Spendenshop Suche
Jetzt spenden Pate werden

KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Ennios Einsatz für Kinderrechte

Der Alltag der ländlichen, indigenen Bevölkerung in Guatemala, einem der ärmsten Staaten der Welt, ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Analphabetismus, Unterernährung und mangelnder Gesundheitsversorgung. Kind sein und Aufwachsen sind unter diesen prekären Bedingungen kein Kinderspiel. Für den optimistischen und zielstrebigen Ennios haben sie dennoch eine große Chance geboten: Der 12jährige Bub aus Huehuetenango, Guatemala, setzt sich aktiv für die erfolgreiche und tagtägliche Umsetzung der Kinderrechte ein.

Kinder machen Radio für Kinder, Huehuetenango. (Foto: Jakob Studnar)

Ennios´ Vater ist sehr stolz auf seinen Sohn und dessen Einsatz für die anderen Kinder aus seiner Gemeinde. Der Vater erzählt stets dieselbe Geschichte, wenn er nach dem Engagement seines Sohnes gefragt wird. Ennios war gerade in der vierten Klasse, als er zum Schulsprecher ernannt wurde und er sich beim Bürgermeister vorstellte, um Wandfarbe für die Schule zu erbitten. Seitdem ist Ennios für seinen Einsatz und seine optimistische Lebenseinstellung bekannt.

Das Elend in San Sebastían Huehuetenango

Ennios und seine Familie gehören der Gemeinde San Sebastían Huehuetenango an, deren Dörfer geographisch sehr abgeschieden liegen und deren Bewohner kaum Unterstützung von außen erhalten. Aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten widmet sich die Mehrheit der Familien der Subsistenzwirtschaft, d.h. sie bauen zum Eigenverbrauch Gemüse an und halten kleinere Nutztiere. Allerdings lassen schlechte Bodenqualität und Bewässerungsmöglichkeiten eine erfolgreiche Bewirtschaftung nur schwer zu und Unterernährung ist ein weit verbreitetes Problem. Die Familien leben in sehr ärmlichen Verhältnissen: sie bewohnen kleine Holzhütten mit Erdfußboden und kochen auf offenem Feuer. Oftmals leben mehrere Familien in einer Hütte zusammen. Auch die sanitären Verhältnisse und der Zugang zu medizinischer Versorgung sind äußerst prekär. Bildungsmöglichkeiten gibt es kaum. Viele Kinder besuchen, wenn überhaupt, nur die Grundschule. Zahlreiche Kinder müssen ihren Eltern bei der Arbeit helfen und können nicht zur Schule zu gehen. Kinder mit Behinderung, aber auch Frauen und Mädchen sind gesellschaftlich stark benachteiligt. Aufgrund der prekären Situation ist innerfamiliäre Gewalt ein tägliches Phänomen.

Sendero de Luz (Pfad des Lichts) gibt Hoffnung

Um die Lebensbedingungen in den Dorfgemeinschaften, insbesondere der dort lebenden Kinder und Jugendlichen, langfristig zu verbessern wurde das Entwicklungsprojekt Sendero de Luz ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit der lokalen Nichtregierungsorganisation SADEGUA versucht die Kindernothilfe, durch Hilfe zur Selbsthilfe (v.a. im Bereich Gesundheitsvorsorge und Landwirtschaft) sowie die Sensibilisierung für Kinderrechte den Kindern den Weg in eine selbst bestimmte Zukunft zu ermöglichen. Dabei ist die Partizipation der Kinder, Jugendlichen und Frauen von besonderer Bedeutung.

Kinderrechte fördern und umsetzen

Um Kinder schützen und stärken zu können, ist es unabdingbar, ihre Rechte zu kennen und einzuhalten. So finden im Projektgebiet regelmäßig Aufklärungsveranstaltungen und Informationstreffen statt, bei denen Eltern, Lehrern und Verantwortlichen der lokalen Verwaltung über die Wichtigkeit der Kinderrechte berichtet wird. Zusätzlich werden Radio-Spots ausgestrahlt, da so auch weit entfernte Haushalte erreicht werden können. Mittlerweile haben sich auf lokaler Ebene Netzwerke und Komitees gebildet, die sich dem Kindesschutz verpflichtet haben, und auch Abkommen mit den Behörden konnten geschlossen werden.

Darüber hinaus setzt unsere Partnerorganisation auf die Partizipation der Kinder, um eine erfolgreiche und umfangreiche Implementierung der Kinderrechte zu erreichen. Allein im letzten Jahr wurden 40 Kinder ausgebildet, um als Kinderrechts-Kommunikatoren andere Kinder aufzuklären. Auch sie ziehen zur Unterstützung das Radio heran. Der Erfolg ihres engagierten Einsatzes und der intensiven Aufklärungsarbeit an ihren Schulen gibt ihnen Recht: Es haben sich nicht nur vier Kinderrechtsgruppen gebildet, auch viele Lehrer integrieren die Kinderrechte nun inhaltlich in ihren Unterricht und tragen so zu einem langfristigen positiven Wandel bei.

Ennios ist eines dieser engagierten Mitglieder der Kindergruppe. Und das seit Beginn des Projekts. Besonders gerne wirkt er an Radioprogrammen mit und ist mittlerweile für seine lustigen und lehrreichen Radio-Spots berühmt. Das primäre Ziel des lebensfrohen, optimistischen Buben ist die erfolgreiche und tagtägliche Umsetzung der Kinderrechte. Hierbei kann er auf die Unterstützung seiner Eltern zählen, die ihn nach all ihren Möglichkeiten unterstützen und fördern.

Schulabstinenz verhindern und Bildungsmöglichkeiten ausbauen

Theoretisch besitzt jedes Kind das grundlegende Recht auf Bildung. Praktisch wurde dies im Projektgebiet bisher nicht immer eingehalten. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Neben Kinderarbeit sind dafür auch Unwissenheit der Eltern über die Bedeutung einer guten Ausbildung verantwortlich.

Kinder werden daher oftmals nicht eingeschult, sodass ihnen eine bessere Zukunft vorenthalten wird. Darüber hinaus gibt es geschlechterspezifische Probleme, da Mädchen bei der Wahrnehmung von Bildungsmöglichkeiten generell benachteiligt werden. Ebenso werden Kinder mit Beeinträchtigung benachteiligt und von haben bisher nur sehr wenig an den Bildungschancen partizipiert.

Durch entsprechende Aufklärungsarbeit wird benachteiligten Kindern und Eltern vermittelt, dass auch Mädchen eine selbst bestimmte berufliche Zukunft anstreben können und Kinder mit Beeinträchtigung ein Recht auf Inklusion haben. Die Kenntnis über die Vorzüge einer (guten) Schulbildung hat dazu geführt, dass Schulabbrecherquote und -abstinenz im Projektgebiet kontinuierlich sinken und gleichzeitig der Anspruch gegenüber Lehrkräften steigt. Aus diesem Grund hat unser Partner die Zusammenarbeit mit den Lehrern gesucht, um methodologische Fähigkeiten und Inhalte den Ansprüchen anzupassen.

Ennios kann trotz der äußerst prekären Lebensbedingungen seiner Eltern als Kleinbauern in die Schule gehen, denn sie setzen auf die Ausbildung ihres Sohnes. Und dieser strebt gleich eine doppelte Berufslaufbahn an: Zum einen möchte er Lehrer werden und Kindern zu Bildungschancen verhelfen. Zum anderen will er als LKW-Mechaniker und -Fahrer seine Familie unterstützen. Ennios weiß die Unterstützung seiner Eltern sehr zu schätzen und gibt ihnen mit seinem unermüdlichen Optimismus und seiner engagierten Initiative im Projekt etwas ganz Wertvolles zurück.

Manchmal wird der fröhliche Bub jedoch kurz nachdenklich, vor allem wenn seine Eltern das Dorf verlassen müssen, um als Tagelöhner Geld zu verdienen. Er möchte seinen Eltern und seiner Gemeinde später einmal helfen. Durch das Projekt und den Einsatz engagierter Kinder, die wesentliche Kinderrechte einfordern und umsetzen, können solche Lebensentwürfe langfristig realisiert werden, sodass eine nachhaltige soziale und ökonomische Verbesserung erreicht werden kann.