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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Wir sind nur so stark wie die Schwächsten unter uns: eine Meinung

David Nabarro, Sonderbeauftragter der WHO für COVID-19, und der Ökonom Joe Colombano beleuchten, warum es in der aktuellen Corona-Pandemie im politischen und wirtschaftlichen Interesse jedes Landes liegt, Entwicklungsländer zu schützen und vor dem Schlimmsten der Krise zu bewahren. Auch ohne sich auf die moralischen, humanitären Aspekte zu berufen.

Desinfektionsmittel sind vielerorts Mangelware und kostbar Foto: Kindernothilfepartner)
Desinfektionsmittel sind vielerorts Mangelware und kostbar. (Foto: Kindernothilfepartner)

Sind wir alle gleich?

Als das COVID-19-Virus innerhalb weniger Wochen von Wuhan, China, um die halbe Welt durch Europa, Amerika und darüber hinaus reiste, gab es uns den Beweis, wie eng wir alle miteinander verbunden sind – falls dieser jemals nötig war. Nicht nur unsere globalisierten Volkswirtschaften sind voneinander abhängig, sondern wir selbst sind eine Menschheit, die einen Planeten teilt. Und doch scheinen wir es allzu oft zu vergessen, wenn wir unbedacht auf irreführende Unterschiede zwischen „uns“ und „ihnen“ verweisen. Nehmen wir zum Beispiel die Unterscheidung zwischen reichen und armen Ländern oder, wie Ökonomen es ausdrücken, zwischen den fortgeschrittenen Volkswirtschaften und den am wenigsten entwickelten Ländern. Wenn es um COVID-19 geht, ist das einzige was zählt, ob wir krank oder gesund sind, unabhängig von wirtschaftlichem Status oder geografischer Lage.

Aber natürlich kann nicht behauptet werden, dass es keine Unterschiede gibt. In der Tat hat uns das Virus gezeigt, dass es etwas ausmacht, wer und wo wir sind. Ob Dharavidweller in Mumbai, afroamerikanische Fleischverarbeiterin in Chicago, Mitglied der First Nations in Nordkanada, Rohingya-Flüchtling in Myanmar, Pensionist in einem britischen Wohnheim, Insassin in einem südamerikanischen Gefängnis oder medizinische Fachkraft in einem Krankenhaus irgendwo auf der Welt. Es macht den Unterschied: zwischen infiziert oder nicht, zwischen Zugang zu Tests oder nicht, zwischen Gesundheit und Krankheit. COVID-19 ist eine Herausforderung, vor der wir alle stehen, aber unsere Möglichkeiten, darauf zu reagieren, sind innerhalb und zwischen den Ländern unterschiedlich.

Menschen in Entwicklungsländern sind am stärksten gefährdet. Während regelmäßiges und gründliches Händewaschen für viele von uns Teil des täglichen Lebens ist, ist es für viele mehr aber nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Der jüngst veröffentlichte Fortschrittsbericht der UN-SDGs besagt, dass 2 von 5 Menschen weltweit keine einfache Handwaschanlage mit Wasser und Seife zu Hause haben. In den am wenigsten entwickelten Ländern ist es weniger als einer von drei Menschen (28 Prozent). Das bedeutet, dass weltweit schätzungsweise 3 Milliarden Menschen ihre Hände zu Hause immer noch nicht richtig waschen können und daher der grundlegendsten und wirksamsten Präventionsmaßnahme gegen COVID-19 beraubt sind. Darüber hinaus stellt extreme Armut eine Geißel dar, die Entwicklungsländer am meisten belastet. Laut Weltbank birgt COVID-19 das große Risiko, weitere 40-60 Millionen Menschen in extreme Armut zurückzudrängen. Dies wäre ein tragischer Rückschritt im jahrzehntelangen Kampf gegen die globale Armut. Für Entwicklungsländer, deren Volkswirtschaften bereits unter den Folgen niedriger Rohstoffpreise, Abzug ausländischen Kapitals und geschwächter Währungen leiden, wirkt sich COVID-19 fast unumgänglich auf die Lebensmittelpreise aus und birgt somit potenziell schädliche Auswirkungen auf die Ernährung der am stärksten gefährdeten Personen.

