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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

So konnten wir mit Ihren Spenden helfen. DANKE!

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle)

Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicheres Land, das auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist. Regelmäßig auftretende Dürren führen zu Verknappung von Weideland und Wasser sowie zu drastisch erhöhten Preisen für Nahrungsmittel. In diesem Umfeld spielt Bildung eine sehr untergordnete Rolle und insbesondere die Schulbildung von Mädchen wird kaum bis überhaupt nicht unterstützt. Das Bildungsniveau ist per se niedrig, da es kaum weiterführende Schulen gibt und ohne Platz in einem Schülerwohnheim der Unterrichtsbesuch für die meisten Schüler nicht möglich ist, da die Wege zwischen ihrem Zuhause und der Schule zu weit sind. Somit ist der Besuch der Schule mit Kosten verbunden, wodurch viele von ihnen die Schule abbrechen und stattdessen versuchen, als Tagelöhner etwas Geld zu verdienen.

Bildung ist eine elementare Voraussetzung für den Weg aus der Armut (Foto: Karl Pfahler).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im Schülerwohnheim Dollo-Negelle konnten wir 128 Kinder (70 Buben, 59 Mädchen) während der Schulzeit ein zeitweises Zuhause ermöglichen, in dem sie jeder ein Bett mit Matratze, Decke und Polster haben. Neben einer ausgewogenen Ernährung (Eier, Fleisch, Gemüse, lokale Nahrungsmittel, etc.), die für die Entwicklung der Kinder unerlässlich ist, wurden alle mit ausreichenden Hygieneartikeln versorgt und erhielten regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, um Krankheiten vorzubeugen.

Alle 128 Kinder sind in die nächste Klasse aufgestiegen, 90% haben die nationalen Examen erfolgreich absolviert.

Chikuni, Sambia (Bildung durch Radioschulen)

Die meisten Menschen in den 180 Dörfern der Gemeinde Chikuni, südwestlich von Sambias Hauptstadt Lusaka, leben in extremer Armut von der Subsistenzwirtschaft. Aufgrund schlechter Bodenqualität und immer häufiger auftretenden Wetterextremen (Trockenzeit, sintflutartige Regenfälle) kann die Mehrheit der hier lebenden Bäuerinnen und Bauern kaum genug Nahrung für den Eigenbedarf produzieren. Viele Familienmitglieder sind unterernährt, wobei die Kinder am stärksten davon betroffen sind.

Die extreme Armut führt auch dazu, dass die Kinder vieler Familien von vornherein dazu gezwungen sind, auf den Schulbesuch zu verzichten und durch Arbeit zum Einkommen der Eltern beizutragen. Außerdem gibt es in der Region kaum öffentliche Schulen bzw. ist der Weg zu den wenig vorhandenen(?) bis zu 20 km lang. Daher besuchen fast 80% der dort lebenden Mädchen und Buben den Schulunterricht gar nicht oder sehr unregelmäßig.

So hat Ihre Spende geholfen:

Mit Hilfe von 23 Radioschulen nehmen Kinder und Jugendliche an einem Bildungsprogramm teil, die sonst keine Möglichkeit zu einem Schulbesuch hätten. Dafür wurde ein tägliches Sendeprogramm in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen entwickelt und Bildungsmaterialien erstellt.

2017 wurden 150 Unterrichtseinheiten ausgestrahlt, die 2.221 Kinder der Klassenstufen 2, 4, 6 und 7 sowie 527 Erwachsene erreichten. Die Kinder nahmen am Schuljahresende erfolgreich an den staatlichen Abschlussprüfungen teil.

Verbesserung der Ernährungssituation

Um der schwierigen Ernährungssituation und verbreiteten Armut besser begegnen zu können, wurde der Schulunterricht lebensnaher und praxisorientierter gestaltet. Das bedeutet, dass die Kinder und ihre Eltern über landwirtschaftliche Zusammenhänge unterrichtet werden. Somit leistet der Unterricht einen großen Beitrag zur Ernährungssicherung.

Dafür werden in jedem Dorf eine Baumschule und ein Gemüsegarten angelegt. Hinzu kommen Brunnen und Bewässerungsanlagen. Zusätzlich wurden Gartenwerkzeug, Saatgut und Lehrmaterial zur Verfügung gestellt. In jedem Dorf vermitteln zwei LehrerInnen und zwei ExpertInnen den Lehrstoff und setzen ihn mit den Kindern praktisch um.

