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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

29. März 2020

Entwicklungsländer brauchen Corona-Hilfe von außen

Kontinuierlich steigen die Fälle in afrikanischen Nationen und auch auf den anderen Kontinenten werden in Ländern mit endemischer Armut immer mehr Infektionen registriert. Damit wächst die Befürchtung, dass einigen Staaten bald große Ausbrüche bevorstehen, mit denen sie nicht fertig werden können. Eine mögliche Lähmung bereits schwacher Gesundheitssysteme hätte nicht nur drastische Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, sondern könnte die Menschen noch weiter in die Armut treiben, so Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Außerdem besteht die Gefahr, dass eine Corona-Epdemie in den Entwicklungsländern ein Wiederaufflammen des Virus in Nordamerika und Europa auslösen könnte, selbst nachdem er bereits unter Kontrolle gebracht worden ist. Um ein solches Szenario zu vermeiden, dürfen reiche Staaten Länder mit schwachen Gesundheitssystemen trotz ihres eigenen Kampfes gegen die Krankheit nicht außer Acht lassen, sagen Experten. "Wohlhabende Nationen sind momentan gänzlich mit der Situation im eigenen Land beschäftigt, es wäre aber auch wichtig, dass sie ärmere Länder im Kampf gegen das Coronavirus mitbedenken", so Amanda Glassman, Executive Vice President des in Washington ansässigen Global Center for Development.

Wenn die Dinge in weniger entwickelten Ländern nicht unter Kontrolle gebracht werden, könnte dies später den Industrieländern schaden.

Amanda Glassman ( Global Center for Development )

In der vergangenen Woche kam es zu einem beispiellosen Lock-Down in Europa und den Vereinigten Staaten mit weit verbreiteten Schließungen von Schulen, Restaurants, Kinos und Museen. Mehrere Länder in ganz Europa haben ihre Grenzen geschlossen und alle nicht wesentlichen Reisen eingestellt. Und obwohl in den Ländern Afrikas und Südamerikas weitaus weniger Fälle von Krankheiten registriert wurden, glauben viele Gesundheitsexperten, dass diese Zahlen sehr schnell dramatisch ansteigen wird.

Den Gesundheitssystemen in vielen armen Ländern, insbesondere in Afrika, fehlt es bereits jetzt an ausreichend Finanzmitteln und Ressourcen. Versorgungsmöglichkeiten in Krankeneinrichtungen und insbesondere Intensivstationen sind im Allgemeinen viel geringer als in Industrieländern. Studien zufolge hat weniger als die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung Zugang zu modernen Gesundheitseinrichtungen.

Einige Länder haben zudem andere endemische Krankheiten, die Folgen jüngster Naturkatastrophen oder große Flüchtlingsströme zu bewältigen. „Südlich der Sahara kämpft man bereits mit dem Ebola-Virus und der Heuschreckeninvasion sowie den damit verbundenen Hungersnöten. Jetzt kommt auch noch der Kampf gegen das Coronavirus hinzu. In vielen Ländern sind die Ressourcen voll ausgeschöpft“, so der internationale Politikexperte Dr. Dan Steinbock. Dr. Ambrose Talisuna vom WHO-Afrikabüro ergänzt, dass jeder größere Covid-19-Ausbruch unweigerlich Einfluss auf das Auftreten und Behandlung anderer Krankheiten hätte.

Wir befürchten, dass die Gesundheitssysteme in einigen afrikanischen Ländern vollständig zum Erliegen kommen könnten.

Dr. Ambrose Talisuna (WHO-Afrikabüro)

Die jüngsten Ebola-Ausbrüche haben gezeigt, dass die Umverteilung der Ressourcen zur Bekämpfung des Virus und seiner Folgen die nationalen Gesundheitssysteme (wie zB in der Demokratischen Republik Kongo) überforderte. "In der Folge starben Menschen an Malaria oder konnten nicht gegen Tuberkulose behandelt werden", so der WHO Afrika-Beauftragte. Selbst auf Länder mit vergleichsweise besser entwickelten Gesundheitssystemen könnten ähnliche Probleme zu kommen. Südafrika zB hat die weltweit schlimmste HIV/AIDS-Epidemie und die Auswirkungen eines schwerwiegenden Ausbruch des Coronavirus sind derzeit nicht abschätzbar, weder auf den Verlauf einer Covid-19 Infektion bei Menschen mit HIV/AIDS noch auf deren Behandlung. "Wir wissen nicht, was im Zusammenhang mit Covid-19-Infektionen und anderen Erkrankungen wie HIV/AIDS passieren könnte", bestätigt auch Glassman.