Wissen, wie es geht

In Zeiten von Corona können es sich fortgeschrittene Volkswirtschaften nicht leisten, die Entwicklungsländer sich selbst zu überlassen. In mehreren großen Schwellenländern und Dutzenden kleinerer Volkswirtschaften besteht die reale Möglichkeit, wenn nicht sogar Wahrscheinlichkeit für massive Finanzkrisen. Dies würde nicht nur Versuche vereiteln, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Es könnte eine schwer reversible soziale Instabilität auslösen und bestehende humanitäre Krisen verschärfen.

Angesichts dessen müssen Unterstützung und Schutz der Entwicklungsländer im politischen und wirtschaftlichen Interesse jedes Staates liegen. Das weltweite multilaterale System ist auf mehrdimensionale Herausforderungen ausgelegt und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung: die WHO, um die Pandemien unter Kontrolle zu halten, die FAO, um den Bedarf an Lebensmittelimporten und Engpässen bei der Lebensmittelversorgung zu ermitteln, der IWF, um die benötigten Mittel unverzüglich zu finanzieren, die Welt Bank zum Wiederaufbau usw. Was jetzt benötigt wird, ist eine angemessene dringende internationale Finanzierung, verbunden mit eindeutiger politischer Unterstützung. Es braucht einen „Pandemie-Marshall-Plan“ für Entwicklungsländer. Dieser könnte möglicherweise in Form eines massiven Finanzspritze des IWF genau das bewirken, was die Fed in den USA oder die EZB in Europa getan haben, um Liquidität zu fördern, Staatsschulden zu koordiniern und so das Risiko einer Finanzkrise zu vermeiden.

Es ist wahr, dass COVID-19 keine Grenzen kennt und keine Unterschiede macht, wenn es zuschlägt. Aber die Länder sind nicht gleichermaßen dafür gerüstet, und es hätte fatale Folgen, wenn Unterschiede zwischen den Nationen eine kollektive Krisenbewältigung bremsen würden. In diesem Sinne ist es eine ultimative globale Herausforderung, vor der wir stehen – hochindustrialiserte wie auch wenig entwickelte Länder. Die Welt braucht das multilaterale System wie nie zuvor: Denn wir sind eng miteinander verbunden und nur so stark wie die Schwächsten unter uns.

David Nabarro, Sonderbeauftragter der WHO für COVID-19, und der Ökonom Joe Colombano beleuchten, warum es in der aktuellen Corona-Pandemie im politischen und wirtschaftlichen Interesse jedes Landes liegt, Entwicklungsländer zu schützen und vor dem Schlimmsten der Krise zu bewahren. Auch ohne sic[...]

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Eine Zukunft für Kinder?

Eine Zukunft für die Kinder der Welt? Aktuell wäre keine Nation der Welt in der Lage, Kindern Sicherheit, Gesundheit und angemessenes Umfeld zu gewährleisten, lautet das Fazit von WHO, UNICEF und The Lancet. Klimawandel, ökologische Zerstörung, Bevölkerungsmigration, Konflikte, allgegenwärtige Ungleichheiten und aggressive Marketingpraktiken für Fast Food, stark zuckerhaltige Getränke, Alkohol und Tabak würden die Gesundheit und Zukunft von Kindern weltweit gefährden, heißt es in dem im Februar veröffentlichten Bericht.

