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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Keine Gedankenspielerei, sondern ein Handlungsauftrag: Kinder vor Ausbeutung schützen

Die Haut aufgeschürft und wund, der Kopf zu müde zum Lernen: Kinder aus armen Familien schuften schon im Volksschulalter täglich in den Sandgruben Sambias oder den Ziegeleien Perus. Aber nicht nur dort: Weltweit arbeiten rund 152 Millionen Kinder, 73 Millionen davon unter ausbeuterischen Bedingungen. Mit ihren Projekten in 31 Ländern sucht die Kindernothilfe nach Auswegen aus dem Elend.

Sambia: Kinderabeit in den Sandgruben ist brutale Realität (Foto: Christian Herrmanny)
Sambia: Kinderarbeit in den Sandgruben ist brutale Realität (Foto: Christian Herrmanny)

Eine kurze Gedankenreise

Bitte stellen Sie sich eine große Anzahl von Menschen vor – fast zehnmal so viele, wie Österreich Einwohner hat. Und stellen Sie sich vor, all diese Menschen müssen schwerste oder gesundheitsgefährdende Arbeit für einen Hungerlohn verrichten. Und dann stellen Sie sich bitte vor, bei diesen ausgebeuteten Menschen handelt es sich um Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Kein Gedankenspiel, sondern alltägliche Lebensrealität für Kinder in vielen Gegenden Südasiens, Afrikas und Lateinamerikas. 73.000.000 (in Worten: Dreiundsiebzig Millionen) von Ihnen schuften täglich in Minen oder Steinbrüchen, schleppen schwere Lasten Ziegelsteine, sind bei der Ernte in der Landwirtschaft ungeschützt giftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt.

Teufelskreis: Armut - Kinderarbeit - keine Ausbildung - Armut - ...

Weltweit sind es 73 Millionen Kinder und Jugendliche, denen so die Chance auf eine menschenwürdige Zukunft gestohlen wird. Für uns als Kindernothilfe Herausforderung und Motivation genug, um entschieden gegen ausbeuterische Kinderarbeit aufzutreten und uns gemeinsam mit unseren erfahrenen Partnerorganisationen vor Ort für diese Kinder und Jugendlichen einzusetzen. Denn rund 152 Millionen arbeitende Kinder, darunter 73 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen, sind 152 Millionen zu viel und kein einziger zu wenig, um nach Auswegen aus dem Elend zu suchen.

Für Kinder wie zum Beispiel den 12-jährigen Chance aus Sambia: Täglich schuftet der Bub in einer Sandgrube, lockert mit der Spitzhacke das Gestein, barfuß und in gekrümmter Haltung bei sengender Hitze. Für einen vollen Kübel Steine bekommt er ein paar Cent: „Wir machen nichts außer zu arbeiten“, seufzt er, mit Blick auf die anderen Kinder in der Grube. Es ist eine von vielen Gruben hier in Choma, unweit der spektakulären Victoriafälle im südlichen Sambia. Eine von vielen Arbeitsstätten, die vorwiegend Kinder beschäftigt, weil sie billiger sind als erwachsene Arbeitskräfte. Und weil sie weniger Forderungen stellen.

Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)
Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)

Szenenwechsel: Die neunjährige Margarita und ihre Freundin arbeiten schon seit Jahren in einer Ziegelei, auch hier in Peru ist Kinderarbeit keine Ausnahme. Sie fahren mit Scheibtruhen, schaufeln Sand, mischen und formen die feuchte Lehmmasse zu Steinen, befüllen und leeren die Brennöfen. Rissig und rau sind die Hände der Kinder, Rücken und Beine schmerzen, zu schwer ist die Arbeit für die kleinen Körper. Jedes zweite Kind ab sechs Jahren arbeitet in dieser Region, oft viele Stunden am Tag – obschon Kinderarbeit in Peru offiziell verboten ist.

Cajarmaca, Peru: Die Mädchen können endlich in die Schule gehen statt in der Ziegelei zu schuften (Foto: Graeme Kennedy / Zotter)
Cajamarca, Peru: Die Mädchen können endlich in die Schule gehen statt in der Ziegelei zu schuften (Foto: Graeme Kennedy / Zotter)

Auswege aus dem Elend

Es ist die Armut, die Kinder in schwere, ausbeuterische Arbeit zwingt. Das Einkommen der Kinder wird schlicht für das tägliche Überleben der Familien benötigt. Ein Teufelskreis. Denn für arbeitende Kinder ist der Schulbesuch kaum möglich, ohne Ausbildung aber bleibt wieder nur der Weg in ausbeuterische, schlecht bezahlte Tätigkeiten. Ausbeutung kann nicht allein durch Verbote wirksam bekämpft werden, es braucht vor allem Alternativen für die Betroffenen. Diese bietet die Kindernothilfe mit ihren Projekten: In eigenen Förderzentren erhalten die Kinderarbeiter medizinische und psychologische Betreuung, lernen Lesen, Schreiben und Rechnen und können versäumten Schulstoff nachholen.

Auch die Arbeit mit den Eltern ist wichtig: Mit Schulungen, Alphabetisierungskursen und Kleinkrediten für Unternehmensgründungen werden die Familien unterstützt – damit sie nicht mehr auf das Einkommen der Kinder angewiesen sind. Und: Sie müssen davon überzeugt werden, dass ihre Kinder ein Recht auf den Schulbesuch haben, dass nur eine gute Schulbildung das Leben ihrer Kinder nachhaltig verändern kann. So wie das von Margarita aus Peru oder das von Chance aus Sambia. Ihre Geschichten haben eine gute Wende genommen. Die beiden ehemaligen Kinderarbeiter gehen mittlerweile in die Schule, haben Ziegel und Spitzhacken gegen Schulbücher eingetauscht. „Ich bin zuversichtlich, dass ich die Schule sehr gut abschließen werde“, erzählt Chance stolz. Und Margarita erklärt fröhlich: „Ich bekomme sehr gute Noten, weil ich jetzt nicht mehr arbeiten muss.“

Der Schutz vor ausbeuterischer Kinderarbeit ist auch eines der wichtigsten Anliegen der UN-Konvention über die Rechte des Kindes, die heuer im November ihren 30. Jahrestag feiert. Die Kindernothilfe Österreich will weiterhin alles dafür tun, damit weltweit möglichst vielen, von ausbeuterischer Arbeit betroffenen Kindern geholfen wird. Und es sind Erfolgsgeschichten wie die von Chance und Margarita, die zeigen, dass unsere Arbeit Wirkung hat.