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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

26. Dezember 2020

Ein liebevolles Zuhause im Norden Thailands

In der nordthailändischen Provinz Chiang Ra steht das Kinderhaus am Schönen Berg - für oft staatenlose Waisenkindern bedeutet BAAN DOI nicht nur umfassende physische und psychische Versorgung sowie Schulbildung, sondern vor allem eine neue Familie, auf die sie sich verlassen können und die alles tut, damit es ihnen gut geht.

Tom übt Lesen mit den Kindern. (Foto: Baan Doi)
Tom übt Lesen mit den Kindern. (Foto: Baan Doi)

Die Österreicherin Barbara Meisl und ihr Team haben in den vergangenen Jahren verschiedene Arbeitsstruktur-Konzepte ausprobiert, um den Mädchen und Buben die bestmögliche Betreuung gewährleiten zu können. Jetzt, als ein positiver Nebeneffekt der hausinternen Covid-19 Präventionsmaßnahmen, hat sich ein Rhythmus gefunden, der bestens funktioniert und der in Zukunft auch so beibehalten werden soll. Die vier Kinderbetreuer arbeiten jeweils zu zweit in Wochenschichten. Jeden Sonntagmorgen, vor dem Schichtwechsel findet eine gemeinsame Besprechung statt, um die vergangene Woche Revue passieren zu lassen und für die kommende Woche zu planen. Die Besprechungen sind für die Leiterin persönlich sehr wichtig, damit sie über die Veränderungen und Entwicklung der Kinder erfährt, und auch um für die KinderbetreuerInnen da sein zu können, falls sie ihre Unterstützung brauchen.

Es motiviert mich sehr zu sehen, mit wieviel Herzblut sich unsere KinderbetreuerInnen der Planung und Realisierung ihrer Arbeit widmen.

Barbara Meisl, Gründerin und Leiterin von BAAN DOI

Barbara Meisl und ihr Team bei einer der wöchentlichen Besprechungen. (Foto: Baan Doi)
Barbara Meisl und ihr Team bei einer der wöchentlichen Besprechungen. (Foto: Baan Doi)

Generell sind die KinderbetreuerInnen für alles zuständig, was von morgens bis abends zu organisieren ist. Neben den täglichen Aktivitäten haben sind die Verantwortungsbereiche in folgende vier Hauptkategorien eingeteilt: Medizinische Versorgung, Bildung, entwicklungsfördernde Aktivitäten und praktische Fähigkeiten/Dokumentation. Der/die jeweils zuständige KinderbetreuerIn schreibt auch den Bericht in der jeweiligen Kategorie, der im jährlichen Entwicklungsbericht für jedes Kind zusammengefasst wird.

Die KinderbetreuerInnen verbringen aber nicht nur Zeit mit den Kindern im BAAN DOI Zuhause, sondern auch auf der Farm der Organisation. Dort lernen die Kinder die verschiedenen essbaren Pflanzen kennen, wie man sie aufzieht und wann man sie ernten kann.

Herausforderungen und Kraftquellen: 4 BetreuerInnen teilen ihre Arbeitserfahrungen

Yasong Chaphue, auch Vee genannt, ist vom Bergstamm der Akha und in verschiedenen Internaten aufgewachsen. Seit dem Abschluss der Schule hat er immer mit Kindern gearbeitet. Im BAAN DOI-Team bringt er sich seit zwei Jahren ein. Sein besonderer Verantwortungsbereich ist das Organisieren von Aktivitäten wie Musik, Kunst, Sport und vieles mehr.

Vee im Kunstkurs mit den Kindern (Foto: Baan Doi)
Vee im Kunstkurs mit den Kindern (Foto: Baan Doi)

Meine größte Motivation ist die Arbeit mit den Kindern selbst. Es macht mich richtig glücklich für sie da zu sein und ihnen meine Zeit zu schenken und Fertigkeiten mit ihnen zu teilen.

Baan Doi ist ein ganz spezieller Ort für mich. Die Art und Weise wie wir zusammenleben. Wir verbringen unsere Zeit gemeinsam und genießen das. Es ist auch ganz besonders füreinander da zu sein und gemeinsam zu lernen, sich bei Unstimmigkeiten immer wieder zu versöhnen. Das ist etwas, das ich den Kindern vorleben möchte, einander zu vergeben.

Die größten Herausforderungen? Die Arbeit in unserem großen 15-köpfigen Team mit so verschiedenen kulturellen Hintergründen. Das fordert mich ganz schön, weil so vieles neu ist und ich so eine Struktur vorher noch nie erlebt habe. Doch ich arbeite an mir selbst und übe mich darin Ungleichheiten und neue Konzepte zu akzeptieren und konzentriere mich auf das, was ich daraus gewinnen kann.

Vee, Kinderbetreuer in BAAN DOI

Pailin Luangthanan, kurz Pop, verspürte nach ihrem Studium in der Verwaltung den Drang etwas Positives zur Gemeinschaft beizutragen, um so auch etwas zurückgeben zu können. Nach fast drei Jahren bei BAAN DOI ist sie die Kinderbetreuerin mit der längsten Erfahrung im Waisenhaus. Pop ist zuständig für den Bereich praktische Fähigkeiten (Handarbeitsprojekt/Landwirtschaft) und für die Dokumente der Kinder.