Ökologische Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit sind Grundvoraussetzungen, um Kindern ein sicheres Aufwachsen mit Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

A future for the world’s children? (WHO, UNICEF, The Lancet)

Es wurden vier Schlüsselbereiche geprüft und für jeden entsprechende Empfehlungen abgegeben: Frühzeitige Investitionen in die Gesundheit und Bildung von Kindern; Reduktion von Treibhausgasen als Mittel zum Schutz der Zukunft von Kindern; das Problem des „kommerziellen Schadens“ für Kinder; und die Schlüsselrolle, die Regierungen bei der Gewährleistung von Fürsorge und Schutz aller Kinder spielen sollten. Eine der wichtigsten Beobachtungen wurde im Zusammenhang mit dem Klimawandel gemacht, für den bestimmte Teile unserer Gesellschaft verantwortlich zeichnen. „Während die ärmsten Länder der Welt prinzipell noch einen langen Weg vor sich haben, um ein gesundes Aufwachsen von Kindern entsprechend fördern zu können, bedrohen die Industrienationen die Zukunft aller Kinder durch klimaschädliche Schadstoffbelastung.“ Laut Anthony Costello, Professor für globale Gesundheit und nachhaltige Entwicklung am University College London, gibt es eine Vielzahl von Gegensteuerungsmaßnahmen, die wohlhabendere Länder ergreifen können. Dazu zählen die Streichung von Subventionen für fossile Brennstoffe aus Öl, Gas und Diesel, für die Regierungen mehr als 5 Billionen US-Dollar pro Jahr ausgeben und das obwohl erneuerbare Energien ohnehin billiger und wirtschaftlicher sind als fossile Brennstoffe. Auch die Förderung von Elektromobilität und öffentlichem Verkehr könnten einen wesentlichen Beitrag leisten. Weiteres Potenzial sieht Costello in der Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten, unter anderem durch die Förderung einer gesünderen, weniger auf rotem Fleisch und Milchprodukten basierenden Ernährung, durch drastische Reduktion der Lebensmittelverschwendung genauso wie durch verstärkten Konsum von lokal und ökologisch nachhaltig produzierten Lebensmitteln. So sollte der Übergang zu einem kohlenstoffärmen Lebenswandel möglich werden.

Eine weitere wichtige Beobachtung in dem Bericht betrifft die ernsten Folgen der „Kommerzialisierung“, denn „das Gewinnmotiv des Wirtschaftssektors birgt viele Bedrohungen für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern, nicht zuletzt durch Umweltschäden, die durch die nicht regulierte Industrie verursacht werden.“ Mädchen und Buben auf der ganzen Welt seien enormem Werbeeinfluss ausgesetzt und Unternehmen würden mit aggressiven Marketingtechniken ihre Entwicklungsanfälligkeit ausnützen sowie mit Produkten ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen. In manchen Ländern werden Kinder und Jugendliche mit mehr als 30.000 Werbeanzeigen im Fernsehen pro Jahr bombardiert. Jene für Fast Food und stark zuckerhaltige Getränke fördern den Konsum ungesunder Lebensmittel, wodurch Übergewicht und Fettleibigkeit zunehmen. So sind heute elf Mal mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig als noch vor 45 Jahren. Durch den negativen Einfluss auf das Kindeswohl müssen genau diese kommerziellen Unternehmen in die Pflicht genommen werden, selbst wenn sie für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum unabdingbar sind. Kinder müssten vor „süchtig machenden oder ungesunden Waren“ wie Fastfood, Alkohol, Tabak, Glücksspiel und soziale Medien geschützt werden.

Klimawandel, Übergewicht und schädliche Werbe- und Marketingpraktiken führen dazu, dass Kinder Gefahren ausgesetzt sind, die vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar schienen. Deshalb sind tiefgreifende Veränderungen nötig: Jede Regierung muss die Rechte von Kindern ins Zentrum ihrer Politik stellen und ihr Wohlergehen zum Maßstab ihres Handelns machen.

Henrietta Fore, UNICEF-Exekutivdirektorin

Forderungen der Expertenkommission

  • signifikante Reduktion des CO2-Ausstoßes, um Kindern eine Zukunft zu ermöglichen;
  • Fokusierung aller Maßnahmen zur Verwirklichung der nachhaltigen Entwicklungsziele auf Kinder und Jugendliche;
  • neue politische Initiativen und verstärkte Investitionen in Kindergesundheit und die Umsetzung der Kinderrechte;
  • Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen relevanten politischen und gesellschaftlichen Prozessen;
  • strengere Regulierung schädlicher Werbemaßnahmen auf nationaler Ebene und Ergänzung der UN-Kinderrechtskonvention um ein neues Zusatzprotokoll.

