Spendenshop Suche
Jetzt spenden Pate werden

KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

18. Dezember 2019

Ein Jahr der humanitären Not

2019 gerieten dramatisch mehr Menschen in humanitäre Not als von den Vereinten Nationen erwartet, so der aktuelle Global Humanitarian Overview (GHO) 2020-Bericht.

Der tropische Wirbelsturm Idai landete am 14. und 15. März und zerstörte Berichten zufolge rund 90 Prozent von Beria, der Hauptstadt der Provinz Sofala in Mosambik. Ein Großteil der Betroffenen lebte während der Wiederaufbauarbeiten in provisorischen Lagern. (Foto: Andre Catuera / IPS)

Der Bericht, der Anfang Dezember vom UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) veröffentlicht wurde, identifizierte Klimawandel, unvorhergesehene Ausbreitung von Infektionskrankheiten und regionale Konflikte als die drei Hauptursachen, die Millionen von Menschen 2019 in den humanitären Notstand gedrängt haben.

Zu Beginn des Beobachtungszeitraumes des GHO Anfang 2019 erreichten Katastrophenhilfe-Maßnahmen rund 93,6 Millionen der 131,7 Millionen Bedürftigen. Bis November 2019 waren die Zahlen auf dramatische 117,4 Millionen bzw. 166,5 Millionen gestiegen.

Klimawandel

"Klimaschocks, die unerwartete Ausbreitung von Infektionskrankheiten und die Auswirkungen von langwierigen und sich häufig verschärfenden Konflikten haben in diesem Jahr zu einem beispiellosen Bedarf geführt", sagte Zoe Paxton, Koordinatorin für humanitäre Angelegenheiten und Nothilfe. „Der aktuelle Stand der Geopolitik führt dazu, dass Konflikte immer länger und intensiver werden. Zudem wird das humanitäre Völkerrecht in kriegerischen Auseinandersetzungen zunehmend missachtet “, so Paxton weiter. Auch fügte sie hinzu, dass Kriegsopfer vielschichtigen Belastungen ausgesetzt sind, die einen „normalen“ Alltag unmöglich machen: Vertreibung, Hunger, psychosoziales Trauma sowie Verlust von Lebensunterhalt, Ausbildungsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung. "Das ist zusätzlich zu den direkten Auswirkungen von Kämpfen, Bombenangriffen und anderen Gewalttaten, die sich auf ihre physische Sicherheit auswirken", sagte sie.

Der Klimawandel mit seinen immer häufiger auftretenden Dürreperioden, Überschwemmungen und tropischen Wirbelstürmen stellt das wohl brisanteste Problem in diesem Zusammenhang dar. Laut Paxton sind die ohnehin bereits armen und schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen davon überproportional betroffen. "Elf der 20 am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder haben in den vergangenen sieben Jahren um humanitäre Hilfe angesucht", bezifferte sie diese prekäre Entwicklung. "Wir müssen die durch klimatische Veränderungen erfoderlichen Maßnahmen als Teil der humanitären Hilfe besser priorisieren."

Darüber hinaus seien ein langsames Wirtschaftswachstum und die nationale Verschuldung maßgebliche Faktoren für den Bedarf an humanitärer Hilfe, so Paxton. 2019 seien fast 60 Millionen Menschen, die Katastrophenunterstützung benötigten, aus 12 der 33 Länder gekommen, "die sich in einer Schuldenkrise befinden oder von einer solchen bedroht sind", sagte sie.

Mentale Gesundheit

Eines der anderen dringenden Probleme, die in dem Bericht auftauchten, ist die Sorge um die psychische Gesundheit der Bedürftigen. Der Bericht besagt, dass einer von fünf Menschen in Konfliktgebieten an einer psychischen Erkrankung leidet.

Die Zunahme von „heftigen Konflikten“ - von 36 im letzten Jahr auf 41 in diesem Jahr - verschärfte Probleme wie Hunger, sexuelle Gewalt und Verlust des Lebensunterhalts. Gleichzeitig wuchs die Besorgnis um die psychische Gesundheit der Menschen in humanitärer Not. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation vom Juni wird von etwa 11 Prozent der Menschen, die in den letzten 10 Jahren in Konflikten gelebt haben, eine mittelschwere oder schwere psychische Erkrankung erwartet.

Obwohl die psychische Gesundheit der Betroffenen im Bericht thematisiert wird, ist sie in einigen Regionen immer noch nicht oder nur unzureichend dokumentiert. In Afghanistan heißt es beispielsweise in dem Bericht, dass "mindestens 11 Prozent der Bevölkerung eine körperliche Behinderung aufweisen, während eine unbekannte Anzahl von Menschen aufgrund andauernder Konflikte an psychischen Problemen leidet".

Wie so oft in Humanitären Notsituationen sind Kinder am stärksten betroffen. Der Bericht schätzt, dass 24 Millionen Kinder, die derzeit in Konflikten leben, unter verschiedenen psychischen Erkrankungen leiden, die entsprechende Unterstützung benötigen würden. Es bleibt jedoch eine Herausforderung, diesen Bedarf zu decken.

"Obwohl der Schwerpunkt zunehmend auf der psychischen Gesundheit liegt, hat die überwiegende Mehrheit der Überlebenden keinen Zugang zu medizinischer Versorgung", sagte Dr. Mark van Ommeren, Autor einer Analyse von psychischen Störungen in Konfliktsituationen. "Ob Unterstützung zur Verfügung gestellt wird oder nicht, hängt oft von den Schwerpunkten der Geberorganisationen bzw. der Organisationen vor Ort ab."

In seinem Vorwort identifizierte der stellvertretende Generalsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten und die Koordinierung der Soforthilfe, Mark Lowcock, die Bedeutung der Bewältigung von seelischen Traumata als Problem. "Wir verstehen zunehmend die Notwendigkeit, mit mentalen Traumata und der körperlichen Gesundheit der Menschen umzugehen", schrieb er. "Wir begegnen immer mehr Krisen, indem wir vorausschauende Maßnahmen ergreifen."