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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

27. Februar 2021

Lasst uns mitreden – Kinderarbeit in den Fokus rücken

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es weltweit 152 Millionen arbeitende Kinder zwischen 5 und 17 Jahren. Fast die Hälfte davon – 73 Millionen – schuften unter ausbeuterischen Bedingungen. Oft gehen sie gefährlichen und unzumutbaren Tätigkeiten nach, etwa in Minen, in Steinbrüchen oder auf Tabakplantagen. Die Vereinten Nationen haben daher 2021 zum Jahr der Abschaffung der Kinderarbeit ausgerufen. Das ist gut! Noch besser ist es, wenn die betroffenen Kinder und Jugendlichen mitreden dürfen. Die Kampagnen „Time to Talk“ und „Dialogue Works“ stellen deshalb Partizipation in den Mittelpunkt.

Rund 73 Millionen Kinder müssen unter ausbeuterischen Bedingungen schuften.
Rund 73 Millionen Kinder müssen unter ausbeuterischen Bedingungen schuften.

Kinder und Jugendliche sollen bei allen gesellschaftlichen und politischen Themen, die sie betreffen, Mitspracherecht haben. Das sagt Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention. Tatsache jedoch ist, dass gerade besonders gefährdete Gruppen – etwa arbeitende Kinder und Jugendliche – dieses Recht oft nicht in Anspruch nehmen können. Schon 2016 startete deshalb die Kindernothilfe gemeinsam mit der deutschen Sektion von „terre des hommes“ die internationale Kampagne It´s Time to Talk! – Children’s Views on Children’s Work“, die 26 lokale Kinderkomitees in 19 Ländern bei ihren Aktivitäten und Veranstaltungen zur Verwirklichung ihrer Rechte unterstützt.

Bei der Befragung der Kinder und Jugendlichen kamen verschiedene Methoden zum Einsatz, zum Beispiel das Body Mapping.
Bei der Befragung der Kinder und Jugendlichen kamen verschiedene Methoden zum Einsatz, zum Beispiel das Body Mapping.

Vier Jahre lang diskutierten Kinder und Jugendliche über Bedingungen, Probleme und Perspektiven von Kinderarbeit. Mit gemeinsam entwickelten Empfehlungen für politische Programme und Strategien wandten sie sich an Entscheidungstragende und klärten die Öffentlichkeit über die ihnen zustehenden Rechte auf. Die im Juli 2020 beendete Kampagne markiert mit ihrem innovativen Ansatz einen großen Schritt auf dem Weg zur Stärkung des Rechts auf Teilhabe.

Positive Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen

Aber nicht nur auf der politischen Ebene konnte die Kampagne „Time to Talk“ wichtige Ziele erreichen. Auch im Leben der einzelnen Komitee-Mitglieder hat sich vieles verändert. Eine globale Evaluation des Projekts wies eindeutig nach, dass sich die Möglichkeiten sinnvoller Partizipation positiv auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken. Auch vermittelte die Teilnahme an den Kinderkomitee-Treffen den Beteiligten fundiertes Wissen über Rechte wie Kinderschutz oder Bildung.

Damit konnte einmal mehr verdeutlicht werden, dass Partizipation grundlegend ist. Sie öffnet Kindern und Jugendlichen die Augen dafür, wie sie sich wirksam für ihre Interessen einsetzen und welche politischen und demokratischen Prozesse sie nutzen können. Aktive Beteiligung stärkt außerdem das Selbstbewusstsein und den Mut, Themen anzusprechen und Forderungen zu stellen, die Kinder und Jugendlichen selbst wichtig sind. Kommunikationsfähigkeiten werden gefördert, um sich gegenüber anderen, auch Erwachsenen, auszudrücken und für eigene Bedürfnisse einzustehen. Nicht zuletzt unterstützt Teilhabe die Fähigkeit, sich der eigenen Situation bewusst zu werden und für die Zukunft und spätere Herausforderungen gewappnet zu sein.

AdvocacyAktion eines bolivianischen Kinderkommittees: eine Demonstration für mehr Schutz vor Gewalt
AdvocacyAktion eines bolivianischen Kinderkommittees: eine Demonstration für mehr Schutz vor Gewalt

Dialogue Works – die Beteiligung arbeitender Kinder nachhaltig stärken

Im Oktober 2020 startete quasi als Nachgfolge die internationale Kampagne Dialogue Works/Dialog wirkt – Die Beteiligung arbeitender Kinder nachhaltig in gesellschaftlichen und politischen Prozessen verankern. Die Kampagne basiert auf den Ergebnissen und Empfehlungen des Vorgängerprojekts „Time to Talk“ und knüpft an die Erfolge und Lernerfahrungen an. Überdies ist sie eine Reaktion auf die COVID-19-Pandemie, die Kinderarbeit und ausbeuterische Verhältnisse zusätzlich begünstigt.

Mit der neuen Kampagne werden weltweit rund 30 Kinderkomitees gestärkt, deren Mitglieder ihre Erfahrungen mit Kinderarbeit in der Gruppe teilen und dadurch voneinander lernen. Indem sie ihre Rechte und Bedürfnisse gegenüber Politik und Gesellschaft einfordern, entsteht ein globaler Austausch zwischen arbeitenden Kindern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und politischen Entscheidungstragenden. Erst dieser Austausch ermöglicht politische Maßnahmen und Eingriffe, die nachhaltig zur Verbesserung der Lebensumstände arbeitender Kinder beitragen.