Eine Zukunft für die Kinder der Welt? Aktuell wäre keine Nation der Welt in der Lage, Kindern Sicherheit, Gesundheit und angemessenes Umfeld zu gewährleisten, lautet das Fazit von WHO, UNICEF und The Lancet. Klimawandel, ökologische Zerstörung, Bevölkerungsmigration, Konflikte, allgegenwärtig[...]

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Alle haben das Recht auf Gesundheit

Ob hier in Österreich oder weltweit: derzeit beherrscht die Coronakrise unser aller Leben. Familien bangen um ihre Existenz und Versorgung ihrer Kinder.

Doch viele dringliche Herausforderungen in Fragen globaler Gesundheit werden durch den Fokus auf das Coronavirus aus dem Blick verdrängt. Als zentrale Aufgabe gilt es, das Recht auf Gesundheit für Alle durchzusetzen und die Gesundheitssysteme weltweit zu stärken, um Krankheiten wie HIV/AIDS, Tuberkulose oder Malaria wirksam zu begegnen. Denn so wie viele Krankheitserreger zuvor, wird das Coronavirus besonders dort weitreichende Folgen haben, wo Menschen bereits geschwächt sind und Gesundheitssysteme schlecht ausgestattet sind. Krankheit gefährdet Einkommen, Bildung und politische Teilhabe.

In den ärmlichen ländlichen Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens sind Mobile Krankenstationen oft die einzige Gesundheitsversorgung. (Foto: CHristoph Engels)
In den ärmlichen ländlichen Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens sind Mobile Krankenstationen oft die einzige Gesundheitsversorgung. (Foto: CHristoph Engels)

Um die globale Gesundheit zu verbessern, braucht es daher eine angemessene Finanzierung. Nur wenn Entwicklungsländer und Industriestaaten die Gesundheitsfinanzierung substantiell erhöhen und solidarisch gestalten, können die Gesundheitsbezogenen Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung erreicht werden. 

Die Bereiche HIV/Prävention, Aufklärung und Betreuung stellen auch einen Bestandteil der Projektarbeit der Kindernothilfe dar. Dabei steht die Hilfe für Kinder in Notsituationen – wie Aidswaisen – im Fokus.

Die Kindernothilfe schließt sich den Forderungen an, die im Hintergrundpapier vom Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) und dem Aktionsbündnis gegen AIDS festgehalten sind. Das Papier vom März 2020 umreißt die dringlich erforderlichen Schritte, um eine Mindesthöhe an öffentlichen Finanzmitteln für die Gesundheitsversorgung in den benachteiligten Ländern zu erreichen. Die Gesundheitssysteme müssen global gestärkt und der Zugang zu Medikamenten nachhaltig gesichert werden.

Selbst wenn die Länder mit niedrigen Einkommen die größtmöglichen Eigenanstrengungen unternehmen, sind sie weit davon entfernt, den dringlichen Finanzierungsbedarf durch inländische Quellen wie Steuern und Sozialausgaben decken zu können. Es braucht einerseits Maßnahmen zur Stärkung ihrer nationalen Ressourcen sowie zur Bekämpfung von Korruption und Steuervermeidung in ärmsten Ländern. Und andererseits müssen die Industrieländer bis 2025 mindestens 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens für gesundheitsbezogene Entwicklungszusammenarbeit aufbringen.

Multilaterale Instrumente, wie die Impfallianz Gavi, die den ärmsten Ländern der Welt Impfstoffe zu niedrigeren Preisen ermöglicht, und der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, sind konsequent zu stärken, damit diese Organisationen ihre zentrale Rolle bei der Bewältigung der jeweiligen spezifischen Gesundheitsprobleme weiterentwickeln können.