An die ärmsten Familien wurden in Chikuni 2 Ziegen und 11 Hühner verteilt. Zudem wurden 11.700kg Erdnüsse und 160 Bells of Sugar für das Ernährungsprogramm bereitgestellt.

Mirmali, Indien (Gegen Kinderarbeit in Ziegeleien)

In Bihar, dem ärmsten Bundesstaat Indiens, unterstützen wir fünf fünf Dalit-Dörfer („die Unberührbaren“)Diese liegen am Fluss Koshi und werden in der Monsunzeit immer wieder überschwemmt. Um zu überleben arbeiten die Mitglieder dieser benachteiligten Minderheit unter ausbeuterischen Bedingungen in einer der umliegenden Ziegelbrennereien und beziehen auch ihre Töchter und Söhne in den Arbeitsalltag mit ein. Somit bleibt zahlreichen Dalit-Kindern der Schulbesuch verwehrt.

Vorherrschende Armut und mangelnde Hygiene bringen Krankheiten mit sich: das dreckige Wasser verursacht Durchfall. Infektionen, Malaria und ähnliches treten ebenso oft auf, sodass die Krankheiten den Kindern sehr zusetzen.

Indien: Schulbesuch statt Arbeit in der Ziegelei (Foto: Jakob Studnar)

So hat Ihre Spende geholfen:

In den Projektförderschulen erhielten 413 Kinder einen informellen Unterricht für die Jahrgangsstufen 1-5. Dadurch lernten sie einen routinierten Schulalltag kennen (4 Studen / Tag rechnen, schreiben lesen) und wurden auf den Übertritt in eine staatliche Schule vorbereitet. 35 Kinder schafften es erfolgreich, auf eine staatliche Schule zu wechseln. Unter den 413 Kindern nahmen 181 Mädchen am Unterricht teil – eine sehr erfreuliche Entwicklung, da den meisten Mädchen noch vor ein paar Jahren im sehr traditionellen Bundesstaat Bildung verweigert blieb.

Zusätzlich wurden 98 junge Frauen auf dem Weg in ein eigenständiges Berufsleben unterstützt, 33 von ihnen eröffneten nach den Berufsbildungsstunden erfolgreich ihre eignene Scheiderei und verdienen nun das 15-16fache im Vergleich zum Lohn in der Ziegelbrennerei.

In den Förderzentren befindet sich auch ein Arzt, der die Kinder im Krankheitsfall mit Medikamenten versorgt. Zudem konnten jedes Monat kostenlose, medizinische Untersuchungen angeboten werden, zu denen insgesamt 587 Mädchen und Buben kamen.

Carrefour, Haiti (Schulessen in Ecole St. Francois de Salle nach der Naturkatastrophe)

Haiti ist ein Land mit nur schwachen staatlichen Strukturen, das unter einer großen politischen und wirtschaftlichen Instablilität leidet. Zudem wird das Land immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen (2010 Erdbeben, 2016 Hurrikan “Matthew”) heimgesucht. Hohe Arbeitslosigkeit, eine unsichere Ernährungslage und große Armut kennzeichnen die schwierigen Lebenssituation der meisten Menschen, in der Bildung keinerlei Priorität hat. Es gibt viel zu wenige kostenlose, öffentliche Schulen, und auch die Qualität des Unterrichts ist mehr als dürftig. Außerdem sind viele Familien darauf angewiesen, dass ihre Töchter und Söhne zum Familieneinkommen beitragen.

In Carrefour, der zweitgrößten Stadt Haitis, sind die Folgen der Naturkatastrophen nach wie vor spürbar und die Armut besonders hoch, da Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten und qualitativ hochwertige Bildungsangebote fehlen. Große Teile der Bevölkerung leiden unter chronischer Unterernährung und die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend (ein Arzt ist für 7000 Menschen zuständig). Jedes zweite Kind kommt schon mit Merkmalen der Unterernährung auf die Welt. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch: 69 je 1000 Kinder sterben vor ihrem fünften Lebensjahr. Allein 42,3% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Haiti: In der wieder aufgebauten Ecole Saint Francois de Salle ist Lernen wieder möglich. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

In der Ecole Saint Francois de Salle, die bei dem Erbeben 2010 völlig zerstört, danach mit Unterstützung der Kindernothilfe erdbebensicher wieder errichtet wurde, können Kinder die komplette Schullaufbahn vom Kindergarten bis zur Matura absolvieren. Durch die staatliche Anerkennung der Schule qualifiziert der Schulabschluss für eine mögliche universitäre oder berufliche Ausbildung.

