, um ein wirksames Kinderzentrum einzurichten: In Haiti etwa, als unmittelbar nach dem Beben 2010 keine Baustoffe verfügbar waren, legte die Kindernothilfe an einem Standort Plastikplanen zwischen Bäumen aus. Inmitten des Chaos signalisierte der Ort feste Strukturen und gab Platz zum Spielen. Mit großem Erfolg: Die Kinder blühten auf, lachten, konnten endlich wieder Kind sein. Erst später, als Baumaterial zur Verfügung stand, konnten an der Stelle Pavillons gebaut werden.

Sulawesi Kinderzentrum (Foto: Karl Anderson)
Sulawesi Kinderzentrum (Foto: Karl Anderson)

Nach der Flut in Pakistan 2010 hingegen standen leere Gebäude am Rande der Überschwemmungsgebiete zur Verfügung, die nach einigen Renovierungsarbeiten als Kinderzentren genutzt werden konnten.

So wie die Gebäude können auch die Programmangebote je nach Bedarf variieren. Sie reichen von offenen Spiel- und Lernangeboten über kindgerechte Ernährung und Gesundheitsuntersuchungen bis zu Trauma-Arbeit wie etwa Verhaltensbeobachtung, Gesprächsgruppen und psychosoziale Betreuung.

Mit dem Aufbau von Kinderzentren muss früh begonnen werden; die Arbeit wird dann so lange weitergeführt, bis sich die Lage wieder normalisiert hat, etwa bis die Schulen wieder geöffnet sind. Dieser Zeitraum kann manchmal sechs Monate oder sogar ein Jahr betragen. Da die von der Kindernothilfe unterstützten Kinderzentren von lokalen Organisationen betrieben werden, ist es möglich, auch über längere Zeiträume das Programm aufrechtzuerhalten.

Überleben und Schutz von Kindern: Das ist für die Kindernothilfe das oberste Ziel bei all ihren Humanitären Einsätzen. Das wichtigste Werkzeug für diese Arbeit sind Kinderzentren: Oasen im Chaos, in denen Kinder Schutz, Essen, Unterricht und medizinische sowie psychologische Betreuung bekommen [...]

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14. August 2019

Im Sinne der Kinderrechte: Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Staatsbürgerschaft!

Art. 7 und 8 der UN-Kinderrechtskonvention schreiben fest, dass jedes Kind das Recht auf Staatsangehörigkeit und Identität hat. Trotzdem ist das Problem der Staatenlosigkeit im südostasiatischen Länderdreieck Thailand –Laos –Myanmar nach wie vor besonders stark verbreitet. Speziell die Situation von Kindern ohne Dokumente und Nachweise ist eine oft Tragische.

Gai erzählt von seinem Weg zu einer thailändischen Staatsbürgerschaft (Foto: Baan Doi)
Gai erzählt von seinem Weg zu einer thailändischen Staatsbürgerschaft (Foto: Baan Doi)

