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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

In der Coronakrise muss Kindeswohl eine Priorität sein

UNO Generalsekretär António Guterres hat offiziell dazu aufgerufen, weltweit den Schutz der Kinder zu gewährleisten, von denen er sagt, dass Millionen infolge der Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt sind.

In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)
In der aktuellen Coronakrise sind weltweit Millionen von Kindern unzähligen Bedrohungen ausgesetzt. (Jakob Studnar)

Während das Coronavirus ein signifikant geringeres Gesundheitsrisiko für Kinder birgt als für Erwachsene, können die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowohl der Krankheit als auch der Isolation für sie äußerst schädlich sein. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Kurzdossier „Die Auswirkungen von COVID-19 auf Kinder“ hervor, der die verschiedenen Bereiche beleuchtet, in denen Kinder in der aktuellen Situation stärker gefährdet sind als sonst: Gesundheit, Familienleben, Bildung, Zugang zu medizinischer Versorgung und Internet.

Dem Bericht zufolge wird derzeit der Alltag von etwa 60 Prozent aller Kinder weltweit von einem gewisses Maß an Isolation bestimmt, was ihre Mobilität und/oder ihren Zugang zur Gesellschaft einschränkt. Die ernstzunehmenden Gefahren entstehen überwiegend dadurch, dass die Mädchen und Buben nicht mehr zur Schule gehen können. Laut UNO sind in den 188 Ländern, die eine Ausgangssperre durchgesetzt haben, mehr als 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche in der einen oder anderen folgenden Weise betroffen:

+ Zugang zu Nahrungsmitteln
+ Zugang zu digitalen Lehrmitteln
+ häusliche Gewalt und/oder Konflikte
+ Cybermobbing und sexuelle Ausbeutung im Internet

Darüber hinaus hat sich das Risiko verschärft, dass Kinder mit Grunderkrankungen nicht mit notwendigen Medikamenten und geeigneten Pflegeprodukten versorgt werden können.

Ernährungsunsicherheit

Vor der Coronakrise haben viele Kinder auf der ganzen Welt ihre einzigen Mahlzeiten in den Bildungseinrichtungen erhalten. Der Bericht schätzt, dass jetzt mehr als 368 Millionen Kinder in etwa 143 Ländern ihre Nahrung auf alternative Weise suchen müssen.

Gewaltrisiko in der Familie

Die Belastung in Quarantänefamilien trifft häufig die Kinder in voller Härte. Nicht selten sind sie entweder selbst von familiärer Gewalt betroffen oder müssen diese zumindest mitansehen, da viele Opfer mit ihren Missbrauchern zu Hause festsitzen, so das UN-Dossier. Kinderrechtsvertreter weltweit haben bereits ebenfalls Alarm geschlagen und die Gefährdung des Kindeswohl durch unterschiedlichen gearteten Missbrauch offen kundgetan.

Soziale Zerrüttung und hoher Stress zuhause können tiefgreifende Auswirkungen auf Kinder haben, und Millionen von ihnen sind jetzt einem erhöhten Risiko von Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung ausgesetzt. Jene, die in Armut leben müssen, umso mehr.

Janti Soeripto, Save the Children

Digitaler Zugang

Da Kinder nicht in der Lage sind, physisch zur Schule zu gehen, müssen viele nun auf Online-Learning ausweichen, was verschiedene digitale Werkzeuge erfordert. Der ungleich verteilte Zugang zum Internet bedeutet jedoch, dass nicht jeder das gleiche Ausbildungsniveau erhalten kann. Nur 30 Prozent der einkommensschwachen Länder können ihre Schüler digital weiter unterrichten. Zudem kommen geschlechtsspezifische Benachteiligungen, da mehr Buben Zugang zu digitaler Technologie haben als Mädchen. Dadurch wird es für Mädchen grundsätzlich schwieriger, ihre Ausbildung auf diese Weise fortzusetzen und birgt das lanfristige Risiko, dass Mädchen die Schule abbrechen könnten. Auch die Häufigkeit von Teenagerschwangerschaften könnte dadurch steigen.

Gefahren online

Da viele Kinder nun (gezwungenermaßen) online sind, um einerseits ihrem Unterricht folgen zu können und andererseits mit Freunden in Verbindung zu bleiben, sind sie plötzlich dem grundsätzlichen Webrisiko ausgesetzt.

Nicht alle Kinder haben die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Ressourcen, um online sicher zu sein.

Dr. Howard Taylor, End Violence Against Children

Einem von UNICEF und verschiedenen Kinderrechtsorganisationen veröffentlichten Bericht zufolge verhalten sich Kinder unter Einschränkung ihrer sozialen Kontakte mit größerer Wahrscheinlichkeit unvorsichtiger und knüpfen gut- und leichtgläubiger „neue Kontakte". Folglich sind sie eher dem Risiko ausgesetzt, in die Fänge von Cyberkriminellen zu gelangen, im Internet gemobbt zu werden oder gar Inhalte wie sexuell eindeutige Fotos zu teilen, die später für Erpressungsmethoden verwendet werden.

In dieser alarmierenden Situation kommt Regierungen und Familienmitglieder eine entscheidende Rolle beim Schutz von Kindern zu. Der UNICEF-Bericht drängt darauf, dass Kindesschutzmaßnahmen und -services von staatlicher Seite sichergestellt werden und dass Technologieunternehmen ihre Produkte so ausgestalten, dass der Datenschutz von kindlichen Nutzern nicht verletzt wird. Besonders Social-Media-Anbieter haben eine „besondere Verantwortung für den Schutz der schutzbedürftigen Personen“ bei der Nutzung ihrer Dienste zu sorgen. Und schlussendlich sind Eltern ihrerseits aufgefordert, Antiviren- und Software-Updates auf den mobilen Geräten ihrer Kinder regelmäßig zu kontrollieren und auf dem aktuellsten Stand zu halten.