Wenn Menschen nicht mehr reisen und ihren existenzsichernden „kleinen Handel“ betreiben können, stehen sie vor dem Nichts.

Dr. Ambrose Talisuna (WHO-Afrikabüro)

In Lateinamerika, wo mehr als zwei Drittel der Menschen in extremer Armut leben, haben Ärzte bereits vor der Herausforderung gewarnt, die weit verbreitete Coronavirus-Infektionen für Krankenhäuser und Gesundheitspersonal bedeuten könnten. Der brasilianische Arzt und Autor Drauzio Varella schrieb letzte Woche in der Folha de São Paulo: „…. Abhängig von der Geschwindigkeit, mit der sich die Epidemie ausbreitet, kann die Belastung für unser Gesundheitssystem brutal sein.“ Es würde auch zu ernsthaften wirtschaftlichen Konsequenzen kommen. Nicht nur weil die Gesundheitsversorgung mit massiven finanziellen Mittel unterstützt werden müsste, sondern weil Präventionsmaßnahmen wie Reisebeschränkungen, Geschäftsschließungen und Quarantänen sich unmittelbar auf das Einkommen der Menschen auswirken würde. "Wie wir bei Ebola gesehen haben, kann dies dramatische Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und das Einkommen der Bevölkerung haben.

Dennoch haben nun auch einige der ärmsten Nationen der Welt strenge Maßnahmen eingeführt, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen. Unter anderem kam es auch in Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas zu Grenzschließungen und obligatorischen Quarantänen, und das obwohl sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass der Preis für die einzelnen Volkswirtschaften enorm hoch sein kann. „Die drakonischen Maßnahmen, für die sich China entschieden hat, waren sehr kostspielig. Aber alle Alternativen wären viel schlimmer gewesen.", analysiert Steinbock. Die chinesische Führung hatte sich entscheiden müssen: umfangreiche wirtschaftliche Schäden für ein bis zwei Quartale in Kauf nehmen, um den Virus höchstwahrscheinlich einzudämmen. Oder weitaus größere wirtschaftliche Verwüstungen in Verbindung mit einer drastischen Zunahme von Fällen und Todesfällen.

In ihren Bemühungen, die globale Krise einzudämmen, können es sich entwicklte Volkswirtschaften nicht leisten, die Entwicklungsländer außer Acht zu lassen.

Politikexperte Dr. Dan Steinbock

Aber laut Experten können, und sollen, Entwicklungsländer diese Kosten nicht alleine tragen. Während Kommunalverwaltungen Unternehmen und Einzelpersonen bei Maßnahmen wie Steuererleichterungen, finanzieller Unterstützung durch Kredite und Befreiungen von Zahlungen für Gesundheits- und Sozialversicherungen helfen können, bedarf es darüber hinaus der Unterstützung von außen, argumentieren sie. Anfang dieses Monats stellte die Weltbank 12 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, um den Ländern bei der Bewältigung der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des globalen Ausbruchs zu helfen. Der Internationale Währungsfonds kändigte an, 10 Milliarden US-Dollar für Kredite an Länder mit niedrigem Einkommen zur Bekämpfung des Virus zu mobilisieren. Am 13. März haben die WHO und ihre Partner den Covid-19 Solidarity Response Fund ins Leben gerufen, der darauf abzielt, Spenden von Privatpersonen und Unternehmen zu sammeln, um zu globalen Hilfsmaßnahmen beizutragen. In der Zwischenzeit werden Gelder aus bestehenden Mitteln umgeleitet: Beispielsweise kann ein Teil des "Global Fonds for HIV, TB and Malaria" verwendet werden. Auch der Globale Nothilfefonds der Vereinten Nationen hat 15 US-Dollar zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus haben einzelne Länder ihre Unterstützung im weltweiten Kampf gegen den Coronavirus zugesagt, entweder direkt an andere Staaten und Gesundheitsgruppen, über multilaterale Organisationen oder an die WHO.

Experten sind sich einig, dass Entwicklungsländern jede Hilfe gewährt werden muss, die zur Eindämmung der Krankheit erforderlich ist, unabhängig davon, wie sie finanziert wird. Denn „wenn Infektionen [in armen Ländern] unentdeckt bleiben, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kombination aus schwachem Gesundheitssystem, vorherrschender Armut und sozialer Instabilität zu einer sekundären Epidemie weltweiten Folgen führen könnte.