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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

2. Mai 2018

Nicht nur auf die Saat, auf den fruchtbaren Boden kommt es an!*

Hilfe zur Selbsthilfe: Seit vielen Jahren arbeitet die Kindernothilfe mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz (SHG), der darauf abzielt, vor allem die ärmsten Frauen in den benachteiligten Projektregionen sozial, wirtschaftlich und politisch zu stärken, damit sie sich aus eigener Kraft aus der Armut befreien können. Das Wissen, das die Gruppen von uns bekommen, hilft ihnen, sich und ihren Kindern eigenständig ein besseres Leben zu ermöglichen. Außerdem treiben sie dadurch auch die Entwicklung ihrer ganzen Region voran.

Sibanga in Ostuganda (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Die persönliche Geschichte von Stella aus Sibanga

Die Geschichte von Stella aus Sibanga, Ostuganda, zeigt das Potenzial, das im SHG-Ansatz steckt, um die schlechten sozioökonomischen Verhältnisse und damit die individuellen Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verändern.

Stella lebte – wie die meisten ihrer Gemeindegenossinnen – mit ihrer Familie sehr lange unter schwierigsten Bedingungen. Bittere Armut, schlechte hygienische Zustände und die damit verbundene ständige Bedrohung, an Malaria und/oder HIV/Aids zu erkranken, harte landwirtschaftliche Arbeit mit nur geringer Ausbeute und fehlende Unterstützung gehörten zu ihrem Alltag. Die Hausfrau aus dem Bezirk Manafa hatte kaum Mitspracherecht bei hausinternen Entscheidungen, und es war ihr nur sehr schwer möglich, ihre Familie zu versorgen, geschweige denn ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen.

Kein seltenes Bild in Ostuganda: Bei der Arbeit anstatt in der Schule (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Mit der Hoffnung auf Veränderung und dem Wunsch nach besseren Lebensumständen für sich und ihre Familie trat sie im Juli 2015 einer SHG in ihrer Region bei. Da ihr Mann der Arbeit der SHGs zunächst sehr skeptisch gegenüberstand, erzählte sie ihm nichts von der Teilnahme an den Gruppentreffen. Nach einiger Zeit konnte jedoch auch er von dem SHG-Ansatz und den sich daraus ergebenen positiven Entwicklungen für seine Familie überzeugt werden.

Stella in ihrem eigenen kleinen Geschäft (Foto: Kindernothilfepartner)

Obwohl Stella zunächst die jüngste und unerfahrenste Frau in ihrer Gruppe war, wurde ihr von den anderen Frauen sehr bald die Rolle der Sekretärin der Gruppe anvertraut.

Nachdem die Gruppe genug Geld angespart hatte, erhielt Stella einen Kleinkredit, um mit dem Verkauf von zunächst Holzkohle ein Geschäft zu starten. Nachdem sie dadurch ein erstes Einkommen generieren konnte, lieh sie sich noch einige weitere Male Geld von ihrer SHG. Mit dem geliehenen Kapital baute sie ihr Geschäft weiter aus und bietet inzwischen diverse Konsumgüter zum Verkauf an. Dadurch erwirtschaftet sie ihr eigenes Einkommen, mit dem sie sich und ihre Familie gut versorgen kann.

„Mir geht es viel besser. Ich habe einen Platz, an dem ich meine Probleme mit anderen teilen kann. Und ich bin endlich in der Lage, für meine Kinder zu sorgen.“

Selbsthilfegruppe im Sibanga-Butto-Projekt (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Das Sibanga – Butta Gemeinwesenentwicklungsprojekt

Seit 2013 arbeiten wir mit unserem lokalen Partner, der in den 60er Jahren gegründeten Mbale Diözese, zusammen, um benachteiligte Frauen und Kinder der Region zu einem selbstbestimmten Weg aus der Armut zu befähigen und sie in ihren Rechten nachhaltig zu stärken. Gerade Witwen mit vielen Kindern sowie Waisen, die mit ihren Geschwistern einen eigenen Haushalt führen müssen, sollen von den Selbsthilfegruppen in Sibanga profitieren.

Die 97 bisher gegründeten Gruppen bestehen aus je ca. 15 Mitgliedern und treffen sich einmal wöchentlich, um sich untereinander auszutauschen, Ideen zu sammeln und sich gegenseitig Mut zu machen. So entsteht ein Vertrauensverbund, in dem man gemeinsam Probleme bespricht und löst. Die Teilnehmerinnen erfahren Solidarität und werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Neben dem sozialen Aspekt des wöchentlichen Austausches geht es im SHG-Ansatz darum, den Frauen ein umfassendes Wissen zu den Themen Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Bildung, Kinderrechte uvm. zu vermitteln und sie darin entsprechend zu schulen, damit sie langfristig eigenständig für ihre Kinder und Familien sorgen können. Auch an der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitglieder wird aktiv gearbeitet. Abgesehen von der Vermittlung wirtschaftlicher Grundlagen und Grundkenntnissen im Bereich der Unternehmensgründung sparen die SHGs gemeinschaftlich Kleinstbeträge an, aus denen langsam aber sicher ein Kapitalstock entsteht. Dieser erlaubt dann die Vergabe von Minikrediten an die Gruppenmitglieder, um ihnen zum Beispiel die Gründung eines eigenen Geschäfts, einer Tierzucht oder den Kauf von Geräten und Werkzeugen für die tägliche Arbeit zu ermöglichen.

Heute gibt es durch unsere Arbeit bereits 30.000 Selbsthilfegruppen in 20 Ländern.

Mehr zu unserem Projekt in Sibanga „Uganda: Hilfe zur Selbsthilfe“
* Thomas Paul, Initiator der Kindernothilfe-Selbsthilfegruppen, Kindernothilfe Deutschland