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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

27. Januar 2020

Globale Ungleichheit wächst weiter

Stammesfrauen treffen sich auf dem Boipariguda-Wochenmarkt im Koraput District im indischen Bundesstaat Odisha, um landwirtschaftliche Produkte zu kaufen und zu verkaufen. Indigene Gemeinschaften bleiben im Zentrum der vom Klimawandel Betroffenen, da sie die Hauptlast der Krise überproportional tragen und höheren Risiken ausgesetzt sind. (Foto: Manipadma Jena)
Stammesfrauen treffen sich auf dem Boipariguda-Wochenmarkt im Koraput District im indischen Bundesstaat Odisha, um landwirtschaftliche Produkte zu kaufen und zu verkaufen. Indigene Gemeinschaften bleiben im Zentrum der vom Klimawandel Betroffenen, da sie die Hauptlast der Krise überproportional tragen und höheren Risiken ausgesetzt sind. (Foto: Manipadma Jena)

Mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung leben derzeit in Teilen der Welt, in denen die Einkommensungleichheit zugenommen hat. Dies geht aus dem World Social Report 2020 der Abteilung für Wirtschaft und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen (DESA) hervor. Er identifiziert zudem die vier „Megatrends“, die diese Ungleichheit beeinflussen: technologische Innovation, Klimawandel, Urbanisierung und internationale Migration.

"Der Bericht unterstreicht, dass diese Megatrends für eine gerechtere und nachhaltigere Welt genutzt werden können, oder - außer Acht gelassen - uns weiter trennen werden", so Elliott Harris, Chefvolkswirt und stellvertretender Generalsekretär für wirtschaftliche Entwicklung bei DESA. Er betont, dass ein Gleichtgewicht zwischen den Ländern insbesondere durch die derzeitige Klimakrise verlangsamt wird, die generell "ein großes Hindernis für die Verringerung der Armut darstellt." Indigene Gemeinschaften sind nach wie vor die Hauptbetroffenen, da sie überdurchschnittlich unter den Folgen der klimatischen Veränderungen zu leiden haben und höheren Risiken ausgesetzt sind. Er betont außerdem, dass "sich diese auch auf die Ungleichheit zwischen den Generationen auswirkt."

Technologische Innovation, digitale Zweiteilung

Im Bereich technologischer Innovationen betont Harris, dass dieser Fortschritt "die Lohnungleichheit nach oben treibt. Denn trotz seiner immensen Aussichten schafft er Gewinner und Verlierer, und sein rasantes Tempo bringt zusätzliche neue Herausforderungen mit sich", so der Ökonom. Diese „digitale Kluft“ entsteht vor allem durch den Zugang zu Technologie und technologischen Geräten (oder deren Fehlen). Dem Bericht zufolge haben fast 90 Prozent der Bevölkerung in den Industriestaaten Zugang zum Internet, während es in den Entwicklungsländern nur 19 Prozent sind. Laut den Daten des U.N.-Komitees für Entwicklungspolitik (CDP) aus dem Jahr 2018 sind vor allem afrikanische Staaten betroffen. Und das obwohl der Kontinent für sein massives technologisches Wachstum gelobt wird. In einem PwC-Bericht über Afrika heißt es: "Disruptive Innovation verändert das wirtschaftliche Potenzial Afrikas, schafft neue Zielmärkte und beispiellose Wahlmöglichkeiten für Verbraucher." Das wirft dann aber die Frage auf, wie die technologische Kluft die Ungleichheit in diesen Ländern aufrechterhält. Harris bestätigt dieses Wachstum, betont jedoch, dass jene Länder, die hinterherhinken, viel „Nachholbedarf“ haben. "Aufgrund des raschen Fortschritts ist die Zeit, die für den Aufbau einer digitalen Infrastruktur benötigt wird, jene Zeit, in der die Industrieländer ihrerseits immer schneller vorankommen", so der Chefvolkswirt. "Die Entwicklungszyklen werden immer kürzer", sagt er und fügt die hypothetische Rechnung hinzu, dass in einem Industrieland bereits 8G zur Verfügung stehen, wenn in einem Entwicklungsland gerade mal 5G genutzt werden. "Es ist gemeinsames, auf einander abgestimmtes Engagement nötig, um wirklich schnell aufzuholen", sagt er, "wir brauchen einen großen Sprung; wir können nicht in dem bisherigen Tempo voranschreiten."

Ein Teufelskreis?

Der Bericht hebt eine weitere Beobachtung hervor: "Disparitäten in Gesundheit und Bildung machen es für die Menschen schwierig, aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen, was zur Übertragung von Benachteiligungen von einer Generation zur nächsten führt". Dies gilt insbesondere in einer Zeit, in der die Welt eine wachsende massive Flüchtlingsbevölkerung hat. Die U.N. Refugee Agency (UNHCR) gibt an, dass die derzeitige Flüchtlingskrise mit insgesamt 70,8 Millionen Menschen, die gewaltsam vertrieben wurden, "beispiellos" ist. Für jene, die auf der Flucht bleiben, ist der Zugang zu Gesundheitsystem und Bildung eine große Herausforderung. Dies wiederum erschwert das Ausbrechen aus des Armutszyklus und hält somit die Kluft zwischen Arm und Reich aufrecht. Laut Harris ist dieser Teufelskreis "ein sehr ernstes Problem, das wir haben. Erschwerdend kommt hinzu, dass sich das Flüchtlingsaufkommen häufig auf Orte konzentriert, die nicht über ausreichende Ressourcen für die Versorgung von Flüchtlingen verfügen, und daher sehr auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen sind." Er fügt hinzu, dass "es relativ weniger schwierig ist, Hilfe zu Beginn der Krise zu mobilisieren." Die große Herausforderung liegt in der Fortsetzung der Unterstützung, die notwendig ist, da sich viele Flüchtlinge jahrelang in Lagern befinden. Gleichzeitig lobt er die Bemühungen der Aufnahmeländer, ihr Bestes bei der Versorgung der Flüchtlinge zu geben, und fügt hinzu, dass die internationale Gemeinschaft die Verantwortung habe, "diese Aufnahmeländer zu stärken und ihnen zu helfen".