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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

27. Oktober 2020

Chile steht vor einem politischen Neuanfang

Das Wort "Erdrutschsieg" wirkt fast wie eine Untertreibung: Mit einem solch eindeutigen Ergebnis hatte selbst unter den größten Enthusiasten für einen politischen Neuanfang in Chile niemand gerechnet.

Chile jubelt
Chile jubelt

78,27 Prozent der an der Volksabstimmung vom Sonntag teilnehmenden Chileninnen und Chilenen votierten für die Ablösung der 1980 vom Pinochet-Regime oktroyierten alten und die Erarbeitung einer neuen Verfassung, nur 21,73 Prozent dagegen. Und auch bei der zweiten zur Entscheidung anstehenden Frage, danach, wer diese neue Verfassung denn jetzt verfassen soll, war die Antwort eindeutig: Nur 21,01 Prozent unterstützten das von der Regierung propagierte Modell, die zukünftige Magna Carta von einem Gremium erarbeiten zu lassen, das sich zur Hälfte aus aktiven Mandatsträgern und zur anderen Hälfte aus für diesen Zweck zu wählenden Delegierten zusammensetzt. Stattdessen sprachen sich 78,99 Prozent der Abstimmenden dafür aus, einen Verfassungskonvent zu wählen, in dem nicht Berufspolitikerinnen und -Politiker den Ton angeben, sondern Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft. An dem historischen Plebiszit vom Sonntag beteiligten sich nicht nur die in Chile lebenden Stimmberechtigten, sondern über die Botschaften und Konsulate auch die chilenische Diaspora-Gemeinde in der ganzen Welt. Hier waren die Ergebnisse zum Teil noch eindeutiger: In Österreich entfielen 86,05 Prozent auf "apruebo", also die Entscheidung für eine neue Verfassung, in der Schweiz 87,82 %, in Deutschland waren es 89,58 Prozent - und in Berlin, wo eine der größte Chile-Communities in Europa lebt, sogar 94,73 % (Alle Angaben: Servicio Electoral de Chile - servel.cl).

José Horacio Wood, der Direktor der chilenischen Kindernothilfe-Partnerorganisation Fundación ANIDE, beschrieb die Gefühlslage unter den Projektteams im Partnerland am Montagnachmittag so: "Wir sind überglücklich über dieses derart eindeutige Votum für eine neue Verfassung - und darüber, dass das jetzt über einen partizipativen Prozess durch eine komplett neu zu wählende verfassungsgebenden Versammlung geschehen soll. Aber", so Wood weiter, "jetzt beginnt der schwierigste Teil dieses Weges: Es geht darum, dass diese Verfassungskonvention so zusammengesetzt ist, dass es am Ende wirklich gelingt, die Menschenrechte und die sozialen Rechten zu garantieren, Prinzipien eines Sozial- und Rechtsstaats durchzusetzen, bürgerschaftliche Teilhabe zu garantieren, die Rechte der indigenen Bevölkerung endlich anzuerkennen - und die Privatisierung von Gemeinschaftsgütern wie Wasser rückgängig zu machen."