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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Kinder haben Rechte, und zwar ganz besondere: Die UN-Kinderrechte

Kinder sind Kinder, keine kleinen Erwachsenen. In diesem Sinn bedürfen sie besonderem Schutz, und verdienen besondere Aufmerksamkeit und Förderung. Dieser Bedeutung tragen seit 1989 die Vereinten Nationen (UN) mit einer eigenen Konvention Rechnung, in der in 54 Artikeln die universellen Kinderrechte festgeschriebenen sind. Bis zum heutigen Tag haben alle Staaten mit Ausnahme der USA die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert.

Kinder haben ganz besondere, eigene Rechte: Die UN-Kinderrechte

Kinder haben ganz besondere, eigene Rechte: Die UN-Kinderrechte

Die UN-Kinderrechte sind auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen abgestimmt und sichern jedem Menschen unter 18 Jahren („Kind“) grundlegende politische, soziale, ökonomische, kulturelle und bürgerliche Rechte zu. Sie sollen allen Mädchen und Buben ein kindgerechtes Aufwachsen und die Chance auf ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Ein weiter Weg zur Sicherung des Kindeswohls

Äthiopien: Immer noch müssen Kinder arbeiten, um die Familie finanziell zu entlasten (Quelle: Malte Pfau)

Äthiopien: Immer noch müssen Kinder arbeiten, um die Familie finanziell zu entlasten (Quelle: Malte Pfau)

Obwohl sich fast alle Staaten dieser Welt dazu verpflichtet haben, die UN-Kinderrechte in ihrem Land umzusetzen, ist es noch ein weiter Weg bis zu ihrer konsequenten Verwirklichung und Wahrung – vor allem in den ärmeren Regionen oder in solchen, in denen Krieg herrscht. Denn nach wie vor müssen Millionen von Mädchen und Buben so leben, als ob es dieses Menschenrechtsdokument nicht gäbe: eine Milliarde von ihnen lebt in Armut und hat nicht genug zu essen, geschweige denn Zugang zu ausreichend medizinischer Versorgung oder Bildung. Laut aktueller Zahlen der ILO (International Labour Organization 2016) gibt es zudem weltweit rund 152 Millionen Kinderarbeiter. Davon gehen etwa 73 Millionen gefährlichen und gesundheitsschädlichen Tätigkeiten nach oder sind in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen „gefangen“.  Über 200.000 Mädchen und Buben werden in Kriegen und Konflikten als Kindersoldaten eingesetzt.  Rund eine Million lebt auf der Straße und ist schutzlos Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch ausgeliefert. Diese Zahlen sind nur einige der erschreckendsten Fakten über Kinderrechtsverletzungen, die nicht nur – wie gerne angenommen – in den ärmsten Entwicklungsländern vorkommen, sondern teilweise auch hochentwickelten Industriestaaten. Hier sind es die scheinbar „kleinen Verstöße“, die im Verborgenen stattfinden, wie Mobbing, Abwertung, Vernachlässigung und häusliche Gewalt, die offensichtlich machen, dass Bedürfnisse von Mädchen und Buben nicht in einem erforderlichen Umfang berücksichtigt werden.

Das zeigt, dass die bloße Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention nicht ausreicht, um nötigen Schutz und die Förderung von Kindern unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion zu gewährleisten.

Vier Grundprinzipien – drei Rechtekategorien – 54 ausdrücklich angeführte Artikel zum Schutz von Kindern

Das Haus der Kinderrechte (Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ)

Das Haus der Kinderrechte (Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ)

Durch die UN-Kinderrechtskonvention werden jedem Kind ganz spezielle Rechte zugesprochen. Diese beruhen auf den vier Grundprinzipien Kindesentwicklung, Diskriminierungsverbot, Vorrang des Kindeswohls und Kinderbeteiligung. Demnach hat jedes Kind das nicht verhandelbare Recht auf Leben, Existenzsicherung und bestmögliche Entwicklung und keines darf benachteiligt werden. Zudem muss das Wohl des Kindes bei Entscheidungen, die es betreffen, im Vordergrund stehen. Auch soll es bei solchen Entscheidungen angemessen eingebunden werden und seine Meinung äußern können.