Letztes Jahr wurden 1.247 Schüler unterrichtet, die vier Leistungskontrollen wurden von allen zufriedenstellend absolviert und alle Schüler des 9. Jahrganges bestanden die offiziellen Prüfungen und damit den Übergang in die weiterführende Schule. Zudem erhielten alle Kindern3 warme Mahlzeiten und 2 Snacks pro Woche. Auch die entsprechende medizinische Versorgung inkl. regelmäßiger Impfkampagnen für alle Kinder konnte gewährleistet warden.

Chaqui, Bolivien (Inklusion, Förderung von Kindern mit Behinderung)

Chaqui ist eine der ärmsten Kommunen Boliviens. Die Menschen leben in kleinen Unterkünften aus Lehmziegeln und mit Bretterdächern, die mit Lehm und Stroh abgedichtet werden. Es gibt keine Elektrizität und nur wenige Menschen haben Zugang zu Trinkwasser. In den Gemeinden ist die Gesundheitsversorgung sehr unzureichend. Neben der weit verbreiteten Mangelernährung und ihren Auswirkungen stellen fehlende bzw. mangelhafte Schul- und Ausbildungsangebote ein großes Problem dar. Die Schulen verfügen meist weder über Sanitäranlagen noch über angemessene Wohnungen für die Lehrer, die wegen der Abgelegenheit der Dörfer die Arbeitswoche über in der Schule leben. Sie reichen nur bis zur 4. oder 5. Klasse; dennoch schließt ein Großteil der Kinder noch nicht einmal diese ab.

Die Lernbedingungen und –angebote sind somit für alle Schüler schlecht; für Kinder mit Behinderungen sind sie jedoch katastrophal bzw. meist von vornherein überhaupt nicht zugänglich.

Bolivien: Kinder mit Beeinträchtigung haben es nach wie vor sehr schwer. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

Es konnten 250 Familien unterstützt und 39 Kinder mit Behinderung ein Schulbesuch ermöglicht werden. Zudem wurden im Rahmen einer breiten Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen über Kinderrechte und Behinderung 246 Lehrkräfte und verschiedenen Bildungseinrichtungen befähigt, Kinderrechte zu vermitteln. In der Schule wurden Lehrmaterialien mit bunten Illustrationen und Geschichten erstellt, um Kindesschutz und Kinderrechte verständlich und kindgerecht aufzubereiten. Nicht zuletzt wurden architektonische Barrieren an Schulen beseitigt, um für alle Kinder ungehinderten Zugang zu gewährleisten.

Moro, Peru (Wiederaufbau nach den Überschwemmungen)

Peru wurde im März 2017 wochenlang von Unwettern mit nie dagewesenen Regenmassen heimgesucht. Im ganzen Land wurden Häuser von 72.000 Menschen zerstört, insgesamt leideten etwa 600.000 Peruaner unter den Folgen des Unwetters: Hunger, Durst, zerstörte Infrastruktur und mangelnde Hygiene. Zehntausende Menschen wurden infolge dessen obdachlos und standen vor dem Nichts.

Peru: Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen (Foto: Jürgen Schübelin).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im ländlichen Distrikt Moro im Norden Perus konnten durch Soforthilfemaßnhamen 600 Familien mit dem Notwendigsten wie Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneartikel und Medikamente versorgt warden.

In der Folge konnten 43 der zerstörten Häuser, die aufgrund ihrer traditionellen regionstypischen Lehmziegelbauweise den Überschwemmungen und Schlammlawinen nicht Stand halten konnten, wiederaufgebaut werden.

Sulawesi, Indonesien (Child Friendly Spaces nach dem Tsunami)

Die indonesische Insel Sulawesi wurde heuer von einem verheerenden Tsunami und Folgeerdbeben heimgesucht und hinterließ gravierende Spuren: 300.000 Überlebende ohne Obdach, 67.000 unbewohnbare Häuser, 2.700 beschädigte Schulen und 20 wichtige Gesundheitseinrichtungen. Auch die Wasserversorgung war tagelang außer Funktion.

Zurück blieben Tausende von Menschen schwer traumatisiert, darunter rund 50.000 Kinder, die dringend Hilfe und besondere Unterstrützung benötigten.

Indonesien: In Child Friendly Spaces können Kinder nach der Katastrophe einfach nur Kind sein (Foto: Karl Andersson).

So hat Ihre Spende geholfen:

Durch Soforthilfemaßnahmen konnte ein provisorisches Kinderzentrum, ein sogenannter Child Friendly Space, errichtet werden, in dem 40 Kindern unmittelbare Unterstützung durch fachkundiges Personal ermöglicht wurde. So konnte den Mädchen und Buben ein geschützter Raum geboten werden, den sie brauchen, um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie erhielten psychosoziale Unterstützung, regelmäßige Mahlzeiten und die Möglichkeit eines halbwegs geregelten Tagesablaufes, der dabei hilft, ihre Ängste durch gemeinsames Spielen zu überwinden.

Zudem wurde im krisengebeutelten Palu-Distrikt ein 2-Tages-Traumaworkshop zu Kinderrechten, Einführungen zum Thema Trauma, Selbstversorgung und behutsamen traumalösenden Übungen für 565 Pädagogen abgehalten.

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle) Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicher[...]

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6. November 2018

Haiti: Erfolge bei den Karate-Kids

Haitis Karate Kids (Foto: Erhard Stückrath)

Nachdem Hurrikan „Matthew“ 2016 so viel Zerstörung auf Haiti angerichtet hatte, startete die Kindernothilfe zusammen mit ihrer Partnerorganisation AMURT sogenannte „Child Friendly Spaces“ (Kindesschutzzentren) an 18 Schulen in sechs Gemeinden. Über 1.200 Kinder profitierten von diesen Zentren, in denen Bildung, Kurse zu Hygiene, Gesundheit und gewaltfreie Kommunikation, Spiel, Sport und eine warme Mahlzeit am Tag angeboten wurden. Und speziell die Karate-Kurse kamen bei den Kindern sehr gut an!

Die Karate-Kurse haben besonders großen Zulauf; sie setzen auf die positiven Auswirkungen, die geregelte Bewegungsabläufe auf die Psyche haben können. Zu Beginn starteten diese Kurse an 18 Schulen der Gemeinde Anse Rouge. Mittlerweile sind es bereits 22, und besonders bei Mädchen, die 2/3 der Teilnehmenden ausmachen, kommen sie hervorragend an. Sie vermitteln nicht nur Disziplin, sondern stärken zudem das Selbstwertgefühl und machen die Kinder bei Wettkämpfen auf ihre Schulen stolz.

Bei einem beeindruckenden Demonstrationstraining an der Schule in Magasin fielen die beiden Schwestern Malia und Betiane (Namen geändert) besonders auf. Sie sind die besten der Gruppe. Im Juni fuhren sie zusammen mit 40 anderen Mädchen und Jungen, den Trainern und ihren Eltern zur nationalen Meisterschaft in Port-au-Prince. Dort konnte die Gruppe ihr Talent beweisen und brachte 17 Medaillen, davon 4 Goldmedaillen, mit nach Hause. Die Schwestern hatten ebenfalls gewonnen. Einige der Gewinner haben mittlerweile sogar eine Einladung der „National Karate Association“ erhalten, Haiti bei den Weltmeisterschaften in Japan zu vertreten!

Nachdem Hurrikan „Matthew“ 2016 so viel Zerstörung auf Haiti angerichtet hatte, startete die Kindernothilfe zusammen mit ihrer Partnerorganisation AMURT sogenannte „Child Friendly Spaces“ (Kindesschutzzentren) an 18 Schulen in sechs Gemeinden. Über 1.200 Kinder profitierten von diesen [...]

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Tsunamikatastrophe in Sulawesi: Trauma- und Bildungs-Workshops für Pädagoginnen

Unsere Partnerorganisation AMURT Indonesien bietet ab sofort im krisengebeutelten Palu-Distrikt Workshops und psychosoziale Unterstützung für 600 Grundschullehrerinnen und Kindergärtnerinnen an. Der Pilotworkshop stieß auf so großes Interesse, dass Offizielle des Bildungsministeriums im Palu-Distrikt spontan eine Ausweitung der Schulungen arrangierten.

Nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami in Indonesien fehlt es den Menschen an allem. 300.000 Überlebende sind ohne Obdach, 67.310 Häuser sind unbewohnbar. 2.700 Schulen sind beschädigt, dazu kommen 20 wichtige Gesundheitseinrichtungen. Auch die Wasserversorgung ist außer Funktion.

Pilottraining von Betreuungspersonal für provisorische Kinderzentren in Sulawesi (Karl Andersson)

Schnell wird da vergessen, dass die Katastrophe bei den Menschen auch Spuren hinterlassen hat, die nicht sofort sichtbar sind. Psychische Belastungen und Stress haben auf lange Sicht gesehen negative Auswirkungen auf die betroffenen Menschen. Es ist unerlässlich, die Menschen dabei zu unterstützen, das Erlebte zu verarbeiten. Nur so kann möglichst bald wieder Alltag einkehren, können Menschen ihren Berufen nachgehen – Berufen wie z. B. Lehrerin oder Kindergärtnerin.

„Wenn ich jemals vergessen habe, warum wir tun, was wir tun – heute wurde es mir neu bestätigt“

Und genau an diesem Punkt hat AMURT Indonesien im Palu-Distrikt eine Lücke entdeckt: Keine Organisation kümmerte sich um Pädagoginnen, die kleine Kinder betreuen. Lehrerinnen und Erzieherinnen hatten bisher weder selbst Trauma-Behandlung erhalten, noch gab es Organisationen, die ihnen zeigten, wie sie mit traumatisierten Kindern umgehen sollten.

Ein zweitägiges Pilottraining unseres Partners zu Kinderrechten, Einführungen zum Thema Trauma, Selbstversorgung und behutsamen traumalösenden Übungen, kam bei allen Teilnehmerinnen sehr gut an. Schon jetzt sind erste Erfolge zu erkennen. „Was für eine Verwandlung! Wenn ich jemals vergessen habe, warum wir tun, was wir tun, wurde es mir heute neu bestätigt“, schwärmt Karl Andersson, Koordinator der weltweiten humanitären Hilfe von AMURT. „Bei ihrer Ankunft waren die Lehrerinnen niedergeschlagen und voller Sorge über ihr Leben, ihre Familien und ihre Kindergärten und Schulen. Am Ende des Tages konnten die Frauen schon wieder singen, lachen und tanzen.“

Frauengruppe beim gemeinsamen Yoga (Foto: Karl Adersson)

Der Erfolg machte das Bildungsministerium aufmerksam

Mitarbeiter aus dem Bildungsministerium des Palu Distrikts arrangierten umgehend AMURT-Workshops an verschiedenen Standorten für die nächsten zehn Tage. So können bereits jetzt insgesamt 600 Pädagoginnen geschult werden.

AMURT Indonesien plant daran anschließend einen einmonatigen Zurück-in-die-Schule/in die Kita- Workshop für ebenfalls rund 600 Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen – 80 Prozent von ihnen haben an dem Trauma-Workshop teilgenommen. Dort lernen sie – übergangsweise, bis Schulen und Kindergärten wieder eröffnen -, Aktivitäten wie in unseren Kinderzentren abzuhalten: mit Lernangeboten, Spielen, Singen, Tanzen, Sport, Malen.

 

Unsere Partnerorganisation AMURT Indonesien bietet ab sofort im krisengebeutelten Palu-Distrikt Workshops und psychosoziale Unterstützung für 600 Grundschullehrerinnen und Kindergärtnerinnen an. Der Pilotworkshop stieß auf so großes Interesse, dass Offizielle des Bildungsministeriums im Palu-Di[...]

