Spendenshop Suche
Jetzt spenden Pate werden

KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

20. November 2019

Kindertraum? Kinderrecht!

Was braucht ein Kind, um ein gutes Leben führen zu können? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort. Nämlich gewaltfreie Erziehung, Bildung, Freizeit und alles, was es schützt, stärkt und beteiligt. Und noch eine weitere: jemanden, der darauf schaut, dass dieses Recht gewahrt wird, immer und überall.

Kinder haben ganz besondere Rechte (Foto: Malte Pfau)
Kinder haben ganz besondere Rechte (Foto: Malte Pfau)

Vor 30 Jahren bewertete man das "Wohl des Kindes" und seine besonderen Bedürfnisse weltweit sehr unterschiedlich. Die große Armut in Südindien rechtfertigte Kinderarbeit und Kinderehen waren sozial akzeptiert. In den gewaltgeprägten Slums in Bolivien wurden Kinder als schwächstes Glied der Gesellschaft auf keine besondere Weise vom Staat geschützt. In Malawi galten körperlich und geistig beeinträchtigte Söhne und Töchter als Schande und mussten von ihrer Umwelt abgeschottet werden. Währenddessen verfolgte man in der westlichen Welt eine eher antiautoritäre und Kind fokussierte Haltung, die Chancengleichheit für Mädchen und Buben zu verwirklichen suchte.

Die UN-Kinderrechte sind kein Traum

Am 20. November 1989 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention – und legte damit fest, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, sondern Menschen, die besonderen Schutz, besondere Förderung und besondere Beteiligung brauchen. In diesem Sinne sind sie alle gleich - unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, etc. - und haben alle den gleichen Anspruch auf die Wahrung ihrer ganz besonderen Rechte.

Kinder haben ganz besondere Bedürfnisse. (Foto: Kindernothile)
Kinder haben ganz besondere Bedürfnisse. (Foto: Kindernothile)

Das von allen Ländern – mit Ausnahme der USA – unterzeichnete Menschrechtsabkommen trat am 4. September 1990 in Kraft und formuliert die Kinderrechte verbindlich in 54 Artikel. Österreich ratifizierte sie am 26. Jänner 1990 und verpflichtet sich dadurch, die Rechte der Mädchen und Buben national umzusetzen. Seitdem wurde dieser starke völkerrechtliche Rahmen zur weltweiten Verbesserung der Lebenssituation von Kindern durch Zusatzprotokolle ergänzt und gefestigt, wie im Bereich des Schutzes von Kindern in bewaffneten Konflikten, Prostitution und Pornographie. Zuletzt im November 2011 durch das dritte Fakultativprotokoll über das Individualbeschwerdeverfahren für Kinder, das eine einzigartige Möglichkeit zur Thematisierung und verbesserten Durchsetzung der Kinderrechte bietet. Österreich zählte 2012 zu den Erstunterzeichnenden, seither ist seine Ratifikation aber weiterhin ausständig.

Für viele ist ein Traum in Erfüllung gegangen

In den letzten 30 Jahren hat sich einiges getan. In unterschiedlichsten Teilen der Welt konnten kleinere und größere Veränderungen erzielt werden, um Kindern und Jugendlichen tatsächlich zu den ihnen zustehenden Rechten zu verhelfen. So haben die Mädchen und Buben heute bessere Lebens- und Entwicklungschancen als jede Generation zuvor.

Kinder brauchen besondere Fürsorge. (Foto: Manfred Fesl)
Kinder brauchen besondere Fürsorge. (Foto: Manfred Fesl)

Seit der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention wurden in vielen Ländern die nötigen staatlichen Rechtsgrundlagen geschaffen beziehungsweise verbessert, die ein gesundes und sicheres Aufwachsen sowie eine kindgerechte Entwicklung ermöglichen (sollen). So konnte das Risiko, vor dem fünften Lebensjahr zu sterben, weltweit halbiert, das Risiko, als Kind an einem gewaltsamen Tod zu sterben, um 20% gesenkt und das Risiko, statt lernen arbeiten zu müssen, um 70% verringert werden. 92% aller Kinder haben Zugang zu Grundbildung (2018) – damit kann trotz zunehmender Weltbevölkerung die historisch größte Anzahl von Kindern eingeschult werden. Die Bildungsausgaben pro Kopf haben sich in 30 Jahren um 20% erhöht. Erfolgreiche Armutsbekämpfung für Kinder wird durch den Rückgang der Anzahl arbeitender Kinder um 1/3 seit 1990 durch Schutzgesetze und bessere Lebensperspektiven der Familien deutlich.

Außerdem wurde Mädchen und Buben vielerorts der Zugang zum
Justizsystem ermöglicht sowie den Kinderrechten allgemein ein größeres
Augenmerk auf politischer Ebene eingeräumt. Auch konnte eine weltweite
Bewusstseinssteigerung erreicht werden, was sich unter anderem an zusätzlichen
Ausgaben für die Entwicklungschancen von Kindern in staatlichen Haushalten
messen lässt.

Damit Kinderrechte kein Traum bleiben

Bis zur konsequenten Verwirklichung und Wahrung der Kinderrechte ist es aber noch ein weiter Weg: Immer noch leben eine Milliarde Mädchen und Buben in Armut. Mehr als 171 Millionen werden ausgebeutet, über 200.000 in Kriegen und Konflikten eingesetzt.

Und obwohl die Meinung von Kindern und Jugendlichen bei
gesellschaftspolitischen Entscheidungen etwas mehr berücksichtigt wird, ist
gerade die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eine der größten
Herausforderungen. Bis alle Kinder sich überhaupt über ihre Rechte informieren
können und zu allem, was sie betrifft, miteinbezogen werden, ist noch ein
weiter Weg.

Kinder beteiligen: Kinder malen ihre Wünsche auf das neue Gebäude. (Foto: Fabian Strauch)
Kinder beteiligen: Kinder malen ihre Wünsche auf das neue Gebäude. (Foto: Fabian Strauch)

Anlässlich des heurigen Jubiläums der Kinderrechte hat die Kindernothilfe eine weltweite Studie zu "30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention" durchgeführt. Das Ergebnis: Kinder müssen stärker beteiligt werden – Kinderrechte und Schutz vor Gewalt sind die wichtigsten Themen.

Studie der Kindernothilfe zu 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention