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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

30. Juni 2020

Die Kinder vom Bauarbeiterlager

In Thailand gibt es offiziell zwar nur knapp über 3.150 bestätige Fälle, doch die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich um vieles darüber. Besonders den Kindern, die schon vor der Krise unter unzumutbaren Bedingungen lebten, machen die Auswirkungen der Pandemie zu schaffen.

Neung lebt in einem thailändischen Bauarbeiterlager (Foto: Kindernothilfe)
Neung lebt in einem thailändischen Bauarbeiterlager (Foto: Kindernothilfe)

Zwei Stunden Schreibpraxis am Tag

Sai gehört dazu. Er ist elf Jahre alt und lebt in einem Lager in der Nähe der Großbaustellen, auf denen die Migranten aus Myanmar ihren kargen Lebensunterhalt verdienen. Sai wohnt dort gemeinsam mit seiner Mutter in einem kleinen Zimmer. Auch sein Alltag hat sich verändert, denn wie viele Kinder weltweit kann er derzeit nicht zur Schule gehen. Momentan sieht es so aus, als könnten die Schulen in Thailand jetzt im Juli wieder öffnen. Bis dahin übt er das englische und thailändische Alphabet – jeden Tag zwei Stunden in seinem Buch. So kann er wenigstens einen Teil seiner Zeit zum Lernen nutzen.

Sai bei seinen Schulaufgaben (Foto: Kindernothilfe)
Sai bei seinen Schulaufgaben (Foto: Kindernothilfe)

„Wenn wir das Virus loswerden können, können wir sehr bald zur Schule gehen“

Ähnlich geht es auch Neung. Auch er lebt in einem Bauarbeiterlager, gemeinsam mit seinem Vater, seiner Mutter und der einjährigen Schwester. Wenigstens hat der Vater durch die Corona-Krise nicht seinen Job als Bauarbeiter verloren und kann weiterhin in Thailand arbeiten gehen.

Dem Zwölfjährigen fehlt sein normaler Alltag: zur Schule gehen, lernen, Freunde sehen. Besonders die Bewegungsfreiheit vermisst er, denn es gelten strenge Ausgangsbeschränkungen wegen der Ansteckungsgefahr. Also muss er sich die Zeit anders vertreiben. Er passt für seine Mutter auf die einjährige Schwester auf, versucht mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben und geht seiner größten Leidenschaft nach: künstlerisch zu arbeiten. Kunst ist auch sein Lieblingsfach in der Schule. Seine große Hoffnung: „Wenn wir das Virus loswerden, können wir bald wieder zur Schule gehen.“

Baan Dek Foundation-Sozialarbeiterin im Gespräch mit Neung (Foto: Kindernothilfe)
Baan Dek Foundation-Sozialarbeiterin im Gespräch mit Neung (Foto: Kindernothilfe)

Partner vor Ort packt mit an

Schon vor der Pandemie spielte die thailändische Partnerorganisation Baan Dek Foundation (BDF) eine wichtige Rolle in Neungs Leben. Zwar ist der Zwölfjährige in Thailand geboren, da aber seine Eltern aus Myanmar stammen, bekam Neung keinen thailändischen Pass. Damit blieben ihm viele Rechte verwehrt, zum Beispiel der Schulbesuch oder der Zugang zu Medikamenten im Krankheitsfall. BDF-Sozialarbeiter haben ihm geholfen, die thailändische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Auch Sai hat unser Partner nachhaltig unterstützt. Wegen einer Muskelerkrankung kann er nicht laufen. BDF-Mitarbeiter begleiteten ihn zu ärztlichen Untersuchungen und verhalfen ihm zu einem Rollstuhl. Auf diese Weise kann er mit Freunden spielen, anstatt immer zu Hause bleiben zu müssen – jedenfalls war das vor Corona so.

Unterstützung auch während Corona

Gerade in diesen schwierigen Zeiten unterstützt BDF benachteiligte Familien. BDF-Mitarbeiter besuchen sie regelmäßig und versorgen sie mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten. Und für die Kinder? Für sie gibt es zusätzliche Unterrichtsmaterialien, damit die Corona-Krise ihr Bildungschancen nicht völlig vereitelt.