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Sauberes Trinkwasser für Haiti

Sauberes Wasser (Foto: Ujeta GmbH)

Im Dezember 2016 stellte das bayrische Unternehmen „Ujeta GmbH“ (www.ujeta.com) der Kindernothilfe Österreich zehn Stück neue Wasserfilter „UJETA CARE“ samt Ersatzfilter und Zubehör für den Einsatz auf Haiti zur Verfügung. Um die Bedingungen vor Ort kennenzulernen und das Personal auf die Geräte einschulen zu können, machte sich Ujeta-Vertriebsmitarbeiter Michael Astl persönlich auf den Weg in das vom Hurrikan „Matthew“ zerstörte Gebiet. Seine Erlebnisse und Eindrücke schildert er so:

Port-au-Prince (Foto: Kindernothilfe)

Die Anreise nach Port-au-Prince, der Hauptstadt des Karibikstaates Haiti, mit einem Zwischenstopp in Miami verlief relativ problemlos. Sobald man das Flugzeug in Port-au-Prince verlässt, wird man aber schlagartig in eine andere Welt katapultiert. Schon allein die Fahrt vom Flughafen ins Hotel gibt Aufschluss über die Zustände, die hier herrschen. Müllberge, so weit das Auge reicht: die Straßen bestehen teilweise nur aus tiefen Schlaglöchern, welche notdürftig mit Holzbrettern überbrückt werden. In den Straßengräben brennt Plastikmüll, was einen beißenden, giftigen Rauch durch die Straßen ziehen lässt, der zum Teil bereits in den frühen Morgenstunden den Himmel über der Stadt verdunkelt und einem das Atmen erschwert. Auch in den Gesichtern der Menschen dieser Stadt, die zwei Millionen Einwohner hat, liest man eine beklemmende Mischung aus Hoffnungslosigkeit und Lethargie. Nicht nur die allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten des Landes sind dafür verantwortlich, sondern auch zahlreiche Naturkatastrophen – wie Erdbeben und tropische Stürme – lassen das Land und seine Bewohner nicht zur Ruhe kommen. Der Hurrikan „Matthew“ im Oktober 2016 forderte neben über 1.000 Todesopfern auch zahlreiche Verletze und traf zudem die ohnehin spärlich vorhandene Infrastruktur des Landes empfindlich.

 

Meine erste Priorität vor Ort war es, dafür Sorge zu tragen, dass die Luftfrachtsendung mit den Wasserfiltern zeitgerecht eintrifft und verzollt wird. Nach stundenlangem, teils verdrießlichem Schrift- und Telefonverkehr mit der Airline wurde die Luftfrachtsendung, die sich zu diesem Zeitpunkt im Umschlaghub am Miami Int. Airport befand, endlich auf das nächste Flugzeug gebucht und bestätigt. Vier Tage später war die Sendung endlich eingetroffen, doch der Zoll weigerte sich zunächst recht hartnäckig, mit der Importverzollung der Wasserfilter zu beginnen.

Zum Glück hatte der Leiter der Organisation „AMURT“ (Partner der Kindernothilfe) vor Ort ausgezeichnete Kontakte zu einem einheimischen Transportunternehmen, welches die Sache beschleunigte. Mit viel Mühe gelang es uns, die Abwicklung von 21 auf zehn Tage zu verkürzen. Immer noch sprechen wir von nur einer Einwegpalette – die Uhren in diesem Land ticken halt anders. Trotz der Tatsache, dass die Wasserfilter als Hilfsgüter deklariert waren, mussten wir Zollabgaben entrichten.

Einschulung am Wasserfilter (Foto: Ujeta GmbH)

Da meine Aufenthaltszeit in Haiti auf wenige Tage beschränkt war, wurde schnell klar, dass es keine Möglichkeit gab, alle zehn Filter eigenhändig zu verteilen. Glücklicherweise hatte ich in meinem Reisegepäck einen „UJETA- CARE“-Wasserfilter als „Backup-Plan“ mitgebracht. Somit war es möglich, die Schulungen am Gerät direkt durchzuführen, ohne die eigentliche Lieferung abwarten zu müssen.

Inmitten all dieser Widrigkeiten gibt es Leute, die sich mit viel Engagement und Herzlichkeit den Menschen, allen voran den Kindern, diesem schwer gebeutelten Land widmen. Das Team der Kindernothilfe und der Partnerorganisation AMURT arbeiten Hand in Hand, um in den am schlimmsten getroffenen Gebieten im Nordwesten des Landes die Kinder aus dem Elend zu befreien. In den Kinderschutzzentren der Kindernothilfe werden traumatisierte Kinder therapeutisch und spielerisch unterstützt, um die Erlebnisse während der Naturkatastrophen besser verarbeiten und bewältigen zu können. Mir wurde das spezielle Privileg zuteil, eines dieser Kinderschutzzentren zu besuchen und die Arbeit der Kindernothilfe live mitzuerleben.