Pop beim Lesen mit den Kindern (Foto: Baan Doi)
Pop beim Lesen mit den Kindern (Foto: Baan Doi)

Die Kraftquelle in meiner Arbeit im Waisenhaus ist das Leben mit den Kindern selbst. BAAN DOI ist wie eine Familie für mich, wir leben gemeinsam und sind aktiv. Durch die viele gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen, formen sich enge Bindungen untereinander.

Ich denke, die allumfassende und gute Pflege, die wir den Kindern bieten, ist sehr viel wert. BAAN DOI ist sehr gut aufgestellt und stellt viele Ressourcen und Möglichkeiten für alle zur Verfügung.

Die Emotionen unserer Jugendlichen sind oft eine Herausforderung für mich, weil sie sich so schnell ändern. Doch ich versuche, sie auf gleicher Ebene zu treffen, sie zu verstehen und ihnen Raum und Freiheit zu geben, wenn sie es brauchen. Ich habe mittlerweile gelernt, die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder zu erkennen und mich darauf einzustellen.

Pop, Kinderbetreuerin in BAAN DOI

Doungdee Boontha’s Spitzname ist Tom und wie so viele Menschen in Nordthailand stammt auch sie vom Bergstamm der Akha. Nach der Absolvierung ihres Bachelors arbeitete Tom als Pflegekraft für Alzheimer-, Krebs-und bettlägerige Patienten. Nun ist sie schon seit einem Jahr Teil der BAAN DOI-Familie und mit ihrem außerordentlichen Organisationstalent nicht mehr wegzudenken. Ihr besonderer Verantwortungsbereich ist die medizinische Versorgung.

Tom mit einem der Waisenkinder. (Foto: Baan Doi)
Tom mit einem der Waisenkinder. (Foto: Baan Doi)

Die Kinder sind es, die mich motivieren. Sie sind einfach alle so liebenswert. Gleichzeitig gibt es so viele Dinge, die organisiert werden müssen, also gebe ich mein Bestes. Es macht mich stolz, Verantwortung für die Kinder zu tragen und für sie da zu sein wann immer sie mich brauchen!

Wenn die Kinder mit Problemen zu mir kommen, wird es manchmal ganz schön herausfordernd. Auch wenn sie streiten und einander gar nicht verstehen. Um gute Lösungen zu finden, ist es wichtig, der Wurzel des Problems nachzugehen, ehrlich zu sein und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.

Was ich den Kindern mitgeben möchte? Ich bin eine sehr offene Person und habe ein sehr gutes Herz. Ich kann den Kindern in jeglicher Situation beiseite stehen und ihnen das Gefühl geben, bedingungslos geliebt und umsorgt zu sein. Ich möchte ihnen zeigen, wie wichtig es ist, sich selbst zu achten und ein gutes Selbstwertgefühl und Ziele im Leben zu haben.

Tom, Kinderbetreuerin in BAAN DOI

Uraiwan Pradupphet hört auf Rai und ist das jüngste Mitglied im BetreuerInnen-Team. Sie arbeitet seit einem halben Jahr fix in BAAN DOI. Rai hat Englisch studiert und sich im Bereich HIV/AIDS-Prävention engagiert. Ihr besonderer Aufgabenbereich bei BAAN DOI ist Bildung.

Rai pflückt mit den Kindern Senfblätter und verschiedene Kräuter zum Kochen (Foto: Baan Doi)
Rai pflückt mit den Kindern Senfblätter und verschiedene Kräuter zum Kochen (Foto: Baan Doi)

Was BAAN DOI besonders macht, ist die familiäre Atmosphäre und die Freiheiten, die wir alle haben. Die Strukturen sind flexibel und können auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder und auch der MitarbeiterInnen abgestimmt werden.

Sehr herausforderns ist für mich die Arbeit mit den jüngsten Kindern, denn sie fordert vor allem viel Geduld. Es ist so wichtig, in jedem Moment ein gutes Bewusstsein zu haben und Verständnis zu zeigen.

Meine Stärke liegt in den guten Fähigkeiten, die ich bezüglich Lernen entwickelt habe. Also Methoden, sich Wissen anzueignen, aber auch Methoden zur Persönlichkeitsentwicklung, die ich den Kindern mitgeben kann.

Rai, Kinderbetreuerin in BAAN DOI

Geburtstage werden gebührend gefeiert. (Foto: Baan Doi)
Geburtstage werden gebührend gefeiert. (Foto: Baan Doi)

Mit ihren unterschiedlichen Stärken ist jeder Einzelne ein nicht mehr wegzudenkendes Mitglied der BAAN DOI Familie. Gemeinsam ziehen sie an einem Strang, um die Kinder zu schützen und ihnen die Chance auf eine neue Zukunft zu ermöglichen. Sie geben den Kindern, denen viele Steine in den Weg gelegt wurden, eine Perspektive, durch Konstanz, Zuverlässigkeit, Struktur, viel Liebe und Zuversicht. So gelingt es ihnen, Fuß im Leben zu fassen und an sich selbst zu glauben. Mit dem bedingungslosen Vertrauen, dass BAAN DOI hinter ihnen steht, ihnen den Rücken freihält und sie motiviert und unterstützt.