Die 54 Artikel der UN-Kinderrechtskonvention werden in drei übergeordneten Gruppen zusammengefasst: 1.Versorgungsrechte (Recht auf angemessenen Lebensstandard einschließlich der Rechte auf Nahrung und Unterkunft, Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung), 2. Schutzrechte (Verbot von Gewalt gegen Kinder, Schutz vor sexueller und kommerzieller Ausbeutung) sowie 3. Beteiligungsrechte (Recht auf eigene Meinung, Soziale Integration, Partizipation in allen Angelegenheiten, die Kinder betreffen).

 

Die 10 grundlegende Recht von Kindern im groben Überblick

Indien: Im Kindernothilfeprojekt dürfen Kinder Kinder sein und endlich lernen, spielen und kindgerecht aufwachsen. (Quelle: Jakob Studnar)

Indien: Im Kindernothilfeprojekt dürfen Kinder Kinder sein und endlich lernen, spielen und kindgerecht aufwachsen. (Quelle: Jakob Studnar)

Das Recht auf Gleichheit: Alle Kinder sind gleich. Niemand darf auf Grund seiner Hautfarbe, seines Geschlechts oder Religion benachteiligt werden (Art. 2).

Das Recht auf Gesundheit: Jedes Kind hat das Recht, die Hilfe und Versorgung zu erhalten, die es braucht, wenn es krank ist (Art. 24).

Das Recht auf Bildung: Jedes Kind hat das Recht zur Schule zu gehen und zu lernen, was wichtig ist – zum Beispiel die Achtung vor den Menschenrechten und anderen Kulturen. Es ist wichtig, dass Kinder in der Schule ihre Fähigkeiten entwickeln können und dass sie dazu ermutigt werden (Art. 28).

Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung: Jedes Kind hat das Recht zu spielen und in einer gesunden Umgebung aufzuwachsen und zu leben (Art. 31).

Das Recht sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln: Jedes Kind hat das Recht, seine Gedanken frei zu äußern. Die Meinung der Kinder soll bei allen Dingen, die sie direkt betreffen, beachtet werden. Alle Kinder haben das Recht auf Information und Wissen über ihre Rechte. Jedes Kind hat das Recht, Informationen aus der ganzen Welt über Radio und TV, durch Zeitungen und Bücher zu bekommen und Informationen auch an andere weiterzugeben (Art. 14/15/17).

Das Recht auf gewaltfreie Erziehung: Jedes Kind hat das Recht auf eine Erziehung ohne Anwendung von Gewalt (Art. 19).

Das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung: Kein Kind soll schlecht behandelt, ausgebeutet oder vernachlässigt werden. Kein Kind soll zu schädlicher Arbeit gezwungen werden (Art. 34-36).

Das Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht: Ein Kind, das aus seinem Land flüchten musste, hat dieselben Rechte wie alle Kinder in dem neuen Land. Wenn ein Kind ohne seine Eltern oder seiner Familie kommt, hat es das Recht auf besonderen Schutz und Unterstützung. Wenn es möglich ist, soll es mit seiner Familie wieder zusammengebracht werden (Art. 38).

Das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause: Jedes Kind hat das Recht, mit seiner Mutter und seinem Vater zu leben, auch wenn diese nicht zusammenwohnen. Eltern haben das Recht, Unterstützung und Entlastung zu bekommen (Art. 5/9-10/18).

Das Recht auf Betreuung bei Behinderung: Jedes Kind hat das Recht auf ein gutes Leben. Ein Kind mit Beeinträchtigung hat das Recht auf zusätzliche Unterstützung und Hilfe (Art. 23).

 

Chile: Die Kindernothilfe setzt sich aktiv für die Einhaltung der Kinderrechte ein. (Quelle: Katrin Weisemann)

Chile: Die Kindernothilfe setzt sich aktiv für die Einhaltung der Kinderrechte ein. (Quelle: Katrin Weidemann)

Abseits der theoretischen Akzeptanz des UNO-Vertragswerks ist es auch 30 Jahre nach seiner Unterzeichnung weiterhin notwendig, der Öffentlichkeit, den Erwachsenen und allen Bezugspersonen die grundlegenden Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen immer wieder deutlich zu machen. Was brauchen sie, um sich gut entwickeln zu können – geschweige denn, um zu überleben.

Eine umfassende Sensibilisierung der Menschen überall auf der Welt für die Bedeutung und Wichtigkeit der Kinderrechte und der UN-Kinderrechtskonvention ist dringend geboten. Denn nur wer diese kennt, kann sich für ihre Umsetzung, Einhaltung und Förderung einsetzen. Das gilt sowohl für Erwachsene als auch Kinder selbst.