Gai (Name geändert) wurde in Mae Sai in Thailand geboren. Seine Mutter stammte aus China und war während der politischen Unruhen im Süden von China illegal nach Thailand eingewandert. Den Vater hatte die Mutter später als unbekannt angegeben. Da sie ihren Sohn zuhause zur Welt brachte, wurde seine Geburt bei den thailändischen Behörden nicht registriert. Obwohl in Thailand geborgen, war er staatenlos. Er besaß keine Geburtsurkunde, keinen Reisepass, keinerlei Dokumente, die seine Identität hätten nachweisen können. Somit hatte Gai zunächst keine Möglichkeit, die thailändische Staatbürgerschaft zu erlangen. Im Alter von neun Jahren bekam er eine Aufenthaltsbewilligung. Damit durfte er sich im Bezirk Mae Sai aufhalten und mit anderen Thai Kindern die staatliche Schule besuchen. Wenn er sich außerhalb von Mae Sai bewegen wollte, musste er dafür eine Bewilligung beantragen. Außerdem hatte er als Staatenloser keinen Anspruch auf medizinische Versorgung und Sozialleistungen. Als Kind dachte Gai nicht viel darüber nach. Er wusste, dass er keine thailändische Staatbürgerschaft hatte, aber nicht, was dies genau bedeutete. Gai war immer ein sehr guter und fleißiger Schüler. Die Lehrer unterstützten ihn daher, eine Staatsbürgerschaft zu beantragen, denn nur so hatte er die Chance auf eine gute höhere Ausbildung. Mit viel Unterstützung seitens der Lehrer und der Beharrlichkeit von Gai schafft er es als einziger Schüler ohne thailändische Staatsbürgerschaft, das Gymnasium der Stadtgemeinde in Chiang Rai zu besuchen. Sein großer Traum war es Lehrer zu werden. Zu dem Zeitpunkt, zu dem er das Gymnasium abgeschlossen hatte, war es aber nur für Thailänder möglich, ein Lehramtsstudium zu absolvieren. Gai studierte deshalb zunächst Mathematik. Im Jahr 2008 kam es dann zu einer Gesetzesnovellierungen, die es in Thailand geborenen Kindern erlaubte, die Staatsbürgerschaft zu beantragen —allerdings nur mit einem Bachelor-Abschluss in der Hand. Das war Gais Chance! Er machte daraufhin das Lehramtsstudium an der Universität Phayao, wo es die Möglichkeit auch für Nicht-Thailänder gab. Ob er ohne Staatsbürgerschaft eine Stelle als Lehrer nach dem Studium bekommen würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt nicht. Das hinderte den zielstrebigen jungen Mann allerdings nicht daran, seine Ausbildung gewissenhaft und erfolgreich zu absolvieren. Danach kam es wie befürchtet. Gai fand keine fixe Arbeit, dafür aber eine Praktikumsstelle an einer Schule in Mae Sai. Jetzt nahm Gai seine Zukunft nochmals selber in die Hand: Als erstes galt es zu beweisen, dass er in Thailand geboren wurde. Dazu mussten Zeugen beigebracht und ein DNA Test gemacht werden. Allein dieser kostete umgerechnet über 500 Euro. Für viele staatenlose Familien ein Vermögen, das sie nicht aufbringen können, und daher an dieser Stelle aufgeben. Auch wenn sie das Recht hätten, eine Staatsbürgerschaft zu beantragen, können sie es einfach nicht finanzieren. Gai hatte zum Glück die finanziellen Mittel, musste aber fünf Monate auf seine DNA Testergebnisse warten. Dann erst konnte der offizielle Antrag gestellt werden. Nochmals war viel Geduld gefragt. Ganze zwei Jahre musste Gai warten bis alles von offizieller Seite bearbeitet und genehmigt war und er endlich seine thailändische Identitätskarte in den Händen halten konnte. Und danach bekam er auch seinen lang ersehnten Job als Lehrer. Obwohl Gai in Thailand geboren wurde, erhielt er erst mit 26 Jahren dank der Unterstützung von verschiedenen Seiten, viel Beharrlichkeit und Geduld die thailändische Staatsbürgerschaft. Nach vielen Jahren Diskriminierung und Entbehrungen konnte er letztendlich seinen Traum, Lehrer zu werden, verwirklichen.

Baan Doi - Kinderhaus am Schönen Berg: Hier finden staatenlose Waisenkinder ein neues Zuhause (Foto: Jakob Studnar)
Baan Doi – Kinderhaus am Schönen Berg: Hier finden staatenlose Waisenkinder ein neues Zuhause (Foto: Jakob Studnar)

Baan Doi – das Kinderhaus am Schönen Berg: Ein Ort der Hoffnung für staatenlose Kinder

BAAN DOI ist eine von wenigen Organisationen in der Provinz Chiang Rai, die sich auch um Kinder kümmert, die keine thailändische Staatsbürgerschaft haben. Vor allem in den Bergen der nord-thailändischen Provinz Mae Hong Son leben ethnische Minderheiten, die aufgrund ihrer Herkunft staatenlos sind. Rund 500.000 von ihnen besitzen keine Dokumente, die beweisen, dass sie oder ihre Eltern in Thailand geboren wurden. Zudem kommen Einwanderer aus Laos und Myanmar, die aufgrund der politischen oder wirtschaftlichen Situation ihre Heimatländer verlassen haben. Menschen, die keine thailändischen Bürger sind und weder auf die normalen Dienstleistungen noch die Unterstützungen des Staates hoffen können, sind meist von extremer Armut und Hoffnungslosigkeit betroffen. Zudem sind ihre Rechte auf Bildung, medizinische Versorgung und Sozialleistungen eingeschränkt. Auch hier setzt BAAN DOI an und unterstützt aktuell 46 Familien im Familienförderprogramm. Damit ist garantiert, dass die Kinder eine Schulausbildung bekommen und medizinisch versorgt sind. Die BAAN DOI MitarbeiterInnen kümmern sich außerdem darum, dass die Kinder zu den notwendigen Dokumenten kommen, um eine thailändische Staatsbürgerschaft beantragen zu können. Dies ist mit viel Aufwand und Hürden verbunden, aber es ist das Recht jedes Kindes und eine wichtige Voraussetzung für seine positive Zukunft. Was es bedeutet staatenlos zu sein, und mit welchem Aufwand die Beantragung einer Staatsbürgerschaft verbunden ist, zeigt das Beispiel von Gai.

Art. 7 und 8 der UN-Kinderrechtskonvention schreiben fest, dass jedes Kind das Recht auf Staatsangehörigkeit und Identität hat. Trotzdem ist das Problem der Staatenlosigkeit im südostasiatischen Länderdreieck Thailand –Laos –Myanmar nach wie vor besonders stark verbreitet. Speziell die Situa[...]

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