Auch Österreich hat sich verpflichtet, die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen zu erreichen, dazu zählt auch das Ziel 3 „Ein gesundes Leben für alle Menschen jedes Alters gewährleisten“. Um dieses Nachhaltigkeitsziel 3 bis 2030 zu erreichen, müssen die finanziellen Mittel Industrieländer und die Gesundheitsausgaben in den Partnerländern signifikant steigen. Die bisherige Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Gesundheit hat bereits Erfolge gezeitigt: die Gesundheitssituation in Entwicklungs- und Schwellenländern wurde verbessert. So sterben heute weniger Kinder aufgrund gesundheitlicher Probleme oder durch Mangelernährung als zu Beginn des Jahrtausends. Dennoch sind wir heute weit davon entfernt, das Recht aller Menschen auf Gesundheit zu verwirklichen. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, um die weltweiten Strukturen der Ungerechtigkeit auf dem Gebiet der Gesundheit zu überwinden

Ob hier in Österreich oder weltweit: derzeit beherrscht die Coronakrise unser aller Leben. Familien bangen um ihre Existenz und Versorgung ihrer Kinder. Doch viele dringliche Herausforderungen in Fragen globaler Gesundheit werden durch den Fokus auf das Coronavirus aus dem Blick verdrängt. Als [...]

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In der Coronakrise muss Kindeswohl eine Priorität sein

UNO Generalsekretär António Guterres hat offiziell dazu aufgerufen, weltweit den Schutz der Kinder zu gewährleisten, von denen er sagt, dass Millionen infolge der Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt sind.

In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)
In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)

Während das Coronavirus ein signifikant geringeres Gesundheitsrisiko für Kinder birgt als für Erwachsene, können die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowohl der Krankheit als auch der Isolation für sie äußerst schädlich sein. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Kurzdossier „Die Auswirkungen von COVID-19 auf Kinder“ hervor, der die verschiedenen Bereiche beleuchtet, in denen Kinder in der aktuellen Situation stärker gefährdet sind als sonst: Gesundheit, Familienleben, Bildung, Zugang zu medizinischer Versorgung und Internet.

Dem Bericht zufolge wird derzeit der Alltag von etwa 60 Prozent aller Kinder weltweit von einem gewisses Maß an Isolation bestimmt, was ihre Mobilität und/oder ihren Zugang zur Gesellschaft einschränkt. Die ernstzunehmenden Gefahren entstehen überwiegend dadurch, dass die Mädchen und Buben nicht mehr zur Schule gehen können. Laut UNO sind in den 188 Ländern, die eine Ausgangssperre durchgesetzt haben, mehr als 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche in der einen oder anderen folgenden Weise betroffen:

+ Zugang zu Nahrungsmitteln
+ Zugang zu digitalen Lehrmitteln
+ häusliche Gewalt und/oder Konflikte
+ Cybermobbing und sexuelle Ausbeutung im Internet

Darüber hinaus hat sich das Risiko verschärft, dass Kinder mit Grunderkrankungen nicht mit notwendigen Medikamenten und geeigneten Pflegeprodukten versorgt werden können.

Ernährungsunsicherheit

Vor der Coronakrise haben viele Kinder auf der ganzen Welt ihre einzigen Mahlzeiten in den Bildungseinrichtungen erhalten. Der Bericht schätzt, dass jetzt mehr als 368 Millionen Kinder in etwa 143 Ländern ihre Nahrung auf alternative Weise suchen müssen.

Gewaltrisiko in der Familie

Die Belastung in Quarantänefamilien trifft häufig die Kinder in voller Härte. Nicht selten sind sie entweder selbst von familiärer Gewalt betroffen oder müssen diese zumindest mitansehen, da viele Opfer mit ihren Missbrauchern zu Hause festsitzen, so das UN-Dossier. Kinderrechtsvertreter weltweit haben bereits ebenfalls Alarm geschlagen und die Gefährdung des Kindeswohl durch unterschiedlichen gearteten Missbrauch offen kundgetan.

Soziale Zerrüttung und hoher Stress zuhause können tiefgreifende Auswirkungen auf Kinder haben, und Millionen von ihnen sind jetzt einem erhöhten Risiko von Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung ausgesetzt. Jene, die in Armut leben müssen, umso mehr.