Das Dorf Coridon im Nordwesten von Haiti

Die Reise in den Nordwesten des Landes erfolgte in einem Geländewagen, dauerte etwa sechs Stunden und war aufgrund der katastrophalen Straßenverhältnisse extrem holprig und anstrengend. Mich wundert noch heute, wie der Geländewagen diese Fahrt überhaupt überstehen konnte. Dank unseres talentierten Fahrers „Patrick“ kamen wir sicher und unversehrt in der Personalunterkunft in der Nähe von Coridon an. Die Personalunterkunft, in der wir übernachtet hatten, war sehr einfach, aber zweckmäßig eingerichtet.

Am nächsten Tag ging es dann frisch ausgeruht weiter in ein kleines Dorf namens Coridon. Im dortigen Kinderschutzzentrum wurde ich freudig empfangen und wir begannen sogleich mit der Einschulung am Wasserfilter „UJETA CARE“.

Sauberes Trinkwasser ist ein zentrales Thema der Dorfgemeinde (Foto: Ujeta GmbH)

Interessiert und geschickt bauten sie den „CARE“ auseinander und wieder zusammen, pumpten Wasser durch und machten sich mit der Grundfunktion des Gerätes unter meiner Anleitung vertraut.

Die Betreuer waren sehr an dem Wasserfilter interessiert. Sie stellten viele Fragen und notierten sich die Antworten samt eigener Zeichnungen penibel. Selten war es mir vergönnt, ein derart interessiertes Publikum zu informieren. Kein Wunder, was für uns in Mitteleuropa selbstverständlich ist, nämlich sauberes Trinkwasser jederzeit zur Verfügung zu haben, stellt die Menschen dort vor große Herausforderungen. Besonders für die Entwicklung der Kinder ist der Zugang zu sauberem Wasser von größter Bedeutung.

Der „UJETA CARE“ ist stabil gebaut und beinhaltet kompakt verstaut alle Filterelemente und Bedienungseinzelteile. Der 10-Liter-Schmutzwasserbehälter ist abnehmbar und eignet sich mit seinem Tragegriff auch zur direkten Wasserentnahme aus Flüssen, Bächen, Seen, Tümpeln – oder wo auch immer.

Bedient wird der „CARE“ mittels einer Handpumpe, die fast keine Kraftaufwendung erfordert und daher auch für Kinder gut geeignet ist.

In einer Minute kann man mit dem „CARE“ etwa drei Liter sauberes Trinkwasser erzeugen. In einer Gegend, in der Cholera nach wie vor an der Tagesordnung steht, ist der „CARE“ mit seiner optimal abgestimmten Filterwirkung ein zuverlässiger Partner. Die Filtration erfolgt mittels einer ausgeklügelten und zertifizierten Kombination aus Aktivkohle und Feinmembranen. Somit ist sichergestellt, dass Parasiten, Krankheitserreger, Schwermetalle und Chemierückstände aus dem Wasser entfernt werden.

Die Kinder setzen das Gelernte gleich in die Praxis um. Nach der Einschulung der Betreuer im Umgang mit dem „CARE“ durften sich die Kinder an dem Gerät versuchen und hatten sichtlich Freude daran. Mit Tanz und Gesang begrüßten sie mich und den „CARE“ sehr herzlich.

Die Kinder ließen es sich nicht zweimal sagen und begannen sofort Wasser aufzubereiten und zu trinken.

Sie genossen das wohlschmeckende, frische Wasser sichtlich und das Lachen in den Gesichtern der Kinder erfüllte auch mein Herz mit Freude und Stolz!

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Kindernothilfe in Haiti oder auch bei anderen Projekten weiterhin zu unterstützen und freuen uns auf eine Zusammenarbeit im Sinne der Menschen.

Im Dezember 2016 stellte das bayrische Unternehmen "Ujeta GmbH" (www.ujeta.com) der Kindernothilfe Österreich zehn Stück neue Wasserfilter "UJETA CARE" samt Ersatzfilter und Zubehör für den Einsatz auf Haiti zur Verfügung. Um die Bedingungen vor Ort kennenzulernen und das Personal auf die G[...]

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