Janti Soeripto, Save the Children

Digitaler Zugang

Da Kinder nicht in der Lage sind, physisch zur Schule zu gehen, müssen viele nun auf Online-Learning ausweichen, was verschiedene digitale Werkzeuge erfordert. Der ungleich verteilte Zugang zum Internet bedeutet jedoch, dass nicht jeder das gleiche Ausbildungsniveau erhalten kann. Nur 30 Prozent der einkommensschwachen Länder können ihre Schüler digital weiter unterrichten. Zudem kommen geschlechtsspezifische Benachteiligungen, da mehr Buben Zugang zu digitaler Technologie haben als Mädchen. Dadurch wird es für Mädchen grundsätzlich schwieriger, ihre Ausbildung auf diese Weise fortzusetzen und birgt das lanfristige Risiko, dass Mädchen die Schule abbrechen könnten. Auch die Häufigkeit von Teenagerschwangerschaften könnte dadurch steigen.

Gefahren online

Da viele Kinder nun (gezwungenermaßen) online sind, um einerseits ihrem Unterricht folgen zu können und andererseits mit Freunden in Verbindung zu bleiben, sind sie plötzlich dem grundsätzlichen Webrisiko ausgesetzt.

Nicht alle Kinder haben die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Ressourcen, um online sicher zu sein.

Dr. Howard Taylor, End Violence Against Children

Einem von UNICEF und verschiedenen Kinderrechtsorganisationen veröffentlichten Bericht zufolge verhalten sich Kinder unter Einschränkung ihrer sozialen Kontakte mit größerer Wahrscheinlichkeit unvorsichtiger und knüpfen gut- und leichtgläubiger „neue Kontakte“. Folglich sind sie eher dem Risiko ausgesetzt, in die Fänge von Cyberkriminellen zu gelangen, im Internet gemobbt zu werden oder gar Inhalte wie sexuell eindeutige Fotos zu teilen, die später für Erpressungsmethoden verwendet werden.

In dieser alarmierenden Situation kommt Regierungen und Familienmitglieder eine entscheidende Rolle beim Schutz von Kindern zu. Der UNICEF-Bericht drängt darauf, dass Kindesschutzmaßnahmen und -services von staatlicher Seite sichergestellt werden und dass Technologieunternehmen ihre Produkte so ausgestalten, dass der Datenschutz von kindlichen Nutzern nicht verletzt wird. Besonders Social-Media-Anbieter haben eine „besondere Verantwortung für den Schutz der schutzbedürftigen Personen“ bei der Nutzung ihrer Dienste zu sorgen. Und schlussendlich sind Eltern ihrerseits aufgefordert, Antiviren- und Software-Updates auf den mobilen Geräten ihrer Kinder regelmäßig zu kontrollieren und auf dem aktuellsten Stand zu halten.

UNO Generalsekretär António Guterres hat offiziell dazu aufgerufen, weltweit den Schutz der Kinder zu gewährleisten, von denen er sagt, dass Millionen infolge der Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt sind. In der aktuellen Coronakrise sind[...]

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28. Februar 2020

10 Jahre später bebt Chiles Erde noch immer

Zehn Jahre nach dem „Terremoto y Tsunami del 2010“, wie das Beben vom 27. Februar 2010 in Chile genannt wird, sind die Spuren der damaligen Verwüstungen vor allem in ländlichen Gebieten, aber auch in kleineren Städten noch immer an Brachflächen und Gebäuderuinen zu erkennen.

Am 27.2.2010 bebte die Erde in Südchile mit dramatischen Folgen (Foto: Anide)
Am 27.2.2010 bebte die Erde in Südchile mit dramatischen Folgen (Foto: Anide)

Vor zehn Jahren, in den frühen Morgenstunden des 27. Februars 2010 und zwar exakt drei Minuten lang von 03:34 bis 03:37 Uhr bebte im Süden Chiles die Erde und das mit extremer Gewalt: Mit einer Magnitude von 8,8 auf der Richterskala war das Erdbeben von Concepción weltweit das Fünfschwerste, das seit 1900 überhaupt jemals registriert wurde. 521 Menschen starben entweder unter den Trümmern einstürzender Gebäude oder in Folge des vom Beben ausgelösten Tsunamis, der entlang der Pazifikküste Hunderte von Menschen und Häusern mit sich riss.

Die Katastrophe hatte mit Concepción, Talcahuano, San Pedro de la Paz, Coronel und Lota – alles Anrainer-Kommunen rund um den Golf von Arauco in der Bio-Bio-Region, 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago – eines der Kerngebiete des Kindernothilfe-Engagements in Chile getroffen. Mehrere der geförderten Kinderzentren und die in den Jahren zuvor geschaffene Projektinfrastruktur hielten den extrem starken Erschütterungen nicht stand.

Für die Menschen im Katastrophengebiet folgten entsetzliche Wochen voller Angst, Unsicherheit und Versorgungsproblemen. Und Jahre des Wiederaufbaus.

Ein Blick zurück

Die beiden nachfolgenden Berichte zeugen von Erfahrungen in den Tagen unmittelbar nach dem Beben einerseits, und den Bestrebungen, für die betroffenen Kinder einen sicheren Alltag wiederherzustellen und beschädigte Projekte wieder instand zu setzen andererseits.   

Kindertagestätten: Ein Zufluchtsort nach dem verheerenden Beben in Südchile 2010 (Foto: Monique Schmieding)
Kindertagestätten: Ein Zufluchtsort nach dem verheerenden Beben in Südchile 2010 (Foto: Monique Schmieding)

Chile kommt nicht zur Ruhe

In dem Andenland entlang der Pazifikküste wird dieser Jahrestag inmitten einer ganz anderen Krise begangen, die die Aufmerksamkeit der Menschen völlig absorbiert: Und zwar den seit Mitte Oktober anhaltenden erbitterten Protesten gegen die Regierung von Präsident Sebastian Piñera und gegen die aus den Zeiten des Militärregimes unter Augusto Pinochet ererbten autoritären Verfassung mit ihrer extremste soziale Ungerechtigkeiten verursachenden neoliberalen Wirtschaftsordnung. Mindestens 31 Menschen sind seit dem Beginn der Auseinandersetzungen ums Leben gekommen, über 3400 wurden schwer verletzt und fast 9000 Personen wurden von Polizei und Miltitär festgenommen. Die UN-Menschenrechtskommission spricht von „exzessiver, systematischer Gewalt“ seitens der Polizeispezialkräfte gegen Protestierende. Die kommenden Wochen in Chile werden in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung sein. Für März haben soziale Bewegungen und ihre Netzwerke erneut Großdemonstrationen und Aktionen des zivilen Widerstands rund um den Internationalen Frauentag am 8. März – sowie den Jahrestag zur Erinnung an die Opfer des Pinochet Regimes angekündigt, während die Vorbereitungen für die Volksabstimmung über das Einleiten einer Verfassungsreform, die am 26. April stattfinden soll, bereits auf vollen Touren angelaufen sind. 

Bis heute markiert der 27. Februar 2010 eine tiefe Zäsur zwischen einem Vorher und einem Nachher, demonstriert aber auch, was humanitäre Hilfe (unmittelbar und langfristig) bewirken kann. Denn fast 600.000 Euro hatten Kindernothilfe-Spenderinnen und Spender aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Luxemburg nach dem Erdbeben vom 27.  Februar 2010 in Chile aufgebracht, um psychosoziale Trauma-Arbeit mit den Kindern aus den betroffenen Projekten und ihren Familien – sowie Wiederaufbauvorhaben finanzieren zu können.

Zehn Jahre nach dem "Terremoto y Tsunami del 2010", wie das Beben vom 27. Februar 2010 in Chile genannt wird, sind die Spuren der damaligen Verwüstungen vor allem in ländlichen Gebieten, aber auch in kleineren Städten noch immer an Brachflächen und Gebäuderuinen zu erkennen. Am 27.2.2010 be[...]

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